Johannes ZegriJOHANNES NEPOMUK ZEGRÍ Y MORENO

(1831 – 1905)

PRIESTER UND GRÜNDER
DER MERCEDARIERINNEN VON DER NÄCHSTENLIEBE

Seligsprechung: 9. November 2003
Fest: 17. März

JOHANNES NEPOMUK ZEGRÍ Y MORENO wurde am 11. Oktober 1831 als Sohn von Antonio Zegrí Martín und Josefa Moreno Escudero in Granada, Spanien, geboren und am darauffolgenden Tag auf den Namen Johannes Nepomuk getauft. Der Vater entstammte altem arabischen Adel und war Dozent für Medizin in Granada. Johannes Nepomuk erhielt von seinen Eltern eine gediegene religiöse und kulturelle Erziehung. Vermutlich ging er 1842, im Alter von elf Jahren, das erste Mal zur heiligen Kommunion und empfing 1848 das Sakrament der Firmung.

Johannes Nepomuk war ein aufgeweckter Junge, besonders angetan hatten es ihm die Wissenschaften. Er ging humanistischen und rechtswissenschaftlichen Studien nach, wobei er durch Intelligenz und vor allem durch seine große Menschlichkeit und ein ausgeprägtes christliches Leben hervorstach. Besonders verbunden war er dem Gebet und der Nächstenliebe zu den Armen. Sein Traum war es,  in das Kolleg vom Heiligen Berg einzutreten, um Theologie zu studieren und Priester zu werden. Mit Ausdauer und voll Vertrauen wandte er sich diesbezüglich an die Mutter der Gnaden, die ihm seinen Wunsch erfüllte. Am 30. September 1850 begann er am Seminar San Dionisio mit der Priesterausbildung. Am 2. Juni 1855 wurde er im Alter von 23 Jahren in der Kathedrale von Granada zum Priester geweiht.

Nach der Priesterweihe arbeitete er in den Pfarreien Huétor Santillán (1859) und dann in San Gabriele di Loja (1865); 1866 wurde er Erzpriester des gesamten Territoriums von Loja. In beiden Pfarreien wirkte Zegrí y Moreno als Seelsorger nach dem Beispiel des Guten Hirten, der das Leben für seine Schafe hingibt. Als er von einer dieser Pfarren Besitz nahm, brachte er zum Ausdruck, was er für die anderen sein wollte, seitdem der Ruf an ihn ergangen war: Als guter Hirte wollte er den verlorenen Schafen nachgehen; als Arzt die mit Sünde beladenen Herzen heilen und über alle Hoffnung ausgießen; als Vater für all jene die sichtbare Vorsehung sein, die sich in der Verlassenheit unter Seufzern mit dem Brot der Trübsal labten. Sein priesterliches Leben war von einer tiefen Gotteserfahrung gekennzeichnet; von einer tiefen Liebe zu Jesus Christus dem Erlöser, dem er nacheiferte, indem er den Gehorsam bis zum Leid erlernte; von einer großen Liebe zu Maria, seiner Mutter und Beschützerin ohnegleichen; von einem intensiven Gebetsleben, der Quelle der Nächstenliebe; von einer großen Leidenschaft für das Reich seiner Armen und einer intensiven Liebe zur Kirche, indem er die Einheit mit ihr lebte, trotz der Dunkelheit des Glaubens und der Leiden, die aus dem Schoß der Kirche zu ihm drangen.
Als brillanter Prediger und voll des apostolischen Eifers wurde Zegrí y Moreno in Granada durch seine Ansprachen bekannt, wofür er 1866 von Isabella II. mit dem Titel „Prediger Ihrer Majestät“ ausgezeichnet wurde. In der Tat sagte er nichts, was er nicht auch betete, und er verkündete, was im Zentrum seines Herzens stand, entzündet von der Liebe Gottes.

1869 lud ihn sein Freund Esteban José Pérez ein, ihm als „provisorischer“ Generalvikar der Diözese Malaga zur Seite zu stehen, zu deren Bischof er ernannt worden war, und bald darauf machte er ihn zum Direktor und Administrator des Hauses der Barmherzigkeit des hl. Karl und der hl. M. Magdalena von Malaga. Im Dezennium 1869 –1879 erfüllte Zegrí y Moreno noch andere bedeutende Aufgaben. 1872 wurde er zum Vizerektor des Konzilsseminars und zum Professor ernannt, 1873 zum Kanoniker und Delegierten für die Ordensleute, 1875 zum delegierten pastoralen Visitator für einige Pfarreien der Diözese und 1876 zum Prosynodalrichter. Zudem war er Ausbildner der Seminaristen, Prediger Ihrer Majestät, der Königin Isabella II., und königlicher Kaplan.
In dieser Zeit entdeckte er im Blick auf die sozialen Probleme und die Bedürfnisse der Ärmsten seine eigene Johanes ZegriBerufung der Liebe zu den Armen, die sich in seinem spirituellen Leben so weit entfaltete, dass ihn Ehrentitel nicht mehr interessierten. Als Visitator der Ordensschwestern und Direktor des Hauses der Barmherzigkeit hatte er Gelegenheit, das moralische Elend und die Armut vieler Menschen kennenzulernen. Um diesen Missständen nicht nur in Malaga, sondern auch in anderen Städten abzuhelfen, gründete er am 16. März 1878 die Kongregation der Mercedarierinnen von der Nächstenliebe, um die Männer und Frauen aus ihrer Sklaverei zu befreien, indem sie alle nur erdenklichen Werke spiritueller wie materieller Barmherzigkeit an den Armen vollbrachten. Er verlangte von den Schwestern, dass alles, was sie taten, zum Wohle der Menschheit geschehe, in Gott, für Gott und zu Gott hin. Die Kongregation verbreitete sich innerhalb weniger Jahre in vielen spanischen Diözesen unter dem Anspruch der Dynamik ihrer charismatischen Inspiration: alle Wunden heilen, allem Übel Abhilfe schaffen, alle Schmerzen lindern, alle Not beseitigen, alle Tränen trocknen, wenn möglich, niemanden auf der Welt allein, betrübt, hilflos, ohne religiöse Bildung und ohne Hilfe lassen.

Entflammt von der Liebe Gottes gelangte Zegrí zur Erkenntnis, dass die Nächstenliebe die einzige Antwort auf die sozialen Probleme ist und dass diese nicht aufhören wird, solange auch nur ein Schmerz zu heilen, ein Unglück zu bewältigen, eine einzige Hoffnung in verwundete Herzen zu senken ist, solange es ferne Gegenden zu evangelisieren, Schweiß abzusondern und Blut zu vergießen gibt, um die Seelen zu befruchten und die Wahrheit auf Erden zu bringen.

Von Beginn der Gründung an waren die Heiligung der Schwestern und die Verbreitung des Werkes seine einzigen Sorgen. Die Kongregation, die er unter den Schutz der „Gnadenmutter“ stellte, wurde vom Bischof von Malaga approbiert. Wie bei allen Gründungen kam es anfangs zu einer großen Krise, die aber rasch überwunden war. Unter Leitung des Gründers verbreitete sich die neu entstandene Kongregation innerhalb von zehn Jahren in dreizehn Provinzen Spaniens, wo 65 Werke der Nächstenliebe gegründet wurden, getragen von 250 Schwestern.

 

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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 6