Chinesische Maertyrer

AUGUSTIN ZHAO RONG

(† 1815)

und 119 Gefährten,

MÄRTYRER IN CHINA

(† 1648–1930)

Heiligsprechung: 1. Oktober 2000
Fest: 9. Juli

Seit Anbeginn gehören das religiöse Empfinden einem Höchsten gegenüber sowie die kindliche und ergebene Frömmigkeit in Bezug auf die verstorbenen Ahnen zu den hervorstechendsten Charakteristiken der jahrtausendealten Kultur des chinesischen Volkes. Das Merkmal unverfälschter Religiosität findet sich bei den Chinesen, einmal mehr, einmal weniger, in allen Jahrhunderten bis heute, wo sich unter dem Einfluss des westlichen Atheismus einige Intellektuelle jeder religiösen Idee, vor allem dem Christentum gegenüber, versperren wollten.

Das Evangelium wurde in China zum ersten Mal im 5. Jahrhundert durch die Nestorianer verkündet; zu Beginn des 7. Jahrhunderts kam es zur Errichtung der ersten Kirche. Während der T’ang-Dinastie (618 – 907) erlebte die christliche Gemeinde eine zwei Jahrhunderte währende Blütezeit.

Nach dem Tod von Kaiser Mongke (1259) ließ sich Kublai Khan, der Kommandant des Mongolenheeres, das mit der Eroberung Chinas unter der Sung-Dynastie beschäftigt war, ohne die Ankunft der übrigen von Dschingis Khan abstammenden Fürsten abzuwarten, von seinen Generälen zum Großkhan des mongolischen Reiches ausrufen. Es herrschte Krieg und mit ihm zerbrach das gigantische Mongolenreich in vier große Khanate, die sich untereinander ständig bekämpften: Kiptschak (Westasien), Chagatai (Zentralasien), das Ilkhanat von Persien (Persien und Irak) und das Großkhanat von Cathay (Ostasien: Indochina, China, Korea). Von diesem Zeitpunkt an musste man, um Cathay zu erreichen, ganz Persien durchqueren, in Ormuz in See stechen, Indien umschiffen, an den indonesischen Inseln vorbeisegeln und die chinesische Küste von Süden aus anfahren – eine gefahrvolle Reise von nahezu drei Jahren.

Genau das widerfuhr im Mittelalter einem Missionar, der beschlossen hatte, der Bevölkerung von Cathay das Evangelium zu bringen. Es war der Franziskaner Johannes von Montecorvino (1247–1328), der diese lange Reise unternahm, bevor er 1294 die Hauptstadt von Cathay, Khanbaliq (Peking) erreichte, wo er als Gesandter des Papstes empfangen wurde. Mit seinem Verständnis des chinesischen Volkes und seiner Kulturen legte er den Grundstein für die erste katholische Mission im „Reich der Mitte“ mit dem Bischofssitz in Khanbaliq (Beijin bzw. Peking). Johannes von Montecorvino wird daher als erster Bischof von Khanbaliq und auch als erster Gründer der Kirche im Fernen Osten angesehen.

Die franziskanische Mission von Cathay erlosch nach dem Fall der mongolischen Yan-Dynastie und dem Aufstieg der chinesischen Ming-Dynastie (1368), die zur Abschirmung äußerer Einflüsse die Grenzen des neu errichten Himmlischen Reiches schloss und so eine Isolierung Chinas bis zur zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bewirkte, als 1583 der Jesuit Matthäus Ricci seinen Fuß auf chinesischen Boden setzte und unter den Gelehrten und den Mandarinen von Canton und Nanking ein fruchtbares Apostolat ausübte. Er brachte es zuwege, dass sich ihm in seiner Funktion als westlicher Gelehrter am 4. Januar 1601 die Tore Pekings und des Kaiserpalastes öffneten. Die für das Christentum günstigen Bedingungen dauerten auch in der Manciù Dynastie (1644) bis zum Tode von Kaiser Kang-Hi an – abgesehen von einigen sporadischen Gewaltsausbrüchen wie jenem von 1648, der Franziskus de Capillas das Leben kostete.

An der Verbreitung des Katholizismus arbeiteten außer den Jesuiten ab 1582 auch die Dominikaner ab 1587, die Franziskaner ab 1590, die Augustiner ab 1681, die Gesellschaft für die Auslandsmissionen von Paris ab 1684, die Lazaristen ab 1699, das Päpstliche Institut für die Auslandsmissionen ab 1859, die Franziskaner-Missionarinnen von Maria ab 1886 und die Salesianer Don Boscos ab 1892, um hier nur die Institute der im Folgenden aufgelisteten Märtyrer zu nennen.

Erst kurz vor dem Tod von Kang-Hi (1661–1722) öffnete sich, angeheizt durch die Verschärfung des chinesischen Ritenstreits (Namengebung in Bezug auf Gott Vater und Totenkult), der mit der Verbannung aller Missionare aus dem Reich endete, die seiner Riteninterpretation nicht folgen wollten, der Weg für die Verfolgungen, die dann unter Kang-His Nachfolgern zum Ausbruch kamen. Der erste von ihnen, Young-Chen, ordnete mittels Dekret von 1724 die Zerstörung der Kirchen an, die Vertreibung bzw. Gefangennahme der Missionare sowie die Einkerkerung und Enthauptung der Christen. Der zweite, Kein-Lung, verbot 1736 / 37 die Verkündigung der christlichen Religion, verwies alle europäischen Missionare des Landes und ließ viele von ihnen umbringen. Lediglich die französischen Jesuiten durften aufgrund ihres Rufes als Literaten, Maler und Hydrauliker in Peking bleiben.

Als 1799 Kia-Kin den Thron bestieg, kam es zu einer neuerlichen grausamen Verfolgung, die darauf angelegt war, die letzten Reste des Christentums auszurotten und sämtliche Missionare aus dem Land zu jagen. Die Verfolgung nahm im ganzen Reich an Grausamkeit weiter zu und brachte zahlreiche Märtyrer hervor, bis China im Opiumkrieg unterlag, was günstige internationale Verträge hinsichtlich Religionsfreiheit und missionarischer Arbeit nach sich zog.

Der Vertrag von Peking 1860 besiegelte schließlich diese Freiheit, womit das Christentum nicht mehr länger gesetzwidrig und vom Reich ausgeschlossen war. Dies besagte jedoch nicht, dass der Hass gegen die Christen im Herzen vieler Chinesen gänzlich ausgemerzt war. So kam es am 21. Juni 1870 zum Massaker von Tien-Tsin, dem zwei Lazaristen und 12 Barmherzige Schwestern zum Opfer fielen.

Unter der Ägide von Kaiserin Tze-Hsi ereigneten sich 1900 die großen Gemetzel der „I Ho-ch’üan“, allgemein „Boxer“ genannt. Diese Sekte war nichts anderes als ein Abklatsch der alten Revolutionsvereinigung „Pai-lien-Kiao“ (Weiße Seerose), die der Manciù-Dynastie feindlich gegenüberstand. Viele dieser Revolutionäre flohen nach Südchina, wo sie 1853 das „Himmlische Reich des Friedens“ (Taiping t’ian-kuo – daher der Name „Taiping“) errichteten. Unter dieser Bezeichnung sind sie auch im Westen bekannt, während sie in China die „Rebellen mit den langen Haaren“ genannt wurden. Nach dem Tod ihres ersten Anführers zerstreuten sie sich in alle Winde. Aus ihnen ging dann im 19. Jahrhundert die „Gesellschaft der großen Messer“ (Ta-tao-huei) hervor, die schließlich den Namen I Ho-ch’üan (Gerechtigkeit, Eintracht, Faust) annahm, von den Engländern kurz „Boxer“ genannt. Zweck dieser Vereinigung war die Befreiung Chinas von den Ausländern und die Ausrottung der Christen, die als deren Komplizen angesehen wurden. Die Behörden zeigten sich zunächst unschlüssig, aufgrund der Unterstützung und stillschweigenden Duldung durch Kaiserin Tze-Hsi aber konnten die Boxer in voller Freiheit agieren.

Nach der Machtergreifung der kommunistischen Partei und der Gründung der chinesischen Volksrepublik kam es zu neuen und noch grausameren Verfolgungen der chinesischen Kirche. In dieser Zeit starben auch einige Mitglieder der Gesellschaft der Salesianer Don Boscos den Märtyrertod.

Von den zahlreichen Märtyrern Chinas wurden am 1. Oktober 2000 120 heiliggesprochen. Ihre biografischen Daten werden hier in chronologischer Abfolge der seelsorglichen Tätigkeit der einzelnen Institute angeführt.


MÄRTYRER DER PREDIGERORDENS - DOMENIKANER

Es handelt sich um 6 Dominikaner, die, wenngleich 100 Jahre voneinander getrennt († 1648, 1747 / 1748), aufgrund ihrer spanischen Nationalität eine einheitliche Gruppe bilden. Sie fanden sich in der Provinz der Dominikaner von S. Rosario, die 1587 in Manila zur Evangelisierung des Fernen Osten und für missionarische Tätigkeiten in der Provinz Fukien im Südosten Chinas gegründet worden war. Im Folgenden ihre Namen:

1. Franciscus Fernández de Capillas, Priester, geboren am 11. August 1607 in Baquerín de Campos (Palencia), trat 1623 in den Orden ein und reiste noch als Diakon 1631 nach Manila auf den Philippinen, wo er am 5. Juni 1632 zum Priester geweiht wurde. Zehn Jahre lang arbeitete er als Seelsorger in Cagayán und kam dann 1642 nach China, wo die Städte Fogán, Moyang und Tingteu Zentren seines Apostolats waren. In der Zwischenzeit überwogen in der Region die Manciù-Tartaren, die der christlichen Religion feindlich gegenüberstanden. Im November 1647 wurde Franciscus nach zwei Krankenbesuchen gefangen genommen und dreimal dem Gericht vorgeführt. Man renkte ihm die Knöchel aus und geißelte ihn. In der Nacht des 15. Januar 1648 wurde er, während er zusammen mit anderen den Schmerzhaften Rosenkranz betete, abgeholt und in der Stadt Fogán enthauptet. Am 2. Mai 1909 wurde er von Pius X. seliggesprochen und als Protomärtyrer Chinas anerkannt.

Die fünf nachfolgenden Missionare waren in den Jahren 1715 –1747 tätig, während einer 1729 begonnenen Verfolgungswelle, die sich 1746 zuspitzte. Es war die Zeit der Kaiser Yung-Cheng und seines Sohnes K’ien-Lung. Das Edikt der Verurteilung wurde am 18. Dezember 1746 vom Vizekönig erlassen und hatte folgenden Inhalt: „Pedro Sans als Anführer der Christen, der mittels einer falschen Lehre Männer und Frauen verblendet, wird sofort enthauptet. Franciscus Serrano, Joachim Royo, Johannes Alcober und Franciscus Díaz sind schuldig, das Volk mit der gleichen Irrlehre verblendet und getäuscht zu haben. Sie sind zum Tod durch Enthauptung verurteilt und haben das weitere Dekret im Gefängnis abzuwarten.“

Dominikaner


2. Pedro Sans i Iordá, Bischof, geboren am 1. September 1680 in Ascó (Tarragona), trat 1697 unter dem Namen Pedro bei den Dominikanern in Lérida ein. Nach der Priesterweihe 1704 kam er 1715 nach China in die Provinz Fukien und weitete dort seine Seelsorge bis Canton aus, wobei er auch als Vize-Provinzial der Mission fungierte. 1730 wurde er zum Titularbischof von Mauricastro und zum Apostolischen Vikar von Fukien ernannt. Von 1732 bis 1738 lebte er im Exil in Macau. Nach der Rückkehr zu den Christen seines Vikariats wurde er während seiner Geheimaktionen zusammen mit den anderen Mitbrüdern denunziert, und ließ sich am 30. Juni 1746 von der Stelle weg verhaften, um Repressalien gegen die Christen zu vermeiden. Er ertrug elf Monate Kerker. Per Dekret des Kaisers wurde Bischof Sans am 26. Mai 1747 hingerichtet und dann am 14. Mai 1893 von Leo XIII. seliggesprochen.

