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Ukrainische Märtyrer -StuditenLEONID FËDOROV (1879 – 1935),
EXARCH – Fest: 7. März

KLYMENTIJ ŠEPTYCKYJ (1869 – 1951),
Priester – Fest: 1. Mai

UKRAINISCHE STUDITENMÖNCHE

VOLODYMYR PRYJMA (1906 – 1941),
Chorleiter – Fest: 26. Juni

UKRAINISCHE MÄRTYRER

Seligsprechung: 27. Juni 2001

LEONID FËDOROV wurde am 4. November 1879 in St. Petersburg in Russland als einziger Sohn einer Gastwirtefamilie geboren. Er wurde in der russisch-orthodoxen Kirche getauft und zu einem tief christlichen Glauben erzogen. Nach der Volksschule besuchte er die höhere Schule mit besonderem Interesse für Latein und Griechisch und promovierte mit allen akademischen Ehren und einer Goldmedaille. Fëdorov war ein sehr freundlicher und aufgeschlossener Mensch, hatte aber völlig andere Ideale als seine Kollegen. So begann er 1901 an der Orthodox-theologischen Akademie zu studieren, da er sich besonders für Kirchengeschichte und die Werke der griechischen und lateinischen Kirchenväter interessierte. In dieser Zeit kam er vor allem mit Katholiken des lateinischen Ritus in Kontakt und neigte sich immer mehr der katholischen Kirche zu. Der Übertritt zum Katholizismus reifte schließlich 1902 durch die Begegnung mit Pater Jan Ścislawski, dem Rektor der Katharinenkirche in St. Petersburg. „Ich habe mich zu einem Schritt ohne Wiederkehr entschlossen und bin ins Ausland gegangen, um katholisch zu werden... Die katholische Kirche ist für mich nicht nur die Quelle der ewigen Wahrheit, sondern auch zum Auffangbecken des Taufwassers geworden, aus dem ich als vollkommen neuer Mensch hervorgegangen bin“, schrieb er an den Metropoliten Šeptyc’kyj von Lemberg, seinen spirituellen Vater.

Nach den Kursen an der Orthodox-theologischen Akademie begab er sich nach Lemberg zu Šeptyc’kyj und dann nach Rom, wo er 1905 in der Kirche Il Gesù das Katholische Glaubensbekenntnis ablegte. Er hatte eine Audienz bei Papst Leo XIII., der ihn zur Fortsetzung seiner theologischen Studien in das Regionalseminar von Anagni (Italien) schickte. Um nicht den Argwohn der russischen Botschaft auf sich zu ziehen, nahm er den Namen Leonidas Pierre an. 1907 nahm Fëdorov am ersten Kongress von Velehrad teil, den Šeptyc’kyj initiiert hatte, um den Dialog unter den Christen zu fördern. Anschließend nahm er in Rom seine Studien am Kolleg der  Glaubenskongregation wieder auf, wurde jedoch von der russischen Botschaft entdeckt, sodass er seine Kurse unterbrechen musste, widrigenfalls man ihm die Rückkehr nach Russland untersagt hätte. Er schloss diese dann unter einem Pseudonym an der Universität Freiburg ab. Wieder in Lemberg, unternahm er zur Vorbereitung seiner Mission drei Reisen incognito nach Russland. Um Fëdorovs künftige Arbeit nicht zu behindern, beschloss Metropolit Šeptyc’kyj, dass seine Priesterweihe am 25. März 1911 durch einen bulgarischen Bischof des byzantinischen Ritus in Konstantinopel vorgenommen werde.

Im Mai 1912 trat Fëdorov in das Noviziat der Studitenmönche in Bosnien ein. Die Studiten waren 1901 auf Initiative des Metropoliten von Lemberg, Andrej Šeptyc’kyj, zur Erneuerung des Mönchtums entstanden, das spirituell an die Institutionen und die Regel des hl. Theodoros Studites (759 – 826), den Reformator des monastischen Lebens in der byzantinischen Epoche, sowie an den Geist und die Regel des schon seit dem 11. Jahrhundert  in der Ukraine vorhandenen Mönchtums (damals Kiever Rus’ genannt) anknüpfte. Ihre Aufgabe ist es, der Welt außerhalb der Welt stehend zu dienen durch Betreuung der Seelen, innere Sammlung und Unterweisung im Katechismus.

