Modestinus Maria Mazzarella

MODESTINUS VON JESUS UND MARIA MAZZARELLA
(Dominikus Nikolaus)

(1802 – 1854)

PROFESSPRIESTER
DES ORDENS D. MINDERBRÜDER
(FRANZISKANER)

Seligsprechung: 29. Januar 1995
Fest: 24. Juli

MODESTINUS VON JESUS UND MARIA MAZZARELLA wurde am 5. September 1802 als viertes Kind armer, aber tiefgläubiger Eltern in Frattamaggiore, Provinz Neapel und Diözese Aversa, geboren. Der Vater, Nicola Mazzarella, war Seiler; die Mutter, Teresa Esposito, Weberin. Bei der Taufe am darauffolgenden Tag erhielt der Kleine den Namen Dominikus Nikolaus. Er wurde im Schoß der Familie zu einem soliden christlichen Leben und einem tiefen Vertrauen in die Gottesmutter erzogen. „Bei allem, was wir tun müssen, holen wir immer den Rat unserer Mutter Maria ein, weil Sie für uns diejenige ist, die uns zu Gott führt.“

Dominikus ging in der Pfarre zur Schule, half als Ministrant und schmückte die Kapelle der Seligen Jungfrau Maria, Mutter vom Guten Rat, mit Blumen. Er war bei allen beliebt und wurde allgemein der „Heilige“ genannt. Für seinen außergewöhnlichen Einsatz im Dienst der Pfarrei wurde er schließlich von Bischof Agostino Tommasi zum unentgeltlichen Besuch des Seminars von Aversa zugelassen. Der junge Ministrant hatte diesen während seines Pastoralbesuches in Frattamaggiore mit seiner überschäumenden Herzensgüte und glühenden Frömmigkeit tief beeindruckt.

Zum Ausgleich für das Gratisstudium wurden Dominikus die Aufgaben eines Messdieners des Domkapitels von Aversa übertragen. Als solcher verbrachte er seine gesamte Freizeit in der Kathedrale und, soweit möglich, in der der Gottesmutter geweihten Kapelle. So bürgerte es sich ein, dass man – wenn man Dominikus suchte – bloß in seine geliebte Kapelle zu gehen brauchte, um ihn zu finden. Als sein Gönner 1820 auf tragische Weise ums Leben kam, verlor er jegliche Unterstützung und wurde im Jahr darauf aus dem Seminar gewiesen. Er war jetzt allein und stand mittellos auf der Straße. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als zu Fuß nach Hause zurückzukehren: „Als er dort ankam, war die Mutter überrascht, ihn in diesem Zustand zu sehen, und wollte den Grund wissen. Dominikus aber weigerte sich, darüber zu sprechen, und wollte auch nicht seine Gefährten anschwärzen. So erfuhr man nur indirekt, was vorgefallen war.“

In seiner Heimatstadt setzte Dominikus seine Studien unter der Leitung des frommen Priesters Don Francesco D’Ambrosio fort und widmete sich, eifrig wie eh und je, dem Dienst in der Pfarrei. „An seinem Wohnort in Fratta stand er im Ruf eines untadeligen und einwandfreien Verhaltens, als einer, der seine ganze Verehrung der Jungfrau Maria vom Guten Rat entgegenbrachte und das Fest zu Ihren Ehren aus eigener Tasche bezahlte.“ In dieser Zeit, genau am 15. Oktober 1822, empfing er das Sakrament der Firmung und besuchte das nahegelegene Franziskanerkloster von Grumo Nevano, wo sein Beichtvater wohnte. Schon bald fühlte er sich vom strengen Leben der Minderbrüder angezogen und bat um Aufnahme, was ihm ohne weiteres gewährt wurde.

Am 3. November 1822 wurde er im Kloster von Piedimonte Matese, Provinz Neapel, eingekleidet und machte dann im Kloster von S. Lucia al Monte in Neapel das Noviziat. In dieser Zeit „stach er unter seinen Gefährten durch seine Tugenden hervor“. Zwei Jahre später, am 27. November 1824, legte er die Ordensprofess ab. Nach Beendigung der philosophischen und theologischen Studien wurde er am 22. Dezember 1827 zum Priester geweiht. Die erste Messe feierte er in Grumo Nevano. „Als der Ehrwürdige Diener Gottes am Tag seiner Primiz das Kloster von Grumo verließ, um seine Verwandten in Fratta zu besuchen, die etwa eine Meile vom Kloster entfernt wohnten, kamen ihm die Leute in festlicher Stimmung die gesamte Wegstrecke entgegen und applaudierten dem „Heiligen“ (wie sie ihn nannten), der an diesem Tag zum ersten Mal an den Altar trat.“

In seiner Funktion als Prediger und Beichtvater, die ihm unverzüglich zuteil wurde, erfuhr er von Anfang an große Resonanz: „Tatsache ist, dass sein Beichtstuhl stets umlagert war, alle zeigten sich mit seinen Vorgaben zufrieden und gingen frohen Sinnes und ermutigt nach Hause.“
 Neben seiner pastoralen Arbeit erfüllte P. Modestino in verschiedenen Niederlassungen der Provinz – Marcianise, Portici, S. Lucia al Monte, Mirabella Elcano und Pignataro Maggiore (Caserta) – auf beispielhafte Weise auch die Aufgabe eines Guardians (Oberen), wobei er sich mit besonderem Eifer dem Apostolat unter den Armen und Notleidenden widmete. Als 1836 eine Choleraepidemie ausbrach, kannte er keine Schonung, sondern besuchte unaufhörlich die Kranken in ihren Häusern, um ihnen Trost und Beistand zu spenden.

