Valentinus PaquayVALENTINUS PAQUAY
(bürgerlich: LUDWIG)

(1828 – 1905)

PROFESSPRIESTER
DES ORDENS DER MINDERBRÜDER (FRANZISKANER)

Seligsprechung: 9. November 2003
Fest: 1. Januar

Valentinus Paquay (Ludwig) wurde am 17. November 1828 als fünftes von elf Kindern der sehr ehrbaren und tief religiösen Eheleute Heinrich Paquay und Anna Neven in Tongres in Belgien geboren und auf den Namen Ludwig getauft. Als Kind war er bei einer Predigt über die Barmherzigkeit Gottes tief gerührt, was dazu führte, dass er Priester wurde. Er versuchte fortan, dem Beispiel der Heiligen zu folgen und hatte stets das konkrete Zeugnis junger Heiliger, wie jenes Johannes Berchmans’ oder Alois Gonzagas, vor Augen.

Nach Beendigung der Volksschule trat er in Tongres in das Kolleg der Regularkanoniker des hl. Augustinus ein, um seine humanistischen Studien fortzusetzen. 1845 wurde er zu den Kursen Rhetorik und Philosophie am Kleinen Seminar von St-Trond zugelassen.

Nach dem verfrühten Tod des Vaters 1847 und nach Erhalt der Zustimmung der Mutter trat Paquay in den Orden der Franziskaner der belgischen Provinz ein und begann am 3. Oktober 1849 im Konvent von Thielt das Noviziat, wobei er den Namen Valentinus annahm. Am 4. Oktober des folgenden Jahres legte er die Ordensprofess ab und ging sofort darauf nach Beckheim, um den Theologiekurs zu besuchen, den er im Konvent von St-Trond beendete. Nach der Priesterweihe in Lüttich am 10. Juni 1854 wurde Paquay von den Oberen nach Hasselt versetzt, wo er sein ganzes Leben blieb; er hatte dort auch die Ämter des Vikars und des Guardians inne. 1890 und 1899 wurde er zum Provinzdefinitor gewählt.

Agostino Gemelli schreibt: „Unter der Leitung des hl. Johannes Berchmans, des geliebten Meisters, versenkt sich P. Valentinus in die franziskanische Spiritualität und lehrt uns die Tugend aller Augenblicke, die Wertschätzung der geringsten Dinge unter dem Aspekt einer unglaublich offenen und unmittelbaren Demut.“ Von dieser Demut war auch sein Lebensstil geprägt. Zu Hause oder im Konvent schien ihm das Bett immer zu bequem. Er schlief daher auf dem Fußboden oder ruhte sich auf einem Stuhl aus. Sein Schlaf dauerte oft nicht mehr als drei oder vier Stunden, um dem Gebet Raum zu geben, wenngleich in einer etwas originellen Weise. Oft spazierte er frühmorgens durch die Straßen der Stadt und betete dabei laut den Rosenkranz. In den Zügen betete er ohne Scheu vor den Mitreisenden das Vaterunser. Viele, die ihm auf seinem Weg begegneten und auf ein nettes Gespräch mit „unserem kleinen heiligen Pater“ hofften, wurden eingeladen, ihn beim Rosenkranzgebet zu begleiten. So erschöpfte sich ihre Konservation. Er war unermüdlich im Beten des Rosenkranzes. So betete er während einer Wallfahrt mit seinem Neffen 14 Rosenkränze in Folge.

Von Jugend an hegte er eine besondere Verehrung für die Mutter Gottes. Es wäre jedoch ein Irrtum zu glauben, P. Valentinus habe nichts anderes gemacht, als pausenlos still ein Ave Maria gebetet. Er war ein Mann des Gebets in Geist und Wahrheit. Die Heilige Schrift war ein ständiges Thema seiner Überlegungen und seines Gebets. Gerne verweilte er in Anbetung vor dem Allerheiligsten Altarsakrament und feierte mit der größtmöglichen Ehrfurcht täglich die hl. Messe.