Nach Beendigung des Noviziats legte Leonid Fëdorov am 12. Februar 1912 unter dem Namen Leontij die Ordensgelübde ab. Im Januar 1914 unternahm er seine vierte Reise nach Russland, wo er seine Heimatstadt Petersburg, Moskau, Nowgorod und Saratow besuchte. Die schwierige politische Lage bewog ihn, nicht in Lemberg zu bleiben. Er kehrte daher über Konstantinopel nach Russland zurück, wo er zwei Wochen nach seiner Ankunft von den zaristischen Behörden wegen seiner Einheitsbestrebungen verhaftet und nach Sibirien deportiert wurde. Nach dem Fall des russischen Imperiums 1917 wurde er enthaftet und kehrte nach Petersburg zurück. Im gleichen Jahr wurde er zum Exarchen der russischen Katholiken des byzantinischen Ritus ernannt. Im März 1923 beschuldigte ihn die sowjetische Regierung, „im Volk religiöse Zweifel zu schüren“. Leontij setzte seine Mission dennoch fort, bis er am 10. März 1923 zum zweiten Mal von den kommunistischen Behörden gefangen genommen und zu zehn Jahren harter Arbeit im Lager Socolnička (Sibirien) verurteilt wurde. Nach seiner Entlassung im April 1926 wurde er am 10. August 1926 erneut verhaftet und war vier Monate im Gefängnis. In Moskau wurde er dann zu drei Jahren Lagerhaft auf den Solowezki-Inseln verurteilt. Nach der Freilassung am 10. August 1929 nahm er seine Seelsorgearbeit für die russischen Katholiken wieder auf. Nach neuerlicher Verhaftung wurde er nach Kotals exiliert, wo er unverzüglich wieder seine pastorale Tätigkeit ausübte. Den Rest seiner Exilstrafe verbüßte er dann in Vjatka. Aufgrund seiner völlig zerrütteten Gesundheit, verursacht durch die brutale Behandlung seitens der Lageraufseher und generell wegen des unmenschlichen Lebens in Sibirien und seinen Lagern lebte er in schwierigen Verhältnissen. Pater Leontij Fëdorov starb am 7. März 1935 im noch jungen Alter von 55 Jahren in der Stadt Vjatka, heute Kirov (Russland). Seine sterblichen Überreste ruhen auf dem Friedhof von Spaso-Chlynovskyj.

