Kaspar Stanggassigner

KASPAR STANGGASSINGER

(1871 – 1899)

PROFESSPRIESTER
DER KONGREGATION VOM HEILIGSTEN ERLÖSER
(REDEMPTORISTEN)

Seligsprechung: 24. April 1988
Fest: 26. September


KASPAR STANGGASSINGER wurde am 12. Januar 1871 im bayrischen Unterkälberstein in Deutschland geboren und noch am gleichen Tag auf den Namen Kaspar getauft. Er war das zweite von sechzehn Kindern des Kaspar Stanggassinger und der Kreszenzia Amort, die den Knaben zu einem soliden christlichen Leben erzogen. Abends versammelte die Mutter im Schlafzimmer die Kleinen um sich, um gemeinsam mit ihnen das Abendgebet zu sprechen und den Rosenkranz zu beten. Über seine Mutter äußerte sich Kaspar später wie folgt: „Im Noviziat begriff ich, welch gute, besorgte und gottesfürchtige Mutter ich gehabt habe, die, schon als ich klein war, versucht hat, mich zu Gott hinzuführen, und auch heute noch wirkt sich die Erinnerung an sie positiv auf mein Leben aus.“

Vom Vater, der als Unterpräfekt von Oberbayern ziemliches Ansehen genoss, erbte er zweifellos die unermüdliche Aktivität und den Sinn für das Praktische.

Von 1877 – 1881 besuchte Kaspar die Volksschule in Berchtesgaden, wo er 1881 gemeinsam mit anderen Kindern seine erste Beichte ablegte und die Erstkommunion empfing. Es war dies ein Freudentag für ihn, auf den er sich besonders sorgfältig vorbereitet und den er mit Ungeduld erwartet hatte. Kaplan Pichler, dem Kaspars Frömmigkeit, Begabung und Eifer schon lange aufgefallen waren, bereitete ihn damals auf das Studium vor. Am 25. September 1881 schrieb sich Stanggassinger in Freising für den Lateinkurs ein. Da im erzbischöflichen Kolleg nur jene Aufnahme fanden, die bereits die ersten Klassen in Latein besucht hatten, belegte Kaspar den Kurs als Externer. Im vierten Jahr, 1884, trat er in das Kolleg ein und blieb dort bis zum Abitur am humanistischen Gymnasium. Anfang Februar 1889 wurde sein Studium durch eine schwere Krankheit (es war die Rede von Typhus und auch von Meningitis) jäh unterbrochen, die ihn an den Rand des Todes brachte. „Jesus gab mir die Gnade, die Krankensalbung bei vollem Bewusstsein zu empfangen, wenngleich ich durch das Fieber seit einigen Tagen im Koma lag.“ Am 25. Tag kam es zu einer Wende, und am 7. August 1890 konnte Stanggassinger die Reifeprüfung ablegen.

Sein Präfekt im Kolleg erinnert sich: „Meiner Ansicht nach war er von durchschnittlicher Intelligenz, aber äußerst fleißig und engagiert in der Erfüllung seiner Pflichten. Einmal beanstandete ich seine schwache Leistung in Latein. Er ließ den Tadel schweigend über sich ergehen, ohne sich zu rechtfertigen, und verdoppelte von diesem Tag an seine Anstrengungen, um nur ja keinen Grund für neuerliche Klagen zu liefern, und solche waren auch nicht mehr notwendig. Nie vernahm ich aus seinem Mund ein Wort der Kritik oder Murren über seine Professoren oder Mitschüler. Er säte keine Zwietracht, machte nicht den Spion, sondern war stets zum Scherzen aufgelegt und seinen Kollegen gegenüber sehr umgänglich. Er hielt sich streng an das Reglement und legte ein untadeliges Verhalten an den Tag. Was seine Studierstube und seine persönlichen Dinge anbelangt, so gab es meines Wissens nicht den geringsten Grund zur Beanstandung. In Bezug auf seine Kleidung war er nicht wählerisch, aber sauber und ordentlich. Ich kann mich nicht erinnern, dass er an der Schule einmal bestraft oder zurechtgewiesen worden wäre.“ Darüber hinaus zeigte Stanggassinger ein besonderes Interesse an Geschichte und konnte gut vortragen.
 Am 25. Oktober 1890 trat er in das Seminar in Freising ein – als Antwort auf den Ruf, den er von Kindheit an vernommen und der ihn mit 16 Jahren veranlasst hatte, für sich das Gelübde der Keuschheit abzulegen. Nach Abschluss des Philosophiestudiums begann er schließlich am 3. November 1891 Theologie zu studieren. Hier fühlte er sich ganz zu Hause, denn „wenn man von Gott zu einem Studium berufen ist, das die spekulative Seite vor die experimentelle stellt, ist man zufriedener und genießt es umso mehr, sich im spirituellen Umfeld zu bewegen – was ein Jahr zuvor beim Philosophiestudium noch nicht möglich war, aber dieses Jahr ist es geschafft!“