Unermüdlich war auch die Arbeit des Paters im Bereich der Seelsorge. Er predigte nahezu unaufhörlich und war aufgrund seiner einfachen und überzeugenden Sprache vor allem beim Volk und den geistlichen Instituten sehr geschätzt. Seine Predigten waren mit Sicherheit keine abstrakten Darbietungen, sondern von Beispielen und lebendigen Beschreibungen begleitet. Er dramatisierte, was er sagte; personifizierte den Blinden, den Gelähmten, den Zenturio. Er selbst gab den Sünder und zugleich den Erlöser. Mit großer rhetorischer Fähigkeit übersetzte er Ereignisse, die vor 2000 Jahren stattgefunden hatten, in den Kontext seiner Zeit, in die aktuellen Gegebenheiten. Urplötzlich befragte er Personen aus dem Evangelium und ließ sie antworten, er drehte sich zum Tabernakel hin, wandte sich direkt an die Heiligen, die auf ihrem Sockel standen, oder auch an irgendeinen der Zuhörer. Bald sprach er mit tiefer Stimme, bald schrie er aus voller Kehle, lachte Tränen oder weinte aus echtem Mitgefühl, aus Liebe oder Reue. In vollendeter Dramaturgie und mit packenden Bildern stellte er auch das Evangelium und die wichtigsten Momente im Leben der Heiligen dar.

Mit ebensolchem Schwung legte er sich für seine Mitbrüder, seine Terziaren, die Gläubigen, die Kranken und Sterbenden ins Zeug. Alle Einwohner von Hasselt wollten ihn im Augenblick des Todes in ihrer Nähe haben. Die Hälfte seiner Nächte verbrachte er am Bett von Kranken und Sterbenden. Um vier Uhr morgens aber befand er sich pünktlich auf seinem Platz im Chor zur Matutin. Eines Tages wurde er zu einem Kranken gerufen, der eineinhalb Stunden von der Stadt entfernt wohnte. Um 10 Uhr vormittags machte er sich betend zu Fuß auf den Weg. Im Pfarrhof erfuhr er dann, dass der Kranke noch eine halbe Stunde weiter weg wohnte. „Nein, Herr Pfarrer, ich will mich nicht länger aufhalten“, sagte er und setzte sogleich seinen Weg fort. Es erklang gerade die Glocke zur Vesper, als er den Konvent erreichte, und sofort begab er sich in den Chor zum Psalmengebet.
Pater Valentinus war vor allem als Beichtvater unermüdlich. Er hörte stundenlang Beichte. Häufig bewies er die Gabe, auf außerordentliche Weise in das Bewusstsein der Beichtenden eindringen zu können, die auch von weit her zu ihm kamen. Eine ihm völlig unbekannte Person wollte bei ihm eine Generalbeichte ablegen. „Zwecklos, mein Sohn“, sagte Pater Valentinus, „ich weiß bereits alles, was Du mir sagen möchtest.“ Das sagen Sie nur, um mich loszuwerden“, antwortete der Pönitent. „Nein, mein Guter! Du warst acht Jahre hindurch ein Sklave dieser und jener schlechten Gewohnheit“, erwiderte der Pater.

Zuweilen war er es, der an die Sünden erinnerte, die der Pönitent vergessen hatte zu beichten; zuweilen stellte er fest, dass sie sich irrten, weil sie Dinge beichteten, an denen sie keine Schuld trugen. Eine Ordensschwester neigte zu einer derartigen Aversion gegen eine ihrer Mitschwestern, dass sie ihre Berufung aufgeben wollte. Sie hatte den heiligen Pater in einem Brief über ihre Schwierigkeiten unterrichtet. Er antwortete: „Vergib aus Liebe zu dem, der dir vergeben hat!“ Sechs Monate später hatte sie Gelegenheit, sich in den Beichtstuhl des heiligen Paters zu knien. Er ließ sie lange warten. Gerade als sie daran dachte zu gehen, öffnete sich das Fester. Pater Valentinus machte ein großes Kreuzzeichen und sagte: „Ich habe Ihnen schon geschrieben, Sie sollen vergeben und beten.“ Zudem ersuchte er sie inständig, mit Strenge und Güte zugleich, im Konvent zu bleiben. Mit völlig geläutertem Herzen kehrte die Schwester ins Kloster zurück. Weder kannte sie Pater Valentinus persönlich noch hatte er sie je gesehen.

 

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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 6