Theresia Verzeri

THERESIA EUSTOCHIUM VERZERI
(Ignatia)

(1801 – 1852)

GRÜNDERIN
DES INSTITUTS
DER TÖCHTER DES
HEILIGSTEN HERZENS JESU

Heiligsprechung: 10. Juni 2001
Fest: 3. März

Die heilige THERESIA EUSTOCHIUM VERZERI (Ignatia) wurde am 31. Juli 1801 in Bergamo geboren und am darauffolgenden Tag auf den Namen Anna Maria Theresia Josefa Katharina Ignatia getauft. Sie war die Erstgeborene von sieben Kindern des Antonio Verzeri und der Gräfin Elena Grumelli-Pedrocchi. Einer der Söhne war später über 30 Jahre lang Bischof von Brescia.

In ihrer Kindheit wurde sie sowohl von ihrer Mutter als auch durch den Kanoniker Giuseppe Benaglio, Generalvikar der Diözese Bergamo und Seelenführer der Familie, zu einem tief religiösen Leben erzogen. Als Tochter einer Aristokratenfamilie aus bergamaskischem Adel machte sie ihre ersten Studien in einem häuslichen Umfeld, das von einer alten christlichen Tradition geprägt war. Drei ihrer Schwestern, Katharina, Maria und Judith und später auch die 1822 zur Witwe gewordene Mutter traten schließlich in das von Theresia gegründete Institut ein.

Nach Abschluss der Studien bei den Benediktinerinnen von S. Grata in Bergamo Alta wurde sie 1817 in eben jenes Kloster aufgenommen, wo sie jedoch nur von Januar bis August blieb, weil die Aufnahme von Minderjährigen gesetzlich verboten war. Als ihr Graf Albani einen Heiratsantrag machte, lehnte sie ab und kehrte auf Anordnung von Benaglio zu den Benediktinerinnen von S. Grata zurück, die sie zwei Jahre später, 1823, Theresia Verzeriwieder verließ. Sie widmete sich daraufhin mit einer Gruppe von Gefährtinnen in einer kleinen Gratisschule der Ausbildung junger Mädchen und anderen Werken der Nächstenliebe und legte so den Grundstein für ihr künftiges Institut. 1828 kehrte sie zum dritten und letzten Mal in das Kloster der Benediktinerinnen zurück.
Inzwischen bewog Benaglio, der nach dem Beispiel Verzeris in Gromo, Bergamo Alta, eine Schule für arme Mädchen eröffnet hatte, Theresia, das Kloster endgültig zu verlassen, um sie mit der Leitung der genannten Schule und der Errichtung des neuen Instituts zu betrauen. So gründete sie gemeinsam mit ihm am 8. Februar 1831 die Kongregation der Töchter des Heiligsten Herzens Jesu. Mit überbordendem Eifer machte sie sich an ihre neuen Aufgaben. Am Gründonnerstag brannte sie sich mit einem heißen Eisen den Namen Jesu und das Symbol des Heiligsten Herzens Jesu auf die Brust.

Zur Oberin gewählt, verstand sie es, dem Institut einen bemerkenswerten Impuls zu geben. Genau zu dem Zeitpunkt, als die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu auf Widerstand stieß, überreichte sie den ersten Töchtern des Instituts nachfolgendes Testament, welches als das geistige Vermächtnis der neuen Ordensgemeinschaft anzusehen ist: „ Jesus Christus hat euch und eurem Institut das kostbare Geschenk Seines Herzen vermacht, damit ihr nicht von anderen die Heiligkeit lernt, da Er die unerschöpfliche Quelle der wahren Heiligkeit ist.“

Theresia erkannte voll und ganz die Notwendigkeiten ihrer Zeit. Mit ihrer grenzenlosen Fähigkeit, sich an jedwede Situation, die der Unterstützung bedurfte, anzupassen, und sei sie auch noch so schwierig oder gefährlich, widmete sie sich mit ihren ersten Gefährtinnen den verschiedensten apostolischen Aufgaben: „ Ausbildung der Mädchen der Mittel- und Unterschicht; Konvikte für gefährdete Waisen, Verlassene und auf Abwege Geratene; Schulen; Vermittlung der christlichen Lehre, geistliche Übungen, Festlichkeiten, Krankenpflege.

