Peter Franz Jamet

PETER FRANZ JAMET

(1762 – 1845)

PRIESTER
ZWEITER GRÜNDER DER KONGREGATION DER
SCHWESTERN
VOM GUTEN HEILAND

Seligsprechung: 10. Mai 1987
Fest: 12. Januar

PETER FRANZ JAMET wurde am 12. September 1762 in Fresnes, damals Diözese Bayeux, heute Séez, Frankreich geboren. Seine Eltern, Pierre Jamet und Marie Busnot, waren begüterte Bauern, aus deren neunköpfiger Kinderschar zwei Priester und eine Ordensschwester hervorgingen. Peter verbrachte eine glückliche Kindheit im Schoß einer soliden christlichen Familie. Nach Abschluss der Volksschule wurde er 1777 zu humanistischen Studien an das Kolleg nach Vire geschickt. Im Alter von ca. 20 Jahren fühlte er sich zum Priestertum berufen und inskribierte sich 1782 an der renommierten Universität von Caen für das fünfjährige Philosophie­- und Theologiestudium. Während seines Aufenthaltes dort konstatierte er den Einfluss, den das neue Denken auf die Studenten damals ausübte. So beherrschte das Gedankengut Voltaires einen gut Teil des Adels und der Bourgeoisie. Die Religion war nicht mehr für den gebildeten Menschen da, sondern lediglich für das gemeine Volk. Diese Begegnung mit dem Unglauben machte Jamet nachdenklich und bestärkte ihn gleichzeitig in seiner Neigung, Priester zu werden.

1784 trat Jamet in das von den Eudisten geleitete örtliche Seminar ein. Am 23. September 1786 empfing er das Diakonat, am 22. September 1787 folgte die Priesterweihe. Danach setzte er sein Studium an der Universität fort, ohne sich um die Ereignisse im Vorfeld der Französischen Revolution (1789 – 1799) zu kümmern. So machte er das Bakkalaureat in Theologie und erwarb den Magister Artium.

Im Dezember 1790 wurde Jamet zum Kaplan und Beichtvater der kleinen Gemeinschaft der Schwestern vom Guten Heiland ernannt, die vor kurzem ihre Gründerin, Anna Leroy, verloren hatte. Jamet unterstützte das 1720 in Caen gegründete Institut im Glauben und in der Hoffnung, dieses würde als Kongregation anerkannt werden. Als die Konstituierende Nationalversammlung die Ablegung religiöser Gelübde verbot, wurden zwei Novizinnen aufgenommen, als ob nichts geschehen wäre. Bald darauf wurde Jamet aufgefordert, den Eid abzulegen, wie es die Nationalversammlung von Universitätsprofessoren, Priestern und Laien verlangte. Jamet lehnte brieflich ab. Alle weigerten sich, obwohl ihnen bewusst war, dass sie dadurch den Arbeitsplatz verlieren, sich zugleich aber ein „reines Gewissen“ bewahren würden. Jamet schloss sich den Eidverweigerern vorbehaltlos an und wurde so zum „Abtrünnigen“. Er versteckte sich bei den Schwestern, wurde aber entdeckt. Am 2. September 1791 besetzten die Gendarmen deren Haus und verlangten die Herausgabe des Kaplans. Dieser befand sich an einem abgeschiedenen Platz, im Gebet versunken vor dem Kreuz. Jamet suchte daraufhin in Hérouville Zuflucht, von wo aus er einen Brief schickte, in dem er erklärte, dass er in England weile. Stattdessen streifte er durch das Land, um die Messe zu feiern und den Schwestern in ihrer Not beizustehen. Er gab sich als Arzt aus, um die Kranken besuchen zu können. Eines Tages traf er, als eleganter Edelmann verkleidet, auf zwei Gendarmen und fragte sie: „Wen erwartet Ihr hier?“ – „Wir müssen einen gewissen Jamet verhaften.“ – „Ah, Jamet, Ihr kennt ihn?“ – „Nein, aber wir haben seine Schüler.“ – „Nun, ich kenne ihn sehr gut und habe ihn vor kurzem auf dieser Straße diese Richtung einschlagen sehen. Wenn Ihr Euren Pferden die Sporen gebt, könnt Ihr ihn noch einholen.“ Er winkte den Gendarmen, ihm zu folgen, bis sie gleichauf lagen und an ihm vorbeiritten.

Die Kühnheit in der Fortsetzung des pastoralen Dienstes trotz permanenter Todesgefahr überzeugte Jamet, dass einen Priester, der sich dafür entschied, dem göttlichen Willen und nicht seinem eigenen Folge zu leisten, an der Ausführung seines Vorhabens mit Gottes Hilfe nichts hindern konnte. So setzte er sich mit jedem nur erdenklichen Mittel zum Wohle der versprengten Schwestern vom Guten Heiland ein und suchte sie in ihren Schlupfwinkeln auf. Den verfolgten Gläubigen spendete er Trost und seinen schwankenden Mitbrüdern war er eine Stütze, wobei es ihm stets gelang, der Polizei zu entwischen. Das veranlasste ihn später zu der Aussage: „Wenn mich der Herr schon nicht für würdig befunden hat, mein Leben als Märtyrer hinzugeben, so wird er mir in seiner großen Barmherzigkeit doch wenigstens das Martyrium der Nächstenliebe zugestehen!“

