Thimotheus Giaccardo

TIMOTHEUS GIACCARDO

(1896 – 1948)

PROFESSPRIESTER
DER GESELLSCHAFT
VOM HL. PAULUS

Seligsprechung: 22. Oktober 1989
Fest: 24. Januar


TIMOTHEUS GIACCARDO wurde am 13. Juni 1896 als erstes Kind der gläubigen Bauersleute Stefan Giaccardo und Maria Gagna in Narzole (Cuneo), Italien, geboren und noch am gleichen Tag auf den Namen Josef Dominikus Vinzenz getauft. Sechs Monate später erkrankte der Kleine schwer, sodass man um sein Leben bangte. Am Ende einer Novene zur Jungfrau Maria aber erlebten die Eltern mit Freuden seine Genesung.

Von 1903 bis 1907 besuchte Timotheus die Volksschule und wurde in dieser Zeit auch zur Erstkommunion zugelassen. Von diesem Tag an erwies sich Josef als eifriger Teilnehmer an den Sakramenten und als begeisterter Ministrant. In der Schule erzielte er beste Resultate und wurde mehr als einmal ermutigt, seine Studien fortzusetzen.

Im Mai 1908 traf Josef auf Don Jakob Alberione – eine Begegnung, die entscheidend war für sein Leben. Alberione schreibt: „Vom Bischof nach Narzole geschickt, um dort sonntags den gesundheitlich geschwächten Pfarrer zu vertreten, fiel mir unter den Kindern, die in die Kirche kamen, sofort der kleine Josef auf – fromm, fast etwas zu ernst für sein Alter, fleißig beim Lernen und von einer Lebendigkeit, die sich stets im Rahmen einer anmutigen Unschuld bewegte. Schon frühmorgens, wenn die Kirche noch geschlossen war, kam er mit seinem Freund, der später als Missionar nach Afrika ging, um zu ministrieren und die hl. Kommunion zu empfangen.“ Die Begegnung mit Don Alberione erfolgte am Ende des Marienmonats Mai, nach der Abendandacht. Don Alberione, der bereits den großen Plan zur Gründung der Paulinischen Familie in sich trug, wusste, dass Josef Priester werden wollte. Er gewann dessen Freundschaft und bot ihm auch finanzielle Hilfestellung, damit er das Seminar von Alba besuchen konnte, wo Don Alberione als Beichtvater wirkte.

Am 12. September 1908, dem Fest Maria Namen, erhielt Josef im Alter von 12 Jahren das Sakrament der Firmung. Am 17. Oktober des Jahres trat er in das Seminar von Alba ein, wo Don Alberione seine geistliche Führung übernahm. 1909 legte Josef mit Erlaubnis seines Spirituals das Gelübde der Keuschheit ab. Sein Aufenthalt im Seminar war geprägt von großem Lerneifer und christlichem Lebenswandel. Aber obwohl er Vorzugsschüler war, prahlte er nie mit seiner Überlegenheit, sondern versuchte sogar, diese zu verbergen. Am 8. Dezember 1912, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis, wurde Josef eingekleidet und erwies sich den Seminaristen als ein Beispiel christlichen Lebens.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges (1914–1918) wurde Josef zum Militärdienst bei der 2. Sanitätskompanie in Alessandria einberufen, einen Monat später aber aus gesundheitlichen Gründen wieder entlassen. Er knüpfte daraufhin noch engere Bande mit Don Alberione und dessen neuem Werk, das es bereits seit 1914 unter der Bezeichnung „Scuola Tipografica“ und exakt ab 20. August 1914 als „Pia Società San Paul” gab. So schreibt Don Alberione: “Giaccardo hat wiederholt den Wunsch geäußert, in die Gesellschaft einzutreten, ich aber wollte, dass er zuerst die niederen Weihen empfängt. Und so wechselte er erst im vierten Jahr Theologie, mit Zustimmung des Bischofs, in die aufstrebende Gesellschaft vom hl. Paulus, wo er sich um die Jugendlichen, etwa zwölf an der Zahl, kümmerte. Ein Noviziat machte er nicht, weil das Institut noch nicht die Approbation des Hl. Stuhls hatte.“ „Außerdem“, so Don Alberione weiter, „wusste ich sehr gut, was ich mir da ins Haus holte.“

Am 19. Oktober 1919 wurde Giaccardo vom Bischof von Alba zum Priester geweiht – zehn Tage vor dem festgesetzten Datum, weil zu befürchten war, dass es seine Mutter sonst nicht mehr erleben würde. Unmittelbar danach eilte er an ihr Sterbebett, um ihr die Krankensalbung zu spenden. Am Tag darauf feierte er in seinem Heimatdorf die erste hl. Messe. Er brachte seiner sterbenden Mutter die hl. Kommunion und als sie entschlief, wich er solange nicht von ihrer Seite, bis sie beerdigt war.

