FRANZ GÁRATE

(1857–1929)

PROFESSBRUDER
DER GESELLSCHAFT JESU

Seligsprechung: 6. Oktober 1985
Fest: 9. September


FRANZ GÁRATE wurde am 3. Februar 1857 auf dem Gut Recarte in der Nähe von Azpeitia, unweit des Schlosses Loyola, Spanien, als zweiter Sohn der bescheidenen Bauersleute Franziskus und Maria Gárate geboren, die noch drei weitere Söhne und Töchter hatten. Die Eltern vermittelten Franz, zusam­men mit einer schulischen Grundausbildung, eine hervorragende christliche Erziehung.

Vom 9. bis zum 14. Lebensjahr besuchte er die Gemeindeschule von Azpeitia.

1871 ging er nach Ordufia (Vizcaya), um in dem von Jesuiten geführten Kol­leg „Nuestra Sefiora de la Antigua" als Hausgehilfe zu arbeiten. Während die­ser ca. dreijährigen Tätigkeit fasste er den Entschluss, als Bruder in die Gesell­schaft Jesu einzutreten.

Nachdem die Jesuiten im Zuge des Bürgerkrieges im Baskenland aus Spani­en vertrieben worden waren, verlegten sie das Noviziat aus der Provinz Kasti­lien in das kleine Dorf Poyanne in Südfrankreich. Nach zwei Jahren als Novi­ze legte Gárate dort am 2. Februar 1876 die einfachen Gelübde ab und blieb das ganze Jahr hindurch und auch noch einen Großteil des darauffolgenden Jahres in Poyanne, wo er im Dienst des Hauses, vornehmlich in der Kranken­abteilung, tätig war.

1877 wurde er als Krankenpfleger der Kommunität und der Studenten in das Kolleg des hl. Apostels Jakobus nach La Guardia (Pontevedra) an der Grenze zu Portugal gesandt, wo er seine Tätigkeit nahezu zehn Jahre lang ausübte und sich dabei mit größter Gewissenhaftigkeit, Geduld und Güte um die Gesundheit der Schüler kümmerte. Soweit es seine eigentliche Aufgabe zu­ließ, half er von 1882 an auch dem Bruder in der Sakristei. Sein Mitgefühl, seine Zuvorkommenheit und seine Liebe zu den Kranken zogen bald allgemei­ne Bewunderung auf sich.

Es war in diesem Kolleg, wo F. Gárate am 15. August 1887 seine ewigen Gelübde ablegte. 1888 wurde er als Pförtner für das Kolleg für Höhere Studi­en in Deusto, Bilbao, bestimmt, aus dem später die berühmte Universität her­vorgehen sollte. Diese Aufgabe erfüllte er 42 Jahre lang, bis zum letzten Tag seines Lebens, mit größtem Fleiß und Eifer. Ein eher einzigartiges Faktum da­bei: Drei Jesuitenpatres, die im 20. Jahrhundert zur Leitung des Ordens beru­fen wurden, hatten Gelegenheit, Bruder Gárate persönlich kennen zu lernen. Alle drei hinterließen ein beredtes Zeugnis. P. Ledöchowski, General der Ge­sellschaft Jesu von 1915 bis 1942, schrieb, dass „die Heiligkeit von Bruder Gárate, wenn auch nicht außergewöhnlich oder gar auffällig, so doch anzie­hend und zugänglich" sei. Bei der Beschreibung von Bruder Gárates Eigenart hob er dasjenige hervor, das alle beeindruckte, die ihm begegneten: „eine be­wundernswerte Diskretion, die in den mehr als 41 Dienstjahren an einer von Personen jeden Alters und in jeder Lebenslage frequentierten Pforte auf eine harte Probe gestellt wurde; eine Demut von einer gewinnenden Natürlichkeit; eine Nächstenliebe, die — fast aus einem geistigen Instinkt heraus — den rech­ten Dienst erahnt und entsprechend vorbeugt".

Diese Erfahrung wurde auch geteilt von P. Arrupe, General des Ordens in den Jahren 1965 bis 1983, der als einer von vielen Studenten häufig an der Pforte von Bruder Gárate vorbeikam und dem Ganzen noch einen persönliche­ren und berührenderen Anstrich verleiht, wenn er von jenen klaren, leuchten­den und warmen Augen spricht, denen nichts entging und die, wenn sie auf jene der Vorbeigehenden trafen, bis in deren Herzen vordrangen und die still­schweigende, aber unwiderstehliche Aufforderung enthielten, gut zu sein und auch in den kleinen Dingen und Ereignissen eines jungen Lebens ehrlich zu handeln. So wie damals, als er an der Pforte vorbeiging und ein paar Äpfel in den Hosentaschen versteckt hielt, die er heimlich im Obstgarten der Kommunität genommen hatte. Bruder Gárate bemerkte es... sah ihm in die Augen..., es war ein tiefer Blick verständnisvoller Güte, der aber auch zum Ausdruck brachte, dass es galt sich zu bessern.
Die Tatsache, dass er still und leise die Herzen der Menschen berührte, die ihm begegneten, kam von daher, dass er für ziemlich lange Zeit das lebte, was für andere unerträglich geworden wäre. Man muss auch sagen, dass die ge­nannte Pforte ein echter „Umschlagplatz" war! Ein ständiges Kommen und Gehen: Eltern, die mit den Studenten sprechen wollten; Personen, die zu den Patres kamen; Lieferanten, die ihre Waren brachten; Arme, die um ein Almo­sen baten. Bruder Gárate empfing alle mit seinem gütigen Lächeln, er versuch­te, allen gerecht zu werden, hatte für jeden ein gutes Wort und strahlte dabei eine Ruhe und Gelassenheit aus, die einen überwältigte. Und inmitten dieses Menschenknäuels schrillte schon damals nahezu ununterbrochen das Telefon. Aber auch die Anrufer verstand Bruder Gárate zufrieden zu stellen, ohne sie lange warten zu lassen.

