Liduina MeneguzziLIDUINA ANGELA MENEGUZZI

(1901 – 1941)

PROFESSSCHWESTER
deS INSTITUTS DER SCHWESTERN VOM HL. FRANZ VON SALES
(SALESIANERINNEN)

Seligsprechung: 20. Oktober 2002
Fest: 2. Dezember

LIDUINA ANGELA MENEGUZZI wurde am 12. September 1901 als zweites der acht Kinder von Giuseppe Meneguzzi und Antonia Norbiato in Abano Terme, Ortsteil Giarre, Provinz Padua, geboren. Es handelte sich um eine sehr einfache, aber grundehrliche und tiefgläubige Bauernfamilie, deren Werte auf das Mädchen rasch abfärbten. Bei der Taufe am 24. September erhielt die Kleine den Namen Angela Elisa, wurde dann aber Angelina gerufen.

Angelina wuchs im Schoß der Familie auf und besuchte die Schule im Ort. Da sie außerordentlich gutmütig war, wurde sie sowohl zu Hause als auch im Ausbildungs- und Arbeitsbereich geschätzt und geliebt. Schon damals bekundete sie einen lebendigen Gebetsgeist und nahm jeden Tag an der hl. Messe teil, auch wenn sie zwei km zu Fuß laufen musste. Sie besuchte den Katechismusunterricht und wurde später dann selbst Katechistin. Am Abend betete sie gemeinsam mit der Familie und freute sich, wenn sie zu ihren Geschwistern über Gott sprechen konnte.

Um ihre Angehörigen tatkräftig zu unterstützen, ging sie nach Abschluss der Schule mit 14 Jahren bei gut situierten Familien in Dienst und arbeitete anschließend in den Gasthäusern von Abano, von denen viele ihren Gästen wirksame Thermalkuren anboten. In den Arbeitspausen begab sie sich immer in die Kirche, um Jesus im Altarsakrament zu begegnen, der zum Mittelpunkt ihres Lebens werden sollte. Nach dem Tod des Vaters am 5. Dezember 1925 wurde Angelinas Arbeit für den Unterhalt der Familie noch unentbehrlicher.

Gleichzeitig war sie in der Pfarrei und in der Katholischen Aktion tätig, unterrichtete den Katechismus, förderte die Priesterberufe und verteilte gute Bücher und Schriften. Mit dem Wunsch, ihr ganzes Leben Gott zu weihen, trat sie am 5. März 1926 in die Kongregation der Schwestern vom hl. Franz von Sales (Salesianerinnen) ein, die ihr Mutterhaus in Padua haben, und nannte sich nunmehr Schwester Liduina. Hier verwirklichte sie ihr Ideal der völligen Hingabe an Gott und setzte ihren intensiven spirituellen Weg fort, indem sie in liebenswerter Einfachheit im Geiste des Evangeliums in froher Hinwendung an Gott und die Mitmenschen lebte. „Ich will heilig werden, mag es kosten, was es wolle“, hörte man sie immer wieder sagen.

Die Kongregation der Salesianerinnen war von Don Domenico Leonati, einem paduanischen Priester, 1740 in Ponte di Brenta an der Peripherie Paduas gegründet worden, um den armen Mädchen aus der Gemeinde, in der er Pfarrer war, eine Ausbildung angedeihen zu lassen. 1751 wurde das Werk nach Padua verlegt. Die Aufgabe der Schwestern des Instituts besteht darin, in der apostolischen Liebe allen alles zu sein: sowohl den Kindern und Jugendlichen in der Schule als auch in den diversen Jugendgruppen, bei den verschiedenen Aktivitäten der Pfarreien und in den Missionswerken, die in einigen afrikanischen Ländern entstehen, wo Salesianerinnen präsent sind; ebenso in Lateinamerika, wo sie in Ekuador, Argentinien und Brasilien arbeiten.

Nach Abschluss des Noviziats am 8. September 1928 legte Sr. Liduina ihre erste Profess ab und so wurden ihr verschiedene Aufgaben anvertraut, wie jene der Assistentin unter den Auszubildenden. Sie machte ihre Arbeit mit Liebe, ob nun als Garderobiere, Krankenpflegerin oder Sakristanin. Auch bei den Mädchen des Kollegs vom Heiligen Kreuz, das an das Mutterhaus angeschlossen war, bekam sie die Aufgabe einer Assistentin übertragen, und mit ihrer großzügigen Bereitschaft und ihrem unerschütterlichem Frohsinn in ihrem Dienst wurde sie allen eine Schwester und gute Freundin, die in der Lage war, zuzuhören und bei Problemen mit klugen Ratschlägen zur Seite zu stehen. Dabei hinterließ sie bei allen unauslöschliche Eindrücke an Herzlichkeit, aufmunternder Fröhlichkeit und echter Geduld. Ihr Motto war: „Ja... gerne, gleich!“ Im Mai 1934 legte Liduina die ewigen Gelübde ab und widmete sich fortan der vollständigen Hingabe an Gott und den Nächsten.
1937 sah sie endlich ihren großen Traum verwirklicht, den sie seit eh und je im Herzen getragen hatte: in die Missionsländer aufzubrechen und den Glauben, die Liebe Christi zu all den Menschen bringen, die ihn nicht kannten. Von den Oberen wurde sie als Missionarin nach Äthiopien geschickt, das kurz zuvor von italienischen Truppen erobert worden war. Sr. Luidinas Bestimmungsort war Dire-Dawa, eine aufgrund der verschiedenen Menschengruppen, Bräuche und Religionen kosmopolitische Stadt. Hier, in diesem Schmelztiegel aus Rassen und Religionen ging die bescheidene Schwester eifrig ihrer Tätigkeit als Missionarin nach. Sie besaß keine besondere theologische Bildung, aber eine starke Innerlichkeit, die genährt wurde von einer tiefen Verbindung mit Gott.

In Dire-Dawa betreute Sr. Liduina zunächst die Kinder und deren Mütter, wurde aber schon bald als Krankenpflegerin in das Öffentliche Spital Parini bestellt, das nach Kriegsausbruch zu einem Militärspital umfunktioniert wurde, in dem die verwundeten Soldaten Aufnahme fanden, denen gegenüber sich Liduina als ein echter „Engel der Nächstenliebe“ erwies. Mit Feingefühl und unermüdlicher Hingabe kümmerte sie sich um die physischen Schmerzen und sah dabei in jedem Leidenden das Abbild Christi.

Bald kannte sie jeder, sie war gesucht und wurde wie ein Segen angerufen. Die Einheimischen nannten sie „Schwester Gudda“ (Groß). Als die Bomben auf die Stadt und das Krankenhaus fielen, kam aus allen Kehlen der eine Ruf: „Hilfe, Schwester Liduina!“ Und sie, die jede Gefahr missachtete, brachte die Verwundeten an einen sicheren Ort und eilte dann unverzüglich den anderen zu Hilfe. Sie beugte sich über die Sterbenden, um sie noch zu einem Akt der Reue zu bewegen, und mit dem Fläschchen Wasser, das sie stets bei sich trug, taufte sie die sterbenden Kinder.

 

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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 6