Maria SzymkowiakMARIA SANCTIA JOHANNA SZYMKOWIAK

(1910 – 1942)

PROFESSSCHWESTER DER KONGREGATION
DER TÖCHTER DER SCHMERZHAFTEN JUNGFRAU MARIA
(SERAPHISCHE SCHWESTERN)

Seligsprechung: 18. August 2002
Fest: 29. August

MARIA SANCTIA JOHANNA SZYMKOWIAK wurde am 10. Juli 1910 in Modzanów, Diözese Poznań, in Polen, damals unter preußischer Herrschaft, geboren. Sie war das jüngste Kind von Augustin Szymkowiak und Maria Duchalska, die noch vier Knaben das Leben geschenkt hatten, von denen einer Priester wurde. Bei der Taufe am 31. Juli erhielt sie den Namen Johanna Ludwiga. Die begüterte und tiefgläubige Familie vermittelte ihr eine gediegene Erziehung. Bereits von klein auf erwies sich Johanna als fröhlich, lebhaft und zielstrebig. Da Kinder im Umkreis fehlten, verbrachte sie die Zeit mit ihren Eltern und dem um zwei Jahre älteren Bruder, während die anderen auswärts studierten. 1916 musste sie mit sechs Jahren die Abreise des Vaters und eines Bruder in den Krieg miterleben. Im gleichen Jahr besuchte sie erstmals die Volksschule in Szklarka, eine deutschsprachige und protestantische Schule. Wegen Lehrermangel ging Johanna nur jeden zweiten Tag hin.
Nach Erlangung der Unabhängigkeit hatte fast jede polnische Region ein eigenes Schulsystem. In dem früher von den Preußen dominierten Gebiet gab es viele Sekundarschulen, Gymnasien und „Realschulen“ mit Vorbereitungsklassen, wodurch sich die Grundschulklassen erübrigten. Die Auflösung der Privatschulen 1871 und die Verbannung der polnischen Sprache aus dem Katechismusunterricht 1901 hatte zu einem Mangel an Handbüchern und polnischen Lehrern geführt. Nach drei Jahren deutscher Volksschule besuchte Johanna von 1919 an das Lyzeum und dann das humanistische Gymnasium in Ostrów Wielkopolski, wobei sie zunächst bei Verwandten und dann im neuen Haus der eigenen Familie wohnte. Da sie fleißig und sehr verantwortungsbewusst war, gehörte sie in der Schule zu den Besten. In dieser Zeit nahm Johanna aktiv an der Marianischen Kongregation teil und zeigte eine tiefe Verehrung für das Heiligste Herz Jesu, die Eucharistie und die Jungfrau Maria.
Nach Ablegen der klassischen Reifeprüfung überzeugte sie 1928 die Eltern, die mit ihr über die Heirat reden wollten, sie weiter studieren zu lassen. Und so schrieb sich Johanna 1929 in die Juridische Fakultät ein und wechselte dann in das Fach Fremdsprachen und Literatur an der Universität von Poznań, um romanische Philologie zu studieren. Sie beteiligte sich intensiv am akademischen Leben, lernte zudem Klavier und zeigte Talent im Malen. Auch hier nahm sie aktiv an der Marianischen Kongregation teil, wobei sie ein diskretes und effizientes Apostolat pflegte und den Jugendlichen Lebensfreude vermittelte. Sie war allen gegenüber sehr aufmerksam,  hatte aber eine besondere Sensibilität für die Schwachen und Leidenden und widmete sich im ärmsten Viertel der Stadt eifrig karitativen Werken. Jeden Tag begann sie mit der hl. Messe. Aufgrund ihrer Religiosität reifte bei ihr der Vorsatz, heilig zu werden und entsprechend zu leben.