KLYMENTIJ ŠEPTYCKYJ wurde am 17. November 1869 im Dorf Prylbyči, damals Polen, heute Westukraine, in der Region Javoriv geboren und auf den Namen Kazymyr Maria getauft. Seine schulische Grundausbildung erhielt er im Schoß seiner adeligen Familie durch Privatlehrer. Von 1882 bis 1887 besuchte er die höhere Schule von St. Anna in Krakau. 1888 inskribierte er an der Juridischen Fakultät der Jagellonischen Universität in Krakau und vervollkommnete seine Studien dann in München und Paris. 1892 promovierte er in Rechtswissenschaften. Šeptyckyj half dem Vater bei der Verwaltung der Familiengüter und sorgte für die kranke Mutter, die er auf der Suche nach besseren Behandlungsmethoden des Öfteren nach Italien begleitete. Er kümmerte sich um sie bis zum ihrem Tod 1904. 1900 wurde er Botschafter im Wiener Parlament und 1901 Abgeordneter des Staatsrates. 1907 gab Šeptyckyj seine politische Karriere auf, widmete sich fortan Familienangelegenheiten und erbaute eine Pfarrkirche für die Katholiken des orientalischen Ritus. Nachdem er sich entschlossen hatte, seiner religiösen Berufung zu folgen, trat er in das Benediktinerkloster von Beuron in Deutschland ein, um das monastische Leben lateinischer Tradition kennenzulernen, beschloss jedoch nach einem Jahr, zum östlichen Ritus zurückzukehren. 1912 begann Šeptyckyj das Noviziat bei den Studiten in Kamenyča in Bosnien. Nach Ablegung der Ordensgelübde 1913 unter dem Namen Klementij begann er in Innsbruck, Österreich, Theologie zu studieren. Am 28. August 1915 wurde er in Kryževci zum Priester geweiht. Während der drei folgenden Jahre war Šeptyckyj Oberer des Klosters Sknyliv, wurde dann jedoch nach Lemberg versetzt, wo ihn der Metropolit, sein Bruder Andrej, mit der Erneuerung des traditionellen monastischen Lebens in der ukrainisch-katholischen Kirche beauftragte. 1926 wurde er Oberer („Ihumen“) des Klosters von Univ. 1936 beschloss der Metropolit, das Territorium in vier Exarchate aufzuteilen, wovon er eines Klymentij anvertraute. 1936/37 arbeitete dieser gemeinsam mit seinem Bruder Andrej das „Typicon“ (die Regel) für die Studitenmönche aus, das er zur Approbation und Segnung durch Papst Pius XI. nach Rom mitbrachte. Von 1927 an ließ er sich im Lemberg nieder, um sich seines kranken Bruders Andrej anzunehmen, an dessen Seite er auch während der sowjetischen und deutschen Besatzung verblieb, bis zu dessen Tod am 1. November 1944. Andrejs Nachfolger, Jossyf Slipyj, ernannte Šeptyckyj 1944 zum Archimandriten der Studitenmönche und schickte im November des Jahres unter seiner Führung eine Delegation nach Moskau zu Verhandlungen mit der Regierung über die Situation der griechisch-katholischen Kirche. Nach der Inhaftierung der griechisch-katholischen Bischöfe am 11. April 1945 wurde Šeptyckyj zu einem wichtigen Bezugspunkt. Er wurde daher auch, trotz seines fortgeschrittenen Alters von 77 Jahren, am 5. Juni 1947 verhaftet und am 27. Juni in das Gefängnis von Kyiv gebracht, wo man ihn schweren Folterungen aussetzte. Sogar in der Nacht kamen die Vernehmer, um so seinen Widerstand vollkommen zu brechen. Šeptyckyj wurde „wegen antisowjetischer Aktivitäten und Kollaboration mit dem Vatikan, einer fremden Macht“, zu acht Jahren Kerker verurteilt und anschließend nach Moskau, genauer in das alte Zentralgefängnis von Vladimir gebracht, wo er im Alter von 81 Jahren am 1. Mai 1951 an Herzkomplikationen starb. Sein Grab ist nicht bekannt.

VOLODYMYR PRYJMA wurde am 17. Juli 1906 im Dorf Stradcz in der Region Lemberg, Ukraine, geboren. 1931 heiratete er Maria Stojko. Dieser Verbindung entsprangen vier Kinder. Mit einer herrlichen Stimme bedacht, besuchte Pryjma die Kantorenschule und wurde dann Chorleiter in seiner Pfarrei. Er war ein Mann tiefen Glaubens, der sich von den Gefahren des Krieges und der Verfolgung der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche nicht beeindrucken ließ. So gab er auch seine pfarrliche Tätigkeit nie auf. Am 26. Mai 1941 beschloss Pryjma, obwohl er sich des Risikos bewusst war, seinen Pfarrer Mykola Konrad, der einer kranken Frau die Sakramente brachte, zu begleiten. Bei der Rückkehr wurden die beiden von Agenten des KGB angehalten und in den Wald Birok nahe Stradcz gebracht. Ein Augenzeuge sah ganz deutlich, wie die Beamten die zwei Gefangenen brutal vor sich her trieben. Volodymyr beschloss seinem Pfarrer nicht von der Seite zu weichen, obwohl er die Möglichkeit hatte zu fliehen. Beide wurden auf barbarische Weise umgebracht. Die Sowjets verstümmelten Pryjmas Leiche und rissen ihr sogar Augen und Zunge aus. Seine sterblichen Überreste ruhen auf dem Friedhof an der Kirche von Stradcz bei Lemberg, Ukraine.
Am 27. Juni 2001 wurden Leontij Fëdorov, Klymentij Šeptyckyj und Volodymyr Pryjma von Papst Johannes Paul II. in Lemberg seliggesprochen.

 

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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 6