Bei ihrer Mission zeigten sich ihre besonderen Talente als Seelenführerin, Seelsorgerin und Pädagogin, die sich ausdrücklich zum Präventivsystem bekannte: „Pflegt und behütet mit großer Sorgfalt Geist und Herz der euch anvertrauten Mädchen, solange sie noch in zartem Alter sind, um so weit als möglich zu verhindern, dass das Schlechte in ihnen Platz greift, wobei es besser ist, sie durch euer Zurufen und Ermahnen vor dem Fall zu bewahren, als sie durch Bestrafen auf den Weg zu bringen.

Erziehung war für sie ein Werk der Freiheit und der Überzeugung, in Achtung der Individualität. Daher empfahl sie, den Mädchen „eine heilige Freiheit zu belassen, damit sie das, was sie auf Befehl hin nur mit Mühe und Überwindung machen würden, gerne und in vollem Einverständnis tun“; damit sich die Wahl der Mittel „an Temperament, Begabung, Neigung und Gegebenheiten einer jeden von ihnen... sowie dem je eigenen Erkenntnisvermögen anpasse“, sei eine je eigene Behandlungsmethode zu entwickeln.

1836 starb Msgr. Benaglio. Die Verantwortung für die Kongregation lastete fortan „auf Schultern, Haupt und Herz“ von Theresia, die bei Kirche und Zivilbehörden auf heftigsten Widerstand stieß. Der Bischof war gegen das neue Institut und sagte, es bedürfe keiner neuen Orden, da die Diözese damit schon reichlich versorgt sei. Unter diesen für Verzeri sehr heiklen Umständen fehlte es jedoch nie an der Unterstützung der Priester des Apostolischen Kollegs, dem Benaglio angehörte. Zu den vielen Problemen gehörte auch, dass Theresia das Mutterhaus von Gromo in Bergamo Alta schließen und 1842 nach Brescia verlegen musste. Wenngleich sie an Epilepsie litt, schrieb sie: „Ich erkannte, dass uns der Herr in Bergamo nicht haben wollte, und so ergab ich mich dem göttlichen Plan, der immer gut ist.“

Stark, bestimmt und vom Glauben getragen, suchte sie den Willen Gottes um jeden Preis, indem sie sich zu allem bereit zeigte. Persönlich verfolgte sie den Gang der neuen Gründungen und den mühsamen Prozess der Anerkennung der Kongregation seitens der Kirche. Obwohl es ein beschwerlicher Weg war, erreichte Theresia 1841 bei ihrer ersten Reise nach Rom, um über die Angelegenheit der Kongregation zu verhandeln, deren Approbation. Bei eben dieser Gelegenheit wurde von Gregor XVI. das Decretum laudis der Konstitutionen erlassen, die dann 1847 von Pius IX. approbiert wurden.

Anlässlich ihrer zweiten Reise nach Rom 1845 präsentierte Verzeri den kirchlichen Stellen das Libro dei Doveri (Buch der Pflichten), ein Werk über die Spiritualität, an dem sie fünf Jahre, von 1838 bis 1843, gearbeitet hatte. Es ist dies ihre bedeutendste Schrift, die aus drei Bänden besteht und als „eines der beachtenswertesten Bücher über Spiritualität in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts“ bezeichnet wird. 1859 postum veröffentlicht, liegt es heute in fünfter Auflage vor und ist für die Töchter des Heiligsten Herzens Jesu bestimmt. Bei der Darstellung ihres Werkes bekräftigte Verzeri, den Gedanken ihres Meisters Benaglio gefolgt zu sein, vieles aber auch eigenständig hinzugefügt zu haben.

