Carlos Rodiguez Santiago

CARLOS MANUEL CECILIO RODRÍGUEZ SANTIAGO

(1918 – 1963)

LAIE

Seligsprechung: 29. April 2001
Fest: 13. Juli

Carlos Manuel Cecilio Rodríguez Santiago wurde am 22. November 1918 in Caguas, Puerto Rico, als Sohn des Kaufmanns Manuel Baudilio Rodríguez und der Hausfrau Herminia Santiago, beide glaubenstreue Christen und aus einfachen kinderreichen Familien stammend, geboren. Bei der Taufe am 4. Mai 1919 erhielt er den Namen Carlos Manuel Cecilio. Er war das zweite von fünf Kindern. Zwei seiner Schwestern heirateten, eine andere wurde Karmelitin in Vedruna; sein einziger Bruder trat bei den Benediktinern ein und wurde der erste Abt von Puerto Rico.
 1924, als Carlos sechs Jahre alt war, zerstörte ein gewaltiger Brand sowohl das kleine Geschäft des Vaters als auch das Haus der Familie. Da sie dabei alles verloren, mussten sie in das Haus der Großeltern mütterlicherseits übersiedeln. Dort kam Carlos in engen Kontakt mit seiner Großmutter Alejandrina Esterás, die von denen, die sie kannten, als „heilige Frau“ bezeichnet wurde.

 Der Vater hielt trotz des Unglücks an seinem Glauben fest; er starb 1940 nach langer Krankheit. Nachdem sie ihr eigenes Heim verloren hatten, redete die Mutter sich und ihren Kinder einen geradezu unterwürfigen Respekt ein, der typisch ist für jemanden, der im Haus eines anderen wohnt. Dies führte zu dem zurückhaltenden und ängstlichen Naturell der Kinder. Die Mutter besaß aber auch die Tugend einer gelassenen, vom Glauben erhellten Freude, was ihrer Vertrautheit mit dem Herrn in der täglichen Eucharistie geschuldet war. Carlos bekam so im familiären Kreis schon bald die ersten Unterweisungen im Glauben und in christlicher Lebensführung. Mit sechs Jahren begann er seine schulische Laufbahn im Katholischen Seminar von Caguas, wo er bis zur dritten Mittelschulklasse blieb. Hier lernte er die Schwestern von Notre Dame kennen, mit denen ihn ein Leben lang eine besondere Freundschaft verband. Unter ihrem und der Redemptoristen Schutz erhielt er seine erste formelle humanistische und religiöse Erziehung. 1926 empfing er die Erstkommunion mit einer Innerlichkeit, die ihn zeitlebens auszeichnen sollte; er wurde Ministrant in seiner Pfarrkirche und verspürte vermutlich bereits damals die Berufung zur uneingeschränkten Weihe an Christus.

 Vom neunten Lebensjahr an hatte Carlos mit der Ruhr zu kämpfen, die sich in Folge einer großen Panikattacke im Angesicht eines Wolfshundes einstellte, der über ein einjähriges Kind herfiel. Carlos griff zur Verteidigung des Kindes in den Kampf ein und litt, abgesehen von einigen Blessuren, die er sich dabei zuzog, fortan ein Leben lang an der genannten Krankheit.

 1932 machte er als Bester der Klasse das Mittelschuldiplom und erhielt eine Auszeichnung in Religion. Er begann daraufhin mit den Studien an der höheren staatlichen Schule Gautier Benítez in Caguas. Während des zweiten Semesters stellte er erste Symptome einer Erkrankung fest, die auf eine Magendarmstörung hindeuteten. Das bescherte ihm für den Rest des Lebens einige Unannehmlichkeiten, wobei sich sein Zustand zunehmend verschlechterte. All das konnte jedoch sein Vertrauen in Christus und seine Kirche nicht erschüttern.
 Später nahm Rodríguez Kontakt mit den Schwestern von Notre Dame und den Redemptoristen auf, diesmal an der Akademie Perpetuo Soccorro im Gebiet von Miramar di San Juan, wo er das dritte Jahr der höheren Schule besuchte (1934 / 35); sein Gesundheitszustand hinderte ihn jedoch am Weiterstudium. Er kehrte daraufhin nach Caguas zurück, wo er eine Zeitlang arbeitete und schließlich 1939 die beiden Kurse in Wirtschaft und Wissenschaft an der Gautier Benítez abschloss.

