Martin Lumbreras

MARTIN VOM HL. NIKOLAUS LUMBRERAS

(1598 – 1632)

MELCHIOR VOM HL. AUGUSTINUS SÁNCHEZ

(1599 – 1632)

PROFESSPRIESTER
DES ORDENS DER
AUGUSTINER-REKOLLEKTEN

MÄRTYRER

Seligsprechung: 23. April 1989
Fest: 11. Dezember

Um das Leben der nachfolgend angeführten Märtyrer besser zu verstehen, gilt es zunächst einen Blick auf den Orden zu werfen, dem sie angehörten. Die Augustiner-Rekollekten entstanden am 5. Dezember 1588 als Teil des Augustinerordens auf Wunsch der spanischen Provinz Kastilien nach einer strengeren Lebensführung. Zur Gründung des ersten Rekollekten-Klosters kam es am 19. Oktober 1589 in Talavera de la Reina (Toledo). In den Folgejahren verbreiteten sich die Rekollekten über das gesamte spanische Territorium, und 1605 begann die missionarische Tradition mit der Entsendung von 14 Ordensmännern auf die Philippinen, das sich zu einer Art Hauptquartier für weitere Missionen in den Osten entwickelte. 1623 kamen die Augustiner nach Japan, wo seit Jahren die Christenverfolgung wütete. Vor allem auf Missionare, Katecheten und einflussreiche Christen hatte man es abgesehen, über die ausnahmslos das Todesurteil verhängt wurde: einige wurden bei lebendigem Leibe verbrannt, andere starben am Kreuz, wiede-rum andere wurden enthauptet. Trotz dieser Perspektiven ersuchten Martin und Melchior in persönlicher Freiheit und mit Nachdruck, für diese heikle Aufgabe ausgewählt zu werden.

MARTIN VOM HL. NIKOLAUS LUMBRERAS wurde wahrscheinlich am 8. Dezember 1598 als erstes von vier Kindern des Lorenzo Lumbreras und der Anna Peralta in Saragossa geboren. Fest steht, dass er am 10. Dezember desselben Jahres getauft und 1604, im Alter von sechs Jahren, gefirmt wurde; sowohl Tauf- ­als auch Firmurkunde sind noch erhalten. Seine Eltern gehörten dem aragonischen Adel an und waren vorbildliche Christen. Die Kinder­- und Jugendjahre verbrachte Martin in Saragossa, das damals 30.000 Einwohner zählte, darunter 8.000 Franzosen. Als Besucher der Kirche der Augustiner-Rekollekten sagte Martin besonders deren strenger Lebensstil zu und so bat er 1617 um Aufnahme in den Orden; dem folgte am 30. April 1618 die Einkleidung im Kloster von Borgia. Anschließend reiste er nach Saragossa, um in jenem Kloster das Noviziat zu machen, in dessen Kirche er so oft gebetet hatte. Nach Beendigung des Noviziats legte er am 1. Mai 1619 die Ordensprofess ab und widmete sich dann dem Studium der Philosophie und Theologie. 1622 schiffte er sich nach den Philippinen ein. Anlässlich eines kurzen Aufenthalts in Mexiko-Stadt wurde er zum Priester geweiht; anschließend setzte er seine Reise fort.

MELCHIOR VOM HL. AUGUSTINUS SÁNCHEZ, Sohn des Peter Sánchez und der Maria Pérez, wurde 1599 in Granada geboren und in der Pfarre San José in El Albaicín, dem berühmten Stadtteil Granadas, getauft. Mit acht Jahren verlor er den Vater und am 28. August 1611 starb auch die Mutter. Mit zwölf Jahren somit zum Vollwaisen geworden, fand er Zuflucht beim Bruder seines Vaters. 1614 eröffneten die Augustiner-Rekollekten in El Albaicín ein Kloster. Die Menschen waren von deren strenger Lebensart beeindruckt; besonders viele junge Leute fühlten sich angesprochen und baten um Aufnahme in das Kloster. Unter ihnen befand sich auch Melchior. Sein Klostereintritt erfolgte Ende 1616; am 25. März 1617 nahm er das Ordenskleid und begann das Noviziat. Am 26. März des darauf folgenden Jahres legte er die Ordensprofess ab.
 Nach Abschluss des Philosophie­- und Theologiestudiums 1621 bestieg er gemeinsam mit 19 weiteren Missionaren der Augustiner-Rekollekten freiwillig ein Schiff nach den Philippinen. Sie standen unter der weisen Führung von P. Andreas s vom Hl. Geist, der seit seiner ersten Reise auf die Philippinen im Jahre 1605 von der Errichtung einer Mission in Japan träumte. In Mexiko stießen zur spanischen Gruppe noch drei weitere Ordensleute sowie eine Gruppe aus Portugal. Im Anschluss an die Priesterweihe in Mexiko-Stadt engagierte sich Melchior in der Pastoral und traf Vorbereitungen für seine Arbeit auf den Philippinen.

Am 25. März 1622 schifften er und die anderen Missionare sich in Acapulco nach Manila ein. Die Reise war ziemlich gefährlich. Drei Missionare mussten sie mit dem Leben bezahlen. Die Übrigen trafen im Juli des Jahres in Manila ein, erschöpft und traurig über den Verlust der Mitbrüder.

