Aloisius VariaraALOISIUS VARIARA

(1875 – 1923)

PROFESSPRIESTER
DER KONGREGATION DER SALESIANER DON BOSCOS
UND GRÜNDER
DES INSTITUTS DER TÖCHTER DER HLGST. HERZEN JESU UND MARIENS

Seligsprechung: 14. April 2002
Fesest: 1. Februar

ALOISIUS VARIARA wurde am 15. Januar 1875 als erstes Kind aus zweiter Ehe des Pietro Variara und der Livia Busso in Viarigi (Asti), Italien, geboren. Da sein Leben bei der Geburt in Gefahr war, wurde er von der Hebamme notgetauft. Nachdem die Gefahr vorüber war, wurde er zwei Tage später in die Pfarrkirche gebracht und der Taufritus dort nachgeholt. Aloisius hatte fünf Geschwister, von denen zwei der ersten und drei der zweiten Ehe des Vaters entstammten. Dieser war Volkschullehrer, Chorleiter und Vize-Sekretär der Gemeinde Viarigi. Die Mutter war Hausfrau und beaufsichtigte zusammen mit ihrem Mann die Schüler nach dem Unterricht. Aloisius wuchs im Schoß der Familie auf, wo er eine gediegene und tief christliche Erziehung erhielt. Er besuchte die örtliche Volksschule und wurde im Alter von zehn Jahren zu Ostern 1885 zur Erstkommunion zugelassen, nachdem er am 10. Juni 1884 das Sakrament der Firmung empfangen hatte.

1886 hatte Don Bosco im Dorf eine Volksmission gehalten. Ihm vertraute der Vater seinen Sohn nach Beendigung der Volksschule an; am 1. Oktober 1887 brachte er Aloisius nach Valdocco. Der Heilige starb vier Monate später, doch die Bekanntschaft mit ihm prägte Aloisius ein Leben lang. So beschreibt er selbst das Ereignis in seiner Erinnerung: „Es war Winter und wir befanden uns eines Nachmittags beim Spielen im großen Hof des Oratoriums, als man plötzlich von allen Seiten „Don Bosco, Don Bosco“ rufen hörte. Unvermittelt blickten wir alle in die Richtung, aus der unser guter Vater auftauchte, den man in seinem Wagen spazieren fahren wollte. Wir folgten ihm bis zu der Stelle, wo er das Gefährt besteigen musste; sofort sah man ihn von seiner geliebten Jungenschar umgeben. Ich suchte völlig außer Atem nach einem Platz, von wo aus ich ihn nach Herzenslust betrachten konnte, denn ich wollte ihn unbedingt kennenlernen. Ich näherte mich, soweit ich konnte, und in dem Augenblick, als man ihm auf den Wagen half, traf mich ein gütiger Blick und seine Augen ruhten interessiert auf mir. Ich weiß nicht, was ich in jenem Moment verspürte... es war etwas, das ich mit Worten nicht beschreiben kann! Es war einer der glücklichsten Tage für mich; ich war sicher, einen Heiligen kennengelernt zu haben und dass dieser Heilige in meiner Seele etwas gelesen hatte, das nur Gott und er wissen konnten.“
Von da an kreisten die Gedanken von Aloisius um das Abenteuer Mission und er bat darum, Salesianer werden zu dürfen. Am 17. August 1891 trat er in das Noviziat ein und beschloss es am 2. Oktober 1892 mit den ewigen Gelübden in die Hände des ersten Nachfolgers Don Boscos, des Seligen Michael Rua, der ihm ins Ohr flüsterte: „Variara, non variare“ („Variara, bleib so, wie du bist!“). Er ging dann zu Studien der Philosophie in das Studentat der Salesianer von Valsalice-Turin, wo er dem ehrwürdigen Don Andreas Beltrami begegnete, der an Tuberkulose erkrankt war und im Sterben lag. Sein Vorbild inspirierte Variara später, als er den Kranken das Ideal der Heiligkeit näherbrachte. Hier traf er 1894 auch auf Don Unia, den berühmten Missionar, der erst vor kurzem die Arbeit bei den Leprakranken von Agua de Dios in Kolumbien aufgenommen hatte. „Wie groß waren mein Erstaunen und meine Freude“, erzählt Don Variara, „als er unter den 188 Kameraden, die dasselbe Ziel verfolgten wie ich, seinen Blick auf mich richtete und sagte: „Der da ist der meine.“

Variara brach daraufhin das Studium ab und reiste mit Don Unia nach Kolumbien, wo er am 6. August 1894 in Agua de Dios eintraf. Das Seuchenlazarett zählte damals 2000 Menschen, darunter 800 Leprakranke. Variara ging ganz in seiner Mission auf. Mit musikalischen Fähigkeiten bedacht, organisierte er eine Musikkapelle, die unvermittelt Leben in die „Stadt der Schmerzen“ brachte. Rasch erlernte er die spanische Sprache, studierte Theologie als Autodidakt und legte im erzbischöflichen Palais von Bogotà die Prüfungen ab. Am 24. April 1898 wurde er mit nur 23 Jahren zum Priester geweiht. Nach der Priesterweihe fungierte er als rechte Hand von Don Raffaele Crippa, dem Pfarrer und Leiter der salesianischen Kommunität des Seuchenlazaretts, und erwies sich schon bald als ein ausgezeichneter Spiritual. Er organisierte und leitete die Gemeinschaften der Schmerzensmutter, der Töchter Mariens und Josefs; förderte die Ehrengarde, die Neun Stundengebete zu Ehren des Heiligsten Herzens Jesu und führte unter den Buben und Mädchen den Gesang ein. Zudem predigte er bei jeder Gelegenheit. In den Spitälern pflegte er die Kranken, ganze Tage verbrachte er im Beichtstuhl und widmete sich jeder Form von priesterlicher Arbeit, in der Pfarrei genauso wie in den Familien.

Unter seinen Beichtkindern befanden sich auch Mitglieder der Gesellschaft der Töchter Mariens, einer Gruppe von ca. 200 Mädchen, von denen viele an Lepra litten. Der junge Priester stellte fest, dass nicht wenige von ihnen sich gern dem Herrn geweiht hätten. Doch das galt als ein nicht zu realisierender Traum, da keine Kongregation eine Leprakranke oder auch nur eine Tochter von Leprakranken aufgenommen hätte. Angesichts dieser Situation reifte in ihm der Gedanke, auch leprakranke junge Frauen zum gottgeweihten Leben Aloisius Variarazuzulassen. So berichtet ein Zeuge: „Um den kranken Kindern materiell und spirituell beistehen zu können, plante er von 1901 an den Bau eines Asyls, das er später dem Andenken an P. Unia widmete... Ich möchte betonen, dass die Errichtung des Heimes... unseren Pater immense Opfer kostete, weil damals gerade Bürgerkrieg herrschte. Sein Einsatz ging sogar so weit..., dass er sich selbst unter die Arbeiter mischte, um das Werk voranzutreiben“, das dann am 7. Mai 1905 mit 12 kranken Kindern eröffnet wurde.

Dieser 7. Mai 1905 war der Beginn der Kongregation der Töchter der Heiligsten Herzen Jesu und Mariens, die Mitglieder in verschiedenen Ländern hat.

Variara begeisterte sich zunehmend für seine Mission. Er schreibt: „Noch nie war ich so froh darüber, Salesianer zu sein, wie in diesem Jahr, und ich danke dem Herrn, dass er mich in dieses Seuchenlazarett geschickt hat, wo ich gelernt habe, mir nicht den Himmel stehlen zu lassen.“

 

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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 6