Okelo, IrwaDAVID OKELO
(ca. 1902 – 1918)
GILDO IRWA (ca. 1906 – 1918)

KATECHISTEN UND MÄRTYRER VON UGANDA

Seligsprechung: 20. Oktober 2002
Fest: 18. Oktober

Bei den seligen Märtyrern DAVID OKELO und GILDO IRWA handelt es sich um zwei junge ugandische Katechisten, die Anfang des 20. Jahrhunderts lebten. Sie gehörten dem Stamm der Acholi an, einer Untergruppe der großen Familie der Lwo, deren Mitglieder heute noch vorwiegend im Norden Ugandas leben, aber auch im Südsudan, in Kenia, Tansania und im Kongo in erheblichem Ausmaß präsent sind. Das Geschehen um Okelo und Irwa und ihr Martyrium ereigneten sich nur drei Jahre nach Gründung der Mission von Kitgum (1915) durch die Comboni-Missionare. In der Zwischenzeit hat sich die Zahl der Katechisten-Märtyrer in Uganda auf ca. 70 erhöht. Okelo und Irwa sind die ersten afrikanischen Katechisten, die zur Ehre der Altäre gelangten. Die beiden waren 16 und 12 Jahre alt, als sie am 18. Oktober 1918 in der Gegend von Paimol, ungefähr 15 km von der heutigen Mission Kalongo entfernt, im Gebiet von Ost-Acholi, Norduganda, ermordet wurden.

DAVID OKELO (Transliteration von Daudi) wurde um 1902 in Ogom-Payira geboren, einem Dorf in Nord-Uganda, an der Straße Gulu-Kitgum gelegen. Der Name Payira bezeichnete ursprünglich eine der vielen Unterteilungen der Acholi bzw. den Zusammenschluss kleinerer Gruppen des Klans der Payira, die, nachdem sie einmal sesshaft geworden waren, dem betreffenden Ort auch gleich den Namen gaben.

David war der Sohn heidnischer Eltern, Lodi und Amona. Er war dann einer der Ersten, die mit den 1915 angekommenen Missionaren Kontakt aufnahmen und besuchte nach der Taufe mit 14 Jahren den darauf folgenden Unterricht. Am 1. Juni 1916 von P. Cesare Gambaretto getauft, erhielt er am gleichen Tag die Erstkommunion und am 15. Oktober 1916 das Sakrament der Firmung. Gambaretto beschreibt ihn als ernsten und schüchternen Jungen, der erheblich unter dem Einfluss seines Stiefbruders Antonius, eines beispielhaften Christen, stand, welcher zusammen mit verschiedenen anderen in Paimol seinen Dienst als Katechist versah.
Zu Beginn seiner Ausbildung „hatte David die Absicht ein Mädchen zu heiraten, mit dem er gemeinsam zum Katechumenat gekommen war. Doch dieses Mädchen wurde ein Opfer der junva (Sandflöhe). Sie verließ das Katechumenat und von einer Heirat der beiden war keine Rede mehr“, berichtet ein Zeuge. Nach Abschluss der Ausbildung folgte David der Einladung, sich in die Liste der Katechisten einzutragen.

