Agnes Phila

AGNES PHILA,
LUCIA KHAMBANG,
PHILIPP SIPHONG
und 4 Gefährten

(† 1940)

MÄRTYRER VON THAILAND
ZWEI SCHWESTERN DES INSTITUTS DER
KREUZLIEBENDEN SCHWESTERN
und 5 LAIEN

Seligsprechung: 22. Oktober 1989
Fest: Tag des Martyriums

Das an der Grenze zwischen Thailand und Laos gelegene Dorf Songkhon am Ufer des großen Mekong, 600 km von Bangkok entfernt, war im Jahre 1940 Schauplatz des Martyriums von sechs Thailändern.

1881 hatte das Christentum Einzug gehalten, und 1940 betrug der Anteil der Katholiken etwa 700. Aufgrund des Krieges zwischen Thailand und Indochina mussten die französischen Missionare das Land zwischen 1940 und 1944 verlassen. Wie es bei solchen Gelegenheiten häufig der Fall ist, geht die Einheit der Nation vor und der religiöse Pluralismus wird als Gefahr angesehen. So war es auch in Thailand.
AGNES PHILA (bürgerlicher Name Margarete) wurde 1909 als Tochter von Joachim Thit Son und Anna Chum in dem heidnischen Dorf Ban Nahi geboren. Die Familie emigrierte in das christliche Dorf Viengkhuk, wo Margarete 1924 getauft wurde. Ihre Taufpatin war die Tante von Sr. Lucia von Fatima. Am 7. Dezember 1924 trat Margarete in die Kongregation der Kreuzliebenden Schwestern in Siengvang (Laos) ein. Am 26. November 1926 begann sie das Postulatsjahr, am 10. November 1927 das Noviziat unter dem Namen Agnes. Auf das Noviziat folgte die Profess am 16. November 1928. 1932 schickte man sie als Lehrerin in die Schule nach Songkhon, wo sie erschossen wurde.

LUCIA KHAMBANG, Tochter von Jakob Dam und Maria Mag Li, wurde am 22. Januar 1917 im Dorf Viengkhuk geboren und am darauf folgenden 10. März getauft. Am 4. Juni 1925 empfing sie Firmung und Erstkommunion. Am 3. September 1931 trat sie in die Kongregation der Kreuzliebenden Schwestern ein. Nach drei Jahren als Postulantin begann Lucia am 18. Oktober 1935 das zweijährige Noviziat. Am 15. Oktober 1937 legte sie in Siengvang (Laos) die Profess ab. Anfang 1940 schickte man sie als Lehrerin nach Songkhon, wo sie am 26. Dezember 1940 im Alter von 23 Jahren erschossen wurde.
AGATHA PHUTTA wurde 1881 als Tochter einer heidnischen Familie im Dorf Bi Ban Cheng Pho, etwas nördlich von Songkhon, geboren. Als einzige der Familie konvertierte sie mit ca. 30 Jahren und wurde am 3. März 1918 in Siengvang getauft, wo sie auch das Sakrament der Firmung empfing. Da sie nicht verheiratet war, arbeitete sie anschließend als Küchenhilfe in der Mission in Songkhon, Mong Seng, Pkasè und erneut in Songkhon, wo sie am 26. Dezember 1940 im Alter von 59 Jahren erschossen wurde.

CÄCILIA BUTSI wurde am 16. Dezember 1924 als Tochter von Amato Sinuen und Agatha Thep in Songkhon geboren und zwei Tage später getauft. Sie war ein sehr fröhliches und mutiges Mädchen und arbeitete als Küchenhilfe in der Mission. Am Tag vor ihrem Tod erhob sie sich trotz der Morddrohungen des Polizisten Lu während einer Versammlung vor der Kirche und erklärte sich als Christin. Sie wurde am 26. Dezember 1940 im Alter von 16 Jahren in Songkhon erschossen.

BIBIANA KHAMPHAI wurde am 4. November 1925 als Tochter von Benedikt Lon und Monika Di in Songkhon geboren und am darauf folgenden 28. Dezember getauft und gefirmt. Sie war von untadeligem Charakter und eine gute Christin, welche die Mission besuchte und regelmäßig die Sakramente empfing. Im Alter von kaum 15 Jahren wurde sie am 26. Dezember 1940 in Songkhon erschossen.
MARIA PHON wurde am 6. Januar 1926 als Tochter von Johann Baptist Tàn und Katharina Pha geboren; sechs Tage später erhielt sie Taufe und Firmung. Sie lebte bei ihrer Tante Maria, besuchte die Mission und nahm fleißig an der hl. Messe und den Sakramenten teil. Am 26. Dezember 1940, kurz vor ihrem 15. Geburtstag, wurde sie erschossen.

PHILIPP SIPHONG ONPHITAK wurde am 30. September 1907 als Sohn eines gewissen Intong und einer Pheng in Nong Seng in der Provinz Nakhon Phanom geboren und auch dort getauft.