1629 wurden zwei Augustiner-Rekollekten, Franziskus von Jesus und Vinzenz vom hl. Antonius, die nach Japan gegangen waren, um den Christen zu helfen, verhaftet. Aus den Kerkern von Omura und Nagasaki schrieben sie dringliche Briefe an die Oberen auf den Philippinen, in denen sie um die ersatzweise Entsendung anderer Ordensleute ersuchten. Verschiedene Versuche, Missionare dorthin zu schicken, waren nicht mangels Freiwilliger gescheitert, sondern aufgrund der überaus feindseligen Situation. Am 4. August 1631 bat P. Martin vom hl. Nikolaus den Generalvikar schriftlich, ihn nach Japan zu schicken. Das Gesuch wurde angenommen. Als Begleiter erhielt er P. Melchior vom hl. Augustinus zugeteilt, der sich schon mehrmals als Freiwilliger gemeldet hatte.
 Chinesische Seefahrer erklärten sich bereit, die beiden gegen ein hohes Entgelt bis zur japanischen Küste zu bringen. So bestiegen sie als Händler verkleidet Anfang Juli 1632 das Schiff und gingen am 4. September in Japan an Land. Einen Tag zuvor waren die beiden Mitbrüder Franziskus und Vinzenz bei lebendigem Leib verbrannt worden. Mit Hilfe des Dominikaners Dominikus D‘Erquicia flüchteten Martin und Melchior in die Berge Nagasakis und wirkten dort als Seelsorger unter den vor der Verfolgung geflüchteten Christen. Aus den alten Chroniken geht hervor, dass sie von den Christen, vor allem den wenigen Terziaren, freudig empfangen wurden. Unter ihnen befand sich Magdalena von Nagasaki, eine geistige Tochter der Patres Vinzenz und Franziskus. Mit ihrer Unterstützung und der anderer Katecheten versuchten sich die Neuankömmlinge in der Ausübung ihres Apostolats, indem sie nachts die Schlupfwinkel der Christen aufsuchten. Die kalte Gebirgsluft und der Hunger setzten Melchior jedoch arg zu und so begleitete ihn Martin in die Stadt, um einen Arzt aufzusuchen. Die beiden wurden allerdings von den Chinesen, die sie nach Japan gebracht hatten, verraten, am 2. November 1632 verhaftet und in die gleichen Zellen gesperrt, in denen vor ihnen ihre Mitbrüder Franziskus und Vinzenz ausgeharrt hatten.

Aus den Berichten der Missionare geht hervor, wie die Gefängnisse Nagasakis konstruiert waren. Es waren regelrechte Käfige mit so eng stehenden Latten, das nicht einmal das Licht durchdrang. Außerdem waren sie so nieder, dass es für die Insassen unmöglich war, aufrecht zu stehen. Wenn einer starb, ließ man ihn ein paar Tage dort liegen, um die anderen zu schikanieren. Martin und Melchior hielten den verführerischen Versprechungen und der Härte des Gefängnislebens mehr als einen Monat lang stand. Immer wieder wurden sie gefragt, ob einer bereit sei, seinem Glauben abzuschwören. Da es weder mit Versprechungen noch mit Drohungen gelang, sie abtrünnig zu machen, verurteilte man sie schließlich zum Tode.
 Um die Christen einzuschüchtern, wurde verfügt, dass das Urteil dort vollstreckt werde, wo die Verbrecher hingerichtet wurden, also ein paar Meter oberhalb des Platzes, wo man die Christen marterte. Man errichtete dort zwei Pflöcke aus trockenem Stroh und grünen Zweigen, um für ein möglichst langsames und schmerzvolles Martyrium zu sorgen.

Am 11. Dezember 1632 schleppte man die beiden Missionare aus dem Kerker zur Hinrichtungsstätte. Das Ritual verlangte, dass dem Zug ein Herold voranschritt, der zu Trommelschlägen das Todesurteil verkündete. Es folgten die Soldaten der Eskorte und die Verurteilten, die mit gefesselten Händen je auf einer Trage saßen. Auf ihrem Rücken trugen sie ein Schild, auf dem das Urteil sowie der Grund der Verurteilung zu lesen standen. Am Ort des Martyriums angelangt, wurden die beiden Missionare locker an einen Pfosten gebunden, so dass sie sich selbst befreien und aus dem Feuer springen konnten, sofern sie sich entschlossen, ihrem Glauben abzuschwören. Nachdem die frischen Äste Feuer gefangen hatten, stiegen zwei dunkle Rauchsäulen auf. Vor den Augen von 20.000 Personen verbrannten sie langsam bei lebendigem Leibe. Augenzeugen berichten, dass Melchior, der von der Krankheit arg in Mitleidenschaft gezogen war, als erster starb, Martin hingegen erst vier Stunden später. Die auf zwei schwarze Torsi reduzierten Körper zerfielen schließlich zu Asche, welche von den Soldaten eingesammelt und in das Meer gestreut wurde, um zu verhindern, dass die Christen sie in Verwahrung nahmen.

Im darauf folgenden Jahr, 1633, begann man mit dem Sammeln der Beweise für das Martyrium. Es wurden 71 Zeugen befragt, darunter 49, die demselben beigewohnt hatten.

Am 23. April 1989 wurden Martin vom hl. Nikolaus Lumbreras und Melchior vom hl. Augustinus Sánchez von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.


Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 2