August CzartoryskiAUGUST CZARTORYSKI

(1858 – 1893)

PRIESTER
DER GESELLSCHAFT DER SALESIANER DES HL. JOHANNES BOSCO

Seligsprechung: 25. April 2004
Fest: 8. April

AUGUST CZARTORYSKI wurde am 2. August 1858 im Pariser Exil geboren. Bei der Taufe erhielt er den Namen August. Ungefähr 30 Jahre zuvor war das Adelsgeschlecht, das mit der Geschichte und den dynastischen Interessen Polens verbunden war, nach Frankreich emigriert und vom Palast Lambert am Ufer der Seine aus bei den Landsleuten und den europäischen Staatskanzleien sehr aktiv, um die Einheit der Heimat, die 1795 unter den angrenzenden Großmächten aufgeteilt worden war, wiederherzustellen.

Prinz Adam Czartoryski, Militär und Politiker, hatte die Leitung des Hauses wie auch der patriotischen Aktivitäten an Prinz Ladislaus abgegeben, der mit Prinzessin Maria Amparo, der Tochter der spanischen Königin Maria Christina und des Fürsten Rianzarez, verheiratet war. Sie sind Augusts Eltern. Dieser wurde als Erstgeborener der Familie zum Bezugspunkt für all jene, die nach der dritten Teilung Polens von einer Wiedervereinigung träumten. Der Plan Gottes aber war ein anderer.

Mit sechs Jahren, im August 1864, verlor August die Mutter, die an Tuberkulose erkrankt war und die Krankheit an den Sohn weitervererbte. Prinz Ladislaus heiratete in zweiter Ehe Prinzessin Marguerite d’Orleans, die Tochter des Grafen von Paris und französischen Kronprätendenten. Sie brachte August sehr viel Verständnis entgegen. Mit neun Jahren betrat dieser 1867 erstmals polnischen Boden. Von 1868 bis 1870 besuchte er dann das Lyzeum Charlemagne  in Paris. 1870/71, während des französisch-preußischen Krieges, kehrte August nach Polen zurück und setzte seine Studien in Krakau fort. Hier empfing er im September 1871 in der Krypta der Pfarrkirche von Sieniawa, an den Gräbern seiner Vorfahren, die Erstkommunion.

Wieder in Paris, besuchte August für einige weitere Jahre das Lyzeum Charlemagne. Der Fleiß, den er bei der Erfüllung seiner Aufgaben, auch der geringsten, an den Tag legte, brachte ihm allgemeine Bewunderung ein. 1875 musste er sich jedoch in das Privatleben zurückziehen, weil sich das übliche Studentenleben auf seine Gesundheit negativ auswirkte. Das brachte ihn jedoch nicht um seine Ausbildung, da der Vater hervorragende Lehrer an den Palast Lambert berief, die das schulische Programm in einer für Augusts körperlicher Verfassung adäquaten Weise abwickelten. Sein Zustand besserte sich jedoch nur zögerlich, weshalb sein Leben zunehmend die Züge eines ständigen Hin- und Herwanderns annahm, von einer klimatischen Region in die andere, stets in der Hoffnung auf Genesung. Italien, Schweiz, Ägypten und Spanien bildeten die Hauptstationen auf seiner Wanderschaft. Doch waren der vorrangige Anlass für sein Suchen nicht die gesundheitlichen Umstände. In seinem Innern gab es da noch ein anderes, viel kostbareres Suchen, nämlich nach seiner Berufung. Er hatte nicht lange gebraucht, um zu begreifen, dass er für das Leben bei Hof nicht geschaffen war. So bestätigte er als Zwanzigjähriger in einem Brief an den Vater, in Anspielung auf die mondänen Feste, an denen er teilnehmen musste: „Ich gestehe Ihnen, dass ich all dieser Dinge satt bin. Es sind bloß unnütze Unterhaltungen, die mich einengen. Es ist mir lästig, bei so vielen Banketten Bekanntschaften schließen zu müssen.“
Großen Einfluss auf den jungen Prinzen hatte sein Hauslehrer Joseph Kalinowski. Er, der 1991 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde, hatte zehn Jahre Zwangsarbeit in Sibirien hinter sich und trat dann bei den Karmeliten ein. Czartoryskis Hauslehrer war er nur drei Jahre lang (1874 –1877), hinterließ aber seine Spuren. Orientierende Gestalten für den Prinzen bei der Suche nach seiner Berufung waren vor allem der hl. Aloisius Gonzaga und sein Landsmann, der hl. Stanislaus Kostka. Vom Wahlspruch des Letzteren war er begeistert: „Ad maiora natus sum.“ „Das Leben des hl. Aloisius, das mir Pater Cepati aus Italien geschickt hat“, schreibt Kalinowski, „hatte entscheidenden Einfluss auf Augusts spirituellen Fortschritt und eröffnete ihm den Weg zu einer leichteren Vereinigung mit Gott.“

Als Kalinowski bei den Karmeliten eintrat, folgte Augusts Vater dessen Vorschlag und stellte seinem Sohn den Priester Don Stanislaus Kubowicz als neuen Hauslehrer zur Seite. Dies war für August eine weitere spirituelle Hilfe.

