Berhard Maria Silvestrilli

BERNHARD MARIA VON JESUS SILVESTRELLI
(Cäsar)

(1831 – 1911)

PROFESSPRIESTER
DER KONGREGATION VOM
LEIDEN JESU CHRISTI
(PASSIONISTEN)

Seligsprechung: 16. Oktober 1988
Fest: 9. Dezember

BERNHARD MARIA VON JESUS SILVESTRELLI wurde am 7. November 1831 als Sohn der Adeligen Gian Thomas Silvestrelli von Etrurien und Theresia Gozzani, Tochter des Marchese von San Georg di Casala Monferrato, in einem altrömischen Palast geboren und noch am gleichen Tag auf den Namen Cesare getauft. Er hatte zwei Brüder und zwei Schwestern. Die angesehene und begüterte Familie besaß mehrere Wohnungen in der Stadt, verfügte über ausgedehnte Besitztümer in der Römischen Campagna und betrieb zudem eine Pferdezucht. Die Familie beschäftigte einen Koch, zwei Hausangestellte, eine Gouvernante für die Mädchen sowie einen geistlichen Privatlehrer, der für die schulischen Belange und eine angemessen christliche Erziehung verantwortlich war. Cesare erhielt somit eine standesgemäße Ausbildung, sowohl von Seiten seines Hauslehrers als auch der übrigen Lehrkräfte, die speziell für Zeichen-, Mal- und Musikunterricht beigezogen wurden.

Von November 1840 bis Oktober 1847 besuchte Cesare das von den Jesuiten geführte Collegium Romanum. Trotz allem verlief sein Studentendasein sehr dynamisch. Zunächst trat er dem Verein Caravita bei, in dem Religionsunterricht erteilt und die Jugendlichen zu einem Leben aus dem Glauben angeleitet wurden. Darüber hinaus besuchte er das Oratorium, wo er zu einer soliden Überzeugung vom spirituellen Leben gelangte und den Wert des Apostolats entdeckte. Zwischen 1847 und 1854 vervollständigte er seine Studien im Elternhaus unter Anleitung eines qualifizierten Hauslehrers.

Die Zeit der Ausbildung wurde aber auch von sehr schmerzhaften Erfahrungen begleitet. So starben 1832 sein Bruder Josef, 1845 seine Schwester Katherina, 1848 die Mutter und 1853 der Vater. Dieser Verlust setzte Cesare arg zu und er begann sich zunehmend Gedanken über seine Zukunft zu machen. Andererseits war er ein passionierter Jäger, und es geschah justament während der Ausübung dieses Sports, dass er den Ruf des Herrn vernahm. Den ganzen Tag über war er mit einem Freund auf der Jagd gewesen. Als es Abend wurde, baten sie im Kloster der Passionisten in Sant‘Eutizio um gastliche Aufnahme. Kurz nach Mitternacht wurde Cesare vom Schlag der Turmglocke geweckt, der die Mönche zum Lobpreis rief. Als sich die beiden am nächsten Morgen von den Passionisten verabschiedeten, meinte Cesare: „Hier ist es wie im Paradies.“ Etwas hatte zutiefst an sein Herz gerührt und ließ ihn nicht mehr los.

Im Januar 1854 beschloss er, in die Kongregation der Passionisten einzutreten. Am darauf folgenden 20. Februar wurde er beim Kardinalvikar in Rom vorstellig, der am 24. Februar ein Dokument unterschrieb, in dem er festhielt, dass der junge Mann sich durch „sittliche Integrität, außergewöhnliche Frömmigkeit und religiöses Engagement“ auszeichne.

Am 21. Februar 1854 zog sich Cesare zu einem Exerzitienkurs in den Konvent der Passionisten der hl. Johannes und Paulus zurück, wo er bis zum 21. März blieb. Bei seinem Abschied von zu Hause schenkte er jedem Familienmitglied ein Kreuz aus Elfenbein. Auf deren Staunen hin meinte er: „Man kann nie wissen, was passiert.“ Sein Bruder Alois schöpfte Verdacht, eilte zu ihm und beschwor ihn, seine Entscheidung zu revidieren. Doch Cesare kehrte nicht mehr nach Hause zurück. Stattdessen machte er sich am 21. März auf den Weg in das Noviziat der Passionisten auf dem Monte Argentario, wo er am 25. März eintraf. Am 7. April nahm er unter dem Namen Alois vom hl. Herzen Mariä das Kleid der Passionisten. Der neue Lebensstil überstieg jedoch seine physischen und psychischen Möglichkeiten, weshalb ihm die Oberen den Rat gaben, von seinem Vorhaben abzulassen. Er musste sogar das Noviziat unterbrechen. Im dortigen Register ist vermerkt: „Silvestrelli ist am 3. Mai 1854 abgereist. Er war des Ganzen so überdrüssig geworden, dass ihn Melancholie befiel.“ Nach Hause zurück wollte er aber nicht. Er ersuchte darum, als Gast im Kloster bleiben zu dürfen, was ihm gewährt wurde. In Vorbereitung auf das Priestertum widmete er sich theologischen Studien und bot allgemein das Bild eines intelligenten und spirituell engagierten jungen Mannes. Am 22. Dezember 1855 erfolgte die Priesterweihe.