Nach seiner Versetzung 1839 in das Kloster S. Maria della Sanità in Neapel, das im bevölkerungsreichsten Viertel der Stadt gelegen war, blieb P. Modestino dort bis zu seinem heldenhaften Tod und wirkte als hochgeschätzter Priester vor allem zum Wohle der Leidenden aller Klassen. Etwa 15 Jahre lang war er für das Viertel und die gesamte Stadt der tröstende Engel. Ein Augenzeuge berichtet: „Wenn die Leute nur hörten, dass der ehrwürdige Pater predigen würde, strömten sie aus allen Bevölkerungsschichten und Teilen Neapels herbei.“ – „Man sieht, dass er den Geist Gottes und die Weisheit der Heiligen besitzt“, hieß es. Tatsächlich widmete er sich der Verkündigung des Wortes Gottes in einer einfachen, volkstümlichen und missionarischen Sprache.

Darüber hinaus trug P. Modestinus besondere Sorge für die im Gefängnis von Portici und in Castel Capuano von Neapel Inhaftierten und besuchte die Spitäler und die Elendsviertel der Stadt. Den Kranken brachte er das Bildnis der Madonna vom Guten Rat. Die Schwangeren ermunterte er, das Geschenk der Mutterschaft und des werdenden Lebens anzunehmen. Das Leben war für ihn ein unantastbarer Schatz, wie er einmal in besonderer Weise zeigte. 1842 feierte er Weihnachten im Kloster S. Maria della Sanità. Nach dem feierlichen Chorgebet organisierte er gemeinsam mit eifrigen Studenten eine Prozession mit dem Jesuskind durch die Gänge des Klosters. Dem Oberen, der diese ungewöhnliche Darbietung tadelte, gab P. Modestinus zur Antwort: „Wir haben das Leben gefeiert.“ Ebenso wie das werdende Leben verteidigte er auch die Heiligkeit der Familie.
Im täglichen Leben bemühte sich P. Modestinus um einen angenehmen Platz für verlassene junge Menschen und versorgte die Kranken mit Nahrung und Geld, das er von reichen Mitbürgern als Almosen bekommen hatte. Die Leute aus der Pfarrei bewunderten ihn ob seines heiligmäßigen Lebens und weil er bei Gott Heilungen erwirkt hatte, nannten sie ihn „Gesùcristiello“ (kleiner Jesus Christus).

Papst Pius IX., der mit ihm befreundet war, hieß ihn den „Verrückten der Seligen Jungfrau“. Das Stoßgebet, das er jedem empfahl, lautete: „Wir preisen, zusammen mit dem Sohn, immer auch die Mutter vom Guten Rat!“ In dieser Form seiner Volksmission wurde er auch von Papst Pius IX. bestärkt, der als Pilger in das Kloster S. Maria della Sanità gekommen war, um der „Mutter vom Guten Rat“ zu huldigen. Wegen seiner Ehrlichkeit und Weisheit wurde P. Modestinus sogar vom Erzbischof von Neapel und von König Ferdinand II. von Bourbon konsultiert.

Als 1845 in Neapel eine weitere Choleraepidemie ausbrach, besuchte P. Modestinus erneut ohne Unterlass die Kranken in ihren Häusern und brachte ihnen Trost und Beistand, ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit. Während er sich um die Opfer der Epidemie kümmerte, die damals in vielen Ländern Europas wiederholt wütete, steckte er sich im Viertel von Sanità schließlich selbst an. Dennoch stellte er sein Leben weiterhin tatkräftig in den Dienst am Nächsten, wie ein echter Sohn der Mutter vom Guten Rat und ein gläubiger Jünger Christi in der ganzen Fülle seines Priesterherzens.
 Nachdem er seine Mitbrüder um Vergebung gebeten und die Mutter des Herrn angerufen hatte, beschloss er am 24. Juli 1854 sein Leben im Dienst der Kirche. Als der Bürgermeister von Neapel die Nachricht vom Tod von P. Modestinus vernahm, rief er aus: „Wir haben den Trost Neapels verloren!“ In der Tat ist die abschließende heroische Geste seines Erdenlebens geradezu ein Appell an die von ihm in heldenhafter Weise gelebte persönliche Solidarität, die nach einer wirksamen Präsenz aller Getauften zur ganzheitlichen Förderung des Menschen und der Gesellschaft in christlicher Sicht verlangt. Besonders am Herzen lagen ihm, der als Priester von einer intensiven Hingabe an Maria, die Mutter vom Guten Rat, inspiriert war, die Bedürfnisse der „Geringsten“, der Leidenden, der Gefangenen und jener, die im Allgemeinverständnis weder Gewicht noch Wertigkeit besaßen.

Seine Gebeine ruhen in der Basilika von S. Maria della Sanità, Corso Sirena, 66, Neapel, Italien.

Am 29. Januar 1995 wurde Modestinus von Jesus und Maria Mazzarella von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 3