Im Sommer 1934 reiste Johanna nach Frankreich und entschloss sich während einer Wallfahrt nach Lourdes zum Ordensleben, wobei sie sich der Unbefleckten Empfängnis anvertraute. Im darauffolgenden Oktober trat Johanna in die Kongregation der Schwestern Oblatinnen des Heiligsten Herzens Jesu in Montluçon ein. Sie war sehr glücklich über ihre Wahl und schwärmte bei ihrer Familie von der  Schönheit des Instituts. Ihre Angehörigen konnten sich damit jedoch nicht abfinden. Vor allem ihr Bruder, der Richter war, forderte in einem Brief an die Schwestern Oblatinnen kategorisch die Rückkehr seiner Schwester, wobei er sogar mit der Einschaltung der Polnischen Botschaft in Frankreich drohte. Daraufhin schickten die Oberinnen Johanna am 1. August 1935 nach Polen und ließen ihr dann die Nachricht zukommen, dass sie aufgrund ihrer angeschlagenen Gesundheit nicht zum Noviziat zugelassen wurde. Johanna aber hielt an ihrem Vorhaben fest und trat 1936 nach Überwindung verschiedener Schwierigkeiten bei den Töchtern der Schmerzhaften Jungfrau Maria in Poznań ein, besser bekannt als „Seraphische Schwestern“. Dieses Institut, 1881 vom sel. Kapuziner Honoratus Wacław Kożmiński und der Dienerin Gottes Margarita Lucia Szewczyk gegründet, kümmerte sich um Waisenkinder, Arme und Kranke. Von den Schwestern selbst wurde ein sehr einfacher und bescheidener Lebensstil verlangt, der im Wesentlichen aus Gebet und Buße bestand.
Am 2. Juli 1936 begann Johanna das Postulat im Provinzialatshaus in Poznań, wo sie von Anfang an durch ihren Eifer in der Observanz der religiösen Vorschriften auffiel. Da sie vom kulturellen Standpunkt aus gesehen die Gebildetste war, setzte sie alles daran, dies zu verschleiern. Nach Beendigung des Probejahres begann sie am 29. Juli 1937 das Noviziat und nahm dabei den Namen Maria Sanzia an. Während ihrer Noviziatszeit war sie ganz Gott ergeben. Für Ihn nahm sie jede Schwierigkeit auf sich. Wenn es sich um Seine Angelegenheiten handelte, ging sie keine Kompromisse ein. Wenn es notwendig war, konnte sie auch den Oberinnen die Wahrheit sagen. Nach Beendigung des Noviziats legte sie am 30. Juli 1938 in Poznań die erste Profess ab. Bald darauf wurde Sr. Sanzia zur Arbeit in das Asyl von Poznań-Naramovice geschickt. Das Umfeld war von großer Armut sowie moralischer und religiöser Vernachlässigung geprägt. Aus diesem Grund waren die Schwestern neben der Arbeit mit den Jüngsten mit dem „Päpstlichen Werk der heiligsten Kindheit Jesu“ und dem „Eucharistischen Kreuzzug“ für die Kinder im Schulalter befasst. Sie suchten auch die vernachlässigten und in Schwierigkeiten befindlichen Kinder auf, um sie auf die Erstkommunion vorzubereiten. Sr. Sanzia wurde eine Gruppe von 40 Kindern zwischen 4 und 6 Jahren zugeteilt. Im Gehorsam befolgte sie die Anweisungen, wenngleich ihr, vom Naturell her, der Umgang mit Erwachsenen leichter fiel. So lernte sie auch die Kleinen zu verstehen und zu stärken, was sie mit voller Hingabe tat.
Wenn Johanna jemandem mit Wort und Tat nicht helfen konnte, machte sie es mittels Gebet. Einer aus der Kongregation entlassenen Schwester versprach sie, für sie zu beten und dass sie nach drei Monaten wieder zum Institut zugelassen werde, was dann auch tatsächlich der Fall war. Ihr tiefer Glaube strahlte in die nächste Umgebung aus. Im Gegensatz dazu machte sie ihre strenge Lebensordnung bei den Schwestern nicht beliebt, obwohl sie ihr nichts vorzuwerfen hatten.

 

 

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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 6