3. Francisco Serrano Frías, Priester, geb. 1695 in Guenejea (Granada); mit 18 Jahren wurde er Dominikaner in Granada und ersuchte darum, nach China entsandt zu werden, wo er über 20 Jahre als Missionar arbeitete. Bereits im Gefängnis, erhielt er 1745 die Ernennung zum Titularbischof von Tipasa und zum Koadjutor des Apostolischen Vikars von Fukien, Pedro Sans. Die Weihe konnte er allerdings nicht entgegennehmen. Auf Verordnung des Vizekönigs wurde Bischof Serrano am 28. Oktober 1748 im Kerker erdrosselt. Am 14. Mai 1893 sprach ihn Leo XIII. selig.

4. Joachim Royo Pérez, Priester, geb. 1691 in Hinojosa (Teruel), 1709 in Valencia Eintritt bei den Dominikanern. Mit 21 Jahren – er war damals noch nicht Priester – begab er sich nach China, wo er über 30 Jahre seelsorglich tätig war. Um noch größere Schikanen gegen die Christen seitens der Verfolger, die ihn suchten, zu vermeiden, lieferte er sich diesen auf Anraten von Bischof Pedro Sans aus. Am 28. Oktober 1748 wurde er zusammen mit Bischof Serrano in besagtem Gefängnis erdrosselt. Am 14. Mai 1893 sprach ihn Papst Leo XIII. selig.

5. Johannes Alcober Figuera, Priester, geb. 1694 in Granada; 1709 Einkleidung im dortigen Dominikanerkonvent Santa Cruz. Er verbrachte drei Jahre auf den Philippinen, die er 1728 in Richtung China verließ, wo er 18 Jahre lang das Evangelium verkündete. Zum Tod verurteilt, wurde er am 28. Oktober 1748 erdrosselt. Am 14. Mai 1893 sprach ihn Leo XIII. selig.

6. Francisco Díaz del Rincón, Priester, der Jüngste von allen, wurde 1713 in Ecija geboren und dort 1730 Dominikaner. Von missionarischem Eifer getrieben kam er bereits 1735 auf die Philippinen und ging bald darauf nach China, wo er sein Priesteramt mehr oder weniger im Verborgenen ausübte, indem er sich wie die Tartaren kleidete, mit langem Bart und geschorenem Haupt, bis man ihn verhaftete. Am 28. Oktober 1748 wurde er zusammen mit Alcober erdrosselt. Am 14. Mai 1893 sprach ihn Papst Leo XIII. selig.
Die Vorbereitung der fünf Missionare auf ihren gewaltsamen Tod war ein echtes Geduldszeugnis, das für Bischof Sans elf Monate, für die anderen 2 Jahre in den Kerkern von Foochow (heute Fuzhou), der Hauptstadt von Fukien, dauerte.

MÄRTYRER DER GESELLSCHAFT JESU FÜR DIE AUSLANDMISSION VON PARIS

Während Kaiser Kang-Hi (1661 – 1722) den Katholizismus in China genehmigte, erließ Kaiser Kia-Kin (1796–1820) zahlreiche strenge Gegendekrete. Das erste geht auf 1805 zurück; zwei Edikte von 1811 waren gegen jene Chinesen gerichtet, die studierten, um die Weihen zu empfangen, und gegen die Priester, welche die christliche Religion propagierten. Ein Dekret von 1813 befreite alle freiwilligen Apostaten von jedweder Strafe – jene Christen also, die spontan erklärten, dem christlichen Glauben abzuschwören –, belastete jedoch alle übrigen.

1815 wurden zwei weitere Dekrete erlassen, mit denen man das Vorgehen des Vizekönigs von Sichuan approbierte, der Msgr. Dufresse von den Auslandmissionen von Paris und etliche chinesische Christen hatte enthaupten lassen. Es folgte daraus eine Verschärfung der Verfolgungen. Von diesen Märtyrern gehörten drei den Auslandsmissionen von Paris (M.E.P.) an (1 Bischof und zwei Priester), 4 waren Diözesanpriester und bei 17 handelte es sich um in deren Dienst stehende Laien. Hier ihre Namen:


7. Johannes Gabriel Taurin Dufresse, M.E.P., Bischof von Tabraca und Apostolischer Vikar von Su-Tchuen (1750 –1815), wurde am 8. Dezember 1750 in Lezoux (Puy-de-Dôme), Frankreich, geboren. 1775 schrieb er sich in die Gesellschaft für die Auslandsmissionen von Paris ein. Nach der Priesterweihe reiste er am 4. Dezember 1775 in die Mission von Su-Tchuen nach China. Schon bald wurde Dufresse ein Experte in der Landessprache. Der Apostolische Vikar, Msgr. Pottier, vertraute ihm damals den nördlichen Teil der Provinz an, wo die Christen verstreut in Städten und Dörfern lebten. Ende 1784 wurden von Kaiser Khien-Long Ächtungsdekrete gegen die Europäer und den von ihnen praktizierten Glauben erlassen. P. Dufresse wurde mit zwei anderen Missionaren ins Gefängnis nach Peking gebracht und sechs Monate später mit der Auflage freigelassen, entweder in Peking zu bleiben oder nach Macao zurückzukehren. P. Dufresse zog es vor, nach Macao zu gehen, von wo aus er am 14. Januar 1789 neuerlich nach Tchen-Tou kam. Am 15. Dezember 1801 folgte er seinem Bischof nach, der gestorben war. Von 1805 an setzten wiederum die Verfolgungsedikte ein und ließen dem Prälaten fortan keine Ruhe mehr. Er war gezwungen, ständig seinen Aufenthaltsort zu wechseln und ein unstetes Leben zu führen. Am 18. Mai 1815 wurde er verhaftet, nach Tchen-Tou gebracht, verurteilt und am 14. September desselben Jahres hingerichtet. Am 27. Mai 1900 sprach ihn Papst Leo XIII. selig.


8. Augustin Chapdelaine, M. E. P., geb. am 6. Januar 1814 in La Rochelle, Frankreich. Nach der Priesterweihe wurde er zum Vikar und später zum Pfarrer des Dorfes Boucey ernannt. Nach Eintritt in das Seminar der Auslandsmissionen von Paris reiste er am 29. April 1852 in die Mission von Kouang-Tong und Kouang-Si, wo er am 3. Dezember 1854 eintraf. Kurz nach seiner Ankunft wurde er das erste Mal denunziert, das zweite Mal dann 1856. Da er sich weigerte, dem katholischen Glauben abzuschwören, wurde er nach schweren Prügeln und Folter zum Tod im Gefängnis verurteilt, starb jedoch bereits in der folgenden Nacht. Sein Körper wurde vom Kopf getrennt und den Tieren zum Fraß vorgeworfen. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt – zwischen dem 26. und 29. Februar 1856. Am 27. Mai 1900 wurde er von Leo XIII. seliggesprochen.


9. Augustin Tchao, Diözesanpriester der Mission von Su-Tchen, entstammte einer heidnischen Familie aus der Provinz Kouy-Tcheou. Er war einer der Soldaten, die P. Gabriel Dufresse 1785 von Tchen-Tou nach Peking eskortierten. Die Geduld, mit der P. Dufresse die Haft ertrug, berührte ihn sehr und so bat er, wieder in Su-Tchuen, um Aufnahme unter die Neophyten. Nach seiner Taufe wurde er ins Seminar geschickt und zum Priester geweiht. Eifrig ging er von Dorf zu Dorf, um die Gläubigen durch das Wort und die Sakramente zu stärken. Gegen Ende 1814 wurde er verhaftet und musste grausame Folterungen erleiden. Sterbend wurde er in den Kerker zurückgebracht, wo er 1815 verschied. Das von den Mandarins erlassene Todesurteil wurde vom Kaiser am 9. Mai 1815, als Tschao bereits tot war, approbiert. Am 27. Mai 1900 wurde er von Papst Leo XIII. seliggesprochen.

Märtyrer Auslandsmission Paris


10. Josef Yuan, Diözesanpriester der Mission von Su-Tchuen, wurde 1765 in einer heidnischen Familie in der Stadt Pe-Choui-Hien geboren. Nach der Taufe wurde er aufgrund der Observanz der christlichen Pflichten beispielgebend für die Neophyten. Nach der Priesterweihe durch Msgr. Dufresse verkündete er in verschiedenen Bezirken das Evangelium. Inzwischen wütete die von Kaiser Kia-Kin losgetretene Verfolgung. Josef wurde im August 1816 verhaftet. Vor dem Tribunal konnten ihm weder Schmeicheleien noch Drohungen die Namen und den Aufenthaltsort der europäischen Missionare und ansässigen Priester entlocken. Daher wurde er zum Tod durch Strangulation verurteilt. Seine Haft zog sich fast ein Jahr hin. Am 24. Juni 1817 wurde er erdrosselt. Am 27. Mai 1900 sprach ihn Papst Leo XIII. selig.


11. Paul Liu Hanzuo, Diözesanpriester der Mission von Su-Tchuen, geb. 1778 in Lo-Tche-Hien. Mit 30 Jahren zum Priester geweiht, wurde er mit der Seelsorge in mehreren Bezirken betraut. Er zeichnete sich durch besondere Liebenswürdigkeit, Bescheidenheit und Einfachheit aus. Das Wüten der Verfolgung verdoppelte seinen Eifer. Nach seiner Verhaftung wurde er nach Tchen-Tou gebracht, wo ihn der Mandarin einer Prüfung unterzog, bei der er sich als Priester erklärte und angab, lieber sterben zu wollen, als dem katholischen Glauben abzuschwören. Er wurde verprügelt und ins Gefängnis gesteckt, um dort den kaiserlichen Bescheid abzuwarten. Nach Eintreffen desselben wurde er am 13. Februar 1818 stranguliert. Am 27. Mai 1900 sprach ihn Papst Leo XIII. selig.


12. Thaddäus Liu Rutting, Diözesanpriester der Mission von Su-Tchuen, geb. 1773. Um das 35. Lebensjahr wurde er zum Priester geweiht und wirkte als Seelsorger in verschiedenen Distrikten Su Tchuens. Nach der Verhaftung wurde er 1821 in den Kerker von Ku-Hien gesteckt. Vor Gericht weigerte er sich abzuschwören, indem er bekundete, dass er Priester sei und der von ihm verkündeten Religion treu bleiben wolle. Das Gericht von Ku-Hien verurteilte ihn schließlich zum Tode. Die Entscheidung wurde dem Kaiser überlassen. Nach zwei Jahren des Wartens teilte ihm der Mandarin mit, dass der Kaiser das Todesurteil bestätigt habe. Am 30. November 1823 wurde Rutting erdrosselt. Am 27. Mai 1900 sprach ihn Papst Leo XIII. selig.


