Josefa naval Girbés

JOSEFA NAVAL GIRBÉS

(1820 – 1893)

ARBEITSLEHRERIN

Seligsprechung: 25. September 1988 Fest: 24. Februar

JOSEFA NAVAL GIRBÉS wurde am 11. Dezember 1820 in der Stadt Algemesí an den Ufern des Júcar, Provinz und Diözese Valencia, Spanien, als erstes von sechs Kindern der Eheleute Vinzenz Naval und Josefa Girbés in bescheidenen Verhältnissen geboren und noch am gleichen Tag auf den Namen Maria Josefa getauft, aber stets Josefa gerufen. Von ihren Eltern erbte sie Fleiß, Rechtschaffenheit und Frömmigkeit. Im Alter von acht Jahren, am 10. November 1828, wurde sie zur Firmung zugelassen und mit neun Jahren empfing sie die Erstkommunion.

Da Volksschulen damals in Spanien noch nicht sehr verbreitet waren, ging auch Josefa zunächst bei einer Nachbarin in die Schule. Dort lehrte man sie das Lesen und die häuslichen Arbeiten, vor allem aber die Kunst der Gold­und Seidenstickerei, was ihr bei ihrer späteren seelsorglichen Tätigkeit sehr von Nutzen sein sollte. Der frühe Tod der Mutter im Alter von 35 Jahren am 19. Juni 1833 stellte die erst 13-jährige Josefa auf eine harte Probe. So eilte sie unmittelbar danach in die Kapelle der Dominikaner und flehte zur Jungfrau, es möge doch sie von nun an ihre Mutter sein. Die Schule musste sie völlig aufgeben, um sich der Hausarbeit zu widmen und damit jenen Platz einzunehmen, der bisher ihrer Mutter vorbehalten gewesen war. Als die Familie in das Haus der Großmutter und eines Bruders mütterlicherseits übersiedelte, wusste Josefa die neue Rolle, die ihr das Leben nunmehr zugedacht hatte, mit großem Eifer auszufüllen. Sie ersetzte ihren jüngeren Geschwistern die Mutter, pflegte die kränkliche Großmutter und half ihrem Vater und dem Onkel. Nach dem Tod der Großmutter 1847 war er es, der für die materiellen Bedürfnisse der Familie Sorge trug; in Wahrheit aber galt die mittlerweile 27-jährige Josefa als die eigentlich Verantwortliche im Hause, in dem außer Vater und Onkel auch noch ihr 20-jähriger Bruder Vincente und ihre 22-jährige Schwester Maria Joaquina wohnten. Die jüngere Schwester Peregrina war bereits drei Jahre zuvor gestorben. Nach dem Tod des Vaters am 26. Juni 1862 blieb Josefa bei ihrem Onkel, bis auch er nach einem beispielhaften christlichen Leben am 10. März 1870 starb.

Seit Josefa im Haus ihres Onkels wohnte, besuchte sie häufig die nahe gelegene Pfarrkirche, wo sie täglich zur Kommunion ging und sich der geistlichen Führung von Pfarrer Kaspar Silvestre anvertraute. Unter seiner Anleitung widmete sie sich zunehmend dem Gebet und der Meditation und arbeitete gleichzeitig für das Jugendapostolat von Algemesí. Bereits mit 18 Jahren, am 4. Dezember 1838, legte sie das Gelübde der Keuschheit ab. Grundlage von Josefas Streben nach Vollkommenheit war ihr klarer Entschluss, Gott in allem, womit er sich ihr offenbarte, gehorchen zu wollen. Daher pflegte sie zu ihren Freundinnen zu sagen: „Ich verstehe nicht, wieso es Leute gibt, die heilig werden möchten, aber weder gehorsam noch arbeitsam noch ausdauernd sind.“ Genau diese drei Eigenschaften – Gehorsam, Fleiß und Beharrlichkeit – sollten Josefa in ihrem weiteren Leben ein Ansporn sein.

Josefas geistlicher Führer legte großen Wert auf die Entwicklung ihrer Spiritualität und stand ihr diesbezüglich 28 Jahre lang (1833-1860) zur Seite. 1850, im Alter von 30 Jahren, begann sie im Kreis ihrer Freundinnen bei sich zu Hause unter Anleitung von Don Silvestre mit Lesungen und geistlichen Übungen. Um weitere junge Frauen anzusprechen, bot sie an, ihnen unentgeltlich die Kunst des Stickens beizubringen, und so verwandelte sich das Haus – wie aus Zeugnissen von Don Bernhard Assensi hervorgeht – innerhalb kurzer Zeit in eine regelrechte Ausbildungsstätte mit regem Zulauf:
„Die Stickereikurse waren völlig unentgeltlich, und sie nahm weder Geschenke von den Familien entgegen noch sonstige besondere Dienste der jungen Frauen in Anspruch. Jede machte ihre ganz persönliche Arbeit und Josefa unterstützte sie dabei. Dazwischen streute sie fromme Lesungen, Meditationen, Exerzitien, Stoßgebete und feierliche Lieder ein, denn am meisten lag ihr die spirituelle Formung der Frauen am Herzen, und diese erfolgte nun einmal über den Umweg des Stickens. Die Begeisterung der Kursbesucherinnen steckte auch andere junge Frauen an, und so vergrößerte sich der seelsorgliche Aktionsradius Josefas in einem Ausmaß, von dem sie sich bei Eröffnung der Werkstätte wohl keine Vorstellungen gemacht hatte. Ihr Drang, Gutes zu tun, war derart ausgeprägt, dass sie es mehr als bedauerte, aus Raumgründen nicht alle jungen Frauen von Algemesí aufnehmen zu können.“

