Johannes BeyzymJOHANNES BEYZYM

(1850 – 1912)

PROFESSPRIESTER
DER GESELLSCHAFT JESU

Seligsprechung: 18. August 2002
Fest: 2. Oktober

JOHANNES BEYZYM wurde am 15. Mai 1850 als erstes von fünf Kindern des Johann Beyzym und der Olga Stadnicka in Beyzymy Wielkie, Polen, geboren. Die Familie gehörte dem Adelsstand an und stammte möglicherweise von den Tataren ab. Bis 1863 verbrachte Johannes eine glückliche Kindheit im Kreis der Familie in Onackowce. Nach dem missglückten Aufstand der Polen gegen die russischen Invasoren wurde sein Vater in Abwesenheit zum Tod verurteilt, die Güter der Familie wurden eingezogen und Johannes musste ins Ausland flüchten. Die Mutter übersiedelte mit den Kindern nach Sledzie in Podolien, wo sich Johannes unter den gegebenen tragischen Umständen, soweit es ihm seine Studienverpflichtungen erlaubten, bemühte, u.a. auch durch manuelle Arbeit zum Unterhalt der Seinen beizutragen. In den Jahren 1864 –1871 besuchte er das Lyzeum in Kiew. 1872 überschritt er, als Bauer verkleidet, die russisch-österreichische Grenze und begab sich nach Porudne, um den Vater zu besuchen, der nach dem Aufstand von 1863 ein Vagabundenleben führte.
Am 11. Dezember 1872 trat Beyzym in das Noviziat der Gesellschaft Jesu in Stara Wieś bei Brzozów ein, wo er 1874 die der Gesellschaft Jesu eigenen ersten Gelübde ablegte, nämlich einfache, die zugleich ewige waren. Nach Abschluss der philosophischen Studien wurde er am 22. August 1879 zum Theologiestudium nach Krakau geschickt und dort am 26. Juli 1881 zum Priester geweiht. Nach Beendigung der für Jesuiten bestimmten Ausbildung in Tarnopol und nach Ablauf des dritten Probejahres wurde P. Beyzym zum Studienpräfekten und zum Dozenten im Kolleg von Tarnopol (1885 –1887) ernannt, wo er am 2. Februar 1886 die letzten Gelübde ablegte und sich damit für immer der Gesellschaft Jesu verpflichtete. 1887 wurde er dem Kolleg-Konvikt von Chyrów zugewiesen. Dort fungierte er als Lehrer für Französisch und Russisch (1888 –1890), als Präfekt und Erzieher schwieriger Jugendlicher (1888 –1894) und als Verantwortungsträger für die Kranken (1889 –1898), wobei er sich besonders als Erzieher und Krankenpfleger hervortat. Möglicherweise war es gerade seine Tätigkeit im Dienst der Patienten, die in ihm zunehmend die Berufung weckte, sich gänzlich der Pflege von Leprakranken in einer armen Mission zu verschreiben.

Nach Erhalt der Erlaubnis vom Generaloberen der Gesellschaft reiste Pater Beyzym am 17. Oktober 1898 nach Madagaskar, wo er am 30. Dezember eintraf. Am 9. Februar des Folgejahres begann er sein Apostolat unter den 150 Leprakranken, die im Leprosorium von St. Kamillus in Ambahivoraka nahe der Hauptstadt Antananarive in unbeschreiblicher materieller und spiritueller Armut lebten. Entgegen den damaligen Gepflogenheiten, nämlich diese bedauernswerten Kranken zusammenzuhalten und zu isolieren, wollte P. Beyzym sein Leben mit ihnen teilen. Er begab sich mitten unter sie und bemühte sich Tag und Nacht mit großer Hingabe darum, ihre Schmerzen zu lindern, wobei er jeden nur erdenklichen Dienst leistete, auch den niedrigsten und widerwärtigsten.