13. Peter Liu Wenyuan, Laien-Katechist, wurde 1760 in Kouy-Yang, der Hauptstadt der Provinz Kouy-Tcheou, als Sohn einer heidnischen Familie geboren. Ein Christ, der in seiner Nähe wohnte, unterwies ihn in der christlichen Lehre, um ihm später die Taufe zu ermöglichen. 1814 wurde Wenyuan zusammen mit Joachim Ho verhaftet und nach Peking gebracht, wo er wegen seiner Standhaftigkeit mit anderen Christen zum Exil in Tartaria verurteilt wurde. Dort blieb er 17 oder 18 Jahre, um dann nach Kouy-Yang zurückzukehren. 1834 wurde er neuerlich in Haft genommen und am 17. Mai desselben Jahres erdrosselt. Am 27. Mai 1900 sprach ihn Papst Leo XIII. selig.


14. Peter Wu Guosheng, Laien-Katechist, geb. 1768 als Sohn einer heidnischen Familie in Long-Pin-Tchang, Provinz Kouy-Tcheou; 1796 empfing er die Taufe. Als er 1812 verhaftet wurde, machte er aus seinem Gefängnis ein Oratorium, wo er nicht müde wurde, mit den anderen Gefangenen gemeinsam laut zu beten und ihnen die Wahrheit der Religion zu verkünden. Alle Versuche, ihn zur Apostasie zu verleiten, waren umsonst. Er befand sich schon zweieinhalb Jahre im Gefängnis, als die Ratifizierung seines Todesurteils durch den Kaiser eintraf. Guosheng wurde am 7. November 1814 erdrosselt. Am 27. Mai 1900 sprach ihn Papst Leo XIII. selig.
15. Joachim Hao Kaizhi, Katechist, wurde 1774 als Sohn einer heidnischen Familie in Tchao-Tso, einem Dorf der Provinz Kouy-Tcheou, geboren und im Alter von ca. 20 Jahren getauft. Während der großen Verfolgung von 1814 wurde er mit einer großen Zahl von Gläubigen verhaftet, nach Kouy-Yang gebracht und grausamen Folterungen unterzogen. Zusammen mit dem hl. Peter Lieou wurde er nach Tartaria geschickt, wo er 17 oder 18 Jahre blieb. 1839 erfolgte die neuerliche Verhaftung. Er weigerte sich konstant, abzuschwören. Nach der Bestätigung des Todesurteils durch den Kaiser wurde er am 9. Juli 1839 erdrosselt. Am 27. Mai 1900 sprach ihn Papst Leo XIII. selig.


16. Lorenz Bai Xiaoman war ein einfacher Arbeiter. 1821 in der Provinz Kouy-Tcheou geboren, kam er mit 20 Jahren auf der Suche nach Arbeit nach Kouang-Si. Vom hl. Chapdelaine empfing er die Taufe. Von jenem Augenblick an wurde er ein frommer Christ und nur der Tod konnte ihn von dem eifrigen Missionar trennen. Nachdem er diesen in das zugewiesene Asyl nach Sy-Lin-Hien begleitet hatte, wurde er zusammen mit ihm verhaftet und vor das Tribunal geführt. Er ließ sich weder durch Drohungen noch durch Folterungen zur Apostasie verleiten. Seine Enthauptung erfolgte am 25. Februar 1856. Am 27. Mai 1900 sprach ihn Papst Leo XIII. selig.


17. Agnes Cao Guiying, Witwe, wurde 1821 als Tochter einer traditionell christlichen Familie geboren. Mit 18 Jahren heiratete sie einen Bauern, der sich nur als Christ ausgab, sich aber nicht wie einer verhielt und sie sehr hart behandelte. Nach seinem Tod wurde Agnes von einer frommen Frau aufgenommen und dann dem hl. Chapdelaine zur Unterweisung der kürzlich in Kouang-si konvertierten jungen Frauen vorgeschlagen. Die Hoffnungen, die man in ihre Mitarbeit setzte, wurden von Erfolg gekrönt. 1856 wurde Agnes verhaftet und zum Tod im Kerker verurteilt. Am 1. März 1856 erfolgte die Hinrichtung mit nur 30 Jahren. Am 27. Mai wurde sie von Papst Leo XIII. seliggesprochen.
18. Josef Zhang Dapeng, Laien-Katechist, geboren 1754 von heidnischen Eltern in der Stadt Tou-Yun-Fou, Provinz Kouy-Tcheou. Mit 40 Jahren verließ er seine Heimat und übersiedelte in die Hauptstadt Kouy-Yang, wo er als Händler tätig war. 1798 begab er sich nach Long-Pin, wo sich P. Mathias Lo befand, der ihn 1800 taufte. Nach Kouy-Yang zurückgekehrt, war er die Seele der Mission. Inzwischen verschärften sich die Verfolgungen gegen die Christen. Den ersten Verfolgungen konnte Zhang noch entkommen, weil er die Hauptstadt eine Zeitlang verließ. Im Mai 1814 denunzierte ihn ein Schwager und lieferte ihn so den Soldaten aus. Er wurde in Kouy-Yang verhaftet und am 12. März 1815 erdrosselt. Am 2. Mai 1909 sprach ihn Papst Pius X. selig.
Die übrigen heiliggesprochenen Märtyrer verteilen sich auf drei Gruppen, die jeweils nach dem Ort ihres Martyriums benannt werden. Es sind dies die Märtyrer von Mao-Keou, Tsin-Gay und Kay-Tcheou.


1. Märtyrer von Mao-Keou († 28 Januar 1858)

Mao-Keou ist eine Ortschaft in der Provinz Kouy-Tcheou. Das Christentum stand dort seit 1852 in Blüte. Unter den verdientesten Mitwirkenden an diesem Aufwallen christlichen Lebens sind zwei Katechisten zu nennen: Hieronymus Lu und Lorenz Wang sowie ein junges Mädchen namens Agatha Lin.

Als die Idee aufkam, im Dorf eine Kirche zu bauen, wollte Hieronymus Lu, dass diese mitten im Wohngebiet errichtet werde. Ein Onkel und ein Cousin waren dagegen und kaum war der Grundstein gelegt, eilten sie zum Mandarin Tay-Lou-Iche, damit er den begonnenen Bau verhindere. Dieser rief die beiden Katechisten zu sich und verlangte von ihnen, ihrer Religion abzuschwören, was diese ablehnten. An jenem Tag wurden die beiden noch verabschiedet. Am darauffolgenden Morgen erschienen sie aber neuerlich vor dem Mandarin, ebenso die Jungfrau Agatha Lin. Auch diesmal forderte der Beamte alle drei auf zu bereuen und ihrer Religion abzuschwören. Da sie dies verweigerten, wurden sie zum Tod durch Enthauptung verurteilt; die Hinrichtung erfolgte am 28 Januar 1858.


19. Hieronymus Lu Tingmei, Katechist, geb. 1810 in Mao-Keou, Sohn heidnischer Eltern, war ein äußerst geschätzter Lehrer. Nachdem er ein Buch über christliche Apologetik gelesen hatte, konvertierte er, wurde getauft und führte seine gesamte Familie zum Christentum. 1853 begab er sich nach Kouy-Yang, wo er durch alle dort gelegenen Dörfer zog und 200 Heiden für das Christentum gewann. Gleichzeitig bereitete er in diesem Gebiet die Ankunft von P. Chapdelaine vor. Im Jahr 1856 kehrte er nach Mao-Keou zurück, wo er am 28. Januar 1858 enthauptet wurde. Am 2. Mai 1909 sprach ihn Papst Pius X. selig.


20. Lorenz Wang Bing, Katechist, geb. 1811 in Kouy-Yang, Sohn christlicher Eltern. Mit 20 Jahren heiratete er Maria-Ly-Che, die ihm fünf Kinder schenkte. 1853 wurde er zum Katechisten ernannt – eine Aufgabe, der er mit größtem Eifer nachkam. Er streifte durch verschiedene Dörfer und brachte vor allem Heiden zum Glauben. Bei seiner Rückkehr von einer dieser seelsorglichen Unternehmungen kam er nach Mao-Keou, wo ihn die Christen kannten, vor allem Hieronymus Lu. Gemeinsam mit ihm und Agatha Lin weigerte er sich, seinem Glauben abzuschwören, wurde verhaftet und am 28. Januar 1858 enthauptet. Am 2. Mai 1909 sprach ihn Papst Pius X. selig.


21. Agatha Lin Zhao, Katechistin, wurde 1817 in Ma-Tchang geboren, während ihr Vater aus Glaubensgründen im Gefängnis saß. Von Kindheit an hatte sie den Wunsch, sich Gott zu weihen – ein Gedanke, dem sie für den Rest ihres Lebens treu blieb, sodass sie drei Heiratsanträge ausschlug. Bedarfsweise für den Unterricht eingesetzt, ging sie in die ihr angewiesenen Dörfer. Schließlich wurde ihr die Sorge um die Mädchen von Mao-Keou anvertraut, wo sie Gast von Hieronymus Lu war. Während ihres Aufenthalts in Mao-Keou erreichte sie die Nachricht vom Martyrium des Missionars Chapdelaine. Da sie sich weigerte, ihrer Religion abzuschwören, wurde sie am 28. Januar 1858 zusammen mit Hieronymus Lu Tingmei und Lorenz Wang Bing enthauptet. Am 2. Mai 1909 sprach sie Papst Pius X. selig.


2. Märtyrer von Tsin-Gay (Kouy-Tcheou)

Am 12. Juni 1861 wurden im Großen Seminar der Provinz Kouy-Tcheou bei Tsin-Gay zwei Seminaristen, Josef Zhang und Paul Chen, sowie der Christ Johannes Baptist Luo verhaftet. Als man sie zur Hinrichtung führte, gesellten ihnen die Soldaten noch die fromme Witwe Martha Wang bei, die den Glaubenszeugen während ihrer Haft gedient hatte.


22. Josef Zhang, Seminarist, geb. 1832 als Sohn heidnischer Eltern. Nach einigen Jahren des Studiums im Kleinen Seminar und dem Studium der Philosophie wurde er Katechist und schließlich im Großen Seminar von Tsin-Gay zur Theologie zugelassen. Am 12. Juni 1861 wurde er gemeinsam mit Paul Chen gefangen genommen und am darauffolgenden 29. Juli enthauptet. Am 2. Mai 1909 sprach ihn Papst Pius X. selig.
23. Paul Chen Changpin, Seminarist, geb. 1838 als Sohn heidnischer Eltern. Nach seinem Dienst beim Werk der Heiligen Kindschaft und der Unterweisung in der christlichen Lehre wurde er 1853 zum Kleinen Seminar zugelassen. Im November 1860 trat er in das Große Seminar von Tsin-Gay ein, wo er Josef Zhang als Gefährten hatte, mit dem zusammen er verhaftet und am 29. Juli 1961 enthauptet wurde. Am 2. Mai 1909 sprach ihn Papst Pius X. selig.


24. Johannes Baptist Luo Tingying, Landwirt, geb. 1825 als Sohn heidnischer Eltern. Von einem Christen ermuntert, trat er mit 30 Jahren gemeinsam mit seiner Frau zum Christentum über. Nachdem er im Großen Seminar, das damals in Tsin-Gay gebaut wurde, das Amt des Ministers übernommen hatte, gewann er schon bald das Vertrauen des Oberen. Zusammen mit den beiden vorher genannten Seminaristen wurde auch er am 29. Juli 1861 enthauptet. Am 2. Mai 1909 sprach ihn Papst Pius X. selig.
25. Martha Wang geb. Luo, Witwe, geb. um 1802. Nachdem ihr Mann gestorben war und sie keine Kinder hatte, übersiedelte sie nach Tang-Chan, unweit von Tsin-Gay, wo die Mission einen kleinen Besitz hatte. Dort empfing sie die Taufe. Als das Große Seminar eröffnet wurde, bestellte sie der Rektor zur Köchin. Nach der Verhaftung der drei oben Genannten ging sie nach Tsin-Gay, um ihnen Hilfe zukommen zu lassen. Gemeinsam mit ihnen wurde sie am 29. Juli 1861 enthauptet. Am 2. Mai 1909 sprach sie Papst Pius X. selig.

