Johannes Dukla

JOHANNES VON DUKLA

(ca. 1414–1484)

PROFESSPRIESTER
DES ORDENS DER MINORITEN
(FRANZISKANER)

Heiligsprechung: 10. Juni 1997
Fest: 29. September

Der heilige JOHANNES VON DUKLA wurde um 1414 im Gebiet von Dukla in Polen als Sohn einer bürgerlichen Familie geboren. Bei der Taufe erhielt er den Namen Johannes. In jungen Jahren verbrachte er eine Zeitlang als Eremit in den umliegenden Wäldern am Fluss Zaspit in der Nähe des Cergov-Gebirgszuges. Auf diese Weise wollte Johannes, ein intelligenter und weiser Mann, seinem Leben ein Wende geben, um es nicht ohne Ideale zu vergeuden und einfach in den Tag hinein zu leben. Von Christus ergriffen, begann er sein öffentliches Leben, indem er sich in der Einöde sammelte und beschloss, seinen Meister nachzuahmen, der sich vom Lärm der Welt zurückgezogen hatte, um in der Einsamkeit das Empfinden und die Sicht für das Göttliche neu zu gewinnen.

Nach einer gewissen Zeit beschloss Johannes, seine Einsiedelei zu verlassen und in Krosno, das unter Aufsicht Russlands (d. h. Rutheniens) bzw. Lembergs stand, in den Orden der Minderbrüder Konventualen einzutreten. Es war um das Jahr 1434. Der seelsorglichen Tradition des Ordens folgend, widmete er sich nach der Priesterweihe sogleich mit Eifer der Verkündigung des Wortes Gottes und der pastoralen Betreuung der Seelen, vor allem in seiner Funktion als unermüdlicher und geduldiger Beichtvater. Sein Betätigungsfeld umfasste die weiten Gebiete der heutigen Ukraine, Moldawiens und Weißrusslands. Im Bereich der Kustodie der Franziskaner von Lemberg bekleidete Johannes auch die Ämter des Guardians (Oberen) der Konvente von Krosno und Lemberg ebenso wie jenes des Kustos der gesamten franziskanischen Familie.

Nach 25 Jahren bei den Minoriten fühlte er sich vom Ideal der großen Reformer des seraphischen Ordens, wie Bernhardin von Siena und Johannes von Kapistran, angezogen, die schon einige Jahrzehnte früher nach Polen gekommen waren. 1463 ersuchte er um Aufnahme bei den Franziskaner-Observanten, die in Polen Bernhardiner genannt werden. Ein Konvent dieser franziskanischen Familie wurde 1460 auch in Lemberg gegründet.

Bernhardiner ist die volkstümliche und historische Bezeichnung der Minderbrüder Observanten (heute OFM), die seit 1453 vor allem in Polen (seit 1455 auch in Ungarn und seit 1468 in Litauen) und auch heute noch gebräuchlich ist. Sie geht auf deren ersten polnischen Konvent zurück, der 1453 in Krakau gegründet und dem hl. Bernhardin von Siena geweiht wurde, welcher im Übrigen praktisch als „Gründer“ der Observanten angesehen wird. In Polen werden die Minderbrüder-Konventualen seit 1237 bis heute einfach als Franziskaner (Franciszkanie) bezeichnet.

In der neuen Umgebung führte Johannes ein zurückgezogenes und asketisches Leben, wobei er sämtliche Tugenden pflegte, insbesondere die Tugend der Armut und der Demut, und sich auch mit Freuden der ständigen Übung des Büßens und Fastens widmete. Mit dem ihm innewohnenden Eifer fungierte er weiterhin als Prediger sowie als unermüdlicher und gütiger Beichtvater. Aus dem Geheimnis der Eucharistie, das er stets mit großer Innerlichkeit feierte, und der Verehrung der Mutter des Herrn schöpfte und nährte er das Feuer der Nächstenliebe, das seinen Worten und barmherzigen Gesten entströmte, welche den Leidenden und Armen, die sich in großer Zahl um ihn scharten, zum Trost gereichten – in der Gewissheit, dabei dem Antlitz Gottes zu begegnen.

Erfüllt von der Begeisterung für die Sache der Einheit der Christen, widmete sich Johannes mit großem Eifer auch dem Dialog mit den in Polen und Russland ansässigen ruthenischen und armenischen Brüdern und versuchte, diese zur katholischen Kirche hinzuführen. Dadurch erwarb er sich den bezeichnenden Beinamen eines Fervens propagator Fidei, eines eifrigen Verbreiters des Glaubens.

So war Johannes von Dukla zu seiner Zeit sehr bewegt von den aktuellen politischen und religiösen Ereignissen – ein überzeugter Verfechter eines „ökumenischen Dialogs“ auf der Grundlage von Freundschaft und brüderlicher Liebe. Dank seines Einsatzes für die Förderung der Einheit unter den Christen, begleitet vom außergewöhnlichen Zeugnis seines Lebens, schlossen sich viele Ruthenen und Armenier dem katholischen Glauben an und teilten damit jenen Dialog, aus dem spürbar wird, wie schön es ist, als Brüder zusammenzuleben.

