Jakob AlberioneJAKOB ALBERIONE

(1884 – 1971)

priester und gründer
DER „PAULUS-FAMILIE“

Seligsprechung: 27. April 2003
Fest: 26. November

JAKOB ALBERIONE wurde am 4. April 1884 in San Lorenzo di Fossano (Cuneo), Italien, geboren und am folgenden Tag auf den Namen Jakob getauft. Die Familie Alberione, bestehend aus Michele Alberione, Teresa Allocco und sechs Kindern, war vom Bauernstand, tief religiös  und arbeitsam. Der kleine Jakob, der Viertgeborene, erhielt seine erste Lebensschulung in einem gesunden familiären Umfeld. 1887 übersiedelte die Familie aus der Hochebene von S. Lorenzo in die Ebene der Pfarrei San Martino, Gemeinde Cherasco und Diözese Alba. Hier besuchte Jakob von 1890 –1895 die Volksschule, wobei er schon bald den Ruf Gottes verspürte. Auf die Frage seiner Lehrerin, was er denn einmal werden wolle, gab er zur Antwort: „Ich werde Priester.“ Sie ermunterte ihn dazu und unterstützte ihn sehr.

Am 25. Oktober 1895 trat Jakob in das Kleine Seminar von Bra in der Erzdiözese Turin ein. Er blieb dort bis zum April 1900, als er wegen einer spirituellen Krise entlassen wurde. Jakob kehrte nach Hause zurück und trat, nachdem er sich erholt hatte, im Oktober desselben Jahres in das Seminar von Alba ein, wo er auf den Kanoniker Francesco Chiesa traf, der ihm 46 Jahre lang Vater, Seelenführer, Freund und Berater sein sollte.
Am Ende des Heiligen Jahres 1900 machte Jakob, bereits angetan von der Enzyklika Leos XIII., Tametsi futura, die entscheidende Erfahrung seines Lebens. In der Nacht des 31. Dezember 1900, an der Schwelle von einem Jahrhundert zum anderen, betete er vier Stunden lang vor dem Allerheiligsten Altarsakrament. Aus der Hostie strahlte ihm ein „besonderes Licht“ entgegen und von diesem Moment an fühlte er sich „zutiefst verpflichtet, etwas für den Herrn und die Menschen des neuen Jahrhunderts zu tun: „verpflichtet, der Kirche zu dienen“ mit den neuen Mitteln, die vom menschlichen Geist dargeboten werden. Am 8. Dezember 1902, dem Fest der Immakulata, trat er mit der Einkleidung in den Stand der Kleriker und folgte von nun an intensiv dem Studium von Philosophie und Theologie.

Am 29. Juni 1907 wurde Alberione zum Priester geweiht und am 9. April 1908 promovierte er am Theologischen Kolleg S. Tommaso d’Aquino in Genua in Theologie. Es folgte eine kurze, aber entscheidende pastorale Erfahrung als Kaplan in Narzole (Cuneo). Dort traf er den jungen Josef Giaccardo, der für ihn das wurde, was Timotheus für den Apostel Paulus war. Alberione schickte ihn auf seine Kosten ins Seminar. In Narzole wurde Don Alberione auch klar, wie man die Frau in das Apostolat einbinden konnte.

Ende 1908 wurde er vom Bischof als Spiritual für die jüngeren und älteren Seminaristen im Seminar von Alba beauftragt. Gleichzeitig war er seelsorglich tätig und stellte sich für Predigten, Katechesen, Zusammenkünfte in den Pfarreien der Diözese, als Zeremoniär des Bischofs und als Dozent für Kirchen- und Staatsgeschichte zur Verfügung. Viel Zeit widmete er auch dem Studium der sozialen Frage seiner Zeit im kirchlichen und staatlichen Bereich und den neuen Bedürfnissen, die sich stellten.

