Michael Augustin Pro

MICHAEL AUGUSTIN PRO

(1891 – 1927)

PROFESSPRIESTER
DER GESELLSCHAFT JESU

MÄRTYRER

Seligsprechung: 25. September 1988 Fest: 23. November

MICHAEL AUGUSTIN PRO wurde am 13. Januar 1891 als erstes Kind von Miguel Pro und Josefina Juárez in Guadalupe, Zacatecas, Mexiko, geboren und am 17. d. M. auf den Namen Michael Augustin Josef Raimund getauft. Von der Familie zu einem soliden christlichen Leben erzogen, zeigten sich schon bald sein fröhliches Naturell, sein ausgeprägtes Bewusstsein für spirituelle Werte sowie ein besonderer Hang zur Verehrung von Christus König und der Madonna von Guadalupe. Am 19. März 1898 erhielt er das Sakrament der Firmung und empfing die Erstkommunion.

Von Kindesbeinen an half Michael dem Vater; die schulischen Grundkenntnisse bekam er im Elternhaus und in den öffentlichen Schulen von Mexiko und Saltillo vermittelt. Zwischen 1906 und 1911 wurde er zu Hause unterrichtet und unterstützte nebenbei seinen Vater bei dessen Arbeit im Bergbau. Mit ungefähr 17 Jahren nahm er an einer von den Jesuiten gehaltenen Volksmission teil und verspürte dabei zum ersten Mal den Ruf zum Ordensleben. Die Patres rieten ihm zu einem Exerzitienkurs außerhalb der gewohnten Umgebung. Der Eintritt seiner älteren Schwestern in den Ordensstand half ihm, seine letzten Zweifel zu überwinden.

Am 10. August 1911 trat Michael in das Noviziat der Jesuiten in El Llano nahe Zamora ein. Am Ende der zwei Noviziatsjahre legte er am 15. August 1913 die Gelübde ab und erhielt anschließend die Einladung zum Philosophie­ und Theologiestudium. 1914 musste er jedoch aufgrund der kritischen Situation, die sich während der Periode Carranza abzuzeichnen begann, aus El Llano flüchten und erreichte nach einem Zwischenaufenthalt in Zamora und Guadalajara am 2. Oktober 1914 Los Gatos in Kalifornien, wo er einen Kurs in klassischer Philologie besuchte. Da die Lage in Mexiko weiterhin gespannt war, schickten ihn seine Oberen nach Granada in Spanien, wo er am 21. Juni 1915 eintraf, um einen zweijährigen Rhetorikkurs und einen dreijährigen Philosophiekurs zu absolvieren.

1920 wurde Pro in das Kolleg vom Hlst. Herzen Jesu nach Granada in Nicaragua, Mittelamerika, gesandt, um pastorale Erfahrung zu sammeln. Sein Aufenthalt dort währte zwei Jahre, in denen er den Angestellten und vor allem dem Dienstpersonal Katechismusunterricht erteilte. 1922 schickte man ihn nach Barcelona in Spanien, um die ersten zwei Theologiejahre zu absolvieren. Für das dritte Jahr in Theologie übersiedelte er 1924 nach Enghien in Belgien, wo er am 30. August 1925 trotz gesundheitlicher Probleme die Priesterweihe empfing und am Tag darauf die erste hl. Messe feierte.

Von 1925 bis 1926 musste sich Pro in einer Brüsseler Klinik drei chirurgischen Eingriffen unterziehen. Am 6. März 1926 wurde er in ein Erholungsheim nach Hyères nahe Marseilles geschickt. Am 16. Mai desselben Jahres kehrte er nach Enghien zurück, doch seiner schlechten Gesundheit wegen sollte er baldmöglichst wieder nach Mexiko reisen. Am 12. Juni 1926 verließ er Enghien und begab sich auf eine Wallfahrt nach Lourdes; am darauffolgenden 21. Juni bestieg er in St. Nazaire ein Schiff, das am 7. Juli in Veracruz anlegte, von wo aus er seine Reise nach Mexiko Stadt fortsetzte.

In Mexiko erreichte die religiöse Verfolgung soeben ihren kritischen Höhepunkt. Am 31. Juli 1926 trat das Gesetz von Präsident Calles in Kraft, das den Katholiken ihre Religionsfreiheit absprach. P. Pro ignorierte dasselbe und wirkte weiterhin als Priester im Untergrund und in den Häusern von Angehörigen und Freunden. Trotz seines prekären Gesundheitszustandes und immer wieder auftretender Schmerzen war er ein sehr fröhlicher Mensch von ausgeglichenem, offenen Charakter. Es war frappierend und unterhaltsam zugleich, wie er mit den Polizisten, die ihm auf den Fersen waren, und jenen, die ihn schließlich verhafteten, sein Spiel trieb. Berühmt sind die von ihm benutzten Verkleidungen, um den Wachen zu entgehen und so sein Priesteramt ausüben zu können. Seine ganz persönlichen Talente, die Lauterkeit seines Herzens und seines Verhaltens erlaubten es ihm, mit Leuten aller Gesellschaftsschichten in Kontakt zu kommen und tragende Freundschaften zu knüpfen.

Neben seiner pastoralen Arbeit besuchte er einen Theologiekurs und bereitete sich auf die zugehörige Abschlussprüfung vor.

