Helena ChappotinMARIA VON DER PASSION
(HELENA MARIA DE CHAPPOTIN DE NEUVILLE)

(1839 – 1904)

GRÜNDERIN
DES INSTITUTS DER FRANZISKANERINNEN MISSIONARINNEN MARIENS

Seligsprechung: 20. Oktober 2002
Fest: 15. November

HELENA MARIA DE CHAPPOTIN DE NEUVILLE (Ordensname: Maria von der Passion) wurde am 21. Mai 1839 als Tochter von Paul Joseph Charles de Chappotin de Neuville und Sophie Caroline Galbaud du Fort in Nantes Château du Fort, Frankreich, geboren. Bei der Taufe am nächsten Tag erhielt sie den Namen Helena Maria Philippine. Die Familie, die einem alten Adelsgeschlecht entstammte, ließ ihr eine tiefchristliche Erziehung angedeihen, wobei sich bei ihr schon bald herausragende natürliche Begabungen und ein starker Glaube bemerkbar machten. Am 31. Mai 1850 wurde Helena zur Erstkommunion zugelassen und erhielt auch die Firmung. Am 31. Mai 1854 trat sie bei den Schwestern vom Heiligen Herz Jesu in Nantes der Kongregation der Töchter Mariens bei.

Im April 1856 hatte Helena während eines geistlichen Exerzitienkurses eine erste Gotteserfahrung, wobei sie den Ruf zu einem vollständig geweihten Leben verspürte. Der plötzliche Tod der Mutter verzögerte die Umsetzung. Am 9. Dezember 1860 trat Helena schließlich mit Genehmigung des Bischofs in den Klarissenorden ein, da sie sich besonders vom Ideal der Schlichtheit und der Armut des hl. Franziskus angesprochen fühlte. Noch als Postulantin machte sie am 23. Januar 1861 eine tiefe Gotteserfahrung und bot sich als Sühneopfer für Kirche und Papst an. Diese Erfahrung sollte ihr ganzes Leben bestimmen. Aufgrund einer schweren Erkrankung musste sie Ende Januar das Kloster verlassen.

Wieder zu Hause, aber nach wie vor vom Wunsch beseelt, sich Gott zu weihen, verbrachte Helena die Zeit in Sammlung und Gebet. Als sie sich erholt hatte, wurde sie von ihrem Beichtvater auf die Gesellschaft Mariens von der Sühne hingewiesen, die einige Jahre zuvor von der seligen Maria von Jesus d’Oultremont gegründet worden war – ein Institut ignatianischer Prägung, wenngleich sich Helena stets zum franziskanischen Ideal hingezogen fühlte. Am 17. Mai 1864 wurde sie als Postulantin aufgenommen, am darauffolgenden 15. August erhielt sie in Tolosa das Ordenskleid und den Namen Maria von der Passion. Noch als Novizin wurde sie am 19. März 1865 in das Apostolische Vikariat von Maduré nach Indien geschickt, das der Gesellschaft Jesu anvertraut war und wo die Sühneschwestern, neben anderen apostolischen Tätigkeiten, vor allem die Aufgabe hatten, die Ordensschwestern einer autochthonen Kongregation auszubilden. Dort legte sie am 3. Mai 1866 die zeitlichen Gelübde ab.

Wegen ihrer Fähigkeiten und Tugenden wurde sie zur Lokaloberin und im Juli 1867 zur Provinzoberin der drei Sühneklöster Südindiens – Trichy, Tuticorin und Adaikelapuram – ernannt. Unter ihrer Leitung entfalteten sich die apostolischen Werke. Der Friede, der zuweilen durch die vorhandene Anspannung in der Mission gestört war, wurde wieder hergestellt. Eifer und Regeltreue erblühten in den Kommunitäten aufs Neue. Am 15. Mai 1866 legte Maria von der Passion die ewigen Gelübde ab.

Durch unvorhergesehene und schmerzliche Umstände flammten die bereinigten Unstimmigkeiten von 1873 an wieder auf. Dessen ungeachtet gründete Maria von der Passion 1874 in Ootacamund im Vikariat von Coimbatore, das den Auslandsmissionen von Paris anvertraut war, ein neues Haus. In Maduré aber verschärften sich die Auseinandersetzungen so sehr, dass es die Generaloberin am 22. Januar 1876 für angebracht hielt, Maria von der Passion als Provinzialin zu ersetzen, indem sie diese zur Oberin des Hauses von Ootacamund ernannte. Maria akzeptierte die Entscheidung mit bewundernswerter Gelassenheit. Dank ihrer Dynamik und ihrer eifrigen Gefährtinnen arbeitete sie an Werken der Nächstenliebe und schon bald entstanden eine Internatsschule, eine indische Schule, ein Waisenhaus und eine kleine Armenapotheke. Darüber hinaus suchte sie den Kontakt und das Gespräch mit den Protestanten. Eine andere anspruchsvolle Tätigkeit war der Besuch der Gefangenen. Inzwischen wurden die Schwierigkeiten immer mehr und einige schmerzliche Umstände führten im Juni 1876 eine Gruppe von 20 Schwestern, darunter auch Maria von der Passion, zur Trennung von der Gesellschaft Mariens von der Sühne. Sie schlossen sich in Ootacamund unter der Jurisdiktion des Apostolischen Vikars von Coimbatore, Msgr. Joseph Bardou, zusammen.

Elena ChappotinMit Unterstützung und unter der Leitung von Msgr. Bardou begab sich Maria von der Passion am 21. November 1876 mit drei Gefährtinnen nach Rom, um die Situation der 20 abgespaltenen Schwestern zu regeln, und erhielt im Zuge dessen von Papst Pius IX. am 6. Januar 1887 die Vollmacht, ein neues spezifisch missionarisches Institut unter dem Namen Missionarinnen Mariens zu gründen. Im Bericht über diese Begebenheit schrieb Maria von der Passion: „Das erste Kloster, die Wiege unserer Armut, wurde Nazareth genannt; es war in den indischen Bergen, wo Gott unser neues Missionsinstitut gründete.“

Maria von der Passion kehrte nicht mehr nach Indien zurück, sondern ging auf Anregung der Kongregation Propaganda Fide unverzüglich nach Frankreich, wo sie am 14. März 1877 in ihrem ersten offiziellen Brief an die Schwestern von Ootacamund schrieb: „Mit Jesus dem Erlöser und seiner Mutter Maria muss eine Missionarin Mariens ein Sühneopfer sein und soweit als möglich zum Reich Gottes und zum Heil der Seelen beitragen. Es war in Nazareth, dass Maria den Erlöser der Welt empfing. Und genauso ist hier der Ort, an dem ihr als erste Mitglieder des kleinen Instituts unaufhörlich die Gnade erflehen müsst, um die Mission eurer Mutter auf Erden fortzuführen.“

 

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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 6