GRENZGEBIETE DER WISSENSCHAFT (GW)

64. Jahrgang... 2015.  Innsbruck : Resch

Leitartikel

GW 2015-1
Bennent-Vahle, Heidemarie: Besonnenheit - eine unzeitgemäße Tugend, die nottut 27
Feld, Helmut: Die Zerstörung des Totenkults in der katholischen Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts 5
Ludwig, Klemens: Astrologie - Grundlagen und Praxis. Ein Überblick 49
Resch, Andreas: Die Exorzisten 67

GW 2015-2
Mutschler, Hans-Dieter: Die Selbstaufhebung des Materialismus 99
Ramiro de Pano, Pilar: Das "Teleplastik"-Phänomen von Bélmez de la Moraleda 121
Resch, Andreas: Erscheinungen und Offenbarungen 149

GW 2015-3
Andersch, Norbert: Symbolische Form und psychische Erkrankung. Bewusstheit als ,Matrix mentaler Funktionsräume' 195
Jöge, Friedhelm: Information und Wirkung. Zur Einführung des Immanenzbegriffs als physikalische Größe 215
Koncsik, Imre: Gottesfindung durch Selbstfindung? Philosophische Rahmenbedingungen der Spiritualität Rut Björkmans [RB] 229
Zahlner, Ferdinand (+): Fragmente von Forschungsergebnissen und Erklärungshypothesen der Parapsychologie 255

GW 2015-4
Resch, Andreas: Marienerscheinungen von Beauraing (1932/33). Interview mit der Seherin Gilberte Degeimbre 351
Resch, Andreas: Teresa von Ávila: Ordensgründerin, Mystikerin und Kirchenlehrerin. Zum 500. Geburtstag 291
Schmidt, Josef: Der Stern von Bethlehem als Supernova des Jahres 5 vor Christus (zu Mt 1,1-2,18; Lk 1,26-2,20 und Joh 1,3-5) 329

Bücher und Schriften
Gernot Böhme: Bewusstseinsformen (A. Resch) 87
Pierre Bühler / Simon Peng-Keller (Hg.): Bildhaftes Erleben in Todesnähe: hermeneutische Erkundungen einer heutigen ars moriendi (A. Resch) 91
Germán De Argumosa: Más allá de los fenómenos paranormales (A. Resch) 192
Karen Gloy: Was ist die Wirklichkeit? (A. Resch) 285
Hans Goller: Wohnt Gott im Gehirn? Warum die Neurowissenschaften die Religion nicht erklären (A. Resch) 279
Steffen Kammler: Die Seele im Spiegel des Leibes: der Mensch zwischen Leib, Seele und Körper bei Platon und in der Neuen Phänomenologie (A. Resch) 94
André Knote: Von der geistlichen Seelenkur zur psychologischen Kur. Zur Geschichte der Psychotherapie vor Freud (A. Resch) 282
Bernard Lown: Heilkunst. Mut zur Menschlichkeit (A. Resch) 375
Kresimir Matijevic: Ursprung und Charakter der homerischen Jenseitsvorstellungen (A. Resch) 371
Daniel C. Matt: Der Urknall. Der Geist hinter der Schöpfung (A. Resch) 287
Gerhard Mayer / Michael Schetsche / Ina Schmied-Knittel / Dieter Vaitl: An den Grenzen der Erkenntnis. Handbuch der wissenschaftlichen Anomalistik (A. Resch) 373
Jeannie Moser: Psychotropen: eine LSD-Biographie (A. Resch) 89
Alicja Sakaguchi: Sprechakte der mystischen Erfahrung: eine komparative Studie zum sprachlichen Ausdruck von Offenbarung und Prophetie (A. Resch) 283
Stefan Schmidt: Experimentelle Parapsychologie: eine Einführung (A. Resch) 93
Wilhelm Schmidt-Biggemann: Geschichte der christlichen Kabbala. Bd. 4: Bibliographie (A. Resch) 88
Peter Strasser: Die Welt als Schöpfung betrachtet: eine stille Subversion (A. Resch) 372
Konrad Utz: Bewusstsein: eine philosophische Theorie (A. Resch) 286
Steffi Zacharias: Orakel, Träume, Transzendenz: traditionelle mexikanische Medizin im Dialog mit westlicher Psychotherapie (A. Resch) 280

GW 2015/1

EDITORIAL 2015

RESCH, ANDREAS: Grenzgebiete der Wissenschaft

 

LEITARTIKEL / Abstracts

FELD, HELMUT: Die Zerstörung des Totenkults in der Katholischen Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 1, 5 – 25