Neben dem „Buch der Pflichten“ sind auch noch verschiedene andere ihrer Schriften zu erwähnen: Costituzioni delle FSCG (Konstutionen der FSCG), Epistolario (Epistolarium mit über 3.500 Briefen an ihre Beichtväter, an Bischöfe, Kardinäle und weitere Personen; zudem 1.600 Briefe an ihre Schwestern), Frammenti di Catechismo (Fragmente des Katechismus), Minute di Preghiere e di Esercizi Spirituali (Minuten des Gebets und der geistlichen Exerzitien), Istruzioni alle Religiose (Unterweisungen an die Schwestern), Regolamenti pedagogici (Pädagogische Regeln). Bei der Abfassung ihrer Werke und in ihrem Verhalten zeigte Verzeri ein starkes ästhetisches Empfinden; sie hatte eine besondere Neigung zur Musik und verfügte über eine weiche Gesangsstimme.

Reich an Kreativität und von großer Seelenstärke erkannte sie klar und intuitiv die Dringlichkeiten der Gesellschaft und die von der Realität gestellten Herausforderungen ihrer Zeit. In diesem Zusammenhang erfasste und betonte sie die wichtige Stellung der Frau bei der Entfaltung der Ethik in der Familie und stellte in ergebener Treue zur Kirche das eigene Leben in den Dienst der Mitmenschen. Sie lebte in der Tat eine mystische Erfahrung leidenschaftlichen Suchens nach Gott allein. An ihren Spiritual schrieb sie: „In meinem Denken und Fühlen spüre ich stetes den Drang, keinen Gedanken zu formen, kein Wort zu äußern, keine Handlung zu tätigen, wenn dies nicht aus reiner Liebe geschieht. Ich möchte mich geradezu in Gott verlieren, sodass die Geschöpfe, die Natur, die Eigenliebe, die Geschäftigkeiten... mich nie mehr zu finden vermögen.“

Diese völlige Hingabe an den Willen Gottes vollzog sich in einem geschwächten und zunehmend kränklichen Körper. Von 1838 an wurde sie oft von epileptischen Anfällen geplagt, die in den letzten Lebensjahren immer häufiger wurden und sie manchmal Monate hindurch an das Bett fesselten oder in einen Zustand der Rekonvaleszenz zwangen, ohne dass sie sich dadurch an ihren Aktivitäten und Reisen hindern ließ.
Als ihr Bruder Hieronymus 1850 zum Bischof von Brescia ernannt wurde, begleitete sie ihn zur Bischofsweihe nach Rom und nützte dabei die Gelegenheit, in Arpino, Provinz Frosinone, ein Haus zu gründen und in Rom das Institut S. Paolo Eremita, für das sich Papst Pius IX. höchstpersönlich eingesetzt hatte. Die Reise und die damit verbundenen Anstrengungen schlugen sich jedoch auf ihre Gesundheit und die epileptischen Anfälle nahmen weiter zu. Am 3. März 1852 erlitt sie mindestens 25 solcher Anfälle, die zum Tod führten. Sie starb noch am gleichen Tag mit nur 51 Jahren im Haus S. Afra in Brescia, wobei sie den Schwestern in ihrem „Buch der Pflichten“ folgendes wertvolle Vermächtnis hinterließ:
Die Schwestern vom Heiligsten Herzen Jesu als diejenigen, die ihre Nächstenliebe aus der Quelle der Liebe selbst, also dem Herzen Jesu Christi speisen, müssen dem Nächsten gegenüber aus eben derselben Liebe des göttlichen Herzens brennen.“ Von diesem Geist beflügelt setzen die Töchter des Heiligsten Herzens Jesu die Mission Verzeris heute in Italien, Brasilien, Argentinien, Bolivien, in der Zentralafrikanischen Republik, in Kamerun, Indien und Albanien fort.

Die sterblichen Überreste Verzeris werden in der Kapelle der Töchter des Heiligsten Herzens Jesu in Bergamo verehrt; sie sollen in den Dom überführt werden.

Am 10. Juni 2001 wurde Theresia Eustochium Verzeri von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen, nachdem sie Papst Pius XII. am 27. Oktober 1946 seliggesprochen hatte.

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 5