Dominikus Lentini

DOMINIKUS LENTINI

(1770 – 1828)

PRIESTER

Seligsprechung: 12. Oktober 1997
Fest: 25. Februar

DOMINIKUS LENTINI wurde am 20. November 1770 als letztes von fünf Kindern des Ehepaares Macario Lentini und Rosalia Vitarella in ärmlichen Verhältnissen in Lauria, Provinz Potenza, Italien, geboren und noch am gleichen Tag auf den Namen Dominikus getauft. Am 16. Juni 1772 erhielt er das Sakrament der Firmung.
Seine Eltern, die für ihre Religiosität und Frömmigkeit bekannt waren, unterwiesen den Jungen mit großem Eifer in den göttlichen Geboten. Obwohl er die mütterliche Obsorge und Liebe aufgrund des vorzeitigen Todes der Mutter schon in zartem Alter entbehren musste, wuchs der kleine Dominikus in einer unverfälschten und heilsamen Umgebung auf. Zur jugendlichen Unbekümmertheit gesellte sich jedoch schon bald eine ernste und nachdenkliche Haltung, begleitet von Gebet und einer beharrlichen religiösen Praxis sowohl in der Familie als auch in der Kirche. Auch die Berufung zum Priestertum trat immer deutlicher hervor.

Mit Zustimmung des Vaters, der sogar bereit war, Schulden zu machen, um den Wunsch des Sohnes zu unterstützen, nahm Dominikus, wie es damals Brauch war, im Alter von 14 Jahren den Talar und begann unter Anleitung der Priester Antonio Scaldaferri und Francesco Cosentino in seinem Heimatdorf Lauria mit Studien in Literatur, Philosophie und Theologie. 1791 trat er in das Seminar von Policastro (Salerno) ein, zu dessen Diözese Lauria damals gehörte, um die kirchliche Laufbahn zu vervollständigen. Dort gereichte er – aufgrund seiner Gelehrtheit und Frömmigkeit – allen, Oberen wie Zöglingen, zur Erbauung.

Nach der Diakonatsweihe am 21. September 1793 in Mormanno kehrte Dominikus auf Ansuchen der Bauern und mit Erlaubnis des Bischofs nach Lauria zurück, um sich dem Unterricht und der kulturellen, moralischen und religiösen Bildung der Knaben und jungen Männer zu widmen. Nach der Priesterweihe am 8. Juni 1794 in der Kathedrale von Marsico Nuovo (Potenza) kam er wiederum nach Lauria, wo er für den Rest seines Lebens blieb. Lentini ging von da an ganz in der Ausübung seines priesterlichen Amtes auf und entzog sich mit Entschiedenheit ein Leben lang sämtlichen Ämtern und Ehren, für die ihn die Oberen immer wieder vorschlugen. Stattdessen übernahm er mit Feuereifer liturgische Dienste in den Städten und auf dem Land, die Aufgaben im Rahmen seines Turnus, die für den zahlenmäßig großen Klerus in der Kirche von S. Nicola vorgesehen waren, und in erster Linie die Fastenpredigten und Volksmissionen in Lauria, in der Diözese und den angrenzenden Regionen. Vor allem beeindruckte er in dem besonderen Auftrag der Heiligung der Menschen, indem er in tiefem Glauben und großer Ehrfurcht die göttlichen Geheimnisse feierte. Erfüllt vom Hl. Geist, verweilte er stundenlang betend vor dem Allerheiligsten Altarsakrament und zelebrierte mit großer innerer Anteilnahme den Gottesdienst, sodass er von den Zeitgenossen, nicht zuletzt seiner häufigen Ekstasen wegen, als "ein Engel am Altar" bezeichnet wurde. Wenn er als Katechet von der Passion Christi und der Schmerzensmutter sprach, fand er unwiderstehliche Worte, sodass er auf wunderbare Weise die spirituelle Erneuerung der Bevölkerung und die Bekehrung auch noch so hartnäckiger Sünder erreichte.

