Petrus Casani

PETRUS CASANI

(1572–1647)

PROFESSPRIESTER
DES ORDENS DER
ARMEN REGULARKLERIKER
DER MUTTERGOTTES
DER FROMMEN SCHULEN
(PIARISTEN)

Seligsprechung: 1. Oktober 1995
Fest: 17. Oktober

PETRUS CASANI wurde am 8. September 1572 als einziger Sohn des Ehepaars Gaspare Casani und Elisabeth Drago, einer wohlhabenden Adelsfamilie, in Lucca, Italien, geboren und auf den Namen Petrus getauft. In seiner Kindheit und Jugend zeichnete er sich durch Intelligenz und Verantwortungsbewusstsein sowie durch eine besondere Sensibilität für die Armen und Notleidenden aus. Die Atmosphäre innerhalb der Familie war, wie sich Petrus erinnerte, geradezu „schrecklicher Natur“ bzw. aufgrund der vorherrschenden Sturheit und Strenge alles andere als heiter.

Der wichtigste Bezugspunkt in dieser Zeit war die Pfarrkirche S. Maria di Corteorlandini mit den Patres der Muttergottes. Während Casani die höheren Studien absolvierte, darunter die Philosophie- und Theologiekurse bei den Franziskanern von Lucca, reifte in ihm langsam die Berufung. Als 1591 seine Mutter starb, fühlte er sich zusehends zu einem Leben in tiefster Verbundenheit mit Gott hingezogen.

Noch keine 22 Jahre alt, trat Petrus Casani im April 1594 in die Kongregation der Muttergottes in Lucca ein, die der hl. Johannes Leonardi 1574 als einfache Gesellschaft reformierter Priester gegründet hatte. Die „Chroniken“ von P. Cesare Franciotti, einem der ersten Weggefährten des Gründers, berichten über Casani: „Er hat sich sehr gut verhalten dabei auch viele zu einem religiösen Leben überredet. Das ging sogar so weit, dass auch sein blinder Vater sich entschied, bei uns einzutreten.“ Dem Gründer selbst blieben die außergewöhnlichen Qualitäten von Petrus ebensowenig verborgen und er wählte ihn, noch im Novizenstand, zu seinem Sekretär, als ihn Clemens VIII. zum Apostolischen Visitator zweier monastischer Kongregationen ernannte, des Klosters von Montevergine (1595) und des Klosters von Vallombrosa (1601). Diese Erfahrung erwies sich für Casanis Ordensleben als sehr wertvoll und erklärt seinen Eifer und seine Strenge in Bezug auf die Ordensobservanz. 1598 berief ihn P. Leonardi erneut nach Rom, um bei den Jesuiten des römischen Kollegs Theologie zu studieren.

Nach der Priesterweihe am 23. September 1600 in der Lateranbasilika kehrte Casani nach Lucca zurück und begann dort mit der Ausübung seines Amtes, machte aber immer wieder einen Abstecher nach Rom, um sich ganz im Geiste des leonardischen Charismas dem Predigen und Beichthören zu widmen.

Am 22. Juni 1604 legte er in Rom die Ordensprofess ab. Nach seiner Rückkehr nach Lucca folgten arbeitsreiche Jahre. So erfüllte Casani nicht nur höchst wichtige Aufgaben innerhalb der Kongregation von Lucca, sondern engagierte sich auch als Lehrer. Ferner gründete und leitete er die Säkularkongregation unserer Lieben Frau vom Schnee, vor allem zur spirituellen Unterstützung der Jugendlichen.

1609 starb P. Johannes Leonardi, der von Anbeginn des Jahrhunderts mit Rat und Tat zur Entwicklung der aufstrebenden Kongregation der Frommen Schulen beigetragen hatte, deren Eckstein im Jahre 1597 vom hl. Joseph Calasanz gelegt worden war, der in der Pfarre Santa Dorotea in Trastevere in Rom die „erste öffentliche und unentgeltliche Erwachsenenschule Europas“ ins Leben gerufen hatte. Nach dem Tod des Gründers boten die Gefolgsleute des hl. Johannes Leonardi den Frommen Schulen pastorale Hilfe an. Diese Kontakte nährten in Calasanz den Gedanken, die Frommen Schulen mit der Kongregation von Lucca zu vereinigen. Am 9. Dezember 1613 war Casani Sekretär jener Versammlung, die sich mit der Übernahme der Frommen Schulen durch die genannte Kongregation befasste. Das Breve der Vereinigung durch Papst Paul V. wurde am 14. Januar 1614 herausgegeben. So entstand die „Kongregation der Muttergottes“. Casani war die Triebfeder bei dieser Zusammenarbeit, wobei er auch als erster Rektors des Hauses von S. Pantaleo fungierte, während Calasanz Schulpräfekt war.

Der Zusammenschluss war jedoch insofern von kurzer Dauer, als die Kontraste hinsichtlich der Leitung der Schulen in einer endgültigen Trennung mündeten. Der Kardinalprotektor und die zuständigen Organe der Römischen Kurie wurden sich dadurch bewusst, dass die einzige Lösung des Problems in der Errichtung einer neuen Kongregation bestand, deren Leitung dem unersetzlichen P. Joseph Calasanz obliegen sollte. Dieser gelangte nach mehreren Versuchen zur Überzeugung, dass es ihm beschieden war, eine neue Kongregation zu gründen und das Amt des Superiors zu übernehmen.
 Am 6. März 1617 erfolgte durch Paul V. die Approbation zweier religiöser Kongregationen: der Regularkleriker der Muttergottes und der Armen Regularkleriker der Muttergottes der Frommen Schulen, welche am 18. November 1621 von Gregor XV. zu Orden mit feierlichen Gelübden erhoben wurden. Der Zusatz „der Muttergottes“ blieb dabei bestehen.