Märtyrer von Kay-Tcheou (Kouy-cheou)

Bei den fünf Märtyrern von Kay-Tcheou handelt es sich um: Pater Johannes Petrus Néel, M.E.P., Martin Wu, Johannes Zhang, Johannes Chen und Luzia Yi.

Die ersten vier wurden am 18. Februar 1862 gemeinsam verhaftet und enthauptet. Luzia wurde einige Stunden später festgenommen und am darauffolgenden Tag, den 19. Februar, enthauptet.


26. Johannes Petrus Néel, Priester M.E.P., geb. 1832 in Sainte-Catherine-sur-Riverie (Rhóne), Frankreich, wurde 1855 zum Seminar der Auslandsmissionen von Paris zugelassen. Am 29. Mai 1858 zum Priester geweiht, schiffte er sich tags darauf nach Kouy-Tcheou ein. Im April 1859 kam er nach Hongkong und am 2. Dezember desselben Jahres nach Kouy-Yang (Guiyang). Im Jahr darauf betreute er bereits bei 20 Kommunitäten. Anfang 1862 arbeitete er an der Gründung einer neuen Kommunität in Kia-Cha-Long, als er am 18. Februar auf Anordnung General Tiens, eines berüchtigten Christenhassers, zusammen mit den Neophyten Martin Wu, Johannes Zhang und Johannes Chen verhaftet wurde. Sie wurden nach Kay-Tcheou gebracht und dort dem Unterpräfekten Tai-Lou-Che vorgeführt. Noch am selben Tag wurden sie aus der Stadt gebracht und enthauptet. Es war der 18. Februar 1862. Am 2. Mai 1909 wurde Johannes Petrus Néel von Papst Pius X. seliggesprochen.

27. Martin Wu Xuesheng, geb. 1817, heiratete mit 20 Jahren Agatha Chang, die ihn bald darauf verließ, um sich in der Stadt Kouy-Yang zu vergnügen. Martins Versuche, sie wieder auf den rechten Weg zu bringen, blieben erfolglos. 1850 weihte er sich dem Dienst der Mission. Er wurde Katechist, zog durch viele Dörfer und hinterließ überall Spuren und Früchte seiner Botschaft. Zum Schluss kam er in die Ortschaft Kia-Cha-Long, wo er fortan dem Missionar Néel zur Seite stand, mit dem er am 18. Februar 1862 in Kay-Tcheou enthauptet wurde. Am 2. Mai 1909 sprach ihn Papst Pius X. selig.


28. Johannes Zhang Tianshen, Katechist, geb. 1805 als Sohn heidnischer Eltern in Kia-Cha-Long, wo er ein Leben lang blieb. Nach seiner Bekehrung vom Buddhismus zum Christentum zeigte er einen bewundernswerten Eifer darin, Verwandte und Freunde zum Glauben zu führen. Am 16. Februar 1862 empfing er aus den Händen des Missionars Néel die Taufe. Zwei Tage später, am 18. Februar, wurde er zusammen mit diesem in Kay-Tcheou enthauptet. Am 2. Mai 1909 sprach ihn Papst Pius X. selig.


29. Johannes Chen Xianheng, Katechist, geb. in Su-Tchuen als Sohn heidnischer Eltern. Mit dreißig Jahren übersiedelte er aus familiären Gründen nach Kouy-Yang, trat dort nach einigen Gesprächen mit Christen zum Katholizismus über und wurde bald darauf getauft. Zunächst arbeitete er in der Mission von Gan-Chouen, wurde dann aber nach Kia-Cha-Long geschickt, um dem Missionar Néel zu helfen, mit dem er am 18. Februar 1862 enthauptet wurde. Am 2. Mai 1909 wurde er von Papst Pius X. seliggesprochen.


30. Luzia Yi Zhenmai, Katechistin, wurde 1815 in der Provinz Su-Tchuen geboren und bereits im Kindesalter getauft. Das junge Mädchen zögerte nicht, seine Jungfräulichkeit Gott zu weihen, und wurde aus diesem Grund von dem Missionaren als Katechistin eingesetzt. Schließlich übersiedelte sie nach Kouy-Yang. Am 25. Dezember 1861 wurde sie nach Kia-Cha-Long geschickt, um dem Missionar Néel zu helfen. Dort wurde sie am 18. Februar 1862 verhaftet und tags darauf enthauptet. Am 2. Mai 1909 wurde sie von Papst Pius X. seliggesprochen.

KONGREGATION DER MISSION (LAZARISTEN)

31. Franz Regis Clet, geb. am 19. August 1743 in Grenoble, trat mit ca. 21 Jahren in Lyon in das Noviziat der Kongregation der Mission (Lazaristen) ein, legte dort am 18. März 1771 die Gelübde ab und wurde am 27. März 1773 zum Priester geweiht. Die Oberen schickten ihn anschließend als Professor der Theologie an das Große Seminar von Annecy, wo er aufgrund seines heiligmäßigen Lebens und seiner Bildung 15 Jahre sehr geschätzt war und als „wandelnde Bibliothek“ bezeichnet wurde. 1788 wurde er zum Novizenmeister von St. Lazarus ernannt. Im Jahr darauf brach die Revolution aus, der Pöbel drang in das Haus St. Lazarus ein und Regis Clet war gezwungen, Frankreich zu verlassen. Im April 1791 schiffte er sich nach China ein, wo er 30 Jahre ein entbehrungsreiches Leben als Missionar führte und in drei riesigen Provinzen des chinesischen Reiches das Evangelium verkündete: Kiong-Si, Hou-Pé und Ho-Nan. Nach Ausbruch einer grausamen Verfolgung musste er in die Wälder fliehen und sich in Höhlen verstecken. Von einem Christen verraten, wurde er vor den Richter geschleppt und ins Gefängnis geworfen, wo ihm keine Tortur erspart blieb. Auf Eisenspitzen knieend sowie die Hände und Füße an Balken befestigt, ertrug er klaglos die unglaublichsten Schmerzen. Auf Befehl des Kaisers wurde er schließlich erdrosselt. Die Vollstreckung des Urteils erfolgte am 17. Februar 1820. Am 27. Mai 1900 wurde er von Papst Leo XIII. seliggesprochen.

Lazarinsten

 


FRANZISKANER UND GEFÄHRTEN

Der kaiserliche Kommissar von Guangdong wollte den von den Engländern kontrollierten Opiumhandel im Juni 1840 mit Recht unterbinden und ließ 20.000 Kisten mit der Droge ins Meer werfen. Dies war der Auslöser für den unmittelbar darauf folgenden Krieg, den die Engländer gewannen. Nach Kriegsende musste China 1842 den ersten internationalen Vertrag der Neuzeit unterzeichnen, dem bald weitere Vertragsabschlüsse mit Amerika und Frankreich folgten. Frankreich nutzte die Gelegenheit und trat als Schutzmacht der Missionen an die Stelle von Portugal. In der Folge wurden zwei Verordnungen erlassen: das Dekret von 1844 erlaubte den Chinesen das Praktizieren des Katholizismus; durch jenes von 1846 wurden die alten Strafen gegen die Katholiken aufgehoben.

Die Kirche konnte von da an ungehindert ihre missionarische Tätigkeit ausüben, die nunmehr auch im Bereich der höheren und universitären Bildung sowie in der wissenschaftlichen Forschung zum Tragen kam.
Durch die zahlreich entstehenden Kulturinstitute auf hohem Niveau und deren geschätzte Aktivitäten wurden allmählich immer stärkere Bande zwischen der Kirche und dem an kulturellen Traditionen reichen China geknüpft. Diese Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden begünstigte in zunehmendem Maße die gegenseitige Achtung und die Teilung jener wahren Werte, ohne die eine zivilisierte Gesellschaft nicht existieren kann. Es verging so ein Jahrhundert der Ausbreitung christlicher Missionen, mit Ausnahme des beginnenden 20. Jahrhunderts, als die unheilvolle „Bewegung für Gerechtigkeit und Harmonie“ (gemeinhin als Boxeraufstand bekannt) über sie hereinbrach. In dieser Revolte artikulierten sich sämtliche Geheimgesellschaften sowie der aufgestaute und unterdrückte Hass gegen die Ausländer in den letzten Dezennien des 19. Jahrhunderts aufgrund der politischen und gesellschaftlichen Wechselfälle, die auf den Opiumkrieg“ und die Aufbürdung der sogenannten „ungleichen Verträge“ seitens der Westmächte folgten.

Am 1. Juli 1900 wurde ein Edikt erlassen, in dem im Wesentlíchen davon die Rede war, dass nunmehr die Zeit der guten Beziehungen mit den europäischen Missionaren und den Christen vorbei sei, dass Erstere umgehend in die Heimat zurückgeschickt und die Gläubigen unter Androhung der Todesstrafe zur Apostasie gezwungen werden sollten. Dem kaiserlichen Edikt folgten die Dekrete der eigentlichen Verfolgung, die vom Vizekönig Jü-Sien erlassen wurden. Es kam zu einem wahren Gemetzel an Katholiken und Protestanten. An die 100.000 Personen wurden ihres Glauben wegen getötet.

Von den 2.855 Märtyrern, die den franziskanischen Vikariaten Chinas angehörten, befinden sich 29 unter den Heiliggesprochenen des Jahres 2000 – 26 aus Shanxi und 3 aus Hunan.


32. Johannes Franz Maria Lantrua (von Triora), Priester, geb. am 15. März 1760 in Triora (Imperia), Italien, als Sohn von Antonio Maria Lantrua und Maria Pasqua Ferreironi, fand als 17-Jähriger Aufnahme bei den Franziskanern der Römischen Provinz. 1799 kam er nach Macao, wo er ungefähr drei Jahre blieb und mit großem Eifer in der Seelsorge arbeitete. 1804 ging er nach Shanxi und blieb dort bis 1812. In jener Provinz waren strenge Edikte gegen das Christentum in Kraft und es fehlte nicht an gut bezahlten Denunzianten. 1812 denunzierte ihn ein Katechist als Europäer und Priester der christlichen Religion. Pater Triora gelang es, als Bauer verkleidet, nach Hunan zu flüchten, wo sich im Sommer 1815 die Verfolgung verschärfte, verschiedene Missionare und Katechisten ins Gefängnis geworfen und andere zum Tod verurteilt wurden. Johannes F. Maria wurde am 7. Februar 1816 erdrosselt. Am 27. Mai 1900 wurde er von Papst Leo XIII. seliggesprochen.
1. Märtyrer von Shanxi (†  9. Juli 1900)

FRANZISKANER

33. Gregor Grassi, Bischof, geb. am 13. Dezember 1833 in Castellazzo Bormida (Alessandria), Italien, als Sohn von Giovanni Battista Grassi und Paola Francesca Moccagatta, trat am 2. November 1848 in den Franziskanerorden ein und legte am 14. Dezember 1849 die ewigen Gelübde ab. Nach Beendigung der philosophischen und theologischen Studien wurde er am 17. August 1856 zum Priester geweiht. Zwei Jahre später bereitete er sich in Rom auf die Mission in China vor, wohin er gegen Ende 1860 abreiste. Für Shanxi bestimmt, arbeitete Grassi mehrere Jahre im Bezirk Tee-yuen-sien, um dann nach Tayuanfu, der Hauptstadt der Provinz, zu übersiedeln. 1876 wurde er zum Weihbischof des Apostolischen Vikariats von Shanxi ernannt und erhielt 1891 die Verantwortung für das Vikariat. In seiner apostolischen Arbeit war er ebenso beharrlich wie in der Verteidigung der Missionare. Als man ihn am Vorabend des Martyriums zur Flucht ermunterte, sagte er: „Seit meinem zwölften Lebensjahr habe ich mir gewünscht und von Gott erbeten, Märtyrer sein zu dürfen, und jetzt, wo der ersehnte Augenblick gekommen ist, soll ich fliehen?!“ Am 9. Juli 1900 wurde Grassi in Shanxi ermordet. Am 24. November 1946 sprach ihn Papst Pius XII. selig.


