Blanine Merten

BLANDINE MERTEN
(Maria Magdalena)

(1883 – 1918)

PROFESS-SCHWESTER
DER URSULINENKONGREGATION CALVARIENBERG-AHRWEILER

Seligsprechung: 1. November 1987
Fest: 18. Mai

BLANDINE MERTEN wurde am 10. Juli 1883 in Düppenweiler/Saar in der Diözese Trier, Deutschland, geboren und zwei Tage später auf den Namen Maria Magdalena getauft. Sie war das neunte von zehn Kindern der reichen Bauersleute Johann Merten und Katharina Winter, die auch eine tiefe Religiosität und große Nächstenliebe an den Tag legten. Die Kleine wurde im Schoß der Familie großgezogen und fiel schon bald durch eine besondere Frömmigkeit und Liebenswürdigkeit auf, die sie das ganze Leben hindurch begleiteten.

Von 1889 bis Ostern 1897 besuchte die junge Merten die Schulen ihrer Heimatgemeinde, wo sie sich durch Fleiß und tadellose Führung hervortat, wie eine ihrer Gefährtinnen berichtet. Sie war „ganz anders als die übrigen Kinder. Grazil und in ihrer Haltung sehr bestimmt. Ich habe sie immerzu angesehen, weil sie einen tiefen Eindruck machte.“ Merten war ein sehr ruhiges und liebenswürdiges Mädchen; eine spezielle Freundin hatte sie nicht, sondern verstand sich mit allen gleich gut. Die moralische und religiöse Erziehung in der Gemeindeschule erfolgte auf hohem Niveau und trug mit der elterlichen Erziehung dazu bei, dass sich die Spiritualität des Mädchens entsprechend entwickelte. In ihrer Haltung zeigte Maria eine Neigung zu Religiosität und Frömmigkeit, die bei ihr ganz natürlich schien. Kurz vor Beendigung der Volksschule, am 12. April 1896, wurde sie zur Erstkommunion zugelassen und wenig später, am 21. Juli, erhielt sie die Firmung. Von da an ging sie, sooft man es ihr erlaubte, zur Kommunion.

Nach Abschluss der Volksschule und einigen Monaten der Unsicherheit hinsichtlich ihrer künftigen Tätigkeit konnte sich Maria auf die Aufnahmeprüfung für die Lehrerausbildung vorbereiten. Sie besuchte den neuen Kurs im Institut von Marienau bei Vallendar, wo sie zu Ostern 1899 aufgenommen wurde. „Marias Führung in Marienau war beispielhaft“, erzählt eine Gefährtin. „Ihr Fleiß und ihr Eifer hätten nicht größer sein können. Sie brachte auch sehr gute Leistungen und zeigte sich immer von der besten Seite. Einmal hielten ihr einige Kolleginnen in meinem Beisein vor, dass ihre Hingabe übertrieben sei. Maria schwieg, aber ich bemerkte Tränen in ihren Augen. Ihre Frömmigkeit war echt, sie wollte keine Aufmerksamkeit erregen. In ihrem ganzen Wesen gab es nicht die kleinste Unebenheit.“ Während der Zeit des Studiums, im Dezember 1899, verlor Maria ihren Vater und am 26. April 1902 ihre Mutter. Es scheint, dass Maria den Tod der Mutter im Traum vorausgesehen hat. Als sie nämlich am darauf folgenden Morgen von der Schulleiterin gerufen wurde, sagte sie: „Ich weiß, was Sie mir sagen wollen; meine Mutter ist tot.“ Nach Beendigung des Studiums im September 1902 bestand Maria die Lehramtsprüfung. Fast unmittelbar darauf erhielt sie ihren ersten Auftrag als Supplentin an der Mädchenschule von Oberthal im Saarland. Dort blieb sie jedoch nur von 24. November bis 25. Dezember 1902. Nachfolgend bekam sie eine Stelle an der katholischen Volksschule von Morscheid, die sie von 1. Januar 1903 bis 30. Juni 1907 bekleidete. Auf ihr Ersuchen wurde Maria am 1. Juli 1907 nach Großrosseln versetzt, wo sie aber nur neun Monate verbrachte, weil sie zunehmend den Wunsch verspürte, in einen Orden einzutreten, um Gott zu dienen.