Lentini wohnte gemeinsam mit seiner teuren Schwester, die ihn liebevoll umsorgte, in dem kleinen und armseligen Häuschen der Eltern. Er führte ein Leben jenseits aller irdischen Annehmlichkeiten und machte aus seiner kargen Behausung eine verborgene Zelle der Meditation und der Buße, einen Vortragsraum für die Schüler und Jugendlichen oder auch eine kleine Zufluchtsstätte für die unzähligen Bedürftigen und Hungernden, die stets die Hauptrolle in seinem Leben spielten, das auf grenzenlose Nächstenliebe ausgerichtet war. Nicht selten kam es vor, dass er den Armen auf der Straße nicht nur seine Schuhe, sondern auch Hose und Hemd überließ, sodass er nur mehr den Talar auf dem Leibe trug.
Diese radikale Treue zur Verkündigung des Wortes machte aus ihm auch einen begehrten Beichtvater, der von Priestern und Bischöfen gleichermaßen aufgesucht wurde wie von einfachen Arbeiterinnen, von Akademikern oder Geschäftsleuten; sie alle behielten seine Worte und Gesten ein Leben lang in Erinnerung.

Lentini war ein tief innerlicher Priester, der die menschlichen und christlichen Tugenden ebenso wie seine Standestugenden auf eine heroische Weise lebte, eingebettet in eine freiwillige und stille Demut, die durch allerlei Entbehrungen gekennzeichnet war. Er genoss die uneingeschränkte Zuneigung und die aufrichtige Achtung aller, insbesondere der Mitbrüder, mit Ausnahme des verständnislosen Landpfarrers. Dieser beschuldigte ihn beim Bischof sogar des öfteren der Unmoral und Extravaganz. Lentinis Unschuld erwies sich jedoch stets von selbst: Nie verteidigte er sich, ließ die anderen einfach gewähren. Und der Bischof schenkte den Verleumdungen, durch die Lentinis Tugenden nur noch offensichtlicher wurden, nach einer ersten Prüfung keinerlei Beachtung mehr.

Diese Tugenden hatten in einer für die Kirche, für Italien und Europa sehr schwierigen Epoche (Französische Revolution, napoleonische Ära, Restauration, erste liberale Bewegungen) mit ihren neuen Lehren und kulturellen Strömungen (Aufklärung und Rationalismus) sowie den auftauchenden sozialen und politischen Problemen eine ganz besondere Strahlkraft. In dieser Situation wurde Lentinis Arbeit in der Stadt und seiner Umgebung bestimmend für Solidarität, Moral, Gerechtigkeit und Frieden unter den Einzelnen, in den Familien und zwischen gegensätzlichen Parteien. In einer Zeit des vorgeschriebenen Treueides zum König und zur Krone nahm er eine loyale und patriotische Haltung ein, mied jedoch Extremismen und blieb ein unerschütterlicher Verfechter der Freiheit und des christlichen Bewusstseins.
Lentini setzte sich mit allen Mitteln dafür ein, die Geschicke des Volkes zum Besseren zu wenden, und bemühte sich sogar um eine Reform der Volksfrömmigkeit, um diese durch eine permanente Christus zentrierte und biblische Katechese zum Wesentlichen zurückzuführen. Ihr folgte selbst die Kongregation der Addolorata, die von ihm für Laiengruppen gegründet wurde, welche nach Vollkommenheit strebten.

Als Christ von profunder Bildung stellte Lentini seinen Mitbürgern bei der Unterweisung in Literatur, Philosophie, Theologie und verwandten Gebieten all sein Wissen und seine Weisheit zur Verfügung. Kinder und Jugendliche aus Lauria und Umgebung machten sein kärgliches Zuhause zu einer echten katholischen Schule, mit dem weitgehend erreichten Ziel, vorbildliche Christen und Bürger heranzubilden. Lentinis Unterrichtstätigkeit für die Jugendlichen erfolgte ohne Entgelt, er nahm höchstens dann und wann eine bescheidene Spende an.