34. Franz Fogolla, Bischof, geb. am 4. Oktober 1839 als Sohn von Gioacchino Fogolla und Elisabetta Ferrari in Montereggio in der Region Lunigiana in Italien, trat 1858 bei den Franziskanern ein und legte 1859 die Gelübde ab. Am 19. September 1863 zum Priester geweiht, fuhr er 1866 in die Mission nach China mit dem Ziel Tayuanfu in Shanxi. Als Generalvikar widmete er sich der Visitation der christlichen Kommunitäten, dem Spenden der Sakramente sowie dem Predigen vor Christen und Nicht-Christen. Auf einer Reise nach Paris erreichte ihn die Nachricht von seiner Ernennung zum Auxiliarbischof von Msgr. Grassi; Fogolla erhielt die Weihe am 24. August 1898. Auf der Suche nach Unterstützung reiste er durch Frankreich, Belgien und England und kehrte dann 1899 mit einer Gruppe von neun jungen Missionaren nach China zurück. Während er sich in seinem neuen Amt an die Arbeit machte, überrollte ihn der Sturm von 1900, als der blutrünstige Herrscher Jü-Sien in Shanxi eintraf. Seinem Bruder, der ihn inständig darum bat, wieder nach Italien zu kommen, schrieb er: „Ich ziehe es vor, mit der Waffe in der Hand zu sterben, im Kampf gegen die Hölle, um damit dem Himmel näher zu sein.“ Am 9. Juli 1900 wurde Fogolla in Shanxi ermordet und am 24. November 1946 von Papst Pius XII. seliggesprochen.


35. Elias Facchini, Priester, geb. am 2. Juli 1839 als Sohn von Francesco Facchini und Marianna Guaialdi in Reno Centese (Ferrara), Italien, legte am 1. November 1859 die Profess ab. Am 18. Dezember 1864 wurde er zum Priester geweiht, 1866 beschloss er, in die Mission nach China zu gehen. Im April 1868 gelangte Facchini nach Tayuanfu, wo er schon bald mit der Leitung des dortigen Seminars und dem Unterrichten von Literatur und Theologie betraut wurde. Er verfasste ein lateinisch-chinesisches Wörterbuch, eine Sammlung von chinesischen Redewendungen, ein Kompendium der Theologie für Seminaristen und eine Zusammenfassung der Summa Teologica des hl. Thomas in Latein und Chinesisch. 1893 ernannte man ihn zum Oberen und Novizenmeister des von Msgr. Grassi errichteten Konvents in Tun-el-Keun. Bereits Anfang 1900, wurde er, der sein Martyrium schon vorausahnte, von der Jugend nach Tayuanfu zurückgerufen. „Wenn sie mich umbringen“, pflegte er zu sagen, „komme ich schneller ins Paradies.“ Am 9. Juli 1900 wurde Facchini in Shanxi ermordet. Am 24. November 1946 sprach ihn Pius XII. selig.


36. Theoderich (Dietrich) Balat, Priester, geb. am 23. Oktober 1858 als Sohn von Giovanni Francesco und Rosa Taillefer in S. Martino di Tours in der Diözese Albi, Italien, trat 1880 in den Franziskanerorden ein, legte im Jahr darauf die einfachen und am 2. Juli 1884 die feierlichen Gelübde ab. Im Oktober desselben Jahres kam er nach China, wohin ihn Msgr. Grassi berufen hatte, um die heiklen Ämter eines Lehrers im Kleinen Seminar, des Novizenmeisters, des Promotors der Missionen und des Kaplans der Franziskaner Missionsschwestern von Maria sowie des Waisenhauses zu übernehmen. An diesem letzten Ort holte ihn die Verfolgung ein. Auf den Rat zu fliehen, gab er die mutige Antwort: „Es ist meine Pflicht, zu bleiben.“ Als der Tyrann Jü-Sien mit seinen Soldaten anrückte, betete er zunächst ruhig das Brevier, erhob sich, segnete die Schwestern und begleitete sie dann mutig zur Hinrichtung, wo er die Palme des Martyriums mit ihnen teilte. Er wurde am 9. Juli 1900 in Shanxi ermordet. Am 24. November 1946 sprach ihn Pius XII. selig.


37. Andreas Bauer, Ordensbruder, geb. am 24. November 1866 als Sohn von Lukas Bauer und Luzia Moser in Guebiller im Elsass, Frankreich, trat am 12. August 1886 als Bruder in den Franziskanerorden ein. Am 4. Mai 1899 kam er nach Tayuanfu. Bischof Msgr. Grassi betraute ihn mit der Leitung des Laienpersonals im Haus und im Ambulatorium sowie mit den üblichen Aufgaben eines Ordensbruders. Hier erwartete er widerstandslos den Sturm von 1900 und errang dabei die Palme des Martyriums. Am 9. Juli 1900 wurde er in Shanxi ermordet. Am 24. November 1946 sprach ihn Pius XII. selig.

FRANZISKANER MISSIONARINNEN VON MARIA (F.M.M.)

Zu den franziskanischen Märtyrern des ersten Ordens gesellten sich sieben Franziskaner Missionarinnen von Maria, die am 4. Mai 1899 von Msgr. Fogolla nach China gebracht wurden – drei Französinnen: Schwester Maria Hermeline von Jesus; Schwester Maria von der hl. Natalie und Schwester Maria vom hl. Justus; zwei Italienerinnen: Schwester Maria vom Frieden und Schwester Maria Klara; eine Belgierin, Schwester Maria Amandina; eine Holländerin, Schwester Maria Adolfina. Die Franziskaner Missionarinnen von Maria wurden am 6. Januar 1877 von der hl. Hélène de Chappotin de Neuville gegründet.


38. Maria Hermeline von Jesus (mit bürgerlichem Namen Irma Grivot), geb. am 28. April 1866 in Baune (Dijon), Frankreich, war die Oberin der Gruppe. Mit ungewöhnlichen Talenten gesegnet, hatte sie ein brillantes Studium durchlaufen und das Lehrerinnendiplom erworben. 1896 legte sie im Institut der Franziskaner Missionarinnen von Maria die Ordensgelübde ab und am 4. Mai 1899 nahm sie Msgr. Fogolla mit nach China. Als sie im Augenblick der Prüfung dazu ermuntert wurde, das Schlachtfeld gemeinsam mit ihren Mitschwestern zu verlassen, entschloss sie sich, den Bischöfen und Missionaren in den Kerker und zur Hinrichtung zu folgen und wurde so mit 34 Jahren am 9. Juli 1900 in Shanxi zur Protomärtyrerin ihres Instituts. Am 24. November 1946 wurde sie von Pius XII. seliggesprochen.


39. Maria vom Frieden (bürgerlich: Maria Anna Giuliani), Assistentin der Oberin und die Jüngste unter den Protomärtyrerinnen, wurde am 13. Dezember 1875 in Bolsena (Viterbo), Italien, geboren. 1892 trat sie bei den Franziskaner Missionarinnen von Maria ein und am 4. Mai 1899 geleitete sie Msgr. Fogolla nach China. Beim Erscheinen der Henker stimmte die außergewöhnlich musikalische Ordensschwester das Te Deum an, das ihre Mitschwestern bis zum Augenblick des Martyriums fortsetzten. Sie wurde am 9. Juli 1900 in Shanxi hingerichtet und am 24. November 1946 von Pius XII. seliggesprochen.

Franziskaner Missionarinnen


40. Maria Klara (bürgerlich: Clelia Nanetti), geb. am 9. Januar 1872 in S. Maria Maddalena in der Diözese Adria-Rovigo, Italien, trat 1892 bei den Franziskaner Missionarinnen von Maria ein. Am 4. Mai 1899 brachte sie Msgr. Fogolla nach China, wo sie ihrem Lebensmotto alle Ehre erwies: „Die Hände bei der Arbeit und das Herz dort oben.“ In einem von Sammlung, Arbeit und tiefer Frömmigkeit erfüllten Leben bereitete sie sich auf das Martyrium vor. Sie führte die Gruppe auf dem Weg zum Ort der Hinrichtung an und war auch die Erste, deren Kopf am 9. Juli 1900 in Shanxi vom Rumpf getrennt wurde. Am 24. November 1946 wurde sie von Pius XII. seliggesprochen.


41. Maria von der Hl. Natalie (bürgerlich: Johanna Maria Kerguin), geb. am 5. Mai 1864 in Belle-Isle-en-Terre, Frankreich, wurde im Alter von 24 Jahren Franziskaner Missionarin von Maria. Am 4. Mai 1899 kam sie durch Msgr. Fogolla nach China. Sie war die Älteste der Gruppe, aber auch die Unkomplizierteste und Demütigste von allen. Die unermüdliche Arbeit im Geiste franziskanischer Heiterkeit sowie die physischen Leiden sind ihre zwei bezeichnenden Merkmale. Am 9. Juli 1900 wurde sie in Shanxi getötet und am 24. November 1946 von Pius XII. seliggesprochen.


42. Maria vom hl. Justus (bürgerlich: Anna Moreau), geb. am 9. April 1866 in Rouen an der unteren Loire in Frankreich, erkannte ihre missionarische Berufung bei der Lektüre der Annalen der Propaganda Fide. „Nach China gehen, etwas Großes leisten und dann das Leben hingeben für die bedauernswerten Chinesen... Das ist mein Traum!“ 1890 nahm sie das Kleid der Franziskaner Missionarinnen von Maria und am 4. Mai 1899 brachte sie Msgr. Fogolla nach China, wo sie ein leuchtendes Beispiel an Tatkraft und Frömmigkeit war. Am 9. Juli 1900 wurde sie in Shanxi getötet und am 24. November 1946 von Pius XII. seliggesprochen.

43. Maria Adolfina (bürgerlich: Anna Dierk), geb am 8. März 1866 in Ostendrecht in Holland, trat 1892 bei den Franziskaner Missionarinnen von Maria ein und kam durch Msgr. Fogolla am 4. Mai 1899 nach China. Das dort verbrachte Jahr wurde nicht zuletzt durch die volle Observanz der Ordensregel im Gehorsam geheiligt sowie dadurch, dass sie von morgens bis abends und oft auch in den stillen Stunden der Nacht für die anderen da war. Sie war eine tapfere Kämpferin und bezeugte im Angesicht der Tyrannen mutig ihren Glauben. Am 9. Juli 1900 wurde sie in Shanxi ermordet und am 24. November 1946 von Pius XII. seliggesprochen.