Grundlage und Voraussetzung des Totenkults, im Christentum wie in den anderen Weltreligionen, ist der Seelen- und Jenseitsglaube. Das Mittelalter war die hohe Zeit in der religionsgeschichtlichen Entwicklung des Totenkults. Ein beredtes Zeugnis dafür sind vor allem die Hymnen und großen Fürbitten des Requiems. Einen ersten Rückschlag erlebte diese Form des Kultes in der Reformation, als der Glaube an die Existenz eines postmortalen Zwischenzustandes, des Fegefeuers, abgeschafft wurde. Der katholische Hochklerus, zusammen mit zahlreichen Theologen, unternahm nach dem II. Vatikanischen Konzil den Versuch, den überlieferten, als „mittelalterlich“, „düster“ und „angsterfüllt“ angesehenen Totenkult durch eine „fröhlicher“ und „österlicher“ gestimmte Liturgie zu ersetzen, womit ein in Jahrhunderten gewachsenes Religions- und Kulturgut zerstört wurde.

Dies Irae
Fegefeuer
Jenseitsglaube
Liturgiereform
Reformation
Requiem / Gebete
Spiritualität, mittelalterliche
Totenkult

FELD, HELMUT: The destruction of the cult of the dead in the Catholic Church at the end of the 20th century. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 1, 5 – 25

In Christianity as well as in the other world religions the belief in soul and in the hereafter is the foundation of as well as the prerequisite for the cult of the dead. The Middle Ages were the time for the development of the cult of the dead in the history of religion. Especially the hymns and the prayers of intercession of the requiem are a testimony of it. This form of cult faced a first setback in the Reformation when the belief in the existence of a postmortal intermediate state, Purgatory, was abolished. After the Second Vatican Council the high clergy together with numerous theologians tried to replace the traditional cult of the dead, which was considered as “medieval”, “gloomy” and “frightened” with a more “joyful” and “paschal” liturgy. Thus, the cultural and religious property that had evolved over centuries was destroyed.

Belief in the hereafter
cult of the dead
Dies Irae
liturgical reform
Purgatory
Reformation
Requiem / hymns and prayers
spirituality, medieval


BENNENT-VAHLE, HEIDEMARIE: Besonnenheit – eine unzeitgemäße Tugend, die nottut. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 1, 27 – 47

Bereits seit der Antike verweist das Konzept der Besonnenheit auf Selbstkorrektur im Vollzug dialogischer Aufgeschlossenheit. In Abgrenzung zu neuzeitlichen Tendenzen, welche Besonnenheit auf kluge Überlegtheit zur Absicherung der eigenen Lage reduzieren, wird mit Otto Friedrich Bollnow die wesentliche Bedeutung einer ethischen Ausrichtung besonnener Lebensführung entfaltet. Hierbei kommt es auf Harmonisierung von Vernunft und Sinnlichkeit an, wonach Besonnenheit nicht nur die Mäßigung heftiger und destruktiver Emotionen verlangt, sondern zugleich eine umfassende Kultivierung des Mitgefühls voraussetzt. Nicht zuletzt in Anbetracht der erfolgstaktischen Indienstnahme des Emotionalen innerhalb der gegenwärtigen westlichen Gesellschaften entstehen hier neue Herausforderungen des Nachdenkens, insbesondere in Bezug auf den Bereich der Erziehung.

Besonnenheit
Einsamkeit
Fühlen
Gefühle
Sinnlichkeit
Vernunft

BENNENT-VAHLE, HEIDEMARIE: Temperance – an old-fashioned, but essential virtue. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 1, 27 – 47

Since antiquity the concept of temperance has been referring to self-correction by openness to dialogue. In contrast to modern tendencies, which reduce temperance to prudence in order to protect one’s own situation, Otto Friedrich Bollnow unfolds the fundamental significance of the ethical direction a thoughtful conduct of life should take. What matters is the harmonization of reason and sensibility, according to which temperance does not only require a moderation of strong and destructive emotions, but also an extensive cultivation of empathy. It is not only because of the tactical exploitation of the emotional in today’s Western societies that new challenges of reflection are being developed, especially in the field of education.

Emotions
feeling
loneliness
reason
sensibility
temperance


LUDWIG, KLEMENS: Astrologie – Grundlagen und Praxis. Ein Überblick. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 1, 49 – 66

Die Astrologie ist die älteste Symbolsprache der Welt, ihre Anfänge gehen mindestens 7.000 Jahre zurück, das heutige System stammt aus der griechischen Antike und fußt auf der Sternenbeobachtung in Mesopotamien. Bis zur Neuzeit waren Sternenbeobachtung und -deutung eine Einheit. Gleichzeitig ist die Astrologie überaus aktuell und populär. Ihre Anhänger sind so zahlreich wie ihre Gegner; kalt lässt sie niemanden; bewiesen werden kann sie nicht.