Nachdem David erfahren hatte, dass sein Stiefbruder Antonius, Katechist in Paimol, gestorben war, ging er, um dessen wenige Habseligkeiten zu holen, und bot P. Gambaretto, dem Oberen der Mission von Kitgum, an, seinen Platz einzunehmen. Ende 1916, Anfang 1917 fuhr er also nach Paimol. Zu Allerheiligen 1917 wurde Gildo Irwa ausgewählt, um gemeinsam mit David die Aufgaben eines Katechisten im Paimol wahrzunehmen. Gildos Vater widersetzte sich und auch der damalige Verantwortliche für Religion, P. Cesare Gambaretto, schien unsicher.
Das Gebiet war in der Tat weit weg, ca. 80 km von Kitgum, und wegen der Aktivitäten von lokalen Aufständischen (Adwi), Räubern und Muslimen (bekannt als Abas), die mit weißem (Elfenbein) und schwarzem (Sklaven) Gold handelten, nicht hinreichend sicher. Auch die Medizinmänner waren in Aufruhr, weil 1916/17 eine heftige Pockenepidemie ausgebrochen war. Zudem waren die Engländer daran, die traditionellen Häuptlinge durch willfährigere Anführer zu ersetzen, und requirierten Personen für den Straßenbau. Trotz der gegebenen Schwierigkeiten waren die beiden Jugendlichen entschlossen und ließen sich nicht entmutigen. Bewegend das letzte Gespräch, mit dem sie P. Gambaretto zu überzeugen versuchten, sie nach Paimol gehen zu lassen: „Nun, seid ihr bereit nach Paimol zu gehen?“, fragte der Pater. „Ihr wisst wohl, dass die Leute dort bösartig sind, und du, Gildo, bist noch so klein!“ – „Aber David ist schon groß“, erwiderte Gildo, „und wir werden zusammenbleiben“. – „Aber wenn sie euch umbringen?“ – „Dann gehen wir ins Paradies!“ –„Dort ist auch schon Antonius“, fügte David hinzu, „ich habe keine Angst vor dem Tod. Auch Jesus ist für uns gestorben.“ – Ich war gerührt, ich hatte da so eine Vorahnung, doch Gildo rüttelte mich: „Keine Angst, Pater, Jesus und Maria sind mit uns!“ Ich gab auf, nahm den Katechismus und den Rosenkranz und gab sie den beiden, die da auf der Veranda knieten. Ich segnete sie, wir beteten zusammen ein Ave Maria, dann reisten sie ab.“

So wurden die beiden im November / Dezember 1917 vom Chef-Katechisten von Kitgum, Bonifaz Okot, nach Paimol begleitet und dort dem Vizechef Ogal vorgestellt, der ihnen eine seiner Hütten im Dorf Muto zur Verfügung stellte. Hier begann David sofort mit seiner Mission. Er scharte die Knaben um sich, die in Religion unterrichtet werden wollten.

Beim ersten Morgengrauen schlug David die Trommel, um seine Katechumenen zum Morgengebet zu versammeln, dem er für sich und Gildo das Rosenkranzgebet anschloss. Er lehrte die Gebete und die Fragen und Antworten des Katechismus auswendig zu lernen, die er dann zur besseren Einprägung während des Unterrichts öfters wiederholen ließ, auch mit Gesang. Es ging also um das Vermitteln der grundlegenden Elemente (Lok-odiku, „Worte am Morgen“) bzw. der Grundlagen des Katechismus. Mit dieser Tätigkeit verbunden waren Besuche in den kleinen Ortschaften der Umgebung, wo sich Katechumenen befanden, die mit Viehhüten oder mit Feldarbeit beschäftigt waren. Bei Sonnenuntergang gab er das Zeichen zum gemeinsamen Gebet und zum Rosenkranz, den er immer mit einem Lied an die Gottesmutter beschloss. An Sonntagen hielt er eine intensivere Gebetsversammlung ab, die erfreulicherweise oft von Katechumenen und Katechisten aus den umliegenden Gegenden besucht war.

David Okelo wird als von ruhigem und schüchternem Wesen beschrieben, ausdauernd in seinen Pflichten als Katechist und bei allen beliebt. Nie mischte er sich in Sippenstreitigkeiten oder politische Diskussionen ein, die zur damaligen Zeit sehr häufig waren, wo die Unterwerfung unter die englische Regierung oft von unverhohlener Unduldsamkeit begleitet war. Infolge einer unglücklichen Maßnahme, die  vom Distriktkommissar von Paimol bzw. von dessen englischem Stellvertreter getroffen wurde,  kam es zu schwerwiegenden Spannungen. Räuber, zwielichtige Muslime und Zauberer machten sich die gewaltüberschattete Lage zunutze, um die neue Religion aus den Angeln zu heben.