Eine ihrer Schülerinnen, Franziska Ferrero, beschreibt die wohlwollende Atmosphäre, die in Josefas Haus herrschte: „Sie hatte sticken gelernt und war eine wahre Meisterin ihres Fachs. Da sie ein so gutes Herz hatte und alles nur zur Ehre Gottes wollte, glaubte sie, den Frauen mit der Eröffnung ihrer Arbeitsstätte einen großen Dienst zu erweisen. Aus diesem Grund gingen bei ihr sowohl erwachsene Frauen als auch junge Mädchen ein und aus, die sie in allem unterwies, was die Erfüllung ihrer Pflichten anbelangte. Die Jungen waren mit solchem Enthusiasmus dabei, dass sie abends das Haus nur ungern verließen. Wenn die Zeit gekommen war, erlaubte Josefa es jedoch nicht, dass sie noch länger blieben, und sagte, dass sie nun zu Hause gefordert seien.“

Auch ihre Unterrichtsmethode war sehr präzise und immer auf das Praktische ausgerichtet, z. B. wenn sie von der lauteren Absicht sprach, die die Mädchen haben sollten: „Seid wachsam, meine Töchter, denn der Herr ist voller Gnaden und zeigt seine ganze Strenge, wenn man nicht bereit ist, diese anzunehmen. Kümmert euch nicht darum, was um euch herum geschieht, wenn andere Zeit verlieren und damit die Gnade. Jede von euch, meine Töchter, soll daran denken, dass nur Gott und ihr hier seid. Und wenn euch der Gedanke kommt, die andern würden – wenn sie euch auf den Knien sehen – glauben, dass ihr sehr demütig seid, dann setzt euch sofort hin; und wenn ihr denkt, sie würden – wenn sie euch mit geschlossenen Augen sehen – glauben, dass ihr euch sammelt, dann macht eure Augen sofort auf. All das dauert einen Augenblick, denn: ist die Absicht geläutert, dann ist die Leidenschaft besiegt.“ Dieses Beharren auf der Notwendigkeit eines spirituellen Lebens trug nicht zuletzt dazu bei, dass sich viele ihrer Schülerinnen einem Ordensleben in den unterschiedlichsten Gemeinschaften verschrieben.

Josefas Tagesablauf war folgender: Morgens besuchte sie die Frühmesse in der Pfarrkirche, empfing die Kommunion und verharrte in der Betrachtung. Wieder zu Hause, räumte sie auf und richtete das Frühstück für die Ihren. Um neun Uhr war sie mit allem fertig und erwartete die Mädchen. Sie ließ es niemals zu, dass ihr diese im Haus behilflich waren. Um 12.00 war das Angelusgebet und die Mädchen gingen zum Mittagessen nach Hause. Um 14.00 Uhr kamen sie wieder. Um 15.00 Uhr wurde der Rosenkranz mit den fünfzehn Geheimnissen gebetet. Später führte Josefa sie in die christliche Lehre ein.

Neben diesen Aufgaben übte Josefa auch noch zahlreiche andere Formen des Apostolats aus. So wurde sie von vielen aufgesucht, die sich Rat und Hilfe bei ihr holen wollten. Und es kamen nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Da sie Mitglied der Vinzenzkonferenz war, kümmerte sie sich auch um eine Gruppe von Kranken, denen sie regelmäßig Almosen brachte.

Außerdem lehrte sie die Kinder den Katechismus und hielt Exerzitien für ledige und verheiratete Frauen. Über alledem vergaß sie auch ihre familiären Pflichten nicht und verzichtete aus dieser Notwendigkeit heraus auf den insgeheimen Wunsch, in das Kloster zu gehen. Sie lebte zurückgezogen und fernab der weltlichen Dinge; sie mischte sich nicht in fremde Angelegenheiten, außer man bat sie um Vermittlung. Von sehr kränklicher Natur, litt Josefa seit ihrem 30. Lebensjahr unter den verschiedensten Beschwerden, die mit der Zeit chronisch wurden.

So verbrachte sie ihre letzten beiden Lebensjahre in Algemesí fast zur Gänze auf dem Krankenlager. Nach dem Empfang der Sakramente erlebte sie in Stille ihre letzten Momente, öffnete dann plötzlich die Augen und sagte zu ihren Schülerinnen, die um sie versammelt waren: „Meine Töchter, meine Töchter“. Dann starb sie. Es war der 24. Februar 1893. Am Tag darauf wurde sie auf dem Ortsfriedhof unter außergewöhnlicher Anteilnahme der Bevölkerung zu Grabe getragen.

Am 20. Oktober 1946 wurden die sterblichen Überreste, die unversehrt waren, in die Pfarre übertragen und in der Basilika de San Jaime de Algemesí, C/. Abadía, 2, Spanien, beigesetzt.

Am 25. September 1988 wurde Josefa Naval Girbés von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 2