Gleichzeitig begann er Freunde, Verwandte und Bekannte in Polen mit Briefen zu bestürmen, in denen er die tristen Umstände schilderte, unter denen die Unglückseligen lebten. Sein Plan war die Errichtung eines echten Gesundheitszentrums, wo er die Kranken behandeln und ganz seiner apostolischen Mission nachgehen konnte. Nachdem die ersten größeren Unterstützungen eingetroffen waren, wählte er als Ort für den Bau des Zentrums Marana, 5 km von der Kleinstadt Fianarantsoa entfernt im Süden der Insel, damals Apostolisches Vikariat, heute Erzdiözese, wo schon seit langem Jesuitenmissionare tätig waren, vornehmlich Franzosen und Belgier. Am 11. Oktober 1902 übersiedelte er dorthin und legte den Grundstein für die Arbeiten zum Bau des Leprosoriums.
Beyzym wollte ein Krankenhaus, das dem damals neuesten Stand der Medizin entsprach und nach gesunden moralischen Prinzipien organisiert war. Zu diesem Zweck ersuchte er um großzügige finanzielle Hilfen und bekam diese auch, von seinen polnischen Landsleuten und von Maria Theresia Ledóchowska, der späteren Seligen und Gründerin der Petrus Claver-Sodalität. Allerdings musste Pater Beyzym Jahre hindurch gegen alle nur erdenklichen Schwierigkeiten ankämpfen, bevor er sein Projekt realisieren konnte, denn die aufeinanderfolgenden Apostolischen Vikare und auch einige seiner Ordensoberen glaubten trotz der zuvor erteilten Erlaubnis nicht an den Erfolg der Initiative. Bei der Fortführung seines Werkes kamen zu diesem ohnehin schon schweren Hindernis noch andere Probleme hinzu, die er nicht voraussehen konnte: Aufgrund der ungeheuren Erfordernisse der Mission wurden Teile der von ihm für den Bau des Spitals gesammelten Gelder von den Oberen für Zwecke verwendet, die diese für dringlicher und pastoral zweckmäßiger hielten.  
Das daraus resultierende Unverständnis wurde noch zusätzlich erschwert durch die Tatsache, dass Beyzym aufgrund seiner Arbeit unter den Leprakranken von den Mitbrüdern isoliert leben musste. Die wenigen Kontakte, die er mit ihnen hatte, waren alles andere als einfach, nicht nur wegen des Nationalitäts- und Mentalitätsunterschiedes, sondern auch weil es ihm schon immer schwer gefallen war, sich auf Französisch auszudrücken. So kam es, dass er von nicht wenigen Oberen und Mitbrüdern für einen zwar zweifellos beispielhaften und gehorsamen Ordensmann gehalten wurde, aber auch für hartnäckig im Vertreten seiner Ideen und – unberechtigterweise – wenig feinfühlig in der Art und Weise seines Vorgehens.

Unter den gegebenen Umständen brauchte es gut neun Jahre, bis es gelang, einen echten und eigentlichen Spitalskomplex aufzubauen, wo die Leprakranken zum ersten Mal nicht mehr als jenes verdammte Gesindel betrachtet wurden, vor dem man sich hüten musste, sondern als kranke Menschen mit der ihnen gebührenden Würde, die gesundheitlichen und spirituellen Beistand benötigten, um Heilung und Rehabilitierung zu erlangen.
Die Zähigkeit und Energie, die P. Beyzym aufbrachte, waren immens. Er hatte auch mit allen möglichen Schwierigkeiten seitens der Bevölkerung zu kämpfen, mit Vorurteilen und dem in jedem Volk verwurzelten Aberglauben in Bezug auf  Lepra und die Gefahr der Ansteckung, bis hin zum gänzlichen Fehlen der medizinischen Einrichtungen für die Pflege und Rehabilitation der Kranken, während die Zahl der Leprapatienten, die herbeiströmten, um geheilt zu werden, umso stärker wuchs, je mehr sich die Kunde von seiner Initiative  in Madagaskar verbreitete.

Nach Jahren des Widerstandes von Seiten der Lokalbehörden, die Beyzym viele Unannehmlichkeiten bereiteten, die er jedoch stets im Geiste des Glaubens und in unverbrüchlichem Vertrauen auf den Beistand Mariens hinnahm, wurde die Frage des Spitals schließlich 1909 von einem Visitator, den der Generalobere der Gesellschaft entsandt hatte, zu seinen Gunsten gelöst.

 

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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 6