Joseph Vaz

JOSEPH VAZ

(1651 – 1711)

PRIESTER
DER KONGREGATION
DES ORATORIUMS DES
HL. PHILIPP NERI

Seligsprechung: 21. Januar 1995
Heiligsprechung: 14. Januar 2015
Fest: 16. Januar

JOSEPH VAZ wurde am 21. April 1651 als drittes von sechs Kindern des Christoph Vaz und der Maria de Miranda in Benaulim, dem Dorf seiner Mutter, in der Provinz Saclette, damals Portugiesisch-Goa an der Küste von Malabar in Indien, geboren und am 28. d. M. getauft. Als Kind zeigte er eine besondere Sensbilität für die Armen, aber auch Respekt vor den Oberen, sodass er „der heilige Junge“ genannt wurde.

Seine Pflichtschuljahre absolvierte Joseph in Benaulim und dann in Sancoale, wo sich seine Familie niedergelassen hatte. Da er Priester werden wollte, belegte er die humanistischen Studien an der Universität von Goa und besuchte anschließend das Kollegium des hl. Thomas von Aquin, um Philosophie und Theologie zu studieren. 1676 wurde er zum Priester geweiht. Wenngleich ihm vorerst keine besondere Aufgabe zukam, ging Vaz nach Sancoale, wo er als Prediger und Beichtvater wirkte. Dabei zeigte er solchen Eifer, dass ihn sogar der Vizekönig von Goa aufsuchte. Zur Ausweitung seiner pastoralen Tätigkeit eröffnete er in Sancoale eine Lateinschule, die speziell den Priesterkandidaten zugutekommen sollte.

Am 5. August 1677 weihte sich Vaz auf ewig als Diener der Jungfrau Maria, die er schon als Kind sehr verehrt hatte. Damals lernte er auch die triste Situation der Katholiken auf Ceylon kennen und hegte den brennenden Wunsch, auf der Insel seelsorglich tätig zu werden. Für die dazu nötige Erlaubnis wandte er sich an das Kapitel in Goa, das ihn einlud, stattdessen in die Mission nach Kanara zu gehen. Auf Empfehlung seines Spirituals nahm er die Einladung an und verschob die geplante Missionstätigkeit auf Ceylon auf einen späteren Zeitpunkt.

1681 zum Vikar von Vara in Kanara ernannt, übte er dort ein intensives Apostolat aus, indem er abwechselnd als Prediger und Beichtvater wirkte und ansonsten Kranke besuchte, den Armen half und christliche Sklaven freikaufte. Er selbst verzichtete auf alles, sogar auf seine Kleider. Besondere Bedeutung maß er der Gültigkeit der Sakramente bei, vor allem dem Sakrament der Ehe, das aufgrund der gerichtlichen Auseinandersetzung zwischen dem Erzbischof von Goa, welcher dem portugiesischen Patronat verbunden war, und dem von Rom entsandten apostolischen Vikar, auf des Messers Schneide stand. Um der heiklen Situation zu entfliehen, verlangte er vom apostolischen Vikariat die bedingte Jurisdiktion unter der Versicherung, das Problem zu lösen. Umgekehrt verkomplizierte sich die Situation mit dem Beschluss des neuen Erzbischofs von Goa, die Vaz zwang, sich gegen den apostolischen Vikar zu erheben. Diesem wollte er dann – bevor er Kanara 1684 verließ, um nach Goa zurückzukehren – offiziell Abbitte leisten.

Mittlerweile hatte sich in Goa unter der Oratorianerregel des hl. Philipp Neri eine kleine Priestergemeinschaft gebildet, die ein asketisches Leben führen wollte. Nach einer ersten Approbation der Statuten sprach ihnen der Erzbischof die Kirche vom hl. Kreuz der Wunder als deren Stammkirche zu. Nachdem Vaz der Einladung, der Gemeinschaft beizutreten, zugestimmt hatte, wurde er zu deren Oberen gewählt. Er gab den Oratorianern die endgültige kanonische Form, führte Frömmigkeitsübungen und wohltätige Werke ein und unterwies die Mitglieder auch in missionarischer Arbeit. Die neue Lebensform hinderte ihn jedoch nicht, seine missionarischen Ideale zu pflegen – verbunden mit dem brennenden Wunsch, die von den holländischen Protestanten verfolgten und seit nahezu einem halben Jahrhundert priesterlosen Katholiken auf Ceylon zu unterstützen. Nachdem er die Lage eingehend studiert hatte, beschloss er, ihnen zu Hilfe zu kommen.

Nach seinem Verzicht auf das Amt des Oberen trat Vaz 1688 seine Reise an, ohne das Ziel bekannt zu geben. Dem Rat der Jesuiten folgend verkleidete er sich als Wanderarbeiter. Auf seinem Weg entlang der Westküste Indiens erreichte er im Jahr darauf Jaffna, die Hochburg der Holländer im Norden der Insel. Nachdem er sich von einer aufgrund der Reisestrapazen verursachten Krankheit und Entbehrungen aller Art erholt hatte, begann er unter Umgehung der Kontrollen durch die Holländer seine seelsorgliche Tätigkeit mit dem Ausfindigmachen von Katholiken. Nachdem er Aufnahme im Haus eines, auch bei den Holländern angesehenen, Katholiken gefunden hatte, hielt er Familiengottesdienste ab. Als es für ihn in Jaffna gefährlich wurde, zog er sich in das erzkatholische Sillalai zurück, von wo aus er sein Apostolat auf die umliegenden Ortschaften ausdehnte. Der holländische Kommandant von Jaffna aber, der durch Vaz’ Anwesenheit in Unruhe versetzt war, versuchte, ihn am Weihnachtsabend des Jahres 1689 festzunehmen. Vaz begab sich daraufhin (1690) nach Puttalam im Königreich Kandy, wo es tausend Katholiken gab, die seit fünfzig Jahren keinen Priester gesehen hatten, und intensivierte sein Apostolat auch in den Nachbarregionen. Da er Kandy zum Zentrum seiner Seelsorge machen wollte, erhoffte er sich 1692 einen Passierschein vom König. Dieser aber ließ ihn auf die Unterstellungen eines Kalvinisten hin zusammen mit zwei Katholiken einkerkern. Im Gefängnis studierte Vaz die singhalesische Sprache und konstruierte – nachdem die Überwachung der Gefangenen nachgelassen hatte – zuerst ein barackenartiges Gotteshaus und anschließend eine der Gottesmutter geweihte Kirche zur Bekehrung der Ungläubigen. Er betrieb somit wieder umfassende Seelsorge bei den Katholiken, und zwar auch außerhalb der Stadt.

1696 setzte ein außergewöhnliches Ereignis der Gefangenschaft und auch den Feindseligkeiten seitens der buddhistischen Mönche ein Ende. Wegen einer großen Dürre ersuchte der König die Mönche, von ihren Göttern Regen zu erbitten, was jedoch nicht fruchtete. Er wandte sich somit an den Gefangenen Vaz, der – nachdem er mitten auf dem Platz einen Altar und ein Kreuz errichtet hatte – zu beten begann, woraufhin es stark zu regnen anfing. Nur der Altar und P. Vaz blieben trocken. Der König erlaubte ihm nun, überall im Land das Evangelium zu verkünden. Von seiner Freiheit Gebrauch machend, begab sich Vaz in die holländische Zone und besuchte die Katholiken von Colombo – mit dem Risiko, verhaftet zu werden. Vermutlich erreichte ihn in jenem Jahr eine Gruppe von Mitbrüdern aus Goa mit der Nachricht, dass ihn der Bischof von Cochin zu seinem Generalvikar in Ceylon ernannt hatte. Vaz war gerade dabei, erste missionarische Strukturen aufzubauen, als im September 1697 in Kandy eine schwere Masern-Epidemie ausbrach. Seine unvergleichlichen Bemühungen um die Kranken überzeugten den König, ihm größtmögliche apostolische Freiheit zuzugestehen, und so konnte er mit seinen Mitbrüdern eine Oratorianermission für die ganze Insel errichten.

Zwischen 1700 und 1705 unternahm Vaz verschiedene missionarische Reisen, besuchte dabei die Hauptorte der Insel und organisierte überall das christliche Leben. Vor allem durch die Ankunft neuer Missionare 1705 und 1708 war es ihm möglich, die Mission in Ceylon aufbauen, die in acht Distrikte mit jeweils einem Priester unterteilt wurde. Gemeinsam mit zwei Mitbrüdern konnte er darüber hinaus einen seit seiner Ankunft im Königreich Kandy gehegten Traum realisieren: die Schaffung einer katholischen Literatur. In der Tat war Vaz nicht nur ein von missionarischem Eifer getragener Priester, sondern auch ein Mann der Kultur. Auf Einladung des Königs von Kandy übersetzte er portugiesische Bücher in die singhalesische Sprache und förderte die katholische Literatur in den beiden Inselsprachen Singhalesisch und Tamil, die als ein Instrument des Dialogs und dem Vergleich mit der buddhistischen Literatur diente. Mutig war auch sein Einsatz bei der Behauptung der Rechte der Katholiken gegen die protestantisch dominierte holländische Regierung. Trotz nachlassender Kräfte unternahm er 1710 noch eine letzte apostolische Reise. Auf der Rückfahrt fiel er vom Wagen und kam in äußerst schlechtem Zustand in Kandy an. Nachdem er sich wieder erholt hatte, wurde er noch im selben Jahr nach Ostern von anderen Beschwerden heimgesucht. Ein Abszess hinter dem Ohr bereitete ihm heftige Schmerzen. Trotz seiner Verfassung wollte er an den von der Regel vorgeschriebenen Exerzitien teilnehmen, doch wurde ihm dies nach dem sechsten Tag verboten. Am 7. und 15. Januar ersuchte er P. Juan de Menezes schriftlich um Übernahme des Amtes des Generalvikars und des Obern der Mission.

Joseph Vaz starb am 16. Januar 1711 im 60. Lebensjahr in Kandy nach Empfang der Sterbesakramente. Der von seinem Tod informierte König richtete ein Kondolenzschreiben an die Patres. Die Todesnachricht verbreitete sich überall, und wegen des großen Ansturms der Bevölkerung blieb sein Leichnam drei Tage öffentlich aufgebahrt, um anschließend in der Kirche von Kandy beigesetzt zu werden. Während der Verfolgungen auf Ceylon (Sri-Lanka) wurde das Grab von Joseph Vaz zerstört und seine Reliquien wurden in alle Winde zerstreut.

Mit unglaublicher Kühnheit und in einem außergewöhnlichen Arbeitsrhythmus verwandelte Vaz „die Reste“ einer dahinsiechenden Kirche innerhalb von 24 Jahren in ein junges und rühriges Haus Gottes. Ein Dokument aus dem Jahre 1617 spricht von 70.000 Katholiken, zehn indischen Missionaren und 400 Kapellen. Aus den schriftlichen Unterlagen zweier Zeitgenossen und aus der Korrespondenz des Seligen geht klar hervor, dass er als moralisch hochstehende Persönlichkeit auf der Grundlage einer ausgeprägten Askese und Liebe zu Gott und der Kirche beschauliches und aktives Leben wunderbar miteinander zu vereinen wusste.

Am 21. Januar 1995 wurde Joseph Vaz von Papst Johannes Paul II. in Colombo in Sri Lanka seliggesprochen.

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 3