Karoline Kózka

KAROLINE KÓZKA

(1898 – 1914)

LAIENHELFERIN, MÄRTYRERIN

Seligsprechung: 10. Juni 1987
Fest: 18. November

KAROLINE KÓZKA wurde am 2. August 1898 in Wał­-Ruda, Diözese Tarnów, Polen, als viertes von elf Kindern des Johann Kózka und der Maria Borzecka geboren und am 7. August auf den Namen Karoline getauft. Die Eltern waren einfache, gläubige Bauern. Beide gehörten dem Gebetsapostolat und der Gebetsgemeinschaft Lebendiger Rosenkranz an. In dieser Atmosphäre des gemeinsamen Gebets, vornehmlich am Abend, wurde Karoline zu einem Leben erzogen, das geprägt war vom Glauben und von religiösen Werten. Nicht weniger Einfluss auf die christliche Erziehung des Mädchens hatte die Familie von Franz Borzecki, eines Bruders der Mutter, der viel zum religiösen und kulturellen Leben im Dorf beitrug. Karoline half so gut sie konnte, sei es durch Mitarbeit in der Bibliothek oder bei den Zusammenkünften der Dorfbewohner.

Ab dem sechsten Lebensjahr besuchte Karoline die Volksschule in Wał­Ruda, die sie nach sechs Jahren mit großem Erfolg abschloss. Während dieser Zeit (1905-1912) ging sie mit ihren Eltern immer in die ca. 6 km entfernte Pfarrkirche von Radłow, wo sie auch die Erstkommunion empfing. 1911 begann Karoline eine neue Ausbildung. Ihre Eltern schrieben sie in den sog. Aufbaukurs ein, der bis 1913 dauerte und wo sie sich, wie schon in der Pflichtschule, durch besonderen Fleiß und Einsatz hervortat.

Inzwischen wurde 1912, nur 4 km von Wał-­Ruda entfernt, die neue Pfarre von Zabawa errichtet, die Karoline fortan besuchte, um mit dem dortigen Pfarrer Don Wladislaus Mendrala, einem dynamischen Priester, der für die Bedürfnisse seiner Schäfchen stets ein offenes Ohr hatte, zusammenzuarbeiten. Er merkte schon bald, dass sich Karoline durch eine tiefe Frömmigkeit, durch Opferbereitschaft, Aufgeschlossenheit und Teamgeist von ihren Altersgenossinnen abhob. Dank dieser Fähigkeiten erwies sie sich bei der Organisation der neuen Pfarre zunehmend als seine rechte Hand. Die Pfarre wurde so, nach ihrer Familie, zu dem Ort, an dem sie am meisten Zeit verbrachte.

Am 18. Mai 1914 erhielt Karoline in der Pfarre Zabawa die Firmung, womit für sie ein neuer Lebensabschnitt begann. Im Mittelpunkt ihres Daseins stand Jesus im Altarsakrament, zu dem sie eine besondere Verehrung pflegte. Sie betrachtete Christus aber auch im Mysterium des Leidens und des Todes und betete häufig den Kreuzweg. Die zur damaligen Zeit nachdrücklich empfohlene Verehrung des Herzens Jesu beging Karoline, indem sie jeweils am ersten Freitag des Monats die Sühnekommunion empfing. Ebensolche Verehrung brachte sie der Jungfrau Maria entgegen. So betete sie jeden Tag den Rosenkranz und flüsterte während der Arbeit wiederholt das Ave Maria, um ihren Schutz zu erbitten. Die Monate Mai und Oktober widmete sie der Madonna und besuchte sämtliche Gottesdienste.

Innerhalb der Familie übernahm Karoline für ihre jüngeren Geschwister wie auch für die Nachbarskinder die Rolle einer Katechetin. Außerdem half sie den Eltern bei der Feldarbeit und verabsäumte es nicht, denselben Dienst auch den Verwandten und Bekannten zu erweisen, denn Arbeiten war für sie eine Freude sowie ein Ausdruck der Liebe und des Glaubens.

Wiederholt hatte Karoline das Gebot Jesu gehört, man solle seinen Nächsten lieben, vor allem die Armen, so wie Er uns geliebt hat. Also engagierte sie sich in diesem Sinne und besuchte, ohne Rücksicht auf sich selbst, Arme, Alte und Kranke. Von ihrer Person gingen Wertschätzung, Wohlwollen und echte Freundschaft aus. Eine ihrer Altersgenossinnen, die ihre Mutter verloren hatte, meinte: „Sie war für mich mehr als eine Mutter.“
 Dem Beispiel ihrer Eltern folgend war auch Karoline Mitglied in diversen Gruppen, so der Gebetsgemeinschaft Lebendiger Rosenkranz, des Gebetsapostolats und der Gesellschaft für Abstinenz, weil sie darin eine Vorbildwirkung sah. Die Müßiggänger mahnte sie zur verstärkten Teilnahme an liturgischen Feiern und am Katechismusunterricht. Ihr Ansporn war die Verherrlichung Gottes. Zur geistigen Erbauung wählte sie als Lektüre aus der Bibliothek ihres Onkels Borzecki die Hl. Schrift und die Hagiographien.