44. Maria Amandina (bürgerlich: Paula Jeuris), geb. am 28. Dezember 1872 in Schakebroeck in Belgien, trat 1895 bei den Franziskaner Missionarinnen von Maria ein und kam am 4. Mai 1899 durch Msgr. Fogolla nach China. Dort wurde sie mit der Leitung des Ambulatoriums beauftragt, das von unzähligen Kranken aufgesucht wurde, die stets eine lächelnde Schwester vorfanden, welche ihnen mit den Medikamenten auch ein gutes Wort mit auf den Weg gab. Die Chinesen nannten sie aufgrund ihrer immerwährenden Heiterkeit „die Jungfrau aus Europa, die immer lächelt“. Als sie am 9. Juli 1900 in Shanxi enthauptet wurde, war sie noch keine 28 Jahre alt. Am 24. November 1946 wurde sie von Pius XII. seliggesprochen.


SÄKULARE FRANZISKANER (O.F.S.)

45. Johannes Zhang Jingguang, Seminarist, geb. 1877 in Tae-kuo in China, trat mit elf Jahren zunächst in das Kleine Seminar in Ko-lao-kou und dann in Tayuanfu ein, wo er unter der Anleitung von P. Facchini mit den theologischen Studien begann und gut vorankam, sodass er schließlich Franziskanerterziar wurde. Mit seinem lebhaften Wesen gab er ein Beispiel für alle. Mit 23 Jahren wurde er am 9. Juli 1900 als Erster einer Gruppe von fünf Seminaristen in Shanxi getötet. Am 24. November 1946 sprach ihn Pius XII. selig.


46. Patrizius Dong Bodi, Seminarist, geb. 1882 in Ku-tcen-in in China, ging nach Abschluss des Gymnasiums zum Studium der Philosophie und Theologie nach Tayuanfu. Msgr. Fogolla belohnte das gütige Wesen des jungen Klerikers, indem er ihn anlässlich der Internationalen Ausstellung von Turin im Jahre 1898 als Reisebegleiter nach Italien mitnahm. Mit Fogolla pilgerte Dong auch nach Frankreich, Belgien und England, wo er überall den Eindruck einer reinen und privilegierten Seele hinterließ. Als eifriger Terziar bereitete er sich dann auf den Eintritt in das Noviziat von Tongel-Kuu vor. Vom Sturm der Verfolgung überrascht, hielt Dong am 9. Juli 1900 in Shanxi mit 18 Jahren dem Henker unerschrocken seinen Kopf hin. Am 24. November 1946 wurde er von Pius XII. seliggesprochen.

 

47. Johannes Wang Rui, Seminarist, geb. 1884 in Sin-li-tsun in China, war wegen seiner Güte und seines liebenswerten Charakters der Benjamin des Seminars und nahm als Mitglied des Säkularen Franziskanerordens ebenso wie Patrizius Dong Bodi an der Ausstellung von 1898 in Turin teil. Er wurde zum Idol der Besucher, die den Missionspavillon füllten. Im Angesicht seiner Hinrichtung bot er ein Beispiel an Gelassenheit und Stärke. Wang wurde am 9. Juli 1900 in Shanxi getötet und am 24. November 1946 von Pius XII. seliggesprochen.
48. Philipp Zhang Zhihe, Seminarist, geb. 1880 in San-Kin-iu in China, wurde von seinen Lehrern und Kollegen bewundert und geschätzt, weil er in ihren Augen stets ein guter und hilfsbereiter Kleriker war. Er gehörte den Franziskaner Terziaren an. Am 9. Juli 1900 wurde er in Shanxi getötet. Am 24. November 1946 sprach ihn Pius XII. selig.


49. Johannes Zhang Huan, Seminarist, geb. 1882 in Nan-sce in China. Pater Elias Facchini, der sein edles Wesen und die außergewöhnlichen Tugenden bewunderte, nahm ihn in den Säkularen Franziskanerorden auf. Im Alter von 18 Jahren wurde er am 9. Juli 1900 in Shanxi ermordet. Am 24. November 1946 sprach ihn Pius XII. selig.

50. Thomas Shen Jihe, Hausdiener, geb. 1851 in Lu-ngan-fu in China, wurde durch Msgr. Fogolla Franziskanerterziar. Er lebte an der Seite von Msgr. Grassi und zehn Jahre hindurch waren beide ein Beispiel an Treue und Gehorsam. Bischof und Hausdiener verstanden sich gut und schritten gemeinsam zum Martyrium. Am 9. Juli 1900 wurde Thomas in Shanxi ermordet. Am 24. November 1946 sprach ihn Pius XII. selig.


51. Simon Qin Chunfu, Katechist, geb. 1854 als Sohn alteingesessener und eifriger Christen, verspürte die Berufung zum Priestertum, das ihm aber aufgrund einer für unheilbar gehaltenen Krankheit versagt blieb. Als Franziskanerterziar war er 30 Jahre lang ein treuer Diener von Msgr. Fogolla. Er übte das Amt eines Katechisten aus und blieb aus freier Entscheidung ledig, um ganz dem Herrn dienen zu können. Fogolla nahm ihn auf seine Reise nach Italien mit und verließ ihn auch im Martyrium nicht. Am 9. Juli 1900 wurde Simon in Shanxi ermordet und am 24. November 1946 von Pius XII. seliggesprochen.


52. Petrus Wu Anbang, geb. 1860 in Liu-lin-tsuen in China, verspürte als junger Mann ebenfalls den Wunsch, Priester zu werden. Er war Franziskanerterziar und Seminarist. Als er jedoch merkte, dass dies nicht seine Berufung war, legte er den Talar wieder ab; dennoch blieb er ein Leben lang unverheiratet. Als er einmal im Begriff war, den Missionaren Hilfe zu bringen, wurde er bei den Stadttoren verhaftet und mit am Rücken gefesselten Händen an einem Balken aufgehängt, wo er bis zum Abend blieb. Aus seiner Lage befreit, ging er aufs Neue den Weg der Kirche, schloss sich noch stärker Bischöfen und Missionaren an und schritt zufrieden mit ihnen zum Martyrium. Am 9. Juli 1900 wurde er in Shanxi ermordet und am 24. November 1946 von Pius XII. seliggesprochen.


53. Franz Zhang Rong, Landwirt, geb. 1838 in China, war ein einfacher Bauer, der auf dem Felde arbeitete und eine Großfamilie zu versorgen hatte, die aus alteingesessenen Christen bestand. Wegen seiner bewundernswerten Aufrichtigkeit und Schlichtheit war er bei allen beliebt. Zehn Jahre lang stand er als Pförtner des Waisenhauses im Dienst der Mission. Als eifriger Terziar und Marienverehrer verbrachte er die freien Stunden im Gebet und beim Rosenkranz. Er folgte den Franziskaner Missionarinnen von Maria in den Kerker und schätzte sich glücklich, mit ihnen das Martyrium erleiden zu dürfen. Am 9. Juli 1900 wurde er in Shanxi ermordet. Am 24. November 1946 sprach ihn Pius XII. selig.


54. Matthias Feng De, geb. 1855 in China, oblag als eifrigem Neophyten die Beaufsichtigung der Bischofsresidenz. Nach der Taufe wurde er Terziar. Am 9. Juli 1900 wurde er in Shanxi im Alter von 45 Jahren ermordet. Am 24. November 1946 sprach ihn Pius XII. selig.


55. Petrus Zhang Banniu, Arbeiter, geb. 1839 in China, war kein Angestellter des Hauses, doch kam er oft für außertourliche Arbeiten, denen er sich mit religiösem Eifer widmete. Als er im Angesicht der Verfolgung miterlebte, wie sich einige Gefährten aus Furcht absetzten, beschloss er, an ihrer Stelle gemeinsam mit den Bischöfen dem Martyrium entgegenzugehen. Am 9. Juli 1900 wurde er in Shanxi im Alter von 51 Jahren ermordet und am 24. November 1946 von Pius XII. seliggesprochen.


GLÄUBIGE LAIEN

56. Jakob Yan Guodong, Landwirt, geb. 1853 in China, war ein Mann von außergewöhnlicher Schlichtheit und gehörte der Unterschicht armer Bauern an. Seine Aufgabe bestand in der Vorbereitung des Gemüses für die Mahlzeiten der Missionare, Schwestern, Seminaristen und der kleinen Mädchen von der Heiligen Kindheit. In seinem letzten Jahr half er in der Küche mit. Am 9. Juli 1900 wurde er, nachdem er das Mittagessen aufgetragen hatte, im Alter von 45 Jahren in Shanxi ermordet. Am 24. November 1946 sprach ihn Pius XII. selig.


57. Jakob Zhao Quanxin, Hausgehilfe, geb. 1856 in China, war ein gütiger und rechtschaffener Mann, verheiratet und arbeitete als Hilfskraft. Als die Bischöfe jedoch in den Kerker gesteckt wurden, wollte er an ihrer Seite sein. Als er vor dem Tribunal stand, sagten einige Soldaten, alte Gefährten von ihm, die ihn retten wollten, zu dem, der ihn festhielt, dass er kein Christ sei. Jakob aber protestierte, bekannte sich als Christ und wurde am 9. Juli 1900 in Shanxi ermordet. Am 24. November 1946 sprach ihn Pius XII. selig.


58. Petrus Wang Erman, geb. 1870 in China, wurde von Kindheit an im Waisenhaus von Kolao-Kou erzogen. Er war ein guter Mensch, hielt sich an die Zehn Gebote, stand zunächst im Dienst des einheimischen Priesters Petrus Su und wurde dann der Küche des Seminars von Tayuanfu zugeteilt. Nach Aufhebung des Seminars, als die Waisen in alle Winde zerstreut waren und Bischöfe und Missionare im Kerker saßen, wurde er am 9. Juli 1900 in Shanxi ermordet. Am 24. November 1946 sprach ihn Pius XII. selig.


2. Märtyrer von Süd-Hunan

Die Revolution, die ihren Ausgang in Shantung genommen hatte, wo die „Boxer“ gegen die Europäer siegreich blieben, erreichte unter dem Schlachtruf „Tod den Europäern“ am 4. Juli 1900 auch den Süden von Hunan, mit Vandalenakten, der Zerstörung von Wohnungen sowie der Kirche und des Waisenhauses von Heng-tciou-fu. Von dort aus breitete sie sich rasch auf sämtliche anderen christlichen Gemeinschaften des Vikariats aus, wo innerhalb kurzer Zeit alles geplündert, niedergebrannt und zerstört wurde: Kirchen, Wohnungen, Einrichtungen. Auch die christlichen Familien wurden ausgeraubt, während die Dekrete der Mandarine gegen den Glauben wie Pilze aus dem Boden schossen. Vom einheimischen Klerus ergriffen einige verkleidet die Flucht, andere versteckten sich und wiederum andere, wie die folgenden Märtyrer, gingen in den Tod.

Säkulare Frinziskaner


59. Cesidius Giacomantonio, Priester, wurde am 30. August 1873 in Fossa Aquilana, Italien, geboren und am gleichen Tag auf den Namen Angelo getauft. Am 21. November 1891 trat er in den Franziskanerorden ein, wurde 1897 zum Priester geweiht und schiffte sich dann im Oktober 1899 nach China ein. Die Verfolgung überraschte ihn nach einem Jahr des Apostolats am 4. Juli 1900 in Heng-tciou-fu. Da Cesidius inmitten des Tumults der Menschenmenge, die in seine Wohnung eindrang, eine Profanierung der Hostien befürchtete, ging er in die Kapelle, um sie zu konsumieren. Von Lanzenstichen tödlich verletzt, wurde er in eine mit Petroleum getränkte Decke gehüllt und verbrannt. Er war noch nicht einmal 27 Jahre alt. Am 24. November 1946 sprach ihn Pius XII. selig.


