Wunderheilung von Floribeth Mora Diaz

Als Wunder zur Heiligsprechung von  Papst Johannes Paul II. wurde die Heilung von Frau Floribeth Mora Díaz von einem Aneurysma anerkannt.

Floribeth Mora Díaz wurde am 19. Juni 1963 in San José in Costa Rica geboren.
Sie ist verheiratet mit dem Polizisten Edwin Arce Abarca und Mutter von vier Kindern sowie Großmutter.

 Als Floribeth am 8. April 2011, wie gewohnt, frühmorgens aufstand, verspürte sie heftige Kopfschmerzen auf der rechten Seite, die auch zum Erbrechen führten. Ihr besorgter Ehemann brachte sie sofort zur Ersten Hilfe des „Max Peralta“ Spitals in Cartago, 25 km östlich von San José, der Hauptstadt Costa Ricas. Die Ärzte verabreichten ihr zur Schmerzlinderung intramuskulär das Schmerzmittel „Voltaren“ und verordneten ihr Ruhe. Der Mann beschloss daraufhin, mit Frau und Kindern Ferien zu machen. Die Kopfschmerzen dauerten jedoch an und steigerten sich dermaßen, dass Floribeth bei jeder Bewegung heftige Schmerzen verspürte. Sie ersuchte daher von Neuem, zum Arzt gebracht zu werden.

 Am 13. April wurde Floribeth in das „Calderon Guardia“-Spital in Costa Rica eingeliefert, das auch über eine neurochirurgische Abteilung verfügt. Am 14. April wurde eine Angiographie (Katheteruntersuchung) durchgeführt, die ein Aneurysma fusiforme (spindelförmige Gefäßerweiterung) der mittleren Gehirnschlagader (Arteria cerebri media) von 2 cm Länge und 0,60 cm Breite zutage förderte. 

 Die Arteria cerebri media ist eines der drei arteriellen Hauptgefäße des Gehirns. Sie ist der seitwärts gerichtete Endast der Arteria carotis interna und daher Bestandteil des arteriellen Gefäßrings an der Gehirnbasis (Circulus arteriosus cerebri). In ihrem Verlauf gibt sie mehrere kleine Äste ab, mit denen Teile des Großhirn mit Sauerstoff und anderen Nährstoffen versorgt werden.

 Aufgrund des ernsten Befundes beriet sich der behandelnde Arzt, Dr. Alejandro Vargas Romàn, mit anderen Fachkollegen, die sich hinsichtlich der Schwere des klinischen Bildes und des Ausschlusses eines chirurgischen Eingriffes einig waren. Ein derartiger Eingriff hätte zu fatalen Folgen führen können, da in Costa Rica die Spitalsvoraussetzungen zur Durchführung eines intrakraniellen Gefäß-Bypasses fehlten. Als einzige Lösung wurde eine Daueraufzeichnung des arteriellen Druckes angewendet. Die Diagnose war also sehr beunruhigend und die Prognose reserviert: Bruch des Aneurysma fusiforme der mittleren Gehirnschlagader mit einer Subarachnoidalblutung, also einer Blutung, die sich zwischen der dem Gehirn anliegenden weichen Hirnhaut und der Spinngewebshaut (Arachnoidea) ausbreitete.

Filibeth Mora Diaz

Floribeth konnte nicht geholfen werden. Es wurde ihr nur noch ein Monat Lebenszeit gegeben. So kehrte sie am 18. April 2011 nach Hause zurück und blieb unbeweglich im Bett. Sie durfte sich nicht anstrengen, sondern musste sich dem Verlauf ergeben, zumal es keine Möglichkeit der Heilung gab.