Don Giaccardo war der erste Pauliner, der ausdrücklich für ein neues Amt in der Kirche geweiht worden war. Er setzte seine Studien anschließend fort und inskribierte an der Fakultät des hl. Thomas in Genua. Am 30. Juni 1920 legte er die einfachen Gelübde ab und erhielt vom Gründer den Namen Timotheus (Lieblingsschüler des hl. Paulus). Am 12. November 1920 promovierte er an der genannten Fakultät mit der Höchstpunktezahl in Theologie.
 Von 1921 bis 1926 bekleidete er im Haus in Alba die Funktionen eines Vizesuperiors und Ökonoms und verband diese Aufgaben mit einem aktiven Apostolat innerhalb wie außerhalb des Instituts. Inzwischen hielt Don Alberione die Stunde für gekommen, die neue Kongregation in Rom einzuführen. Für diese erste Gründung, die allen künftigen Gründungen als Modell dienen sollte, wählte er Don Giaccardo aus, den zuverlässigen und genauen Interpreten aller seiner Direktiven: „Ich schicke dich nach Rom wegen deiner Liebe und Treue zum Papst.“ Mit diesen Worten verabschiedete er Timotheus und einige andere junge Priester am Abend des 14. Januar 1926. Am Morgen des 15. Januar traf die kleine Schar in Rom ein, wo sie vorläufig in einer Baracke in der Via Ostiense Unterkunft fand. Die zusehends wachsende Gemeinschaft gewann schon bald die Wertschätzung der kirchlichen Behörden. Am 16. März 1927 legte Giaccardo die ewigen Gelübde ab.

Nach Erwerb des Grundstückes „Vigna San Paul“ von den Benediktinern der Basilika St. Paul vor den Mauern begann er dort mit dem Bau des ersten Hauses, in dem 1929 die neue Druckerei eingerichtet wurde.

1936 beschloss Don Alberione, sich in Rom niederzulassen, und so schickte er Timotheus als Superior des Mutterhauses nach Alba. Dort wartete auf ihn ein neuer Verantwortungsbereich, weil sich in den Gründungen Don Alberiones Frauenkongregationen zu konstituieren begannen und das Ganze einer juristischen Klarstellung bedurfte. Don Alberione übertrug Giaccardo ausdrücklich die spirituelle, moralische und intellektuelle Führung der am 10. Februar 1924 gegründeten Pie Discepole del Divin Maestro. Don Giaccardo erfüllte dieses Amt mit großer Hingabe und beteiligte sich mit der nötigen Gefälligkeit an der Abfassung des Textes der Konstitutionen, um die juridische Position der „Pie Discepole“ zu definieren und die gravierenden Probleme, mit denen diese konfrontiert waren, einer Lösung zuzuführen. Der Hl. Stuhl schien die Abspaltung der „Pie Discepole“ von den 1921 eingeführten und 1928 kanonisch errichteten Töchtern vom hl. Paulus, in die Erstere 1924 eingegliedert worden waren, nicht anzunehmen. Zutiefst davon überzeugt, dass die „Pie Discepole“ in der Paulinischen Familie einen grundlegenden Auftrag hätten, vertraute Don Giaccardo dem apostolischen Visitator, P. Angelico D’Alessandria OFMC, ein Geheimnis an: „Pater, ich biete dem Herrn mein Leben, damit diese Kongregation in der Kirche ihren Platz findet, und ich bin sicher, Gott wird mich erhören.“ Pater Angelico machte darüber dem Sekretär der Kongregation für die Orden Mitteilung, der – überrascht und zugleich voller Bewunderung für ein solches Maß an Tugend – eine noch eingehendere Untersuchung der Situation anordnete und sich schließlich persönlich dafür einsetzte, das ersehnte Approbationsdekret zu erlangen.

Als Don Alberione 1946 spürte, dass die Zeit gekommen war, die Paulinische Familie in neue Bahnen zu lenken, berief er Don Giaccardo mit folgenden Worten nach Rom: „Mein Teuerster, tausend Dank für die vollbrachte Arbeit. Du verdienst die Einladung wirklich.“ Don Giaccardo nahm daraufhin am 4. Oktober 1946 in Gehorsam und schweren Herzens Abschied vom geliebten Mutterhaus, um sich als Generalvikar der Kongregation in das Generalatshaus nach Rom zu begeben.

Als ihm der Visitator 1947 mitteilte, dass das Dekret der Errichtung des Instituts unterzeichnet sei, meinte er freudestrahlend: „Jetzt kann ich mein ,Nunc dimittis‘ singen. Gott hat mich erhört, das Paradies wartet auf mich. Es wird Zeit, dass ich mich vorbereite.“

Schon begann er über die ersten Symptome zu klagen, die ihn letztendlich das Leben kosteten. 1947 wurde eine akute Leukämie diagnostiziert. Am Morgen des 12. Januar 1948, während Pius XII. das Decretum laudis für die Kongregation der „Pie Discepole“ unterzeichnete und deren Konstitutionen approbierte, feierte Don Giaccardo zum letzten Mal die hl. Messe. Er starb am 24. Januar, seinem Namenstag und am Vorabend des Festes der Bekehrung des hl. Paulus.

Seine sterblichen Überreste sind in Rom in der Unterkirche des Marienheiligtums „Mutter und Königin der Apostel“ neben dem von ihm gegründeten Haus beigesetzt.

Am 22. Oktober 1989 wurde Timotheus Giaccardo von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 2