Viktoria Díez y Bustos de Molina

VIKTORIA DÍEZ
Y BUSTOS DE MOLINA

(1903–1936)

LAIENMITGLIED
DES THERESIANISCHEN INSTITUTS

SPANISCHE MÄRTYRERIN 1936

Seligsprechung: 10. Oktober 1993
Fest: 12. August

VIKTORIA DIEZ Y BUSTOS DE MOLINA wurde am 11. November 1903 als einzige Tochter des kaufmännischen Angestellten José Díez y Moreno und der Viktoria Bustos de Molina y Sánchez in Sevilla, Spanien, geboren und am darauffolgenden 29. November auf die Namen Maria Viktoria Martina Mercedes Rafaela Theresia von der Allerhlst. Dreifaltigkeit getauft. Kindheit und Jugend verbrachte sie in der Obhut ihrer zutiefst christlichen Familie, und obwohl ihre Eltern in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen lebten, ermöglichten sie ihr die regelmäßige Teilnahme am Unterricht.

In den ersten zwei Jahren besuchte sie die Schule im Kolleg der Karmelitinnen von der Nächstenliebe, um ihre Ausbildung dann von 1911 bis 1918 am Institut „Carmen Benítez“ fortzusetzen; nebenbei belegte sie Kurse für Zeichnen und Malen an der Kunstgewerbeschule. Am 18. Mai 1913, dem „schönsten Tag ihres Lebens“, empfing Viktoria die Erstkommunion. Um dem Wunsch ihrer Eltern zu entsprechen, schrieb sie sich 1919 in die Lehrerbildungsanstalt von Sevilla ein, wo sie sehr erfolgreich war. In der Zwischenzeit, genau am 7. April 1922, wurde sie gefirmt.

Nach Abschluss der Studien 1923, während sie sich auf ein paar Wettbewerbe vorbereitete, hatte sie im Rahmen eines Einkehrtags Gelegenheit, eine Predigt zu hören, in der die Spiritualität der hl. Teresa von Avila im Mittelpunkt stand. Auf diese Weise kam sie mit dem von Peter Poveda Castroverde gegründeten Theresianischen Institut in Berührung und begriff vom ersten Augenblick an, dass genau das ihren geheimsten Wünschen entsprach.

Schon seit Jahren hegte Viktoria den Wunsch, in den Ordensstand zu treten, fühlte sich jedoch beim Gedanken an ihre Eltern und die Opfer, die diese gebracht hatten, um ihr die Möglichkeit zum Studium zu geben, notwendigerweise verpflichtet, zu deren Unterhalt beizutragen. Sie besuchte von nun an regelmäßig das Theresianische Institut, was den Eltern aber nicht sonderlich gefiel. Vor allem die Mutter befürchtete, ihre einzige Tochter zu verlieren, und setzte sich ihren Absichten unverhohlen entgegen. Viktoria aber blieb standhaft, weil sie überzeugt war, auf diese Weise ihrem Apostolat, dem Beruf als Lehrerin und der Unterstützung für die Eltern gleichermaßen gerecht werden zu können. In der Folge machte sie am genannten Institut ihre Ausbildung. 1926 wurde sie zur Hauslehrerin ernannt und blieb dort für den Zeitraum von ca. zwei Jahren. Am 16. Juli desselben Jahres erhielt sie das Kleid des Dritten Ordens, am 6. Januar 1927 das Abzeichen der Kandidatinnen, und am darauffolgenden 25. März sprach sie gemeinsam mit anderen Gefährtinnen und ihrer Mutter das feierliche Marianische Gelöbnis.

Den Wettbewerb für Volksschullehrer bestand sie mit Auszeichnung. Im Sommer 1927 folgte die erhoffte Ernennung zur Lehrerin in Cheles, einem Dörfchen in der Estremadura, Provinz Badajoz, praktisch an der Grenze zu Portugal. Dorthin zog sie mit ihrer Mutter und unterrichtete ein Jahr lang. 1928 suchte sie um Versetzung auf einen Posten in der Nähe von Sevilla an, wo ihr Vater arbeitete, um ihrer Familie besser helfen zu können. Ihrer Bitte wurde von den zuständigen Behörden stattgegeben. Am 21. Juni 1928 bekam sie eine Stelle in Hornachuelos, einem Dorf in der Sierra von Cordoba, auf halbem Weg zwischen Cordoba und Sevilla. Am 3. August 1928 weihte sich Viktoria im Theresianischen Institut endgültig dem Herrn und erhielt das Hl. Kreuz. Dies bedeutete für sie die Krönung ihres Lebensideals, das sie lange geplant hatte.

Nach der Versetzung an ihren neuen Wirkungsort widmete sich Viktoria voll und ganz dem Unterrichten und dem Apostolat in den Familien ihrer Schülerinnen sowie den von der Pfarre initiierten bzw. unterstützten Wohltätigkeitswerken. Grundlegend für den Erfolg ihrer seelsorglichen Arbeit und Katechese waren die ausgezeichneten Beziehungen zu Don Antonio Molina Ariza. So erzählt eine ehemalige Schülerin: „Als Lehrerin in der Schule D. war Viktoria ein Fall für sich. Ich habe nie mehr jemanden ihres Formats getroffen. Wir hatten Respekt vor ihr, und sie hat uns korrigiert, ohne je zornig zu werden. Ich weiß nicht, ob wir ihr alle aus Achtung oder eher aus Zuneigung gefolgt sind. Ich habe keine Ahnung, ob es die große Zuneigung überhaupt gibt, aber ich bin überzeugt, dass diejenigen, die heute aus den Schulen kommen, nicht so gut vorbereitet sind, wie wir es waren.