Mit Erreichen des schulfähigen Alters trat er in die Pfarrschule von Nong Seng ein. Nach Abschluss der Sekundarstudien wurde er als Lehrer nach Songkhon geschickt, wo er 1926 eintraf. 1931 heiratete er Marie Thong. Die Familie ließ sich in Songkhon nieder und hatte fünf Kinder.

Siphong war ein guter Mann. Als Lehrbeauftragter der Pfarrschule wirkte er als Katechet, der den christlichen Glauben im Dorf mit solch apostolischem Eifer verbreitete, dass die Missionare, als sie den Ort verlassen mussten, ihm ihre Herde anvertrauten. Auf diese Weise kam er zu seinem Beinamen „starker Baum“ des religiösen Lebens von Songkhon.

Im August 1940 erreichte eine Gruppe von Gendarmen Songkhon in einer Barke über den Mekong. Als sie sahen, dass die Bewohner eine europäische Religion praktizierten, begannen sie Druck auszuüben, um sie davon abzubringen. Am 29. November 1940 wurde Pater Figuet aus Songkhon vertrieben. Dem Mut des Lehrers Siphong und der beiden Ordensschwestern Agnes und Lucia war es zu verdanken, dass die Christen in ihrem Glauben standhaft blieben.
 Mitte Dezember 1940 heckten die Soldaten ein Täuschungsmanöver aus, um den Katecheten zu ermorden. Sie verfassten einen gefälschten Brief der Unterpräfektur von Mukdahan, in dem Siphong aufgefordert wurde, sich sofort in die Stadt zu begeben. Siphong, der sich sowohl der Gefahren als auch der Bürgerrechte bewusst war, beschloss, dem nachzukommen. Am Nachmittag des 15. Dezember verließ er das Dorf auf dem Fahrrad in Begleitung der Gendarmen Lu aus Songkhon und No aus Mukdahan; abends machten die drei Halt in Van Yai. Gegen Abend des folgenden Tages legte Lu das Gewehr an und gab auf Siphong zwei Schüsse ab. Dieser schrie in seinem Schmerz: „Lu, warum tust du das? Warum willst du mich töten?“, und machte das Kreuzzeichen. Lu verhöhnte ihn mit den Worten: „Glaubst du wirklich, dass dir deine magischen Handbewegungen etwas nützen?“, und zielte auf Siphongs Herz. Er war sofort tot. Anschließend befahlen die Gendarmen den Bewohnern von Phaluka, den Leichnam zu begraben. Dann bedeckten sie das Grab mit Brombeersträuchern, um zu verhindern, dass die Seele des Getöteten die Lebenden peinige.

Die Nachricht vom Tode Siphongs löste am Abend des 17. Dezember in Songkhon große Trauer aus. Die Soldaten hofften, dass die Bewohner nach Siphongs Tod von der christlichen Religion Abstand nehmen würden. Doch hatten sie nicht mit der Anwesenheit von Schwester Agnes und Lucia gerechnet. Diese begannen sich nach und nach mit dem Gedanken abzufinden, dass auch sie früher oder später ihr Blut für Christus vergießen würden.

Lu versuchte, die beiden Schwestern mittels Drohungen und Gewaltanwendung dazu zu bringen, ihrer Religion abzuschwören. Als er sah, dass sein Plan zum Scheitern verurteilt war, beschloss er, sie mit einer schweren Schuld zu belasten. So ließ er sämtliche Dorfbewohner sich am Abend des 25. Dezember vor der Kirche versammeln. Er stellte sich auf die oberste Stufe – in der einen Hand das Gewehr, in der andern ein Blatt Papier – und behauptete, den Befehl erhalten zu haben, mit der christlichen Religion aufzuräumen. Und sollte sich jemand weigern, wüsste er, was er zu tun habe. In der folgenden Nacht schrieben die beiden Ordensfrauen dem Gendarmen einen Brief, in dem sie ihm mitteilten, dass sie lieber sterben würden, als ihrem Glauben untreu zu werden. Lu suchte sie daraufhin am nächsten Nachmittag zwischen 2 und 3.00 Uhr auf und fragte: „Wollt ihr eurem Gott nun abschwören oder nicht?“ Die Antwort war eindeutig: „Wir werden ihn niemals aufgeben!“ Lu erwiderte: „Gut, wenn ihr nicht wollt, dann geht zum Mekong hinunter!“ Sr. Agnes erkannte jedoch die Täuschungsabsicht und sagte: „Das werden wir nicht tun! Wenn ihr uns erschießen wollt, dann macht es am Friedhof!“ Nachdem sie dort angekommen waren, knieten sich alle zu einem Baumstamm hin, wo sie erschossen wurden: Agnes, Lucia, Agatha, Cäcilia, Bibiana und Maria. Sie wurden in Songkhon, Thailand, begraben.

Die sterblichen Überreste Siphongs wurden erst 1959 aufgefunden und am 2. November 1960 in feierlicher Zeremonie neben den anderen in Songkhon beigesetzt.

Am 22. Oktober 1989 wurden Agnes Phila, Lucia Khambang, Agatha Phutta, Cäcilia Butsi, Bibiana Khamphai, Maria Phon und Philipp Siphong Onphithak von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.


Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 2