Mit 17 Jahren zog Karoline, die ein attraktives, willensstarkes Mädchen war, das Interesse der russischen Besatzungssoldaten auf sich. Exakt acht Monate nach dem Empfang der Firmung und nachdem sie am 13. November gebeichtet und zwei Tage später die Kommunion empfangen hatte, drang am 18. November 1914, um ca. 9.00 Uhr, ein Soldat in das Haus ein, ergriff sie mit Gewalt und zerrte sie vor den Augen des entsetzten Vaters mit eindeutigen Absichten nach draußen.

Mit der Waffe im Anschlag zwang er Karoline, ihm in den nahen Wald zu folgen. Sie wehrte sich so gut es ging, war jedoch kräftemäßig unterlegen. Ahnend, was ihr bevorstand, konnte sie sich losreißen und 800 m weit flüchten, aber der Soldat holte sie ein.

Was dann in diesen tragischen Momenten weiter geschah, ist durch zwei Burschen aus dem Ort überliefert, die im Wald ihre Pferde vor den Russen verstecken wollten. Einer von ihnen, Franz Zalesny, berichtet Folgendes:
„Ich war mit meinem Kollegen Franz Broda im Wald. Dort haben wir unsere Pferde angebunden, um sie vor den Truppen zu verstecken. Wir wollten sie bewachen, aber aus Furcht vor den Soldaten beschlossen wir, nach Hause zurückzukehren. Nachdem wir also unsere Pferde im Wald gelassen hatten, rannten wir auf der längsten Straße in Richtung Elternhaus. Ich weiß eigentlich nicht, warum wir diesen Weg gewählt haben. Plötzlich sahen wir einen Soldaten, der jemanden vor sich her trieb, der sich heftig wehrte. Aufgrund der Entfernung und weil es im Wald dunkel war, konnten wir die Person nicht erkennen. Wir bemerkten aber, dass diese sich alle zwei, drei Schritte umdrehte, als wollte sie wegrennen. Vergeblich. Der Soldat stieß sie weiter vor sich her. Das gelang ihm so an die 80 m weit. Im linken Arm trug er einen Karabiner, während er mit der Rechten das Mädchen fest im Griff hatte und gewaltsam weiterschleppte. Dann das tragische und brutale Ende. Der Soldat zog den Säbel und tötete das Mädchen.“

Die beiden Zeugen, die das Opfer am 18. November zwischen 21.15 Uhr und 21.30 Uhr nicht erkannten, erfuhren dann später mit den anderen Dorfbewohnern, um wen es sich gehandelt hatte. 16 Tage vergingen, bevor Karolines Leiche am 4. Dezember 1914 im Wald von Franz Szwiec aufgefunden wurde, der sich dort zum Holzsammeln aufhielt. Er brachte sie in das Elternhaus. Experten führten an der Leiche eine Autopsie durch, die ergab, dass Karoline zwischen ca. 21.30 Uhr und 21.45 Uhr innerhalb weniger Minuten an einer schweren Blutung gestorben war, verursacht durch eine Verletzung der Halsschlagader; zu einer Vergewaltigung war es nicht gekommen.

Ein Zeuge sagte beim Prozess: „Wir haben die erstarrte Leiche Karolines im Wald liegen sehen. Der rechte Ellbogen war auf der Erde abgestützt und die Hand zur Faust geballt nach oben gerichtet, während die linke Hand, ein Kopftuch haltend, auf dem Boden lag.“

Aufgrund der Autopsie und weiterer Untersuchungen wurde festgestellt, dass Karoline zwar mehrfach misshandelt, aber nicht vergewaltigt worden war. Sechs Verletzungen waren schwerer Natur: So erlitt sie eine Verwundung am Hinterkopf, als sie auf der Flucht verfolgt wurde; dann eine Wunde vom Ellbogen abwärts bis zum Handgelenk; die dritte an der linken Hand; die vierte am linken Bein unter dem Knie; die fünfte vom Hals ausgehend nach links; die sechste, tödliche, an der Kehle von unterhalb des Kinns zur Halsschlagader hin.

Karoline wurde ein Opfer der Gewalt und verteidigte ihre Unschuld bis zuletzt. Daher setzte auch unmittelbar nach Auffinden ihres Leichnams die Verehrung ein; an der Beerdigung am 6. Dezember auf dem Friedhof der Pfarre nahmen trotz des Kriegsregimes an die dreitausend Personen teil. Am 18. Juni 1916 wurde in der Nähe der Kirche in Zabawa ein Denkmal zu Ehren Karolines eingeweiht und am Ort des Martyriums im Wald ein Eichenkreuz aufgestellt.

Am 18. November 1917 wurde der Leichnam Karolines, die von den Mitbürgern als „Stern des Volkes“ verehrt wird, in einer feierlichen Zeremonie vom Friedhof zu der neben der Pfarrkirche von Zabawa errichteten Grabstätte übertragen.

Am 10. Juni 1987 wurde Karoline Kózka von Papst Johannes Paul II. in Tarnów, Polen, seliggesprochen.

 

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 2