Am 22. April 1908 fand Maria Aufnahme bei den Ursulinen vom Kalvarienberg – beeindruckt von deren strengem Gebets-­ und Arbeitsleben, das sie bereits seit Jahren führte. Es war dies eine Wahl, die ganz ihrer Lebenshaltung entsprach, welche von Gebet, Frömmigkeit und Askese getragen war. Marias Angehörige, die um ihre Fähigkeiten wussten, waren keineswegs erstaunt. Die ersten sechs Monate verbrachte sie als Probandin. Bei der Einkleidung am 26. Oktober 1908 nahm sie den Namen Sr. Blandine vom Heiligsten Herz Jesu an, wobei sie Blandine von Lyon, eine der ersten christlichen Märtyrerinnen, zu ihrer Patronin wählte. Am 3. November 1910 legte sie die zeitlichen Gelübde ab und einige Tage später begann sie mit dem Unterricht an der Mädchenoberschule der Ursulinen in Saarbrücken. Unglücklicherweise holte sie sich aber wenige Wochen nach ihrer Ankunft im Januar 1911 eine Erkältung, der ein schweres Lungenleiden folgte. Auf ärztliche Veranlassung wurde sie nach Trier versetzt und dort dem Haus St. Bantus zugeteilt, das die Ursulinen vom Kalvarienberg seit 1853 als zweiten Sitz gewählt hatten. In diesem Haus verbreitete Sr. Blandine in ihrer Funktion als stellvertretende Oberin und als Verantwortliche für die Ausbildung der Zöglinge einen Geist des Vertrauens und der Hingabe. Eine Schwester, die damals nach St. Bantus versetzt wurde, beschreibt ihre Begegnung mit Sr. Blandine so: „Gleich nach dem Abendgebet begleitete mich Sr. Blandine den langen, schmalen Gang entlang und die Wendeltreppe hinauf in das Dormitorium. Ich sehe sie noch vor mir, wie sie die große Lampe anzündet und alles zurechtrichtet, sehr bestimmt und schweigend. Die Funktion des Schutzengels, die sie an diesem ersten Abend mir gegenüber erfüllte, hat sie stets beibehalten. Schon vom ersten Tag an war ich immer in ihrer Nähe, wohl auch deshalb, weil wir beiden die jüngsten Professen waren. Besonders beeindruckt haben mich die Ausgeglichenheit ihres Charakters und die große Gelassenheit, mit der sie sämtliche Arbeiten – und waren sie auch noch so beschwerlich – ausführte.“

Die Herzen der Mädchen flogen ihr zu, angezogen von ihrer Beispielhaftigkeit. Am 4. November 1913 legte Sr. Blandine in Calvarienberg­-Ahrweiler die Ewige Profess ab, womit sie sich ganz dem Herrn weihte. Bezeichnend dafür sind einige ihrer Bekenntnisse. So schrieb sie am 4. Oktober 1914: „Ich bin sehr sensibel, wenn es um meine Ehre geht, und in der Gemeinschaft habe ich immer große Schwierigkeiten, was ein eher trauriges Zeichen dafür ist, dass in mir noch Stolz und Egoismus wohnen.“ Blandines Zuflucht war Christus: „O Herr, steh‘ mir bei! Jeden Tag will ich das Heiligste Herz Jesu bitten, mir seine Gnade und so viele Erniedrigungen zuteil werden zu lassen, dass ich – dadurch reifend – lerne, mich nicht zu beklagen, sondern freudig zu meinem Geringerwerden und damit zur Ehre des Herrn beizutragen.“ Dieses Bemühen war unentwegt von der Furcht begleitet, der Sünde anheim zu fallen, und so hielt sie am 8. November 1914 fest: „Aus meinem tiefsten Herzen flehe ich zu dir, o Herr, erhöre meine Bitten! O barmherzige Liebe, weise mich nicht für immer von dir! Ich will das Band mit meinem heiligen Engel erneuern, damit er mir beistehe und mich davor behüte, der Sünde zu verfallen.“ Einen Monat später, am 8. Dezember, vermerkte sie: „Ich habe erkannt, welch immense Größe und Erhabenheit sich hinter jeder noch so kleinen Handlung unseres lieben Herrn verbergen. Und was bin ich dagegen? Innerlich voll von verfehlten Emotionen, Eitelkeiten, Aversionen, Ungeduld und Widerständen; äußerlich reizbar, unhöflich, nachlässig, gleichgültig, mangelhaft in der Durchführung der mir anvertrauten Aufgaben.“

Diese persönliche Analyse diente im Grunde als Ansporn für folgende Vorsätze: „Tag für Tag möchte ich meine Hingabe erneuern und nie meinem persönlichen Willen stattgeben... Ich muss ernstlich zur Einsicht kommen, dass mein ganzes Sein sich dem Opfer verpflichten muss, und dass es ein wahrhaftiger Diebstahl wäre, diesen Gnadenstand auch nur für einen Augenblick zu verlassen.“ Sr. Blandine hatte es sich nämlich zur Norm gemacht, aus der Liebe zu leben, und ihre persönliche Erklärung dazu war: „Gott beständig lieben“.

Diese Liebe hat Sr. Blandine stets geführt und in diesem Licht betrachtete sie auch das Ende ihres Lebens, das sich immer deutlicher abzeichnete: „Alles geht vorüber, am Lebensabend bleibt nur die Liebe, nur sie spricht für uns und wird uns die Tore des Himmelreiches öffnen, wo wir uns auf ewig an der göttlichen Barmherzigkeit erfreuen dürfen. Aus der Liebe leben heißt, in inniger Verbindung mit Gott zu leben, als dem Urgrund unserer Empfindungen. Das ist es, was mehr als alles andere ihn verherrlicht und uns einen Vorgeschmack auf das Himmelreich bietet.“

Während der Ferien des Jahres 1916 vertraute man ihr auch die Leitung eines Kindergartens an. Im Herbst desselben Jahres wurde ein Aufenthalt im Kurheim Marienhaus für kranke Schwestern unerlässlich, wo sie die letzten zweieinhalb Jahre ihres Lebens in einer Zelle verbrachte. Mit den religiösen Tröstungen versehen starb Sr. Blandine am 18. Mai 1918 um 7.45 Uhr im Alter von 35 Jahren und im elften Jahr ihres Klosterlebens in S. Bantus in Trier.

Sie wurde auf dem Friedhof St. Paulin in Trier beigesetzt und am 18. Mai 1990 in die dortige Blandinenkapelle übertragen.

Am 1. November 1987 wurde Blandine Merten von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 2