Von diesen ganzen äußeren Aktivitäten, die mit so viel Ruhe und Heiterkeit abgewickelt wurden, beeindruckt, fragte ihn P. Peter Boetto S.J., der spätere Bischof von Genua: „Wie machen Sie das bloß, mein lieber Bruder, sich mit so vielen Dingen gleichzeitig zu beschäftigen und dabei die Ruhe selbst zu sein, ohne je die Geduld zu verlieren?" Und Bruder Gárate gab zur Antwort: „Ach Pater, ich mache guten Willens, so viel ich kann, den Rest besorgt der Herr, der alles kann. Mit seiner Hilfe ist alles wunderbar leicht, denn wir dienen ei­nem guten Herrn."
Genau dieses Beispiel Bruder Gárates zeigt uns, wie sich ein „beängstigen­der und monotoner Alltag" mit christlicher Gelassenheit bewältigen lässt.

Hierin liegt auch die Botschaft Bruder Gárates an uns: seine dienende Hal­tung in Großmut und konstanter Selbsthingabe; seine diskrete und aufmerksa­me Liebenswürdigkeit; seine Treue zu einer Aufgabe, die er in Liebe und Ein­tracht mit Gott unter vollstem Einsatz erfüllte und dabei mit seiner Berufung restlos zufrieden war. Kraft dieser göttlichen Berufung bekundete Bruder Gárate in seiner völligen Gottergebenheit den Menschen dessen Güte.

Zu erwähnen ist, dass ihm – schon bevor er nach Deusto kam – der Ruf ei­nes Bruders vorausgeeilt war, der sich durch besondere Arbeitsfreude und vor allem durch jene vorzügliche Nächstenliebe auszeichnete, die ihm seitens der Studenten die überaus treffliche Bezeichnung eines „Hermann Finuras" („Bruder Liebenswürdigkeit") einbrachte. In diesem Stil verfuhr er 42 Jahre lang, bis zum Ende seines Lebens.

Auch dieser Tag – der 8. September 1929 – war praktisch ein Tag wie jeder andere. Da Bruder Gárate abends von starken Schmerzen geplagt wurde, er­hielt er schließlich nach eindringlichem Bitten die Krankenkommunion. Trotz ärztlicher Behandlung und Pflege durch die Mitbrüder verschlechterte sich sein Zustand rapide, wenngleich man nicht der Ansicht war, dass er sterben würde. Dennoch bat Bruder Gárate in den frühen Morgenstunden des 9. Sep­tember um die Krankensalbung, wobei er zu verstehen gab, dass es – würde man diese hinausschieben – vielleicht zu spät sein könnte.

Also erhielt er die Letzte Ölung: P. Rektor sprach das Sterbegebet, und als ob er dieses hätte abwarten wollen, hauchte Gárate nach dem letzten „Amen" in Frieden seinen Geist aus. Es war am 9. September 1929, kurz vor 7.00 Uhr früh, in der Krankenabteilung der Universität von Deusto. Gárate war 72 Jah­re alt, wovon er 55 Jahre in der Gesellschaft Jesu und nahezu 42 Jahre lang als Pförtner der Universität gedient hatte.

Zunächst auf dem Friedhof von Deusto beerdigt, wurden seine Gebeine schließlich im August 1946 in die Universität übertragen, um dort vorerst in der öffentlichen Kapelle und dann, am 23. September 1964, in einer Kapelle neben jener Pforte in der Avenida Universidades, 32, Bilbao, beigesetzt zu werden, an der Gárate so viele Jahre seinen Dienst versehen hatte.

Schon zu Lebzeiten stand Bruder Gárate im Ruf eines vollkommenen und heiligmäßigen Ordensmannes. Nach seinem Tod wurde dieser noch verstärkt. Die Zahl jener Personen, die sich seiner Fürbitte empfahlen und behaupteten, daraufhin Gnadenerweise erhalten zu haben, nahm immer mehr zu.

Am 6. Oktober 1985 wurde Franz Gárate von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

 

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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 1