Anselm Polanco, Philipp Ripoll

ANSELM POLANCO FONTECHA (1881–1939)

BISCHOF VOM ORDEN DES
HL. AUGUSTINUS

PHILIPP RIPOLL MORATA (1878–1939)

PRIESTER, GENERALVIKAR

MÄRTYRER

Seligsprechung: 1. Oktober 1995
Fest: 7. Februar

Die Geschichte des spanischen Volkes seit Ausrufung der Zweiten Republik am 14. April 1931 bis zum Ende des Bürgerkrieges am 1. April 1939 wurde über Jahre hinweg zensuriert, um die Erinnerung an eine Christenverfolgung ohnegleichen in der Geschichte der westlichen Christenheit zu tilgen. Mit der Seligsprechung der Opfer hat sich die Kirche von neuem als Hüterin der menschlichen Werte und des historischen Gedächtnisses erwiesen. Die bislang gewissenhaft geprüften heroischen Beispiele der Treue zu Christus und der Kirche machen jedoch nur einen ganz geringen Teil des immensen Blutopfers aus, welches das spanische Volk der Gewalt der Revolutionäre gezollt hat.

Der selige ANSELM POLANCO FONTECHA wurde am 16. April 1881 als Sohn der bescheidenen Bauersleute Anselm Polanco und Angela Fontecha in Buenavista de Valdavia, Provinz Palencia, Spanien, geboren und am 21. April auf den Namen Anselm getauft. Er wurde in der Familie großgezogen und besuchte die Volksschule seines Heimatdorfes, wobei er von klein auf eine besondere Vorliebe für das religiöse Leben zeigte. Am 28. Juli 1889 empfing er das Sakrament der Firmung. 1892 trat er im Nachbardorf Barriosuso in das Studentat ein, das er 1896 mit sehr gutem Erfolg abschloss. Im Juli desselben Jahres begann er sein Noviziat bei den Augustinern in Valladolid, wo sein Onkel, P. Sabas Fontecha, Rektor war. Nach Beendigung des Noviziats legte er am 2. August 1897 die ersten Gelübde ab. Als er Symptome einer Tuberkulose zeigte, schickte man ihn nach Hause. 1899 nahm er seine Studien in Medina del Campo (Valladolid) wieder auf. 1900 wechselte er zum Philosophiestudium an das Königliche Seminar von Valladolid, wo er am 3. August desselben Jahres die feierlichen Gelübde ablegte. 1902 übersiedelte er in das Kloster von S. Maria de La Vid (Burgos), wo er mit dem Theologiestudium begann und am 17. Dezember 1904 zum Priester geweiht wurde. Nach Abschluss der theologischen Studien 1905 sollte er seine Ausbildung in Deutschland fortsetzen. Wieder nach Hause zurückberufen, wirkte er von 1907 bis 1913 als Lehrer für verschiedene Fächer im Noviziat von Valladolid. In dieser Zeit, genau am 1. Mai 1909, erwarb er den Titel eines Lektors.

Von 1913 bis 1923 unterrichtete Fontecha Theologie in La Vid; am 26. Oktober 1921 promovierte er dort in Theologie. 1923 wurde er zum Prior von Valladolid ernannt. Diese Funktion behielt er bis 1929, als man ihn beim Provinzkapitel zum Provinzkonsultor wählte, was die Versetzung auf die Philippinen nach sich zog, wo sich die Provinz der Philippinen vom Heiligsten Namen Jesu konstituiert hatte. Nach seiner Ernennung zum Provinzial 1932 machte Fontecha den Ordensbrüdern seinen Antrittsbesuch. Dies führte ihn in die verschiedensten Länder: China, Vereinigte Staaten, Kolumbien und Peru. Allen predigte er den Mut zur Achtung der Person und zur totalen Hingabe an die Kirche. Als der Sitz der Provinz nach Spanien verlegt wurde, fehlte ihm gerade noch ein Monat bis zum Ende seiner Amtszeit als Provinzial. Da ernannte ihn Pius IX. am 21. Juni 1935 zum Bischof von Teruel und zum Apostolischen Administrator von Albarracín. Am darauffolgenden 24. August wurde er in der Augustinerkirche von Valladolid zum Bischof geweiht und am 7. Oktober zog er in die Diözese ein mit den Worten: „Ich bin gekommen, um mein Leben hinzugeben für meine Schafe.“ Bald darauf traf er auf einen Priester von hervorragender Bildung, echter Lauterkeit, weitreichender pastoraler Erfahrung und tiefem Glauben: Philipp Ripoll. Ihn ernannte er zu seinem Generalvikar.

Der Selige PHILIPP RIPOLL MORATA wurde am 14. September 1878 als Sohn von Alexander Ripoll und Inés Morata in Teruel geboren und noch am selben Tag auf den Namen Philipp getauft. Der Vater war Straßenwärter und wohnte mit seiner Familie in einem Haus 10 km außerhalb der Stadt. Philipp musste daher täglich diese Entfernung zurücklegen, um zur Schule zu gelangen und sonntags an der Katechese teilzunehmen. Beim Studium fiel er durch besonderen Eifer auf. Da er sich zum Priester berufen fühlte, besuchte er ab ca. dem 11. Lebensjahr das Seminar als Externer. Er lernte unterwegs, und wenn es die Zeit erlaubte, ging er barfuß, um seine Schuhe zu schonen. Nach dreijährigem Lateinstudium gab er, um die Familie nicht zu belasten, Privatstunden und arbeitete bis zum Beginn des Theologiestudiums als Sakristan in der Klosterkirche der Karmelitinnen von Teruel. Schließlich erhielt er vom Kapitel des Benefiziats der Kathedrale ein Stipendium und wurde als Interner in das Seminar aufgenommen. Am 23. März 1901 folgte die Priesterweihe.