Die unermüdliche priesterliche Arbeit von P. Pro zog auch zunehmend die Aufmerksamkeit der Obrigkeiten auf sich. Er war sich seiner Situation, aber auch seiner Verantwortung dem Herrn gegenüber mehr als bewusst. So schrieb er in einem Brief vom 12. Oktober 1926: „Die Revolution greift um sich, die Repressalien in Mexiko Stadt werden furchtbar sein. Die ersten, die man verhaften wird, werden Priester und Ordensleute sein. Und ich ... ich stecke da ganz tief drin! Nun ja, ich könnte schon unter den Ersten sein ... oder unter den Letzten, dabei sein werde ich auf alle Fälle!“

Am 4. Dezember 1926 wurde das Haus, in dem P. Pro wohnte, beschlagnahmt. Als man nichts Verbotenes fand, erfolgte die Anweisung, jeden festzunehmen, der dort angetroffen wurde. Da sich P. Pro als Einziger im Haus aufhielt, wurde er verhaftet. Er blieb jedoch unerkannt und wurde am darauf folgenden Tag wieder auf freien Fuß gesetzt. Dennoch schöpfte die Polizei Verdacht und ließ ihn von nun an gezielt überwachen.

Sein unmittelbarer Vorgesetzter trug ihm daher auf, sich verborgen zu halten und auf jedes Apostolat zu verzichten. P. Pro gehorchte, wandte sich jedoch mit folgendem Schreiben an seinen Provinzial: „Bevor sich die Dinge zum Schlechteren wandten, hatte ich meine ,eucharistischen Zentren`, wo ich jeden Tag drei­ bis vierhundertmal die Kommunion austeilte. Am ersten Freitag im Monat war es nahezu das Dreifache und jeden Monat erhöhte sich die Zahl: 900, 1300, 1500 Kommunionen... Einerseits bin ich mir meiner Kleinheit und Geringfügigkeit wohl bewusst; andererseits weiß ich aber auch, dass ich sehr vielen Personen, Priestern wie Laien, nützlich sein kann, wenn ich in diesen Tagen bei ihnen bleibe, wo diese bedauernswerten Geschöpfe die Unterstützung der Kirche so nötig haben. (...) Das Schlimmste, das sie mir antun können, ist, mich umzubringen, den Tag und die Stunde aber wird allein der Herr bestimmen.“ Diese Worte bringen seine ganz persönliche Art zum Ausdruck, von der Wärme, Gelassenheit und Liebe ausströmten, wie dies im Brief vom 27. Mai 1926 bekundet ist: „In meinem Ordensleben habe ich kein rascheres und wirksameres Mittel gefunden, um Jesus ganz nahe zu sein, als die hl. Messe. Es sieht dabei alles ganz anders aus, erscheint in einem anderen Licht, erhebt sich auf eine viel weitere, großzügigere, geistigere Ebene. Inmitten all meiner Unzulänglichkeiten habe ich eine starke Kraft gespürt – und ich spüre sie noch – , die mich vorantreibt.“ So nahm P. Pro, nachdem er den Anweisungen der Oberen gefolgt war und sich drei Monate lang versteckt gehalten hatte, seine pastorale Arbeit trotz schlechter gesundheitlicher Verfassung wieder auf. Währenddessen steuerten die Vergeltungsmaßnahmen gegen die Katholiken nach einem missglückten Attentat auf General Alvaro Obregon ihrem Höhepunkt zu.
 Am frühen Morgen des 18. November 1927 wurden P. Pro und seine Mitbrüder von der Polizei verhaftet. Man wollte ihn eigentlich am nächsten Tag erschießen, doch war seine Unschuld offensichtlich und so beschloss man, ihn einem Verhör zu unterziehen. Die Verantwortlichen wussten nur zu gut, dass P. Pro am Attentat gegen General Obregon in keinster Weise beteiligt gewesen war, obwohl man gerade dies zum Vorwand für seine Verhaftung nahm. Am 22. November hielten drei Generäle Rat und auf Befehl von General Plutarco Elias Calles wurde beschlossen, den Ordensmann ohne Berücksichtigung der Aussagen der vom Polizeiinspektor dazu befragten Zeugen und ohne reguläres Verfahren hinzurichten.

P. Pro verbrachte daraufhin eine unruhige Nacht. Gegen sechs Uhr morgens kündigte er seinen Freunden das bevorstehende Ende an. Um 10.20 Uhr rief ihn der Polizeichef mit lauter Stimme auf. Im Glauben, einem Richter vorgeführt zu werden, folgte er den Polizisten mit Gelassenheit. Als er im Hof des Polizeiinspektorats ankam, bemerkte P. Pro, dass alles für die Hinrichtung vorbereitet war. Der Polizeichef Anton Quintana, der ihn begleitete, bat ihn um Vergebung für das, was nun geschehen würde. P. Pro vergab ihm und bedankte sich.

Am Platz der Hinrichtung angekommen, wurde ihm die Entscheidung von höchster Stelle mitgeteilt. P. Pro erbat etwas Zeit, um zu beten. Dann brach er mit ausgebreiteten Armen und einem deutlichen „Es lebe Christus der König!“ unter den Salven des Exekutionskommandos zusammen. Ein Soldat trat an ihn heran und gab ihm den Gnadenschuss in die Schläfe. Es war der 23. November 1927, 10.38 Uhr.

Die Beerdigung gestaltete sich zu einem wahren Triumphzug, an dem so viele Menschen teilnahmen, wie es Mexiko-Stadt noch nie erlebt hatte. 1996 wurden die sterblichen Überreste von P. Pro aus dem großen Friedhof in die Pfarrkirche „Sagrada Familia“, Colonia Roma, Mexiko-Stadt, überführt.

Am 25. September 1988 wurde Michael Augustin Pro von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 2