 Nach Beendigung des Lyzeums arbeitete Rodríguez bis 1946 in verschiedenen Firmen als Sekretär. Dann entschloss er sich zum Doktoratsstudium an der Universität von Puerto Rico (UPR) in Río Piedras, konnte dieses jedoch aus Gesundheitsgründen nicht beenden; ebenso 1947, obwohl er alle Prüfungen mit ausgezeichnetem Erfolg bestanden hatte. Wieder machte ihm seine Gesundheit einen Strich durch die Rechnung, diesmal endgültig. Ganz aufgegeben hat er seine Pläne jedoch nie. Rodríguez war ein begeisterter Leser mit weitläufigen Interessen für Kunst, Wissenschaft, Philosophie, Religion und Musik. So nahm er auch Klavierunterricht, wenngleich nur für ein Jahr; doch bewog ihn sein Interesse dazu, sich selbst weiterzubilden, bis er nicht nur das Klavier beherrschte, sondern auch die Orgel in der Kirche spielte. Die Kirchenmusik hatte es ihm angetan. Seine zweite große Liebe war die Natur. Schon von Kindheit an pflegte er die Sommerferien auf dem Land zu verbringen. Als Erwachsener organisierte er dann gemeinsam mit seinen Geschwistern Tagesausflüge auf das Land – mit wenig Gepäck und einer bescheidenen Mahlzeit ausgestattet, jedoch von dem tiefen Wunsch beseelt, an der Schöpfung teilzuhaben.

 Um seinen Unterhalt zu bestreiten und seinen Interessen Genüge zu tun, arbeitete Rodríguez als Angestellter in Caguas, Gurabo und in der Agrarversuchsstation der Universität von Puerto Rico in Río Piedras, wo er zudem Dokumente übersetzte. Seinen bescheidenen Lohn investierte er fast vollständig in die Erweiterung seines Wissens und die Förderung seiner Liebe zu Christus, vor allem zur Heiligen Liturgie, indem er mit großem Eifer die liturgische Erneuerung der Kirche verfolgte. Aus diesem Grund arbeitete er unermüdlich an der Übersetzung von Beiträgen, die er zum genannten Thema las und in zwei kleinen mehrfach kopierten Broschüren, Liturgie und Christliche Kultur, veröffentlichte – eine Arbeit, der er unzählige Stunden widmete. Zunehmend davon überzeugt, dass die Liturgie das Leben der Kirche sei (durch das Gebet, die Verkündigung des Wortes Gottes, die Eucharistie und die Geheimnisse Christi bzw. die Sakramente), organisierte er zusammen mit P. McWilliams in Caguas einen „Liturgiekreis“ und gründete schließlich 1948 mit P. McGlone den Kirchenchor Te Deum Laudamus.

 In Río Piedras, wo seine Geschwister Pepe und Haydée an der Universität unterrichteten, verwirklichte Rodríguez seinen sehnlichen Wunsch, Christus unter den Professoren und Studenten des Studienzentrums bekannt zu machen. Aufgrund der wachsenden Zahl seiner „Schüler“ übersiedelte er mit diesen in das Katholische Universitätszentrum und rief dort einen weiteren liturgischen Kreis ins Leben, den er Christlicher Kulturzirkel nannte. Er widmete sich weiterhin der Publikation und initiierte und organisierte die berühmten „Tage des christlichen Lebens“ zusammen mit Universitätsangehörigen, denen er die liturgischen Zeiten verständlich zu machen suchte, damit sie daraus Gewinn schöpften. 1960 gab er seine eigene Arbeit auf, um sich ganz auf das Universitätszentrum und das Apostolat zu konzentrieren. Da er an der Universität sehr bekannt war, wurde er zu einem echten Apostel unter den jungen Menschen.