Als Casani im Januar 1614 direkt mit dem Werk des hl. Joseph Calasanz in Berührung kam, offenbarte er seinem Vater (der seit vier Jahren Mitglied der Kongregation von Lucca war) seinen Enthusiasmus mit Worten, die das Geheimnis seiner völligen Hingabe an das neue Amt, welches ihm die Vorsehung anbot, in sich bargen. Dieses Werk „vermittelt all den armen Söhnen und Töchtern Roms nicht nur unentgeltlich die Grammatik, sondern auch das Schreiben und Rechnen sowie eine christliche Lebensführung, ermuntert sie immer wieder aufs Neue, zu beichten und die hl. Kommunion zu empfangen, und unterweist sie in der christlichen Lehre.“ Es handelt sich dabei – so fügt er im gleichen Brief an – „um ein sehr erhabenes und höchst nützliches Werk nicht nur in Rom, sondern auf der ganzen Welt“. In dieser Überzeugung, die sich mit der Zeit verfestigte, begann Casani seinen Dienst an den Frommen Schulen, wobei sich seine Beziehung zu Calasanz als außergewöhnlich harmonisch entpuppte, vor allem was die Liebe zu den Armen und zur erzieherischen Arbeit als eine Form des Apostolats und der Evangelisierung betraf. In der Gewissheit, damit einem neuen Ruf des Herrn zu folgen, stellte er sich gänzlich in den Dienst des Calasanz’schen Werkes und wurde zu einem seiner unermüdlichsten Förderer. Das grundlegende Ansinnen von Joseph Calasanz war: „Mitgefühl und Bildung für alle, speziell für die Notleidenden, vom zarten Kindesalter an, d. h. unentgeltlicher Besuch der Volksschule zur Förderung der je einzelnen Person und ihrer Evangelisierung.“

Nach dem Verzicht auf seinen Besitz zugunsten der Armen in der Kongregation der Muttergottes entschied sich Petrus Casani für die Frommen Schulen und wurde unmittelbar nach Calasanz, am 25. März 1617, eingekleidet. Am 20. April 1622 legte er gemeinsam mit dem Gründer und zwei weiteren Assistenten die feierlichen Gelübde ab. Von da an beteiligte er sich an der fortschreitenden Entwicklung des Instituts von der einfachen Säkularkongregation ohne Gelübde bis hin zum Orden mit feierlicher Profess, dem letzten in der Geschichte der Kirche.

Joseph Calasanz fand in Casani jenen von der Vorsehung bestimmten unersetzlichen Mitarbeiter, dem er für 30 Jahre höchst verantwortungsvolle Aufgaben übertrug. So wurde er 1623 u. a. zum Provinzial von Ligurien ernannt und 1626 nach Messina entsandt, um die Leitung der dortigen Gründung zu übernehmen. 1632 folgte seine Ernennung zum Generalassistenten auf Lebenszeit und zum Novizenmeister. Als Generalkommissar für die Häuser in Zentraleuropa reiste er auch ins Ausland und galt als erster Kandidat für die Nachfolge des Gründers als Generalvikar – ein Amt, gegen das sich Casani sträubte, weil er sich nicht dafür geeignet hielt. Vor allem erwies er sich stets als ein treuer Mitarbeiter des Gründers, so auch als Triebkraft für die Einführung der regulären Observanz in Rom, Frascati, Narni, Fanano, Savona, Genua, Messina, Neapel, Nikolsburg (jetzt Mikulov), Leipnik, Strasnitz und Krakau.

Er war außerdem ein sehr begabter Prediger, der manchmal bis zu zehntausend Gläubige um sich versammelte. Mit seinem beispielhaften Leben und seiner Überzeugungskraft wurde er zu einem effizienten Förderer religiöser Berufungen. Zusammen mit dem Gründer Calasanz bekam er auch die Schwierigkeiten des aufstrebenden Instituts zu spüren. So wurde Casani unter Anklage gestellt und mit 70 Jahren, zusammen mit Calasanz, als Gefangener durch die bevölkerungsreichsten Straßen Roms zum Heiligen Offizium gebracht und – nachdem man ihn für schuldig befunden hatte – seines Amtes als Generalassistent enthoben; der Orden wurde auf eine einfache Kongregation ohne Gelübde zurückgestuft. Selbst angesichts solcher Situationen, mit denen der Orden gegen Ende seines Lebens konfrontiert war, hörte man ihn immer wieder sagen: „Bewahren wir Ruhe und beten!“ oder „Seid standhaft!“

Petrus Casani starb am 17. Oktober 1647 in Rom, wobei ihm der hl. Joseph Calasanz zur Seite stand, und wurde neun Tage später in der Kirche S. Pantaleo beigesetzt. Sein Ruf der Heiligkeit war so groß, dass der Gründer, der ihn um ein Jahr überlebte, Unterlagen für die Eröffnung eines regulären Verfahrens zur Selig- und Heiligsprechung zu sammeln begann.

Am 1. Oktober 1995 wurde Petrus Casani von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 3