1910 entschied er, dass das Apostolat der „guten Presse“ in die Kompetenz von Ordensmännern und -frauen fallen solle. Diese Einstellung bezeugen zwei seiner Bücher: Appunti di teologia patorale (Bemerkungen zur Pastoraltheologie, 1912) und La donna associata allo zelo sacerdotale (Die Frau im Verbund mit dem priesterlichen Eifer, 1911–1915). Am 8. Dezember 1913 vertraute ihm der Bischof La Gazetta d’ Alba an. Don Alberione sah in diesem Auftrag einen Wink der Vorsehung, nämlich, sich dem spezifischen Apostolat der guten Presse zu widmen. Diese Aufgabe musste jedoch, um effizient und dauerhaft zu sein, von gottgeweihten Personen übernommen werden,  denn „die Werke Gottes geschehen durch  Männer und Frauen Gottes“. So segnete Don Alberione am 20. August 1914 seine erste Druckmaschine und nahm die erste Gruppe von Jugendlichen zur Arbeit in der Druckerei auf. Auf diese Weise legte er den Grundstein der „Paulus-Familie“ mit der formellen Gründung der Gesellschaft vom hl. Paulus, damals „Typographieschule“ genannt. Der Anfang war mehr als bescheiden – gemäß der göttlichen Pädagogik: „immer von einer Krippe aus beginnen“.

Jakob AlberioneDie menschliche Familie aber, an der sich Alberione orientierte, besteht aus Brüdern und Schwestern. Die erste Frau, die Alberione folgte, war Theresa Merlo, ein 20-jähriges Mädchen aus Castagnito (Cuneo). Mit ihrer Hilfe legte Alberione am 15. Juni 1915 den Grundstein für die Kongregation der Schwestern vom hl. Paulus. Nach und nach entwickelte sich die „Familie“, die Berufungen von Männern und Frauen nahmen zu, das Apostolat zeichnete sich ab und am 8. Dezember 1917 legten die Mitarbeiter der ersten Stunde mit Privatgelübden die Ordensprofess ab. Im Dezember 1918 fuhren die ersten „Töchter“ Richtung Susa. Es begann so eine mutige Geschichte von Glauben und Unternehmungslust, die auch einen charakteristischen Lebensstil hervorbrachte, der „paulinisch“ genannt wurde. Am 13. Juni 1922 legten die ersten Paulus-Töchter die privaten Gelübde ab.
Dieser Weg schien 1923 jäh unterbrochen zu werden, als der Gründer schwer erkrankte und die Diagnose der Ärzte keine Hoffnung mehr ließ. Doch nach einer Jesus-Vision im Traum wurde Don Alberione gesund: „Fürchtet euch nicht, ich bin bei euch. Von hier will ich mein Licht aussenden. Haltet euer Herz zur Umkehr bereit.“
Im Folgejahr entstand am 10. Februar 1924 die zweite Kongregation, die Jüngerinnen des Göttlichen Meisters,  für das eucharistische, priesterliche und liturgische Apostolat. Die Leitung der neuen Berufenen übertrug Don Alberione Schwester M. Scholastica Rivata, die mit 90 Jahren im Ruf der Heiligkeit starb. Im Oktober 1938 nahm das Institut der Schwestern Jesu des Guten Hirten seinen Anfang. Nach der durch den Zweiten Weltkrieg (1939–1945) erfolgten Unterbrechung kamen die goldenen Jahre (1950 –1960), reich an Berufen und apostolischen Initiativen. Don Alberione vervollständigte das Bild der Paulus-Familie durch die Gründung des Instituts der Schwestern der Königin der Apostel (1957) für die Berufungen (Apostelschwestern). Zu diesen fünf Kongregationen kamen noch die Gründungen von vier Instituten für Laien, Männer und Frauen, hinzu: die Säkularinstitute Hl. Erzengel Gabriel und Mariae Verkündigung (1958) sowie Jesus, der Priester und das Institut von der Heiligen Familie (1959 / 1971). Diese zehn Gründungen (einschließlich der 1917 mit feierlichem Versprechen gegründeten Paulinischen Mitarbeiter), die alle durch das gleiche Ideal der Heiligkeit und des Apostolats verbunden sind, sollen den „ganzen Paulus“ in der Vorbereitung auf die Ankunft Christi darstellen: „Weg, Wahrheit und Leben“ in der Welt, mit Hilfe der Kommunikationsmittel.

 

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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 6