60. Antoninus Fantosati, Bischof, wurde am 16. Oktober 1842 in S. Maria in Valle bei Trevi in Umbrien, Italien, geboren und gehörte der Franziskanerprovinz von Assisi an. Im Oktober 1867 verließ er zusammen mit einigen Mitbrüdern, darunter Pater Elias Facchini, Rom in Richtung der Missionen in China. Er arbeitete als Missionar im oberen Teil der Provinz Hupeh, wo er wichtige und geniale Initiativen entwickelte. Ihm verdankt sich die herrliche Kathedrale von Laoho-Kow und Cia-yuen-Kou. Er war Prokurator, Generalvikar und apostolischer Administrator. Nach 20 Jahren ausdauernder und fruchtbarer Seelsorge wurde er 1892 zum Apostolischen Vikar von Süd-Hunan gewählt. Den herannahenden Sturm ahnend bereitete er sich mutig darauf vor. Aufgrund der Pastoralvisitation und in Begleitung seines unzertrennlichen Weggefährten P. Josef Gambaro weitab von seinem üblichen Wohnsitz beeilten sich beide, gemeinsam mit einigen Christen per Boot nach Heng-tciou-fu zurückzukehren. Kurz vor der Stadt vernahm Fantosati mit Bestürzung die Nachricht vom Tode des Paters Cesidius Giacomantonio, der bei lebendigem Leib verbrannt wurde, und von der Zerstörung der Kirche und des Waisenhauses. Bei der Ankunft am 7. Juli 1900 attackierte eine Reihe von Fischern das Boot, auf dem sich der Bischof und P. Gambaro befanden. Vom Ufer aus versuchte der Bischof die Menge zu beruhigen, doch streckte ihn ein Schlag mit dem Ruder auf den Kopf zu Boden. Nach zwei langen Stunden der Agonie starb er im Alter von 58 Jahren. Am 24. November 1946 wurde er von Pius XII. seliggesprochen.


61. Josef Maria Gambaro, Priester, wurde am 7. August 1869 in Galliate, Provinz Novara, Italien, geboren und auf den Namen Bernhard getauft. Am 27. September 1886 trat er bei den Franziskanern ein und nahm den Namen Josef Maria an. Im März 1896 kam er nach China, wo er die Aufgabe hatte, die Aspiranten des dortigen Seminars zum Studium und zur Frömmigkeit anzuleiten. Anschließend übernahm er die Leitung der christlichen Gemeinde von Yen-tciou, wo er von allen begeistert aufgenommen wurde. Er erlitt das gleiche Schicksal wie Msgr. Fantosati, der ihn besonders schätzte und ihm zugetan war. Auch auf seinen Körper prasselten unzählige Steine und Stockhiebe nieder, bis er sterbend am Boden lag. Während der Bischof seine Hand hob, um ihn zu segnen, hauchte er seinen Geist aus. Sein Martyrium dauerte 20 Minuten. Es war der 7. Juli 1900. Am 24. November 1946 wurde Gambaro von Pius XII. seliggesprochen.


MÄRTYRER DER GESELLSCHAFT JESU UND GEFÄHRTEN
(seliggesprochen am 17. April 1955 von Pius XII.)

Im südöstlichen Tcheli, damals Apostolisches Vikariat von Sien-Hsien, das den Jesuiten anvertraut war, wurden ca. 5.000 Gläubige ermordet, von denen 3.069 Personen namentlich identifiziert und der Nachwelt überliefert wurden. Aus dieser großen Gruppe wurden schließlich 56 Kandidaten ausgewählt, darunter 4 Jesuiten aus Frankreich und 52 Laienchristen aus China, Männer, Frauen und Kinder; der Älteste zählte 79 Jahre, während die Jüngsten erst neun Jahre alt waren.


62. Leo Mangin, Priester SJ, wurde am 30. Juli 1827 in Verny in der Nähe von Metz, Frankreich, geboren. Nach Beendigung der Sekundarschule trat er am 5. November 1875 in die Gesellschaft Jesu ein. Nach Abschluss der philosophischen Studien in Löwen und kurzer Unterrichtstätigkeit im Kolleg von Lüttich reiste er 1882 als Missionar nach China, wo er sich die ersten vier Jahre dem Studium der Theologie und der chinesischen Sprache widmete. Sein Studienkollege war Remigius Isoré, mit dem er am 31. Juli 1886 zum Priester geweiht wurde und der später ebenfalls den Märtyrertod starb. Mangin wurde für die Mission von Tchou-kia-ho, einem Dorf mit ca. 400 Einwohnern, bestimmt, wohin wegen der Angriffe der „Boxer“ auch viele andere Personen flüchteten, sodass sich die Zahl auf 3.000 erhöhte. Da Mangin den Einfall der „Boxer“ voraussah, versuchte er, das Dorf zu befestigen und befahl P. Paul Denn, der sich damals allein im Dorf Koutcheng aufhielt, zu ihm nach Tchou-kia-ho zu kommen. Am 15. Juli 1900 unternahmen die „Boxer“ einen ersten Versuch, in das Dorf einzudringen, wurden jedoch von den Bewohnern abgewehrt. Am 18. desselben Monats gelang es ihnen jedoch, die Barrikaden zu durchbrechen und ins Dorf zu kommen. In der Hoffnung, dass der Sturm sich wieder lege, hatte P. Mangin die Frauen und Kinder in der Kirche versammelt. Nachdem er und P. Denn die heiligen Gewänder angelegt hatten, setzten sie sich neben den Altar mit Blick auf die Gläubigen und leiteten deren Gebet. Gegen neun Uhr morgens durchbrachen die „Boxer“ die Kirchentüren und fanden die knieende Gemeinde und die beiden Jesuiten am Altar vor. Da sie keinem Widerstand begegneten, boten sie zunächst all jenen, die dem Glauben abschwören würden, Freiheit und Leben an, doch nur wenige nahmen das Angebot an und so nahm das Massaker seinen Lauf. P. Denn stimmte das Confiteor an und P. Mangin sprach die Absolutionsworte. Beide wurden am 18. Juli 1900 ermordet.

Jesuiten


63. Paul Denn, Priester SJ, geb. am 1. April 1847 in Lille, Frankreich, trat am 6. Juli 1872 in die Gesellschaft Jesu ein, nachdem er zunächst als Bankangestellter gearbeitet hatte, um seine verwitwete Mutter finanziell zu unterstützen. Bald nach dem Noviziat reiste er nach China, wo er am 19. Dezember 1880 zum Priester geweiht wurde. Am 18. Juli 1900 wurde er zusammen mit P. Mangin ermordet.


64. Remigius Isoré, Priester SJ, wurde am 22. Januar 1852 in Bambeque, Frankreich, geboren. Er bereitete sich zunächst auf das Diözesanpriestertum vor, trat dann jedoch nach Beendigung seiner Studien am 20. November 1875 in die Gesellschaft Jesu ein. 1882 wurde er in die Mission nach China geschickt, wo er die Theologiestudien abschloss und am 31. Juli 1886 zum Priester geweiht wurde. P. Isoré war ein strenger Ordensmann und ein sehr energischer Missionar. Bei Ausbruch des „Boxer“-Aufstands befand er sich in der Missionsstation Weihsien im Distrikt Ce-li von Tientsin. Man schickte ihn eine Zeitlang zur Erholung in die Hauptkommunität nach Changkiachwang. Als am 17. Juni 1900 die Nachricht durchsickerte, dass die „Boxer“ in der Nähe von Weihsien sehr aktiv waren, kehrte Pater Isoré unverzüglich dorthin zurück, um den Christen beizustehen, die er in einer so kritischen und schwierigen Situation nicht allein lassen wollte. Auf der Reise machte er Rast in Ou-Y, der Missionsstation von P. Andlauer, wohin die „Boxer“ bereits vorgedrungen waren. Am 19. Juni 1900 wurde er ermordet.


65. Modestus Andlauer, Priester SJ, geb. am 22. Mai 1847 in Rosheim im Elsass, trat am 5. Oktober 1872 in die Gesellschaft Jesu ein und wurde 1876 zum Priester geweiht. 1882 reiste er nach China. Er war ein sehr bescheidener Ordenspriester und ein Mann intensiven Gebets. Wie P. Remigius Isoré, der damals in die Mission kam, war auch er überzeugt, dass die Stunde des Martyriums unmittelbar bevorstand. Daher verbrachten beide die Nacht des 18. Juni im Gebet. Als sie am darauffolgenden Morgen das Geschrei der „Boxer“ schon ganz in der Nähe hörten, begaben sich die beiden Jesuiten in die Kirche. Bald darauf wurden die Kirchtüren aufgebrochen und die „Boxer“ fielen über die Missionare her und durchbohrten sie mit ihren Lanzen. Das Blut der beiden Märtyrer ergoss sich auf den Altar.


Was die 52 chinesischen Laien betrifft, die ebenfalls das Martyrium erlitten, so gibt es über sie – abgesehen von Alter, Ort und Zeitpunkt ihrer Ermordung – keine Informationen.


