Zdenka SchelingovaZDENKA CÄCILIA SCHELINGOVÁ

(1916 – 1955)

PROFESS-SCHWESTER DER
KONGREGATION DER BARMHERZIGEN SCHWESTERN VOM HL. KREUZ
mÄRTYRERIN

Seligsprechung: 14. September 2003
Fest: 31. Juli

ZDENKA CÄCILIA SCHELINGOVÁ wurde am 24. Dezember 1916 in Krivá in Orava in der Nordost-Slowakei, als vorletztes von elf Kindern der Eheleute Pavol Schelingovo und Zuzana Pániková geboren und am 27. Dezember 1916 auf den Namen Cäcilia getauft. Aus Schelingovos erster Ehe mit Helena Hajdúchová, die gestorben war, stammte sein Sohn Pavol. Cäcilias Eltern waren tiefgläubige Bauern, die ihren Kindern eine beispielhafte religiöse Erziehung angedeihen ließen, welche auf einem lebendigen Gebetsverständnis und gewissenhafter Arbeit aufgebaut war. Das Erziehungsprinzip basierte auf der Erfüllung der täglichen Pflichten, die in Feldarbeit, Versorgung des Viehs und den Arbeiten im Haus bestanden. In den Jahren 1922–1930 besuchte Cäcilia die Volksschule ihres Heimatdorfes. Sie war fleißig, gehorsam und immer bereit, anderen zu helfen. Daher war sie bei allen Mitschülern beliebt. Viele behielten ihr sonniges Lächeln und ihren freundlichen Gruß in steter Erinnerung.
1929 holte der Seelsorger des Ortes die Schwestern von Heiligen Kreuz in seine Pfarre. Cäcilia war von ihnen beeindruckt, sie bewunderte ihre Disziplin, die stets sauberen Gewänder und ihre Freundlichkeit. Gerade einmal 15 Jahre alt, begab sie sich mit ihrer Mutter nach Podunajské Biskupice, in das Mutterhaus der Kongregation, und ersuchte um Aufnahme als Kandidatin für das geweihte Leben. Ihre Eltern freuten sich darüber und die Geschwister waren sehr stolz auf sie. Die Einwohner von Krivá wussten es immer sehr zu schätzen, wenn junge Leute den Entschluss fassten, sich dem Herrn zu weihen. So wurden beispielsweise die Mädchen, die beschlossen hatten, ins Kloster zu gehen, vom ganzen Dorf zum Zug begleitet und nahezu von jedem persönlich verabschiedet. In Podunajské Biskupice besuchte Cäcilia zwei Jahre lang die Krankenschwesternschule und anschließend einen speziellen Ausbildungslehrgang für Radiologie. 1936 trat sie in das Noviziat ein und am 30. Januar 1937 legte sie als Schwester Zdenka (Simona) die erste Profess ab. Von Beginn ihrer Ordensausbildung an war sie vollkommen überzeugt, dass ihr Leben durch die Liebe Gottes geführt werde, wie sie in einer ihrer Meditationen schreibt: „Ich will den Willen Gottes erfüllen, ohne mich um mich selbst, meine Freuden und meine Ruhe zu kümmern... Ich verstehe jene nicht, die vor einem so lieben Freund Angst haben.“
Zdenkas erste Tätigkeit als Krankenschwester erfolgte im Spital von Humenné, einer Stadt an der Grenze zur Ukraine. Sie arbeitete mit Hingabe und Liebenswürdigkeit, sodass die Patienten am 29. August 1937 eine Widmung verfassten: „Unserer lieben und teuren Schwester Zdenièka (Koseform von Zdenka) mit dem goldenen Herzen, gewidmet von ihren dankbaren Patienten“. 1942 wurde Zdenka schließlich von der Direktion des öffentlichen Krankenhauses eingeladen, als Laborassistentin in der radiologischen Abteilung in Pressburg zu arbeiten, wo sie den Kranken mit beispielhaftem Großmut, Feinfühligkeit und Kompetenz begegnete. Für viele war sie „das Modell einer Schwester und professionellen Krankenpflegerin schlechthin“. Zdenka lebte stets in Einheit mit Gott, wie aus folgendem Gebet hervorgeht, das ihren „Spirituellen Notizen“ entnommen ist: „Liebster Erlöser, lass nicht zu, dass ich in der treuen Erfüllung der Pflichten meiner Berufung gleichgültig werde. Schau mich an, ich habe Dein Herz zu meiner Bleibe gewählt, damit es mir Stärkung im Kampf, Stütze in der Schwachheit, Licht und Weg in der Dunkelheit, Vergebung all meiner Fehler und Heiligung all meiner Intentionen und Arbeiten sei. Ich verbinde mein Handeln mit dem Deinen und schenke Dir alles, damit Du mich auch so stets auf den Empfang der heiligen Kommunion vorbereitest.“
Die Arbeit von Schwester Zdenka im Spital von Pressburg fiel mit dem Beginn des totalitären kommunistischen Regimes in der Slowakei zusammen, als die katholische Kirche in den Jahren 1948 bis 1953 ihrer Rechte beraubt wurde, die katholischen Vereine aufgelöst, die Rechtgläubigen verfolgt, Bischöfe und Priester verschleppt oder ins Gefängnis geworfen, die Ordensgemeinschaften aufgelöst und ihre Mitglieder zur Zwangsarbeit verdammt wurden. Die Diözese der orientalischen Kirche wurde aufgehoben. Schwester Zdenka beschloss daraufhin, die Rechte und die Freiheit der Kirche selbst auf Kosten großer Opfer zu verteidigen, wie in ihren „Spirituellen Notizen“ zu lesen ist:
„Gott gibt uns immer gerade soviel Mut, als wir erleiden, und wenn er uns das Leid schickt, fügt er auch die Gnade hinzu, es geduldig zu ertragen (...) Nichts wird mich ängstigen, nicht einmal der Wind, der dichte Wolken gebracht hat, denn es wird nur für einen Augenblick sein. Mein Vertrauen wächst gerade dann, weil ich weiß, dass hinter den Wolken meine geliebte Sonne ist.“
In der Tat, in jener Zeit einer allgemeinen Angst vor der Regierung, einer allmächtigen Polizei, den Übergriffen und nächtlichen Razzien, den Prozessen und Folterungen während der Verhöre, den Todesurteilen, den lebenslangen Haftstrafen und der Verhängung von Höchststrafen für Hochverrat und Spionage bedeutete die Hilfeleistung für einen Verfolgten, einen Misshandelten, einen vom Staatssicherheitsdienst Gesuchten die Unterzeichnung des eigenen Todesurteils. Genau das tat Schwester Zdenka. Im Spital, in dem sie arbeitete, wurden auch verschiedene Gefangene behandelt, darunter Priester. Zweimal verhalf sie einigen Priestern zur Flucht. Beim ersten Versuch ermöglichte sie im Februar 1952 die Flucht einem inhaftierten katholischen Priester, der sich aufgrund der im Verlauf von Verhören erlittenen Folterungen in Spitalsbehandlung befand. Nach der Flucht des Priesters verrichtete Schwester Zdenka vor dem Kreuz in der Spitalskapelle folgendes Gebet: „Jesus, ich biete Dir mein Leben für das seine. Rette ihn!“ Ein zweiter Versuch einige Tage später, sechs Personen, Priestern und Seminaristen, zur Flucht aus dem Gefängnis von Pressburg zu verhelfen, schlug hingegen fehl, da diese inzwischen anderswohin verlegt worden waren. In Wirklichkeit war die ganze Angelegenheit ein von der Polizei vorbereiteter Hinterhalt, um Schwester Zdenka verhaften zu lassen und herauszufinden, wo der zuvor geflüchtete Priester steckte. Am 29. Februar 1952, dem Tag, an dem die Flucht geplant war, wurde Schwester Zdenka gefangen genommen und bei den Verhören unsäglichen Torturen unterzogen, wie sie Helena Kordová-Wildová erzählte:
„Nur du erfährst von den Folterungen, die ich mit Seiner (des Herrn) Hilfe durchgestanden habe. Er war immer an meiner Seite, denn mein Leiden geschah um Seines Namens willen. Daher hat Er mir noch etwas Zeit in diesem Leben gegeben, damit ich mein Versprechen erfüllen kann... Das Versprechen, das ich vor dem Kreuz in der Kapelle [des staatlichen Krankenhauses von Pressburg, nachdem sie dem inhaftierten kranken Priester zur Flucht verholfen hatte] gemacht habe… Nachdem sie mich verhaftet hatten, begann mein Verhör mit Fußtritten. Dann haben sie mich samt meinen Kleidern in eine Wanne mit kaltem Wasser geworfen. Ich spürte einen furchtbaren Schmerz am Bauch: ein riesiger Fuß hat mich unter Wasser gedrückt. Als der Mann bemerkte, dass ich keine Luft mehr bekam, hat er mich hochgerissen, damit ich nicht ertrinke. Dann hat er mich erneut untergetaucht. Ich verlor das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf dem Betonboden und spürte starkes Fieber und Frösteln. Die Zeit stand für mich still. Plötzlich sprangen die Türen ruckartig auf und herein kamen zwei Männer, die mich an den Haaren in einen Nebenraum schleiften. Dort haben sie mich vollständig entkleidet, an den Händen gefesselt und an einer Rolle an die Decke hochgezogen. Drei weitere Männer traten ein und schrieen mich an, damit ich sagte, wer mir zur Flucht des Priesters aus dem Spital verholfen hatte. Ich sagte immer: ‚Niemand, niemand, niemand hat mir geholfen.‘ Sie begannen mit Knüppeln auf mich einzuschlagen. Ich wurde bewusstlos. Ich weiß nicht, wie viel Zeit inzwischen vergangen war. Ich fand mich, eingehüllt in ein nasses Leintuch, auf dem Zementboden wieder... Das Tuch war mit dem Blut meiner Wunden getränkt. Die Männer kamen wieder und hängten mich erneut an die Decke. Nach dem ersten Schlag mit einem Gummiknüppel verlor ich das Bewusstsein. Als ich zu mir kam, war ich wieder in das blutdurchtränkte Leintuch gewickelt. Ich wusste nicht, ob ich lebte oder tot war. Ich fühlte mich wie eine große offene Wunde. Sie kamen zu mir und schrieen mich an: ‚Rede endlich! Wer hat dir geholfen! Sag es, sonst bring ich dich um!‘ Halb im Dämmerzustand stammelte ich: ,Niemand, niemand hat mir geholfen.‘ Der eine schrie: ‚Ich bring dich um! Rede!‘ Ich antwortete: ‚Dazu bin ich hier. Bringt mich um!‘ Daraufhin schlugen sie meinen Kopf gegen eine Mauer. Als sie begriffen, dass ich meine Aussage nicht ändern würde, ließen sie mich in die Zelle gehen... Mir war klar, dass ich meine Zeit bereits geliehen hatte.“

 

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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 6