Schon bald war ihm klar, dass der Herrn ihn dazu aufforderte, seine Berufung anders zu leben. Die häufigen Besuche, die er während der Seminarjahre bei den Redemptoristen von Dürrnberg an der bayrisch-österreichischen Grenze machte, die Lektüre der Biographie des hl. Alfons und vor allem des hl. Klemens Maria Hofbauer, der 1888 selig gesprochen wurde, weckten in ihm eine tiefe Hochachtung vor dieser Kongregation. Nach seiner Rückkehr aus Dürrnberg war er immer in Gedanken versunken, so dass seine Mutter meinte: „Heute bist du wieder ganz vom Geist der Kongregation vom Hlst. Erlöser beseelt.“ Für Kaspar war dieser Geist identisch mit deren besonderer Berufung, für die Seelen zu arbeiten. Seine wahre Berufung zum Ordensleben wurde ihm am 21. September 1892 im Marienheiligtum von Altötting bewusst:

„Vor einem Jahr, zu eben dieser Stunde, da ich euch schreibe, kniete ich wie heute in der Kapelle von Altötting und bat im Hinblick auf meine religiöse Berufung u. a. auch die Madonna um Hilfe; am Nachmittag desselben Tages begab ich mich dann zum ersten Mal zu einem Besuch der PP. Höfer und Baumgartner in das Haus der Redemptoristen. Und da passierte genau das, woran ich an diesem Tag nicht gedacht hatte und ohne dass ich mit jemandem über das Ordensleben und speziell über meine religiöse Berufung gesprochen hatte. Gott, in seiner unendlichen Güte, öffnete mir die Augen in einer Weise, dass ich so gut wie keinen Widerstand mehr leistete. Von seiner Gnade beseelt, begriff ich das Ordensleben, ohne je darüber gelesen zu haben, als ein Leben in Gott und ganz aus Gott.“
 Von diesem Augenblick an beeilte sich Kaspar, seine Überzeugung in die Praxis umzusetzen. Er erbat die Erlaubnis des Erzbischofs und der Eltern. Die Mutter gab schließlich nach, während der Vater dagegen war. Er wollte vor allem nicht, dass Kaspar in einen Orden eintrat, den man aus Deutschland vertrieben hatte. Die Redemptoristen waren nämlich mit Gesetz vom 4. Juli 1872, das eine Verhärtung im sog. Kulturkampf bedeutete, aus Deutschland verbannt worden. Kaspar entschloss sich ebenfalls wegzugehen und schritt am 6. Oktober 1892 über die Schwelle des Hauses der Redemptoristen in Gars. Am 20. November erfolgte die Einkleidung. Bereits am 16. Oktober legte er in Dürrnberg, Österreich, die ewigen Gelübde ab, weil die Redemptoristen aufgrund der Kulturkampf-Gesetze in Deutschland keine neuen Adepten anwerben durften; die ewigen Gelübde deshalb, weil es damals keine zeitlichen Gelübde gab.

Stanggassinger setzte daraufhin seine theologischen Studien in Dürrnberg fort und ersuchte nach Erhalt des Subdiakonats am 18. August 1894 um die Teilnahme als Missionar an der ersten Expedition der deutschen Redemptoristen nach Brasilien. Zwischenzeitlich bereitete er sich weiterhin auf das Priestertum vor. Am 21. September desselben Jahres erhielt er das Diakonat und am 16. Juni 1895 wurde er in Regensburg zum Priester geweiht.
 Anstatt ihn jedoch in die Mission zu schicken, bestellten ihn die Oberen zum Vizedirektor des Kleinen Seminars in Dürrnberg, um die Ausbildung der künftigen Missionare zu gewährleisten. Stanggassinger widmete sich diesem Auftrag mit ganzer Hingabe. Achtundzwanzig Stunden pro Woche unterrichtete er die verschiedensten Fächer und war immer für seine Studenten da. Sonntags engagierte er sich in den Nachbardörfern regelmäßig in der Seelsorge, vor allem als Prediger. Trotz dieses Arbeitsrhythmus begegnete er den Ansprüchen anderer durchwegs mit Geduld und Verständnis, besonders jenen, die wussten, dass er ihnen mehr Freund als Oberer war. Und in der Tat pflegte Stanggassinger, wenngleich die damaligen Ausbildungsvorschriften sehr streng waren, nie den harten Stil.

Anfang September 1899 eröffneten die Redemptoristen in Gars in Bayern ein neues Seminar und bestimmten den 28-jährigen Stanggassinger zu dessen Leiter. Am 11. September dort eingelangt, weihte er am 13. das Kolleg und begann sogleich mit drei aufeinander folgenden Exerzitienkursen für die Studenten. Am 21. und 22. fühlte er sich nicht sehr wohl. In der Nacht von 22. auf den 23. September bekam er heftige Bauchschmerzen, deren Ursache die Ärzte nicht eruieren konnten. Am Sonntag, den 24. September, konnte er nur mit Mühe den Gottesdienst halten. Kurz darauf befielen ihn Fieber und Schmerzen. Erst am Morgen des 25. September bemerkten die Ärzte, dass es sich um eine akute Appendizitis handelte. Es wurden ihm Krankenkommunion und Krankensalbung gespendet, die er bei bewundernswerter Klarheit und mit großer Ergebenheit empfing. In den Morgenstunden des 26. September 1899 beschloss eine Bauchfellentzündung seinen irdischen Lebensweg.

Seine Gebeine ruhen in der Pfarrkirche von Gars am Inn, Kirchplatz 10, Deutschland.

Am 24. April 1988 wurde Kaspar Stanggassinger von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 2