Das entscheidende Ereignis war jedoch die Bekanntschaft mit Don Bosco. August war bei seiner ersten Begegnung mit ihm 25 Jahre alt. Diese fand in Paris statt, noch dazu im Palast Lambert, wo der Gründer der Salesianer in der Familienkapelle die Messe feierte. Als Ministranten dienten Prinz Ladislaus und August. „Es war schon lange mein Wunsch, Sie einmal kennenzulernen!“, sagte Don Bosco zu August. Von dem Tag an sah August in dem heiligen Erzieher den Vater seiner Seele und den Gebieter über seine Zukunft.
Bei dem jungen Mann zeichnete sich die Berufung zum Ordensleben immer deutlicher ab. Dass er keinerlei Neigung zeigte, eine Familie zu gründen, obwohl er der Haupterbe war, wurde immer offensichtlicher. Was konkrete Heiratsvorschläge anging, so hatte August, wenngleich er einerseits aus Rücksicht auf den Vater und der Etikette wegen kein entschiedenes Nein entgegensetzte, nie ein Interesse an den ins Gespräch gebrachten Personen gezeigt. Jetzt, nach der Begegnung mit Don Bosco, fühlte er sich nicht nur in seiner Berufung zum Ordensleben bestärkt, sondern war geradezu überzeugt davon, zum Salesianer berufen zu sein. Und in der Tat, so schreibt Don Ceria, „kaum hatte ihm der Vater die Erlaubnis gegeben, ging August nach Turin, um Don Bosco zu treffen und seinen Rat einzuholen. Er absolvierte auch verschiedene Exerzitienkurse unter der Leitung des Heiligen, wobei er, zu seinem großen Unbehagen mangels Annehmlichkeiten, im Oratorium wohnte“.
Don Bosco war also zum Bezugspunkt für die Berufungsentscheidung des jungen Mannes geworden. Der Heilige übte allerdings immer große Zurückhaltung hinsichtlich der Aufnahme des Prinzen in die Kongregation. Es war der Papst persönlich, Leo XIII., der jeden Zweifel zerstreute. Nachdem er den Willen Augusts geprüft hatte, schloss er: „Sagt Don Bosco, dass es der Wille des Papstes sei, dass er Euch bei den Salesianern aufnimmt.“ „Nun gut, mein Teurer“, war Don Boscos unverzügliche Antwort, „ich nehme Euch auf. Von diesem Augenblick an seid Ihr Teil unserer Gemeinschaft und ich wünsche, dass Ihr dies bis zum Tode bleibt.“

Ende Juni 1887, nachdem er zugunsten der Geschwister auf alles verzichtet hatte, wurde der junge Czartoryski nach S. Benigno Canavese zu einem kurzen Aspirantat vor dem Noviziat geschickt, das er im gleichen Jahr unter der Leitung des Novizenmeisters Don Giulio Barberis begann. August musste fortan mit einer Änderung vieler Gewohnheiten vorliebnehmen: Tagesordnung, Verpflegung, Gemeinschaftsleben. Zudem hatte er gegen die Rückholversuche der Familie zu kämpfen, die sich mit seiner Entscheidung nicht abfinden konnte. Der Vater kam ihn besuchen und wollte ihn umstimmen. August ließ sich jedoch nicht darauf ein. Am 24. November 1887 nahm Don Bosco in der Basilika Maria Ausiliatrice die Einkleidung vor. „Nur Mut, mein Prinz“, flüsterte ihm der Heilige ins Ohr, „heute haben wir einen glorreichen Sieg errungen. Ich kann Euch aber auch mit großer Freude mitteilen, dass der Tag kommen wird, an dem Ihr Priester sein werdet, und so Gott will, werdet Ihr für Eure Heimat sehr segensreich wirken.“ Zwei Monate später starb Don Bosco. An seinem Grab in Valsalice legte Prinz August Czartoryski die Ordensgelübde zum Salesianer ab.

Aufgrund seiner gesundheitlichen Verfassung wurde Czartoryski an die ligurische Küste geschickt, wo er die Theologiestudien in Angriff nahm. Der Krankheitsverlauf ließ die Anstrengungen der Familie umso beharrlicher wieder aufkeimen, die auch über die Ärzte Druck auszuüben versuchte. An Kardinal Parocchi, der ersucht wurde, seinen Einfluss geltend zu machen, um August vom salesianischen Leben abzubringen, schrieb er: „In voller Freiheit habe ich die Gelübde abgelegt und mein Herz war dabei voller Freude. Seit jenem Tag genieße ich in der Kongregation eine tiefen geistigen Frieden und ich danke dem Herrn, dass er mich zur Gemeinschaft der Salesianer geführt hat und mich berufen hat, in ihr zu leben.“

 

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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 6