Konkret wie spirituell fiel Viktoria vor allem durch ihre Nächstenliebe auf. Sie hat uns verboten, sich über die Fehler einer Kollegin lustig zu machen, und legte uns auch die Gründe dafür überzeugend dar. Diejenigen, die einen Elternteil verloren hatten, waren ihre Lieblinge. Ich erinnere mich, dass sie uns immer aufgefordert hat, samstags etwas mitzubringen, das wir nicht mehr brauchten, oder etwas Geld, um es den armen Schülerinnen zu geben. Ich weiß auch noch, wie ihr ihre Mutter gegen elf, halb zwölf immer das Essen geschickt hat, und sie, Donna Viktoria, daraufhin ein ziemlich großes und sehr zartes Mädchen zu sich ins Büro kommen ließ, um ihr dieses zu geben.

Ich weiß, dass sie andere auch mit ihrem eigenen Geld unterstützt hat. Außerdem war sie in der Katholischen Aktion tätig. In Wirklichkeit hat sie die weibliche Jugend geführt; sie war zwar nicht die Präsidentin, aber die Seele der Gemeinschaft.“

In all diesen Jahren lebte Viktoria in einer tiefen Einheit mit dem Theresianischen Institut, von deren Gründer sie die nötige Ausbildung erhalten hatte, um ihre persönliche Berufung mit Freude zu leben. Im Sommer 1935 nahm sie mit Begeisterung an dem von Peter Poveda in León organisierten Kurs für staatliche Lehrerinnen teil.

Die Geschehnisse, die Spanien zwischen 1936 und 1939 spalteten und mit Blut befleckten, mündeten auch in Hornachuelos in einen offenen Angriff gegen die Kirche. Zu den ersten beunruhigenden Vorboten gehörten die Verteilung religionsfeindlicher Bücher an den Schulen, die Verfügung zur Entfernung der Kruzifixe aus den Klassenzimmern und das Katechismusverbot. Viktoria versuchte zu verhindern, dass die neuen Umstände sich negativ auf die moralische Bildung der Jugend auswirkten. Sie kam der offiziellen Weisung, das Kruzifix abzunehmen, zwar nach, nahm dieses aber mit zu sich nach Hause; dort vernichtete sie auch die Bücher, die verteilt werden sollten. Den Religionsunterricht, den sie in der Schule nicht halten durfte, hielt sie im Rahmen der Katholischen Aktion in der Pfarre.

Am 20. Juli 1936 überfiel eine Gruppe von Revolutionären das Pfarrhaus von Hornachuelos. Dazu die Schwester des Pfarrers: „Als mein Bruder merkte, was geschah, schnappte er sich den Hostienbehälter aus dem Tabernakel. Wir begleiteten ihn nach Hause, dort empfingen Viktoria und ich aus seiner Hand die Kommunion und er konsumierte den Rest der Hostien.“ Der Pfarrer wurde dann verhaftet und in den Kerker geworfen.

Am 11. August 1936, gegen Abend, wurde Viktoria in das Gemeindeamt gebracht und gleich danach in ein zu einem Gefängnis umfunktioniertes Haus, wo sich auch der Pfarrer befand. Was dann geschah, wissen wir von einem Augenzeugen: „Vor dem Haus hatten sie einen Minenschlüssel angebracht, den sie beim Durchgehen der Gefangenen zünden wollten – was dann aber nicht der Fall war – oder aber um sich im Angriffsfall zu verteidigen...

Am 12. August wurden die Häftlinge jeweils zu zweit aneinandergekettet, und ich habe gehört, dass sie an den Pfarrer gekettet wurde. Die Soldaten erzählten auch, dass Donna Viktoria gesagt haben soll: ,Gehen wir! Ich sehe schon den offenen Himmel. Schreiten wir zum Martyrium!‘ Meinem Cousin Juan Felipe, der ganz niedergeschlagen war, hat sie Mut zugesprochen, und die Soldaten meinten, sie könne doch ganz zufrieden sein, weil sie doch ihren [...] an ihrer Seite hatte. Nach einer kurzen Wegstrecke verlor sie einen Absatz und bat darum, die Schuhe ausziehen zu dürfen. Dies wurde ihr nicht erlaubt. So ging sie den Rest des Weges mit einem Schuh in der Hand. Sie hat sich zwar verletzt, aber nicht beklagt.

Nachdem sie beim Bergwerk angekommen waren, hielten sie sie zunächst in der Hütte fest. Dann holten sie alle einzeln in einen Schuppen neben der Mine, um sie abzuurteilen, wie sie es nannten. Daraufhin stellten sie einen nach dem andern auf einen Steinhaufen nahe am Brunnenschacht und eröffneten das Feuer. Die Opfer fielen in den Schacht. Als Letzte war Donna Viktoria an der Reihe. Sie forderten sie auf: ,Sag: Es lebe der Kommunismus! und wir lassen dich frei‘. Viktoria kniete nieder und erwiderte: ,Ich sage, was ich denke: Es lebe Christus der König und es lebe meine Mutter!‘ Daraufhin wurde sie erschossen.“
 Ihr Leichnam fiel auf den Grund des Schachts. Die Bergung der Toten konnte trotz wiederholten Drängens seitens der Angehörigen erst Anfang November erfolgen.

Viktorias Leiche wurde am 9. November 1936 geborgen und zum Ortsfriedhof gebracht. Am 18. November wurde für die 18 Ermordeten ein Gedächtnisgottesdienst abgehalten. 1966 wurden die sterblichen Überreste in die Krypta des Theresianischen Institus, Plaza de la Concha, 1, Cordoba, Spanien, überführt.

Am 10. Oktober 1993 wurde Viktoria Díez y Bustos de Molina von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

 

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 3