Nach Ende der Revolution widmete sich Jamet dem Wiederaufbau und der Weiterentwicklung des Instituts vom Guten Heiland, indem er die bereits von der Gründerin in die Wege geleiteten Aktivitäten wiederbelebte, besonders die Sorge um die Kranken. Auf sein Betreiben wurden Hilfseinrichtungen und Ausbildungsmöglichkeiten für Taubstumme geschaffen, wobei er sich selbst verstärkt in diese Richtung engagierte und neue Unterrichtsmethoden für diese bedauernswerten Menschen einführte. Nach etlichen Schwierigkeiten konnten die Schwestern am 22. Mai 1805 ein neues Haus beziehen; die Gemeinschaft bestand mittlerweile aus fünfzehn Mitgliedern. Ihre Zahl wuchs von nun an ständig und es entstanden weitere Häuser. Jamet half den Schwestern, in ihren Behandlungsmethoden und ihrer Gemeinschaftsstruktur sowohl der öffentlichen Hand als auch ihren Gönnern und Wohltätern gegenüber die Freiheit zu wahren. Sein segensreiches Wirken bekamen auch die Emigranten zu spüren. Tief bewegt vom unglücklichen Schicksal der spanischen Flüchtlinge, die nach dem Krieg von 1811/12 nach Frankreich geflohen waren, lernte er deren Sprache, um ihnen besser helfen zu können.

Zweimal lehnte Jamet das Bischofsamt ab, um nicht das Institut und seine Arbeit dort aufgeben zu müssen. Das Amt des Rektors der Universität von Caen von 1822 bis 1830 nahm er hingegen in der Absicht an, die Dozenten und Studenten zur Erneuerung des bereits von Rationalismus und Aufklärung ausgehöhlten christlichen Glaubens zu bewegen.

Nach den Revolutionsstürmen nahm Napoleon eine Neustrukturierung des Unterrichts und vor allem der Universitäten vor, doch herrschten dort weiterhin Gottlosigkeit und Unmoral. Die folgende Restauration unter König Ludwig XVIII. versuchte dieser Situation beizukommen, indem systematisch Kirchenmänner an die Spitze von akademischen Institutionen berufen wurden. Auf Vorschlag des Bischofs von Bayeux ernannte der Minister für Unterrichtswesen Jamet am 14. November 1822 zum Rektor der Universität von Caen. An dieser 1432 gegründeten erhabenen Einrichtung hatte Jamet zunächst das Doktorat in Literatur und Philosophie erworben und anschließend, 1788, das Bakkalaureat in Theologie. Eine seiner letzten Aktionen als Universitätsangehöriger war 1791 die Mitunterzeichnung der Erklärung der Universität von Caen, sich dem Eid der Konstituierenden Nationalversammlung gegenüber zu verweigern, was das Ende seiner universitären Laufbahn bedeutete.

Jamets Ernennung zum Rektor entsprach somit eher dem Willen des Bischofs als dem Wunsch der Professoren. Seine erste Sorge war daher auch, unter den Professoren und Studenten jene Elemente zu eliminieren, die verstärkt der Gottlosigkeit das Wort redeten. Er verlangte von den Professoren sowohl fachliche Qualifikation als auch religiöse und moralische Qualitäten. Mit seinem Einsatz verstand er es, nicht nur die Wertschätzung, sondern auch die Sympathien seiner Studenten zu gewinnen, deren solide wissenschaftliche und religiöse Ausbildung er förderte.

Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus lag ihm die Entwicklung der Universität am Herzen. 1823 setzte er die Errichtung eines Lehrstuhls für Handelsrecht durch. Ebenso kämpfte er für die Schaffung einer Medizinischen Fakultät und die Wiedererrichtung der Theologischen Fakultät, hatte damit aber keinen Erfolg. Stattdessen gelang ihm die Gründung eines Lehrstuhls für Verwaltungsrecht (1829) und für griechische Literatur, dessen erster Inhaber er wurde (1830).

1827 wurde Jamet in Anerkennung seiner Arbeit von König Karl X. der Titel eines Ritters des Königlichen Ordens der Ehrenlegion verliehen. Am 12. August 1830 legte er sein Rektoramt als Reaktion auf den Sturz des Königs, dem er den Treueeid geschworen hatte, nieder und verzichtete damit auf eine brillante Universitätslaufbahn.

Neben diesen Aktivitäten als Mitbegründer, Ausbildner, Professor und Rektor engagierte sich Jamet auch bei der Veröffentlichung verschiedener Schriften. Sein Hauptwerk sind die Méditations sur le Mystère de la Sainte Trinité (1836) mit 52 Meditationen zur Unterstützung der Schwestern vom Guten Heiland. Ein weiteres Werk sind die Annales de la Congrégation du Bon­-Sauveur. Von besonderem Interesse sind die beiden Abhandlungen über die Unterweisung von Taubstummen: die erste ist historischer Natur und enthält Untersuchungen über die Kunst der Unterweisung Taubstummer; die zweite ist technischer Art und erörtert die Theorie der Methodik. Es gibt auch verschiedene Übersetzungen von Jamet, darunter: L‘homme heureux dans toutes le situations de la vie von P. Almeyda, übertragen aus dem Spanischen; Trésor de patience caché dans le plaites de Jèsus­-Christ sowie Esprit et pratique de la dévotion à Marie von P. Almeyda, übersetzt aus dem Portugiesischen. Eine Übersetzung von besonderer Bedeutung ist schließlich das aus dem Italienischen übertragene dreibändige Werk Mémoires du Cardinal Pacca, das einen besseren Einblick in die Leiden Papst Pius‘ VII. vermitteln sollte.

Von den Anstrengungen, der Krankheit und der Last der Jahre geschwächt, starb Jamet am 12. Januar 1845 in Caen.

Sein Leichnam ruht in der Krypta des Mutterhauses des Instituts der Schwestern vom Guten Heiland, rue Caponière, 93, Caen, Frankreich.

Am 10. Mai 1987 wurde Peter Franz Jamet von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

 

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 2