Anna Katharina EmmerickANNA KATHARINA EMMERICK

(1774 – 1824)

PROFESSNONNE
DER REGULARKANONIssen DES HL. AUGUSTINUS

Seligsprechung: 3. Oktober 2004
Fest: 9. Februar

ANNA KATHARINA EMMERICK wurde am 8. September 1774 als Tochter der ehrbaren Katholiken Bernhard Emmerick und Anna Hillers in der Bauernschaft Flamschen bei Coesfeld in Westfalen, Deutschland, in einfachen Verhältnissen geboren, wo sie zusammen mit neun Geschwistern aufwuchs. Bereits von Kindheit an musste sie im Haus und bei der Feldarbeit helfen, um zum Unterhalt der Großfamilie beizutragen. Die Armut der Familie war auch einer der Gründe, warum Anna Katharina nur vier Monate die Schule besuchen konnte. Lesen lernte sie vom Vater und Religionsunterricht erhielt sie von einem eifrigen Bauern. Schon bald bemerkten die Eltern und alle, die Anna Katharina kannten, dass sie sich vom Gebet und vom religiösen Leben in besonderer Weise angezogen fühlte.
Im Alter von 12 Jahren wurde Anna K. für drei Jahre als „gute Arbeitskraft“ auf den großen Gutshof des Onkels in Dienst geschickt. Anschließend lernte sie mit 17 Jahren nähen und ging zur weiteren Ausbildung nach Coesfeld. Dort liebte sie es ganz besonders, die alte Kirche zu besuchen und an der hl. Messe teilzunehmen. Oft ging sie allein betend den Kreuzweg. Wenngleich ihr Schulbesuch nur von kurzer Dauer gewesen war, vertiefte sie sich in religiöse Texte und in die Heilige Schrift, wobei sie zunehmend eine große religiöse Sensibilität und eine besondere Fähigkeit des Mitgefühls entwickelte, sodass sie gerne in ein Kloster eingetreten wäre. Da dies zunächst ein frommer Wunsch blieb, kehrte sie zu den Eltern nach Hause zurück und arbeitete fortan als Schneiderin in den umliegenden Bauernschaften.
In der Zwischenzeit ersuchte sie um Aufnahme in verschiedenen Klöstern, wurde jedoch immer abgewiesen, weil sie keine Mitgift vorweisen konnte. Die Klarissen von Münster erklärten sich schließlich bereit, sie unter der Bedingung aufzunehmen, dass sie das Orgelspiel erlernte. Die Eltern gaben ihr daraufhin die Erlaubnis, sich zur Ausbildung zum Organisten Söntgen in Coesfeld zu begeben. Dort kam sie jedoch nie zum Orgelspielen, denn die Not und das Elend der Familie Söntgen nötigten sie, mit ihrer Arbeit im Haus und in der Familie einen Beitrag zu leisten und sogar ihre kärglichen Ersparnisse zu opfern, um den Söntgens unter die Arme zu greifen.
Mittlerweile verspürte auch die Tochter des Organisten Söntgen, Klara, die ebenfalls Organistin war, den Ruf zum Ordensleben. Die Augustinerinnen von Dülmen suchten eine Schwester, welche die Orgel spielte. Söntgen war bereit, seiner Tochter die Erlaubnis zum Klostereintritt zu geben – unter der Bedingung, dass auch Anna Katharina aufgenommen würde.
1802 konnte Anna Katharina zusammen mit ihrer Freundin Klara Söntgen endlich in das Kloster der Regularkanonissen des hl. Augustinus in Agnetenberg bei Dülmen eintreten. Dort nahm sie eifrig am monastischen Leben teil und war immer bereit, auch die schwersten und unbeliebtesten Arbeiten zu übernehmen. 1803 legte sie die Gelübde ab. Das Klosterleben war für sie sehr schwierig. Aufgrund ihrer armseligen Herkunft wurde sie im Grunde wenig geschätzt. Einige Mitschwestern nahmen Anstoß an ihrer genauen Observanz der Ordensregel und hielten sie für eine Heuchlerin. Anna Katharina ertrug diesen Schmerz in Schweigen und Ergebenheit.
Noch dazu litt sie an verschiedenen Krankheiten. Aufgrund eines Unfalls im Jahre 1905 sah sie sich gezwungen, drei Monate lang das Bett zu hüten, und von 1806 bis 1812 musste sie sich fast durchweg in ihrem Zimmer aufhalten. Da sie die Charismen, die Gott ihr schenkte, als sie noch das Leben einer Bäuerin führte, nicht verbergen konnte, machte man sie zum Gegenstand von Verdächtigungen aller Art und von boshaften Unterstellungen.
1811 wurde der Augustinerinnenkonvent Agnetenberg im Zuge der Säkularisierung aufgehoben. 1812 musste auch Anna Katharina das Kloster verlassen und fand  Aufnahme als Haushälterin beim Vikar Lambert, einem aus Frankreich geflohenen Priester, der in Dülmen wohnte. Doch bald erkrankte sie und konnte das Haus nicht mehr verlassen; sie musste im Bett bleiben. Im Einvernehmen mit dem Vikar ließ Anna Katharina ihre jüngere Schwester Gertrud kommen, die unter ihrer Anleitung den Haushalt führte.
In dieser Zeit, am 29. Dezember 1812, empfing Anna Katharina Emmerick die Wundmale, unter deren Schmerzen sie schon seit 1798 gelitten hatte. Die Tatsache, dass sie die Wundmale trug, konnte sie nur bis zum 28. Februar 1813 verbergen, als eine Mitschwester des aufgehobenen Klosters diese zufällig bemerkte. Sofort verbreitete sich das Gerücht, dass Anna Katharina die Stigmen erhalten und Visionen habe. Dr. Franz Wilhelm Wesener, ein junger Arzt, untersuchte sie und war von einer zweiten Begegnung mit ihr so beeindruckt, dass er ihr in den folgenden elf Jahren ein treuer Helfer und uneigennütziger Freund wurde. Über seine Zusammenkünfte mit Anna Katharina führte er ein Tagebuch, in dem er alle Einzelheiten bezüglich Wundmale, Nahrungslosigkeit, Ekstasen und Visionen festhielt.
Auch die Kirche wurde bald auf sie aufmerksam und ordnete eine kanonische Untersuchung unter der Leitung von Dr. Wesener zusammen mit dem Pfarrer, einem Chirurgen, dem Beichtvater und Vikar Lambert an. Die Kirche fürchtete, es könnte etwas anderes dahinterstecken und wollte einen Skandal um jeden Preis vermeiden. Die Untersuchung wurde am 22. März 1813 durchgeführt. Anna Katharina musste sich bezüglich Stigmen einer klinischen Kontrolle unterziehen und die folgenden sechs Fragen unter Eid beantworten:

 

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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 6