Von 1902 an war Ripoll am Seminar Lehrbeauftragter für Latein, Philosophie und Theologie, wobei er sich sowohl die Wertschätzung der Kollegen als auch der Studenten erwarb. Nach dem Lizenziat in Theologie wurde er aufgrund eines Wettbewerbs Kanoniker der Kathedrale von Teruel und nahm an der diesbezüglichen Ausschreibung für die Kathedrale von Burgos teil, wo er es ebenfalls zum Kanoniker brachte. In der Zwischenzeit übernahm er am Seminar seiner Heimatstadt die Aufgaben eines Präfekten, Studiensekretärs, Vizerektors und Rektors. Das Amt des Rektors bekleidete er von 1913 bis 1924, als er in die Gesellschaft Jesu eintrat. Trotz ausgezeichneter Führung schied er aus gesundheitlichen Gründen nach zwei Jahren wieder aus.

Nach seiner Rückkehr nach Teruel um 1926 widmete sich Ripoll mit großem Einsatz der Seelsorge. Er wurde zum Diözesandelegierten der Katholischen Aktion ernannt, leitete die Gesellschaft der Töchter Mariens und Unserer Lieben Frau vom Heiligen Herzen Jesu, die Sonntagsschulen und den Dritten Orden des Karmel. Ferner wirkte er als Spiritual von Ordensgemeinschaften und als Beichtvater des Domkapitels. Aufgrund dieser umfassenden Erfahrung ernannte ihn der neue Bischof Anselm Polanco Fontecha zu seinem Generalvikar. Wie für Bischof Fontecha bedeuteten der Ausbruch des Bürgerkrieges und die ständigen Angriffe, denen Teruel ausgesetzt war, auch für Ripoll eine Zerreißprobe, doch entzog er sich niemals seinen Pflichten und verharrte bis zum Tod an der Seite seines Bischofs.

Bischof Fontecha, ein aufgeschlossener, umgänglicher Mann, erwies sich schon bald als jemand, der auf die Menschen zuging und zu dem jeder kommen konnte. Mit allen Mitteln unterstützte er die Armen und Kranken, besuchte die Vororte der Stadt, um sich ein Bild über die unterprivilegiertesten Schichten zu machen und ließ überall dort Almosen zurück, wo es am notwendigsten war. Bei seinen Auftritten in der Kathedrale, seinen Pastoralbesuchen im Seminar und in den Pfarreien der Hauptstadt nahm er sich auch der geringsten Dinge an und zeigte vor allem seinen Priestern gegenüber Verständnis und Verantwortungsbewusstsein. Die einzige Visitation, die er außerhalb Teruels durchführen konnte, war in Albarracín.

Nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges gehörte Teruel zu den am meisten in Mitleidenschaft gezogenen Städten. Anfangs noch unter Nationalspanien, stand bereits am 20. August 1936 die rote Besatzung vor den Toren. Auf die verschiedenen Einladungen, seine Zelte woanders aufzuschlagen, antwortete Fontecha, dass er seine Herde nicht verlassen könne, nur weil der Wolf um den Schafstall streiche. Zum Delegierten des Hl. Stuhles, Msgr. I. Antoniutti, der ihm vorschlug, sich an einen sichereren Ort zu begeben, sagte er: „Ich kann Eurem Vorschlag nicht Folge leisten. Mein Platz ist in Teruel, an der Seite meiner Schafe. Auch wenn nur eine einzige Person in der Stadt verbliebe, hätte der Bischof immer noch seine Herde.“ Den Priestern allerdings stellte er es frei, die Hauptstadt zu verlassen.

Während der Angriffe der feindlichen Truppen und der Bombardements suchte Fontecha, ohne zu zögern, die Spitäler und alle Stätten auf, an denen es Opfer zu verzeichnen gab. Er sorgte dafür, dass den Kranken und Leidenden spirituelle Hilfe zuteil wurde, und mehr als einmal sparte er sich das Essen vom Mund ab, um es denen zu überlassen, die es nötiger hatten. So wurde der Bischof für alle zum Padre Polanco, nicht nur weil er Ordensmann war, sondern vor allem wegen seiner Güte.

1937 setzte er seinen Namen unter das gemeinsame Schreiben des spanischen Episkopats und besiegelte damit praktisch sein Todesurteil. Am 8. Januar 1938, nach der Einnahme der Stadt durch das republikanische Heer, verließ P. Polanco das Seminar oder was davon nach der Belagerung noch übrig war, und lieferte sich vor den Augen einer Gruppe von Priestern den Besatzern aus. Er trug das Ordenskleid der Augustiner, die bischöflichen Insignien, das Brustkreuz und den Bischofsring. Als Gefangener wurde er unter starken Druck gesetzt, damit er seine Unterschrift von dem „Kollektivschreiben“ des spanischen Episkopats zurückziehe, das die Ursachen und Schrecken des wütenden Krieges und die Verfolgungen, welche die Kirche von Seiten der religionsfeindlichen Kräfte zu erdulden hatte, vor die Öffentlichkeit trug. Er aber blieb standhaft. In Gesellschaft seines Generalvikars Philipp Ripoll ertrug er geduldig all die Entbehrungen während seiner 30-monatigen Haftzeit. Gegen Ende des Krieges, nachdem er als Schutzschild versprengter Milizen von einem Ort zum andern gezerrt worden war, wurde er in einer Schlucht, „Can Tretze“ genannt, in der Nähe von Pont de Molins (Gerona) zusammen mit seinem Getreuen Ripoll erschossen und anschließend verbrannt.

Die sterblichen Überreste beider ruhen in der Kathedrale von Teruel in Spanien.

Am 1. Oktober 1995 wurden Anselm Polanco Fontecha und Philipp Ripoll von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 3