Als einer, der durch die Schule des hl. Franz von Assisi gegangen war, empfand Johannes von Dukla in der Tiefe seiner Seele die glühende Aufforderung, sich zu einem milden Verkünder des Evangeliums des Friedens und zum Sämann der Hoffnung in den Herzen der Brüder zu machen. Der Beiname „Verbreiter des Glaubens“, den ihm die Tradition zugeschrieben hat, ist für sich eine weitere Bestätigung des Eifers, der ihn bei der Verkündigung des Wortes Gottes und der Heranführung der Menschen seiner Zeit an Christus beseelte.
Die letzten Jahren seines Lebens verbrachte Johannes in Blindheit. Trotz dieser schweren Beeinträchtigung hörte er nie auf, sich in den Dienst der Mitbrüder zu stellen und am Leben der Gemeinschaft teilzunehmen – innerlich entzündet von der lebendigen Flamme der Liebe dessen, der uns in der Liebe zum Nächsten die Höchstform der Vollkommenheit und Heiligkeit vorgelebt hat.

Johannes, so sagte Papst Johannes Paul II. in der Homilie anlässlich der Heiligsprechung, „erwarb sich den Ruf eines weisen Predigers und eifrigen Beichtvaters. Um ihn scharten sich Menschen, die nach der heilsamen Lehre Gottes dürsteten, um seine Predigten zu hören oder durch das Beichtgitter hindurch Trost und Rat zu erfahren. Als Seelenführer und kluger Berater von vielen erlangte er Berühmtheit. Zeugen seines Lebens bestätigen, dass er trotz des Alters und der verlorenen Sehkraft seine Arbeit fortsetzte und ersuchte, ihm die Predigten vorzulesen, um dann selbst darin fortfahren zu können. Tastend näherte er sich dem Beichtstuhl, nur um zu bekehren und zu Christus hinführen zu können.

Die Heiligkeit des seligen Johannes entsprang seinem tiefen Glauben. Sein ganzes Leben und sein apostolischer Eifer, die Liebe zum Gebet und zur Kirche, all das fußte auf dem Glauben. Er war für ihn eine Kraft, dank der er auf alles Materielle und Zeitliche verzichten konnte, um sich dem zu widmen, was von Gott kam und spiritueller Natur war.“

Klaglos ertrug er die vielen Leiden, die ihn heimsuchten, allen voran die Blindheit. Seine Predigten ließ er sich von einem Novizen aufschreiben. Er schäumte über vor franziskanischer Heiterkeit, die er sich bis zum Tode bewahrte, der ihn am 29. September 1484 in Lemberg ereilte.

Die Heiligkeit des Johannes von Dukla war so universal, dass sich die Gläubigen unmittelbar nach seinem Ableben vor seinem Grab einfanden, um Gnaden und Fürsprache von ihm zu erbitten. In diesem Zusammenhang gibt es sowohl seitens Katholiken als auch Orthodoxen viele Berichte über wunderbare Ereignisse. So habe er 1648 die Stadt Lemberg vor der Plünderung durch Bohdan Chmielnicki bewahrt.
Auch noch 500 Jahre nach seinem Tod wird Johannes von Dukla sowohl von den Katholiken als auch von den Orthodoxen Polens und anderer Regionen der angrenzenden Länder verehrt. Seine Bilder sind auch in den Kirchen des byzantinisch-ukrainischen Ritus zur Verehrung durch die Gläubigen ausgestellt. Ebenso zahlreich sind die Slawen des byzantinischen Ritus und die Armeno-Gregorianer, die zu seinem Grab in der Kirche des Konvents der Bernhardiner im polnischen Dukla pilgern.

Aufgrund dieses Vertrauens in den Heiligen geschah es, dass die Freundin einer Kranken, die von den Ärzten zu 100% invalid erklärt worden war, der Leidenden ein Büchlein mit der Novene zu Ehren des Johannes von Dukla überreichte und sie einlud, auf seine Fürbitte Heilung zu erflehen. Obwohl die Betroffene für Johannes von Dukla nie eine besondere Verehrung gepflegt hatte, begann sie am 19. September 1941 die Novene mit großem Vertrauen auf seine Fürbitte und mit der moralischen Gewissheit, erhört zu werden. Sie gelobte auch, dass sie im Falle einer Heilung zu seinem Grab pilgern werde, um ihm zu danken. Am Abend des 27. September 1941 schlief sie ruhig ein. Gegen 23.00 Uhr wurde sie von starken Schmerzen, die von den Füßen bis zu den Knien aufstiegen, aus dem Schlaf gerissen, und sie meinte: „Johannes, ich flehe inbrünstig zu dir, mir meine Gesundheit wiederzugeben. Stattdessen habe ich jetzt, am Ende der Novene, so viel zu leiden!“ Daraufhin schlief sie erneut ein, und als sie am folgenden Morgen geweckt wurde, war sie geheilt. Am 22. Juni 1994 wurde diese Heilung von der Consulta Medica der Heiligsprechungskongregation einstimmig als „nicht erklärbar“ definiert und schließlich für die anvisierte Heiligsprechung für gültig erachtet.

1733 wurde Johannes von Dukla von Papst Clemens XII. seliggesprochen und 1739 zum Patron Polens erhoben. Die Heiligsprechung erfolgte am 10. Juni 1997 durch Papst Johannes Paul II. im polnischen Krosno.

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 5