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Ignatius MaloyanIGNATIUS MALOYAN

(1869 – 1915)

BISCHOF DER ARMENIER
MÄRTYRER

Seligsprechung: 7. Oktober 2001 – Fest: 11. Juni

IGNATIUS (Choukrallah) MALOYAN wurde am 19. April 1869 als viertes von acht Kindern des Melkon Maloyan und der Theresa Faridé in Mardine in der Türkei geboren und am 20. April auf den Namen Choukrallah getauft. Seine Familie war armenischer Herkunft, lebte in einfachen Verhältnissen, war katholisch und von bewährter Frömmigkeit. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass sowohl die Mutter (16. Juli 1915) als auch ein Bruder und ein Cousin das Martyrium erlitten. Von Choukrallahs Kindheit weiß man lediglich, dass er eine ausgesprochene Neigung zur Frömmigkeit zeigte und jeden Tag zum Ministrieren in die Kirche ging, bevor er sich zur Schule begab, wo er auch Arabisch und Türkisch lernte. Als Bischof Melkon Nazarian in ihm Anzeichen der Berufung entdeckte, schickte er ihn im Alter von 14 Jahren in den Konvent von Bzommar, einem

maronitischen Dorf in den Bergen des Kesrouan-Distrikts, einige km vom heutigen Nationalheiligtum Unserer Lieben Frau vom Libanon in Harissa entfernt, das 1908 erbaut wurde und das Maloyan erst später kennenlernte. In Bzommar absolvierte Maloyan von 1883 bis 1888 seine höheren Studien, bis er aus Gesundheitsgründen nach Hause zurückkehren musste. Als er sich nach drei Jahren erholt hatte, ging er 1891 erneut nach Bzommar. Dort wurde er mit dem Ritus des Versprechens und der Aufnahme zur armenisch-mechitaristischen Kongregation zugelassen, woraufhin er sich mit Eifer dem Studium der Philosophie und Theologie widmete.

Nach Abschluss der Studien wurde Maloyan am Fronleichnamsfest 1896 in Bzommar zum Priester geweiht. Der armenischen Tradition gemäß nahm er einen neuen Namen an – Ignatius. Ende November 1896 beschlossen die Oberen, ihn nach Ägypten zu schicken. Nach Ankunft im ägyptischen Alexandria galt seine erste Sorge der geistlichen Betreuung der Kranken. 1899 beschloss der armenische Patriarch, ihn nach Kairo zu versetzen, doch Alexandrias Gläubige protestierten mit solcher Schärfe, dass der Patriarch seine Entscheidung zurücknehmen musste. Maloyan war ein sehr eifriger und verständnisvoller Priester und bemühte sich sehr um Aussöhnung unter den Anhängern der verschiedenen Religionen. Als er Ende September 1901 zum Vikar des Patriarchen von Kairo ernannt wurde, folgte er dem Ruf ungeachtet der Proteste der Gläubigen. Dort erwartete ihn die gleiche Arbeit: Messfeiern, Predigen, Beichthören, Arbeit im Büro des Bischofssekretärs, Anhörungen am kirchlichen Tribunal, Buchhaltung, Prüfung der Anfragen um Finanzhilfe. Maloyan schonte sich nicht, er nahm sich sogar noch Zeit für die Eröffnung einer armenischen Schule in Kairo. In den freien Stunden studierte er, wie in Alexandria, Französisch, Englisch und Hebräisch, um die Heilige Schrift besser zu verstehen, dies trotz seiner immer schwächer werdenden Gesundheit, vor allem was die Sehkraft anbelangte.

1904 ernannte ihn seine Heiligkeit Patriarch Boghos Bedros XII. Sabbaghian, der seine außergewöhnlichen Qualitäten erkannt hatte, zu seinem Privatsekretär in Konstantinopel. Leider verschlechterte sich Maloyans Gesundheit zusehends, sodass er den Patriarchen um drei Monate Freistellung ersuchen musste, um sich in Ägypten von seinen früheren Ärzten behandeln zu lassen; dort blieb er bis 1910.