 Rodríguez nahm an vielen Zusammenkünften teil, wo er zu verschiedenen Themen referierte und als Promotor des liturgischen Lebens und der österlichen Bedeutung des Lebens und Sterbens in Christus auftrat. Er organisierte in mehreren Kleinstädten Reflexionsgruppen und trat der Bruderschaft der Christlichen Lehre bei. Ebenso beteiligte er sich an anderen katholischen Organisationen wie der Gesellschaft des Heiligen Namens und den Cavalieri di Colombo. Für die jungen Menschen an den höheren Schulen hielt er Katechesen, wobei er selbst das gesamte Material beisteuerte, das er unermüdlich vervielfältigte, um die begrenzten finanziellen Mittel seiner jungen Teilnehmer zu schonen. Mit großem Eifer verteidigte und förderte er unter Bischöfen, Klerus und Laien die liturgische Erneuerung der Kirche durch aktive Teilnahme der Gläubigen, den Gebrauch der Volkssprache und insbesondere die Feier der Osternacht, die Papst Pius XII. zur Freude von Rodríguez wieder eingeführt hatte. All das geschah vor dem II. Vatikanischen Konzil, weshalb man ihn als den präkonziliaren Apostel des nachfolgenden Heiligen Konzils bezeichnen kann.

 Groß ist die Zahl derer, die das harmonische Gedeihen des persönlichen Glaubens aufgrund der von Rodríguez erhaltenen Schulung und seiner beispielhaften Hingabe und Hilfsbereitschaft bezeugen. Viele weitere verdanken seinem glühenden Eifer für Christus den Anstoß zur Weckung ihrer religiösen Berufung. Jene, die ihn aufsuchten, um persönliche Zweifel zu klären oder eine Festigung im Glauben zu erhalten, wurden nie enttäuscht. Die schrittweise Bekanntschaft mit Rodríguez war wie das Herantasten an ein Licht, das die Perspektiven und den Sinn des Lebens zunehmend erhellte. Sein Gesicht und sein Lächeln spiegelten stets die wahre österliche Freude wider und seine fragile Gestalt war von einer starken spirituellen Kraft durchdrungen. Die feste Glaubensüberzeugung übertünchte seine natürliche Schüchternheit und so sprach er mit der Sicherheit von Petrus am Pfingsttag. Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit verdeckte all die Jahre hindurch kein Klagen die Freude, mit der er das Leben bewältigte, wobei er daran erinnerte, dass der Christ ganz einfach fröhlich sein muss, weil er die Freude und die Hoffnung lebt, die Christus uns mit dem Osterfest geschenkt hat.
 Seine physischen Kräfte nahmen ab, sein Geist aber beugte sich nie. Aufgrund der bei ihm diagnostizierten Erkrankung – Mastdarmkrebs – völlig aufgezehrt, erlebte er nach einer langen Operation im März 1963 die „dunkle Nacht des Glaubens“, wo er sich von Gott verlassen fühlte. Unmittelbar vor seinem Tod fand er bewegt das Wort wieder, das er verloren und das seinem Leben Sinn gegeben hatte. Sein Übergang zum ewigen Leben erfolgte am 13. Juli 1963 im Alter von 44 Jahren. „Der 13. ist ein guter Tag“, hatte er einmal gesagt, ohne dass man die Aussage damals verstand. Jetzt ist es klar. Da sich sein Ruf der Heiligkeit immer mehr verbreitete, ersuchte eine Gruppe von Laien des Katholischen Universitätszentrums von Puerto Rico um die Einleitung des Seligsprechungsverfahrens.

 Die sterblichen Überreste befinden sich auf dem Gemeindefriedhof von Caguas, Puerto Rico.
 Am 29. April 2001 wurde Carlos Manuel Cecilio Rodríguez von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

 

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 6