Wenngleich sich Don Silvestrelli für sein Amt sehr einsetzte, war es nach wie vor sein Wunsch, Passionist zu werden. Da er sich gesundheitlich stabil genug fühlte, bat er erneut um Aufnahme in das Noviziat. Die Oberen schickten ihn daraufhin in die Marken, wo er am 27. April 1856 wiederum das Kleid der Passionisten nahm, diesmal unter dem Namen Bernhard Maria von Jesus. Der hl. Gabriel von der Addolorata war sein Gefährte. Nach Ablegung der Profess am 28. April 1857 wurde er zur Fortsetzung seiner theologischen Studien der Gemeinschaft von Recanati zugeteilt und 1861 zum Professor und Leiter des Studentats ernannt. Als die Regierung 1864 die beiden Klöster in Morrovalle und Recanati aufhob, wurde P. Bernhard nach Rom berufen, wo er von 1865 bis 1869 im Kloster neben der Heiligen Treppe als Novizenmeister tätig war. Hier schrieb er auch das Buch Trattenimenti spirituali ad uso dei novizi passionisti. 1869 wurde er zum Superior ernannt und am Vorabend der Öffnung der Porta Pia, dem 19. September 1870, half er dem zu Besuch bei den Passionisten weilenden Papst Pius IX., auf den Knien die Stufen der Heiligen Treppe zu erklimmen. Wie von vielen beobachtet wurde, war P. Bernhard in all den Jahren trotz tief greifender Umwälzungen durch nichts aus der Ruhe zu bringen.

1876 wurde er zum Oberen einer der Provinzen und am 4. Mai 1878 zum Generaloberen der Kongregation ernannt. Er war damals 47 Jahre alt und 33 weitere Jahre sollten ihm noch bleiben. P. Bernhard reizte dieses Amt keineswegs und selbst in den Kapitelakten ist angeführt: „Mit Unbehagen und Traurigkeit nahm der gute Pater diese Wahl zur Kenntnis.“

P. Bernhard führte die Kongregation in der Folge 25 Jahre lang, praktisch bis 1907. Die Zahl der Provinzen stieg von sechs auf zwölf, die Kongregation verbreitete sich in Europa und in den übrigen Teilen der Welt. Mit gutem Recht wird P. Bernhard als zweiter Gründer der Kongregation der Passionisten angesehen. Die Zeit seines Generalats war nicht leicht – sei es wegen interner Schwierigkeiten, bedingt durch den zahlenmäßig starken Anstieg und die Präsenz in nunmehr neun Nationen, sei es wegen der politischen Stürme, die zur Aufhebung der religiösen Orden führten. Indem er all diese Probleme mit Gelassenheit anging, gelang es ihm, nicht nur in Italien, sondern auch in Mexiko, Australien, England, Frankreich, Holland, Belgien, Irland, den USA, Chile, Spanien und Argentinien neue Klöster zu eröffnen. Mit der gebotenen Erlaubnis griff er zum Wohle der Kongregation auch auf seinen reichen Familienbesitz zurück, kaufte damit Klöster frei, erwarb neue dazu, restaurierte Kirchen und half den Armen. Für sich behielt er nichts.

P. Bernhard diente seiner Kongregation, indem er einerseits der gesunden Tradition verhaftet blieb, andererseits aber auch für neue Herausforderungen offen war. Im Generalatshaus in Rom eröffnete er das internationale Studentat, was sich auf die Gesamtheit der Passionisten durch die reichhaltigen Impulse, die sich dadurch für die menschliche, kulturelle und religiöse Bildung der Kongregation ergaben, positiv auswirkte. Um seine Mitbrüder zu ermuntern und der Nachwelt den echten Geist des Gründers sowie derjenigen, die diesen am vorbildlichsten gelebt hatten, zu vermitteln, gab er in zwei Reihen die bislang unveröffentlichten Denkschriften außergewöhnlicher Mitglieder der Kongregation heraus: Memorie dei primi compagni di S. Paul della Croce (Erinnerungen der ersten Gefährten des hl. Paulus vom Kreuz) und Biografie edificanti di alcuni chierici Passionisti (Erbauliche Biographien von Klerikern der Passionisten).

Im Juli 1907 nahm der Papst sein Rücktrittsgesuch an, bestand jedoch darauf, dass er den Titel eines Ehrengenerals behalte.

Die letzten Jahre verbrachte Silvestrelli im Gebet und in der Einsamkeit, auch wenn es ihm nur schwer gelang, sich verborgen zu halten. Häufig wechselte er das Kloster, um die Oberen und die Gemeinschaften, die ihn in ihrer Mitte haben wollten, zufrieden zu stellen; aber auch, um vor den ständigen Besuchern zu flüchten, und aus Angst, den Mitbrüdern könnte ein längerer Aufenthalt zur Last fallen.

Am 16. Juni 1911 zog er sich schließlich, mittlerweile achtzig Jahre alt und kränkelnd, in das Kloster von Moricone bei Rom zurück. Als er dort am Samstag, den 9. Dezember 1911, eine Stiege hinaufging, verlor er das Gleichgewicht, stürzte rücklings die Treppe hinunter und schlug mit dem Kopf auf dem Fußboden auf. Nach vierzigminütigem furchtbaren Todeskampf, währenddessen er die Krankensalbung erhielt, starb er.

Der Leichnam von P. Bernhard wurde zunächst auf dem Gemeindefriedhof von Moricone begraben und dann am 27. Oktober 1931 exhumiert. Der Körper war unverwest und blieb dies nahezu zwei Tage lang. Die Nachricht verbreitete sich rasch und bald kamen die ersten Pilgerzüge aus den umliegenden Dörfern.

Am 27. April 1932 wurden die sterblichen Überreste in die Kirche der Passionisten in Moricone übertragen und in einer marmornen Grabstätte beigesetzt.

Am 16. Oktober 1988 wurde Bernhard Maria von Jesus Silvestrelli von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 2