Inzwischen benötigte die Diözese Mardine eine guten Organisator zur Unterstützung des betagten Erzbischofs Houssig Gulia. Die Wahl Seiner Heiligkeit Sabbaghian fiel auf P. Maloyan. Am 22. Oktober 1911 wurde dieser, während sich die armenischen Bischöfe zur Synode in Rom versammelt hatten, zum Erzbischof von Mardine ernannt und von seiner Heiligkeit Boghos Bedros XIII. Terzian konsekriert.

Am folgenden 10. Dezember wurde Maloyan zusammen mit anderen Synodenmitgliedern von Pius X. in Audienz empfangen, der – quasi in Voraussicht der bevorstehenden Katastrophe – das Prädikat der armenischen Kirche als „die eine, heilige, katholische“ noch durch „verfolgte“ erweiterte. Nach Inbesitznahme der Diözese am 5. Mai 1912 begann Mayolan unverzüglich mit der Visitation der Ortschaften seiner Gemeinde, wobei er sich aus nächster Nähe ein Bild von den materiellen, sozialen und spirituellen Problemen seiner Herde machen konnte. Eine Atemwegserkrankung zwang ihn jedoch im März 1913, sich zunächst nach Ägypten und anschließend nach Padua in Behandlung zu begeben, wo er einem chirurgischen Eingriff unterzogen wurde. Noch als Rekonvaleszent reiste er nach Rom, wo ihn Papst Pius X. in Audienz empfing. Im August 1913 kehrte Maloyan dann nach Mardine zurück und ging sofort an die Arbeit. In sämtlichen Pfarreien förderte er die Herz Jesu- und Marienverehrung. Er widmete sich den Priestern und kümmerte sich um die Errichtung von Schulen zur katholischen Erziehung der Jugend. Auf offizieller Ebene unterhielt er gute Beziehungen mit den hohen Würdenträgern des Landes. Verehrt und geschätzt, wurde er mit einem Dekret des Sultans ausgezeichnet. Leider überstürzten sich die Ereignisse bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Der Eintritt der Türkei in den Krieg am 3. August 1914 an der Seite Deutschlands und Österreichs gegen Russland, Frankreich und England führte zu einer Generalmobilmachung. Dieser verweigerten sich die Armenier und gingen in den Untergrund, was den türkischen Beamten Anlass war, die Familien der zu den Waffen Gerufenen zu perlustrieren und zu terrorisieren sowie den verbrecherischen Plan zur Vernichtung der nicht türkischen und nicht muslimischen Bürger in die Tat umzusetzen. Gegen diese Gewalttätigkeiten protestierten die beiden katholischen Prälaten von Mardine, Msgr. Tapouni und Msgr. Maloyan, allerdings vergeblich.

Dennoch hatten die Bischöfe, gerade zur Vermeidung größerer Unannehmlichkeiten für die Gläubigen, dem Ersuchen der Regierung zugestimmt, das Volk zu überreden, durch die Entsendung von Getreide zur Versorgung der Heeres beizutragen. Zudem hatten sie angesichts der schwierigen Gegebenheiten des Krieges der Regierung gegenüber ihre Loyalität ausgesprochen. Als Zeichen des Dankes ließ der Sultan Maloyan am 6. April 1915 von Istanbul aus einen imperialen Ferman sowie eine hohe osmanische Auszeichnung zukommen. Doch wurde die Polizei inzwischen von Anhängern der nationalistischen Sekte der Jungtürken angeführt, die sich gegen die Regierung durchsetzte und diese entmachtete. Das Massaker an den Armeniern war bereits beschlossene Sache. Mamdouh Bey, der berüchtigte türkische Polizeichef, reagierte daher auf die Friedensbemühungen Maloyans mit den Worten: „Jetzt nimmt das Schwert den Platz der Regierung ein. Deine Auszeichnung und dein Ferman nützen dir gar nichts!“