Am Wochenende zwischen dem 18. und 20. Oktober 1918 begaben sich noch vor dem Morgengrauen fünf Personen zur Hütte, in der sich David und Gildo aufhielten, mit dem erklärten Ziel, die beiden umzubringen. Einer der Dorfältesten trat den Eindringlingen entgegen und sagte, dass sie die Katechisten nicht töten dürften, weil sie seine Gäste seien. David kam an die Tür und bat den Alten, sich nicht einzumischen. Das Einreden der Angreifer auf David, mit den Glaubensunterweisungen aufzuhören, fruchtete nichts. Daraufhin wurde er aus der Hütte gezerrt, zu Boden geworfen und durch Speerstiche getötet. Er war zwischen 16 und 18 Jahre alt. Der Körper wurde zunächst liegen gelassen, bis ihm einige Tage später ein paar Leute einen Strick um den Hals legten und ihn zu einem verlassenen Termitenbau in der Nähe schleppten.

GILDO IRWA wurde um 1906 im Dorf Bar-Kitoba im Nordosten von Kitgum als Sohn heidnischer Eltern geboren. Seine Mutter war Ato und Okeny sein Vater, der sich dann zum Christentum bekehrte. Von P. Cesare Gambaretto am 1. Juni 1916 getauft, erhielt Gildo noch am gleichen Tag die Erstkommunion; gefirmt wurde er am darauffolgenden 15. Oktober. Über ihn schreibt P. Gambaretto: „Er war viel jünger als David, von lebhaftem und freundlichem Wesen, wie es viele Kinder der Acholi sind. Er war ziemlich gescheit und diente dem stellvertretenden Ortshäuptling Ogal, dessen Gast er war, dann und wann als Schreibkraft. Aufgrund seiner vornehmen Art und seiner kindlichen Eindringlichkeit war er David beim Zusammenholen der Knaben für den Unterricht eine große Hilfe. Er wusste alle mit den einfachen Spielen des Dorfes und durch laute und fröhliche Zusammenkünfte zu unterhalten. Vor kurzem hatte er die Taufe empfangen, deren Gnade er unangetastet in seinem Herzen bewahrte und in seinem liebenswürdigen Benehmen durchschillern ließ.“

Gildo hatte sich spontan und sehr gerne angeboten, David zu folgen, um in Paimol das Wort Gottes zu verkünden. Dort machte er sich bei allen beliebt, weil er immer bereit war und seine Aufgabe als Hilfskatechist beispielhaft erfüllte. Am Morgen des Martyriums gab er David, der ihn auf ein möglicherweise blutiges Ende aufmerksam machte, zur Antwort: „Warum sollten wir uns fürchten? Wir haben niemandem etwas Böses getan. Wir sind nur an diesem Ort, weil uns der Pater hierhergeschickt hat, um das Wort Gottes zu unterrichten. Hab’ keine Angst!“ Das Gleiche sagte er den Henkern, die ihn aufforderten, diesen Ort zu verlassen und seine Arbeit als Hilfskatechist aufzugeben. „Wir haben nichts Unrechtes getan“,  sagte er weinend. „Aus dem gleichen Grund, aus dem ihr David getötet habt, müsst ihr auch mich töten. Wir sind gemeinsam gekommen und haben gemeinsam das Wort Gottes gelehrt.“ Da packte ihn eine Hand, zog in aus der Hütte und der Einfriedung hinaus ins Freie, ging zwei Schritte zurück und versetzte ihm einen Lanzenstich, der ihn von der einen Seite zur andern durchbohrte. Dann hieb ihm einer der Henker mit einem Messer auf den Kopf und tötete ihn. Gildo war zwischen 12 und 14 Jahre alt.

Die sterblichen Überreste der beiden wurden im Februar 1926 aus Paimol überführt und anschließend in der Pfarrkirche von Kitgum in Uganda am Fuß des Herz Jesu-Altars beigesetzt. An der Begräbnisstätte der Märtyrer wurde eine Kapelle errichtet.

Am 20. Oktober 2002 wurden David Okelo und Gildo Irwa von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

 

mehr

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 6