Neben all seinen kulturellen und priesterlichen Qualitäten war Lentini auch mit besonderen Charismen und paranormalen Fähigkeiten gesegnet. Er bewirkte Heilungen und außergewöhnliche Ereignisse, hatte die Gabe der Prophetie und der Herzensschau und lebte in einer ständigen Einheit mit Gott. Er wurde mit der Maxime bedacht: "Wenn er nicht von Gott sprach, so sprach er mit Gott." Lentini war ein so beschaulicher Charakter, dass er während des vierzigstündigen Gebets einen ganzen Tag lang kniend vor dem Allerheiligsten verharren konnte.

"Durch sein beeindruckendes Äußeres", wie die Zeitgenossen sagten, "schien er, wenn er predigte, wie ein echter Apostel." Es sind viele, die bezeugen, dass er "in apostolischer Manier" predigte, auch in dem Sinne, dass "sein Sprechen ungekünstelt, überzeugend und eindringlich war. Um ihn zu hören, ließen die Menschen die Arbeit ruhen. Die Kirchen waren übervoll. Alle waren tief bewegt. Die wahren Früchte seiner Predigten waren jedoch die Bekehrungen: Viele, wenn nicht alle, verspürten das Bedürfnis, "sich mit Gott zu versöhnen". Lentini hörte daher tagelang die Beichte. Auch deshalb hatte ihn Pius XI. einen "Vorläufer des hl. Pfarrers von Ars" genannt.

Der eigentliche Grund für die Wirksamkeit seiner Predigten wird vor allem in dem Umstand gesucht, dass er an die Kraft des Wortes glauben konnte. Besonders bedeutsam ist ein Text von ihm, den man als die "Summe der Theologie der Predigt" bezeichnen kann: Als er den Gläubigen von Rivello kundtat, dass er "die gewaltige Aufgabe der Verkündigung des Wortes Gottes" auf sich genommen habe, um dem Bischof zu gehorchen, fügte er hinzu: "..wenngleich ich mir die Schwachheit meiner geringen Kräfte vor Augen führte, machte ich mir selbst Mut, indem ich all mein Vertrauen auf die Gnade Gottes setzte, die absichtlich die schwächsten Werkzeuge auswählt, um seine Allmacht noch mehr durchscheinen zu lassen". Zu Recht beschrieb man ihn als: "demütig im Sprechen, demütig im Schweigen, demütig im Ermahnen, demütig im Korrigieren".

Als er im Februar 1828, in Ekstase versunken, vor dem Allerheiligsten Altarsakrament verweilte, das in der Pfarrkirche zum vierzigstündigen Gebet ausgesetzt war, fiel er plötzlich in eine unerklärliche Agonie, eine völlige mystische Verzückung, die er bis in die frühen Morgenstunden des 25. Februar in Fasten und Gebet durchlebte, als er mit dem Kreuz und einer brennenden Kerze in der Hand im Herrn entschlief.

Sein Leichnam blieb während der siebentägigen Begräbnisfeierlichkeiten in Lauria unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die ganze Zeit über geschmeidig und warm, wobei er frisches Blut absonderte und einen Wohlgeruch verströmte. Vor der heiligen Hostie, vor seinen Verwandten und Freunden, vor den Ungläubigen öffneten sich seine Augen. An seiner Bahre kam es zu wundersamen Heilungen und vielen Bekehrungen und überall bestätigte sich der Ruf der Heiligkeit. Die Gnaden und Wunder, die auf Fürsprache von Dominikus Lentini während seines Lebens, an seinem Grab oder sonstwo geschahen, waren stets zahlreich.

Seine sterblichen Überreste ruhen in der Pfarrkirche San Nicola in Lauria, Provinz Potenza, Italien.

Am 12. Oktober 1997 wurde Dominikus Lentini von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.


Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 4