 Am 1. Mai 2011 feierte man auf dem Petersplatz in Rom die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II., die Floribeth um 2 Uhr Ortszeit im Fernsehen mitverfolgte. Mit einem Bildchen Johannes Pauls II. in Händen vertraute sie sich ganz seiner Fürbitte zur Heilung an. Dann schlief sie ein. Als sie am darauffolgenden Morgen um 8 Uhr erwachte, fühlte sie sich besser. Sie hörte eine Stimme, die ihr gebot: „Steh auf!“ Sie vernahm zwar die Stimme, sah aber niemanden im Zimmer, sie war allein. Da hörte sie neuerlich: „Steh auf, hab keine Angst!“ Floribeth stand auf und ging in die Küche. Ihr Mann fragte erschrocken: „Meine Teure, was machst du hier?“ Sie antwortete: „Ich fühle mich wohl.“

 Es folgten eingehende medizinische Kontrollen. Am 11. November 2011 wurde Floribeth im Spital einer Magnetresonanz-Tomographie unterzogen. Der Neurochirurg Alejandro Vargas Romàn bestätigte anhand der gewonnenen Daten, dass von einem Aneurysma keine Spur mehr zu sehen war und die Gefäßstruktur sich normalisiert hatte. Dafür gab es wissenschaftlich keine Erklärung. Eine zweite Magnetresonanz-Tomographie am 16. Mai 2012 erbrachte dann das gleiche Ergebnis.

 Floribeth kehrte nach Hause zurück, erholte sich und ging der gewohnten Arbeit nach. Als sich der Gesundheitszustand als dauerhaft erwies, verfasste sie am 2. Februar 2012 eine Mitteilung über ihre Heilung und platzierte diese als Beitrag für den Heiligsprechungsprozess von Johannes Paul II. auf der Website KarolWojtyla.org.

Kirchliche Untersuchung

Zwei Monate später wurde Floribeth von der Kommission, die vom Erzbischof von San José / Costa Rica, Msgr. José Rafael, für das Diözesanverfahren einberufen wurde, zu Kontrolluntersuchungen eingeladen. Dabei äußerte der medizinische Experte der Kommission, Dr. Mariano Ramirez Cardobal, dass die medizinische Geschichte und die klinischen Dokumente und Bilder stimmten und dass er hier zum ersten Mal mit dem spontanen Verschwinden eines Aneurysmas konfrontiert sei.

 Das Dossier der positiv verlaufenen Diözesanuntersuchung wurde sodann an den Postulator der Heiligsprechung Papst Joahnnes Pauls II., Msgr. Slawomir Oder, nach Rom geschickt und der Consulta Medica vorgelegt. Diese ersuchte ihrerseits Floribeth zur Überprüfung der zugesandten Unterlagen anhand eigener Untersuchungen nach Rom zu kommen. Dort wurde sie in einem Spital neuerlich allen Tests unterzogen, die das Fehlen jeglicher Spur eines Aneurysmas bestätigten.

 Am 28. Februar 2013, dem letzten Tag der Amtszeit von Papst Benedikt XVI., wurde von der Consulta  Medica die Heilung von Floribeth Mora Díaz von einem Aneurysma einstimmig als wissenschaftlich nicht erklärbar bezeichnet.

 Daraufhin approbierte Papst Franziskus bereits am 5. Juli 2013 die Heilung als Wunder, während die Kardinäle und Bischöfe erst am 30. September 2013 zur Ordentlichen Sitzung (Congregatio ordinaria) zusammentraten, nachdem die Theologenkommission die an den Diener Gottes Johannes Paul II. gerichtete Anrufung und die auf dessen Fürbitte bewirkte Heilung einstimmig bejaht hatte. In dieser Sitzung anerkannten auch die Kardinäle und Bischöfe die Heilung von Floribeth Mora Díaz als Wunder, insofern sie von Gott in einer wissenschaftlich nicht erklärbaren Form auf die Fürbitte von Papst Johannes Paul II. bewirkt wurde, nachdem dieser von der Geheilten selbst und von vielen anderen Gläubigen angerufen worden war.

Heiligsprechung Johannes Pauls II.

Die Heiligsprechung Johannes Pauls II. erfolgte am 27. April 2014, an der Floribeth Mora Díaz mit ihrem Mann und zwei Söhnen teilnahm und eine Blutreliquie Johannes Pauls II. zum Altar trug.

Andreas Resch, Innsbruck


 

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch