Pier Giorgio Frassati

PIER GIORGIO FRASSATI

(1901–1925)

STUDENT

Seligsprechung: 20. Mai 1990
Fest: 4. Juli


PIER GIORGIO FRASSATI wurde am Karsamstag, den 6. April 1901, als Sohn einer in kulturellen und politischen Kreisen sehr angesehenen Familie in Turin geboren. Sein Vater, Alfred Frassati, war Gründer und Eigentümer der Tageszeitung La Stampa, Senator des Königreiches Italien und 1921 italienischer Botschafter in Berlin. Die Mutter, Adelaide Ametis, war Malerin und eine sehr gebildete Frau. Einige ihrer Bilder wurden anlässlich der Biennale von Venedig 1912 ausgestellt.

Aus gesundheitlichen Gründen (Neugeborenenasphyxie dritten Grades) wurde der Kleine noch am Tag seiner Geburt zu Hause getauft.

Das familiäre Umfeld, in dem er aufwuchs, war einerseits vom Agnostizismus und politischen Neutralismus des Vaters, andererseits von der eher formellen Religiosität der Mutter und deren Interessen für die Welt der Kunst, speziell der Malerei, geprägt.

Kindheit und Jugend teilte Pier Georg mit seiner Schwester Luciana, die 1902 zur Welt kam. Das Klima, in dem die beiden groß wurden, war von Anständigkeit, Ehrlichkeit und Pflichtgefühl getragen. Die Mutter führte Pier Georg in die Grundzüge des Religiösen ein, wenngleich man innerhalb der Familie vor allem auf die religiösen Normen und Gebote pochte. Pier Georg aber erfasste mit dem Herzen, was man ihn über Leben und Worte des Herrn lehrte. Ab November 1907 bekam er zusammen mit seiner Schwester zu Hause die schulischen Grundkenntnisse vermittelt, was sich bis Juli 1910 hinzog. Am 11. Juni des Jahres ging er erstmals zur Beichte und am 20. Juli legte er am Institut der Salesianer in Alassio die Volksschulprüfung ab. Im Oktober 1910 gingen er und seine Schwester auf das Oberstufengymnasium „Massimo d’Azeglio“ in Turin. Am 19. Juni 1911 empfing er die erste hl. Kommunion und im Sommer schrieb er sich in die Gemeinschaft der „Kleinen Rosenkranzfreunde“ ein.

Im November 1913 verließ Pier Georg die staatliche Schule und trat in das „Sozialinstitut“ der Jesuiten ein, um dort die dritte Klasse Gymnasium zu absolvieren. In diesem Umfeld wurde er stark von seinem geistlichen Führer, dem Jesuitenpater Petrus Lombardi, beeinflusst. Zu der Zeit schrieb sich Frassati in das „Gebetsapostolat“ und die „Eucharistische Gemeinschaft“ ein. Nach erfolgreichem Abschluss kehrte er an das „Massimo d’Azeglio“ zurück, wo er gemeinsam mit alten Freunden und seiner Schwester die vierte und fünfte Klasse Gymnasium besuchte. Die Kriegserklärung Italiens an Österreich am 24. Mai 1915 war für Frassati, der wie sein Vater Neutralist war, unendlich schmerzhaft. Am 10. Juni desselben Jahres erhielt er die Firmung.

Um der Frau des Gärtners zu helfen, der in den Krieg eingezogen wurde, machte Pier Georg am 15. Juli 1917 das Landwirtschaftsdiplom am Institut „Bonafous“. Im Oktober 1917 versagten er und seine Schwester bei der Lateinprüfung, woraufhin Pier Georg an das „Sozialinstitut“ zurückkehrte, dort innerhalb eines Jahres die zweite und dritte Klasse Lyzeum schaffte und so im Oktober 1918 die Reifeprüfung ablegte.
 Im November 1918 inskribierte er sich am Polytechnikum an der Fakultät für Betriebstechnik und Maschinenbau in Turin. In dieser Zeit schrieb er sich auch in die „Marianische Kongregation“ und die „Vinzenzkonferenz“ des Instituts ein, das dem Seligen Cottolengo gewidmet war. Während er früher einmal wöchentlich die hl. Kommunion empfangen hatte, ging er nun täglich zur Kommunion, und an der Universität stand er trotz des antireligiösen Klimas offen zu seinem Glauben.

Nachdem Frassati Foligno und Loreto besucht hatte, durfte er zu seiner Freude im September 1919 Assisi, die Heimat des hl. Franziskus, kennen lernen. Im November inskribierte er sich für das zweite Jahr am Polytechnikum von Turin. Gleichzeitig wurde er Mitglied der katholischen Studentenverbindung FUCI (Federazione Universitaria Cattolici Italiani) sowie im katholischen Universitätszirkel „Cesare Balbo“ und trat der Gemeinschaft „Milites Mariae“ seiner Pfarrei Crocetta bei. Im Sommer des darauf folgenden Jahres (August 1920) feierte er in tiefem Glauben und mit großem Enthusiasmus die Krönung der „Schwarzen Madonna“ von Oropa. Um seinem politischen Engagement Ausdruck zu verleihen, schrieb sich Frassati am 4. Dezember 1920 in die Volkspartei ein und schloss sich der Sektion „Giovani Adoratori Notturni Universitari“ sowie den „Giovani Operai“ bei den Patres vom Allerheiligsten Altarsakrament an.
 Seine Zugehörigkeit zu den einzelnen Gemeinschaften war nicht nur nominell, sondern von echtem Einsatz getragen, verbunden mit täglichem Messbesuch und Kommunionempfang, und geprägt von einer lebhaften Beteiligung an den verschiedensten Aktivitäten. Besonders hervorzuheben ist seine Teilnahme an der Vinzenzkonferenz.

1921 und später verbrachte Frassati einige Monate in Berlin, wo sein Vater italienischer Botschafter war. Er hatte so Gelegenheit, den Priester Dr. Karl Sonnenschein kennen zu lernen, eine Leitfigur im karitativen Bereich. Begeistert beteiligte er sich an dessen Besuchen und Einsätzen bei den Armen.

Als Mitglied von FUCI nahm Frassati an verschiedenen Kongressen der G.C.I. (Gioventù Cattolica Italiana/Katholische Jugend Italiens) teil. Auf einer dieser Tagungen versammelten sich in Rom von 3. – 8. September 1921 mehr als 30.000 Jugendliche. Für Sonntag, den 4. September, war eine Messfeier im Kolosseum vorgesehen; anschließend sollten sich alle zu einer Papstaudienz in den Vatikan begeben. Eine ministerielle Verfügung untersagte jedoch den Zug. Die Jugendlichen wollten aber auf den Aufmarsch nicht verzichten. In der Konfrontation mit der königlichen Garde, die den Marsch zu verhindern versuchte, verteidigte Pier Georg die Fahne des Zirkels „Cesare Balbo“ und wurde dafür mit gewaltsamen Übergriffen konfrontiert. Nachdem man ihn und 60 weitere Jugendliche in Gewahrsam genommen hatte, forderte er seine Gefährten auf, den Rosenkranz zu beten. Als sich bei Überprüfung seiner Personalien herausstellte, dass er der Sohn von Senator Frassati war, wurde ihm unverzüglich die Freiheit angeboten. Er aber lehnte ab, sollten nicht auch alle seine Mitstreiter freigelassen werden.

Innerhalb der Volkspartei kämpfte er bis zu deren Auflösung durch das Regime für Religionsfreiheit und im Besonderen für das soziale Christentum. Getragen von einer zutiefst christlichen Vision von Nächstenliebe und Gerechtigkeit traf Frassati im Verlauf des Universitätsstudiums am Polytechnikum von Turin eine weitere Entscheidung: Er wollte sich im Bergbau spezialisieren, um den Geringsten nahe zu sein – den Bergleuten, deren Existenz schwieriger und leidgeprägter war als bei anderen.

Zwischen September und Dezember 1921 kehrte er nach Deutschland zurück, wo er sich von 27. September bis 25. Oktober im Hause Rahner in Freiburg im Breisgau aufhielt und sich dort wie zu Hause fühlte. Der berühmte Theologie und Jesuit Rahner schätzte vor allem Frassatis Lauterkeit, Fröhlichkeit, Selbständigkeit und Natürlichkeit sowie seine soziale Ader und die Teilnahme am Leben und an den Aufgaben der Kirche. Von Deutschland reiste Frassati nach Österreich und in die Tschechoslowakei; 1922 besuchte er Polen.

Am 28. Mai 1922 nahm er mit den Insignien des Dritten Ordens der Dominikaner auch den Namen „Fra Girolamo Savonarola“ an, um diesen in „Tugend und Kampf“ gegen die verdorbenen Sitten nachzuahmen. Täglich betete er den Rosenkranz oder das „Kleine Brevier von der Seligen Jungfrau“, der er stets verbunden war. Seine religiöse Gesinnung wurde außer durch das familiäre Umfeld, das zum Teil aus Agnostikern und Antiklerikalen bestand, vor allem durch die Kontakte mit Salesianern, Jesuiten, Dominikanern und Sakramentinern sowie durch die Zugehörigkeit zu verschiedenen Organisationen beeinflusst, was ihn zu einer Haltung echter religiöser und politischer Verantwortung vor allem gegen den Faschismus veranlasste.

Pier Georg Frassati stand unmittelbar vor seiner Promotion zum Bergwerksingenieur, als er am 29. Juni 1925 über Unwohlsein, Migräne und Appetitlosigkeit klagte. Eine fulminante Poliomyelitis setzte seinem Leben innerhalb von vier Tagen ein Ende. Am Samstag, den 4. Juli 1925, wurde ihm um vier Uhr morgens die Krankensalbung gespendet; um 19.00 Uhr starb Frassati. Am Abend vor seinem Tod schrieb er mit nahezu gelähmter Hand einen Brief an seinen Freund Grimaldi, der ihn bei seinen Armenbesuchen immer begleitet hatte: „Hier die Injektionen für Converso. Die Police ist von Sappa. Ich habe vergessen, sie zu erneuern. Mach’ du das für mich!“ Es war dies das Vermächtnis der Nächstenliebe von Pier Georg Frassati, der alles gab, was ihm geblieben war.

Die Beerdigung am darauf folgenden Tag gestaltete sich zu einem Triumphzug. Der Leichnam wurde dann auf den Friedhof von Pollone (Biella) überführt, den Herkunftsort seiner Familie. Heute befindet sich sein Grab im Dom von Turin.

Am 20. Mai 1990 wurde Pier Giorgio Frassati von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

 

Italienisch

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 2