Die in der Türkei lebenden Armenier waren fortan unsäglichen Schikanen ausgesetzt. Der 24. April 1915 markiert den Beginn einer regelrechten Vernichtungskampagne, die zur Unterdrückung von über eineinhalb Millionen Menschen führte. Am 30. April 1915 umzingelten türkische Soldaten die armenische Kirche und das erzbischöfliche Palais von Mardine unter dem Vorwand, dass dort Waffendepots versteckt seien. Als sie nichts fanden, verlegten sie sich auf die Zerstörung der Archive und Dokumente. Anfang Mai versammelte Maloyan seine Priester und informierte sie im Lichte der traurigen Nachrichten über die gegen die Armenier geschürten Drohungen. Er ermahnte sie zum Gebet und zur Standhaftigkeit im Glauben. Anschließend verlas er sein Testament, in dem er sie ermunterte und erkennen ließ, dass es für ihn eine große Ehre bedeuten würde, wenn sich sein Blut mit dem Blut der Märtyrer vermischte. Er vertraute sie der Sorge von Msgr. Ignatius Tapouni, Erzbischof der syrischen Katholiken, an.

Am 13. Juli 1915 schleppten türkische Offiziere Maloyan mit seinen Priestern und einer ersten Gruppe von 417 Christen vor das Tribunal. Dort forderte der Polizeichef Mamdouh Bey den Bischof auf, die in seinem Haus verborgenen Waffen herauszugeben. Maloyan erwiderte, dass er stets ein treuer Diener der Regierung gewesen sei und dass ihm der Sultan zum Zeichen seiner Verdienste eine große Auszeichnung überreicht habe. Mamdouh Bey schlug ihm nun vor, zum Islam überzutreten und so sein Leben zu retten. Maloyan brachte mit Entschiedenheit zum Ausdruck, dass er weder Christus noch die Kirche jemals verraten würde und es eine Freude für ihn wäre, für Christus jede nur erdenkliche Tortur zu erleiden, selbst den Tod. Daraufhin schlug ihm ein Soldat brutal ins Gesicht und Mamdouh Bey hieb ihm mit dem Gewehrkolben mehrmals auf den Kopf. Bei jedem Schlag sagte Maloyan: „Herr, erbarme dich; Herr, gib mir Kraft!“ Da er überzeugt war, bald sterben zu müssen, schrie er mit vereinten Kräften: „Wer von euch, verehrte Väter, mich hört, gebe mir die Lossprechung!“ Dann rissen ihm die Soldaten die Zehennägel aus und zwangen ihn zu gehen.

In Chikhane verlas Mamdouh Bey mit lauter Stimme folgendes Urteil: „Der Staat hat euch viele Vorteile zugestanden...; im Gegenzug habt ihr das Land verraten. Deshalb seid ihr zum Tode verurteilt. Wer sich jedoch zum Islam bekehrt, wird freigelassen und kann nach Mardine zurückkehren. Andernfalls wird das Urteil vollstreckt. Bereitet euch darauf vor, euren letzten Willen kundzutun!“

Maloyan antwortete im Namen aller: „Wir waren dem Staat gegenüber niemals illoyal... wenn ihr aber von uns verlangt, unserer Religion abzuschwören, so werden wir das niemals tun!“ Die Priester erteilten allen die Absolution. Was die türkischen Soldaten in Staunen versetzte, waren die Ruhe und Gelassenheit, die aus ihren Gesichtern strahlte. Sie freuten sich, für Christus zu sterben.

Mamdouh ging auf Maloyan zu und forderte ihn ein zweites Mal auf, sich zum Islam zu bekehren. Darauf Maloyan: „Deine Forderung überrascht mich. Ich habe dir schon gesagt, dass ich für meinen wahren Glauben lebe und sterbe. Ich verherrliche mich im Kreuz meines Herrn und Gottes.“ Mamdouh, darüber erzürnt, zog die Pistole und feuerte. Die Kugel durchbohrte Maloyans Genick. Dieser fiel zu Boden und rief sterbend: „Herr, erbarme Dich meiner; in Deine Hände empfehle ich meinen Geist.“ Es war der 11. Juni 1915, das Fest Corpus Domini. Der Leichnam wurde verbrannt.

Am 7. Oktober 2001 wurde Ignatius (Choukrallah) Maloyan von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

 

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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 6