66. Maria Zhu geb. Wu (1858 –1900), 42 Jahre, ermordet in der Kirche von Tchou-kia-ho, am 20. Juli 1900.
67. Peter Zhu Rixin (1881–1900), 19 Jahre, ermordet im Dorf Lou-kia­tchoang am 20. Juli 1900.
68. Johann Baptist Zhu Wurui (1883 –1900), 17 Jahre, ermordet in der Nähe von Lou-tchoang am 15. Juli 1900.
69. Maria Fu Guilin (1863 –1900), 37 Jahre, ermordet im Dorf Ta-Liou­-Ts’uenn am 18. Juli 1900.
70. Barbara Cui geb. Lian (1849 –1900), 51 Jahre, ermordet in der Nähe des Dorfes Liou-Choei-T’ao am 15. Juni 1900.
71. Josef Ma-Taishun (1840 –1900), 60 Jahre, ermordet im Dorf Ts’ien-Cheng-Tchoang am 26. Juni 1900.
72. Luzia Wang Cheng (1882 –1900), 18 Jahre, ermordet im Dorf Wang-­La-Kia am 28. Juni 1900.
73. Maria Fan Kun (1884 –1900), 16 Jahre, ermordet im Dorf Wang-La­-Kia am 28. Juni 1900.
74. Maria Chi Yu (1885 –1900), 15 Jahre, ermordet im Dorf Wang-La-Kia am 28. Juni 1900.
75. Maria Zheng Xu (1889 –1900), 11 Jahre, ermordet im Dorf Wang-La­-Kia am 28. Juni 1900.
76. Maria Du geb. Zhao (1849 –1900), 51 Jahre, ermordet im Dorf Vang­-Kia-Tien am 28. Juni 1900.
77. Magdalena Du Fengju (1891–1900), 19 Jahre, ermordet im Dorf Tou-Kia-T’ounn am 29. Juni 1900.
78. Maria Du geb. Tian (1858 –1900), 42 Jahre, ermordet im Dorf Tou­-Kia-T’ounn am 29. Juni 1900.
79. Paul Wu-Anju (1838 –1900), 62 Jahre, ermordet im Dorf Siao-Lui-i am 29. Juni 1900.
80. Johann Baptist Wu-Mant’ang (1883 –1900), 17 Jahre, ermordet im Dorf Siao-Lui-i am 29. Juni 1900.
81. Paul Wu-Wanshou (1884 –1900), 16 Jahre, ermordet im Dorf Siao­-Lui-i am 29. Juni 1900.
82. Raimund Li-Quanzhen (1841–1900), 59 Jahre, ermordet im Dorf Tch’enn-T’ounn am 30. Juni 1900.
83. Peter Li-Quanhui (1837 –1900), 63 Jahre, ermordet im Dorf Tch’enn-T’ounn am 30. Juni 1900.
84. Peter Zhao-Mingzhen (1839 –1900), 61 Jahre, ermordet im Dorf Tong-yang T’ai am. 3 . Juli 1900.
85. Johann Baptist Zhao-Mingxi (1844 –1900), 56 Jahre, ermordet im Dorf Tong-yang T’ai am 3. Juli 1900.
86. Theresa Chen Jinjie (1875 –1900), 25 Jahre, ermordet auf der Straße nach Hoang-eul-ying am 5. Juli 1900.
87. Rosa Chen Anjie (1878 –1900), 22 Jahre, ermordet auf der Straße nach Hoang-eul-ying am 5. Juli 1900.
88. Peter Wang Zuolung (1842 –1900), 58 Jahre, ermordet im Dorf Choang-tchoung am 6. Juli 1900.
89. Maria Guo geb. Li (1835 –1900), 65 Jahre, ermordet im Dorf Hou-kia­tch’eu am 7. Juli 1900.
90. Johannes Wu Wenyin (1850 –1900), 50 Jahre, ermordet in der Stadt Young­-Nien am 8. Juli 1900.
91. Zhang Huailu (1843 –1900), 57 Jahre, Katechumene, ermordet im Dorf Tchou-heue-tien am 9. Juli 1900.
92. Markus Ji Tiangxiang (1834 –1900), 66 Jahre, ermordet in der Nähe der Stadt Kitcheou am 9. Juli 1900.
93. Anna An geb. Xin (1828 –1900), 72 Jahre, ermordet im Dorf Liou­-Koan-Ying am 11. Juli 1900.
94. Maria An geb. Guo (1836 –1900), 64 Jahre, ermordet im Dorf Liou­-Koan-Ying am 11. Juli 1900.
95. Anna An geb. Jiao (1874 –1900), 26 Jahre, ermordet im Dorf Liou­-Koan-Ying am 11. Juli 1900.
96. Maria An, genannt Linghua (1871–1900), 29 Jahre, ermordet im Dorf Liou-Koan-Ying am 11. Juli 1900.
97. Paulus Liu Jinde (1821–1900), 79 Jahre, ermordet in der Nähe des Dorfes Lang-­Tze-kiao am 13. Juli 1900.
98. Josef Wang Kuiju (1863 –1900), 37 Jahre, ermordet in der Stadt Nan­-Koung am 13. Juli 1900.
99. Johannes Wang Kuixin (1875 –1900), 25 Jahre, ermordet in der Stadt Nan­-Koung am 14. Juli 1900.
100. Theresia Zhang geb. He (1864 –1900), 36 Jahre, ermordet im Dorf Thiang-kia-T’si am 16. Juli 1900.
101. Lang-Yang-Cheu geb. Yang (1871–1900), 29 Jahre, ermordet im Dorf Lu-kia-pouo am 16. Juli 1900.
102. Paulus Lang Fu (1893 –1900), 9 Jahre, ermordet im Dorf Lu-kia­-pouo am 16. Juli 1900.
103. Elisabeth Quin geb. Bian (1846 –1900), 54 Jahre, ermordet im Dorf Pei-lao am 19. Juli 1900.
104. Simone Qin Chunfu (1886 –1900), 14 Jahre, ermordet im Dorf Liou-­Tsounn am 17. Juli 1900.
105. Petrus Liu Ziyn (1843 –1900), 57 Jahre, ermordet im Dorf Tchou-­Kia-Sie-Tchoang am 19. Juli 1900.
106. Anna Wang (1886 –1900), 14 Jahre, ermordet im Dorf Tai-ning am 22. Juli 1900.
107. Josef Wang Yumei (1832 –1900), 68 Jahre, ermordet in der Nähe des Dorfes Taì-ning am 21. Juli 1900.
108. Luzia Wang geb. Wang (1869 –1900), 31 Jahre, ermordet im Dorf Taì-ning am 22. Juli 1900.
109. Andreas Wang Tianqing (1891–1900), 9 Jahre, ermordet im Dorf Taì-ning am 22. Juli 1900.
110. Maria Wang geb. Li (1851–1900), 49 Jahre, ermordet im Dorf Tchoung-Koang-Ying am 22. Juli 1900.
111. Chi Zhuzi (1882–1900), 18 Jahre, ermordet im Dorf Tei-cha’ im Jahre 1900 (genaues Datum des Martyriums unbekannt).
112. Maria Zhao geb. Guo (1840 –1900), 60 Jahre, ermordet im Dorf Yon-Fang-tchaokia im Jahre 1900 (genaues Datum des Martyriums unbekannt).
113. Rosa Zhao (1878 –1900), 22 Jahre, ermordet im Dorf You-Fang­-tchaokia im Jahre 1900 (genaues Datum des Martyriums unbekannt).
114. Maria Zhao (1883 –1900), 17 Jahre, ermordet im Dorf You-Fang-­tchaokia im Jahre 1900 (genaues Datum des Martyriums unbekannt).
115. Josef Yuang Gengyin (1853 –1900), 47 Jahre, ermordet im Dorf Ta-Ying am 30. Juli 1900.
116. Paulus Ge Tingzhu (1839 –1900), 61 Jahre, ermordet im Dorf Si-Siao-­t’ounn am 8. August 1900.
117. Rosa Fan Hui (1855 –1900), 45 Jahre, ermordet im Dorf Fan-Kia-­tchoang am 16. August 1900.


PÄPSTLICHES INSTITUT FÜR AUSLANDSMISSIONEN

118. Alberich Crescitelli, geb. am 30. Juni 1869 in Altavilla Irpina (Avellino), Italien, trat in das Päpstliche Seminar der hll. Apostel Petrus und Paulus in Rom ein (das genannte Institut schloss sich 1926 auf Anordnung von Pius XI. mit dem Institut der Auslandsmissionen von Mailand zum Päpstlichen Institut für die Auslandsmissionen, P.I.M.E., zusammen) und legte am 9. Dezember 1884 die ewigen Gelübde ab. Am 4. Juni 1887 wurde er zum Priester geweiht. Am 2. April 1888 reiste er in die Mission nach China, wo er in Hanzhong (Süd-Shanxi) als Seelsorger wirkte. Am 21. Juli 1900, während des „Boxer“-Aufstandes, fand Crescitelli den Märtyrertod. Am 18. Februar 1951 wurde er von Pius XII seliggesprochen.

Auslandsmission, Salesianer


MÄRTYRER DER GESELLSCHAFT DER SALESIANER DON BOSCOS

119. Alois Versiglia, Bischof, wurde am 5. Juni 1873 in Oliva Gessi (Pavia), Italien, geboren, am Tag darauf getauft und am 21. September 1881 gefirmt. Am 11. Oktober 1889 legte er die ewige Profess ab. Am 21. Dezember 1895 wurde er zum Priester geweiht. Im Alter von 33 Jahren reiste Versiglia am 7. Januar 1906 mit zwei anderen Priestern und drei Koadjutoren nach Hongkong und bereitete so den Salesianern den Weg nach China. Am 9. Januar 1921 wurde er zum Bischof geweiht. Am 25. Februar 1930 wurde er gemeinsam mit Callistus Caravario in Li-Thau-Tseul ermordet. Seine sterblichen Überreste befinden sich in der Kathedrale von Shiu-Chow in China.


120. Callistus Caravario, Priester, wurde am 8. Juni 1903 in Cuorgné (Turin) geboren, am darauffolgenden 14. Juni getauft und am 10. Mai 1912 gefirmt. Am 14. September 1924 legte er die ewige Profess ab. Am 18. Mai 1929 wurde er von Msgr. Versiglia zum Priester geweiht und für die Mission von Lin-chow in China bestimmt. Am 25. Februar 1930 wurde er gemeinsam mit diesem in Li-Thau-Tseul ermordet. Seine sterblichen Überreste befinden sich in der Kirche des hl. Joseph in Hosai in China.

Am 25. Februar 1930 waren Msgr. Alois Versiglia, Apostolischer Vikar von Shiu-chow, und Don Callistus Caravario, Pfarrer von Lin-chow, in einem Boot auf dem gleichnamigen Fluss unterwegs. Bei ihnen befanden sich, außer der Besatzung, drei Männer und vier Frauen (eine ältere und drei junge). Als sie die Ortschaft Li-Thau-Tseul erreichten, wurden sie von einer Bande von zehn Männern angegriffen, darunter einigen versprengten Soldaten der bolschewistischen Armee von General Chong Fat Kwai. Nachdem diese in das Boot gelangt waren, versuchten sie sofort, sich der drei jungen Frauen zu bemächtigen. Die beiden Missionare, welche die Absicht der Eindringlinge erkannten, stellten sich ihnen entschlossen entgegen. Sie wurden brutal zusammengeschlagen, gefesselt und an Land geschleift. Nachdem die Frauen in den nahen Wald verschleppt worden waren, töteten sie die beiden Missionare, die sich mit ganzer Kraft eingesetzt hatten, um die Ehre der Mädchen zu retten. Am 15. Mai 1983 wurden Versiglia und Caravario von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Die Heiligsprechung der genannten 120 chinesischen Märtyrer durch Johannes Paul II. am 1. Oktober 2000 machte leider auch deutlich, dass die katholische Kirche in China am Ende des 20. Jahrhunderts immer noch nicht die volle religiöse Freiheit genießt. Im Gegenteil: die chinesische Regierung setzte alles daran, um die Märtyrer zu diskreditieren. Monate hindurch verkündete sie lautstark, diese seien „Feinde des chinesischen Volkes“ und „Instrumente des westlichen Imperialismus“ gewesen. Ein Kult ihnen zu Ehren wurde verboten. Auch den Katholiken von Hong Kong, das einen besonderen Status genießt, wurde Schweigen abverlangt. Dieses wird jedoch zunehmend brüchig.

Viele Jahre wurde der Maoismus dermaßen verherrlicht, dass auch jene, die nicht damit einverstanden waren, nicht die innere Freiheit besaßen, außerhalb des ideologischen Chores zu sprechen, ohne die eigene Freiheit oder sogar das Leben aufs Spiel zu setzten. In der Tat gibt es noch immer Bischöfe, Priester und Laien, die unter Hausarrest stehen oder im Kerker sitzen.

Auch wenn die systematischen Verfolgungen in großem Stil, wie sie in der maoistischen Periode gang und gäbe waren, der Vergangenheit angehören, ist das Leiden der Kirche noch keineswegs zu Ende. Die Gemeinschaften und die Bischöfe der offiziellen bzw. „offenen“, das heißt: von der Regierung anerkannten, Kirche sind ständigen Kontrollen, Einmischungen und Schikanen ausgesetzt. Daher sind die Kommunitäten der offiziellen Kirche und ihre Leiter nicht wirklich frei, wie so mancher oberflächliche Beobachter zu glauben geneigt ist.

Wir sehen uns hier mit dem typisch christlichen Paradox konfrontiert, demzufolge das Leiden niemals als das letzte Wort wahrgenommen wird, sondern stets als ein Abschnitt auf dem Weg zur Glückseligkeit.

Jetzt aber haben wir, wie Papst Johannes Paul II. bemerkte, die Pflicht, uns zu erinnern, insbesondere der Märtyrer des 20. Jahrhunderts – dies ohne jedwede Zurückhaltung und unter welchem Regime auch immer.


Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 5