Aspekte
Astrologie
Häuser
Horoskop
Planeten
Prognose-Methoden /Astrologie
Sternzeichen
Tierkreis

LUDWIG, KLEMENS: Astrology – Fundamental principles and practice. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 1, 49 – 66

Astrology is the world’s oldest language of symbols. Its origin dates back to 7.000 years ago. The system used today was developed in ancient Greece and is based on the star observation system practised in Mesopotamia. Up to modern times the observation and interpretation of the position and movements of planets and stars has formed an integrated whole.
However, astrology is of topical interest, too. There are as many proponents as there are opponents; no one is left completely indifferent by it. Nevertheless, it cannot be proved.

Aspects
astrology
houses
horoscope
planets
prognosis /methods, astrological
signs of the zodiac
zodiac


RESCH, ANDREAS: Die Exorzisten. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 1, 67 – 79

Der Beitrag beschreibt die Aufgabe und das Arbeitsfeld des Exorzisten in der katholischen Kirche sowie die vom Vatikan anerkannte internationale Vereinigung der Exorzisten und bringt die Ansprache des Papstes zu diesem Anlass sowie die von der Glaubenskongregation 1985 aufgestellten Normen zum Exorzismus.

Exorzist
Geschichte
Internationale Vereinigung der Exorzisten
Teufel
Teufelsaustreibung

RESCH, ANDREAS: The exorcists. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 1, 67 – 79

The author describes the tasks and the field of work of exorcists within the Catholic Church as well as the International Association of Exorcists that has recently been recognized by the Vatican. Finally, the speech of the Pope delivered on this occasion and the standards drawn up in this specific case by the Congregation for the Doctrine of the Faith in 1985 are presented.

Devil
exorcism
exorcist
history of exorcism
International Association of Exorcists



RUBRIKEN

Aus Wissenschaft und Forschung:
Nocebo
Die Urknallsensation, die keine war
Mord im Schlaf?

Dokumentation:
Donatus Rüetschi (1955-2014)

Paranormologikon:
Aton

GW 2015/2

LEITARTIKEL

MUTSCHLER, HANS-DIETER: Die Selbstaufhebung des Materialismus. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 2, 99 – 119
Seit 100 Jahren gibt es eine durchgehende Tradition des welt­an­schaulichen Materialismus, der sich auf die Naturwissen­schaften beruft. Überblickt man diese Tradition in ihrer Ent­wicklung, so fällt auf, dass die Materialisten zur Erklärung der Phänomene immer stärkere Annahmen machen müssen bis hin zur Selbstaufhebung. War zunächst nur davon die Rede, dass man alles durch Physik erklären könne, wurde sodann die Biologie herangezogen und schließlich alle Sozialwissenschaften. Auch die ‚sichersten‘ Fundamente des Materialismus, wie kausale Geschlossenheit der Welt und das Supervenienzprinzip, werden nach und nach aufgegeben, wodurch der Materialismus jede Kon­tur verliert.

Dupré, John
Engels, Friedrich
Evolutionäre Erkenntnistheorie
Materialismus
McLaughlin, Peter
Nagel, Thomas
Naturwissenschaften
Schmidt-Salomon, Michael
Sozialwissenschaften
Soziobiologie
Teleologie

MUTSCHLER, HANS-DIETER: The self-abolition of materialism. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 2, 99 – 119

Since a hundred years there has been a continuous tradition of an ideological materialism which refers to natural sciences. On closer examination of the development of this tradition it turns out that the materialists, in order to explain the phenomena, are forced to go further and further through to self-aboliton. First, it was said that everything can be explained by physics, then biology and, finally, also social sciences were brought into play. Even the „safest“ foundations of materialism like the causal connectivity of the world and the principle of supervenience are given up step by step, with materialism being watered down.

Dupré, John
Engels, Friedrich
evolutionary epistemology
materialism
McLaughlin, Peter
Nagel, Thomas
natural sciences
Schmidt-Salomon, Michael
social sciences
sociobiology
teleology


RAMIRO DE PANO, PILAR: Das Teleplastik-Phänomen von Bélmez de la Moraleda. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 2, 121 – 147

Das seit 1971 unerklärliche Auftreten vielschichtiger Formationen – Gesichter, Körper, Bilder, Symbole – auf dem Zementboden eines bescheidenen Hauses in einer kleinen Ortschaft Südspaniens stellt einen außergewöhnlichen Fall von „Teleplastik“ dar. Der erste Forscher, der sich, unter Beteiligung von Hans Bender, in jahrelangen Studien von der paranormalen Authentizität des Ereignisses überzeugte, war Germán de Argumosa (1921 – 2007). 1977 erhielt De Argumosa für seine diesbezüglichen Forschungen den Internationalen Preis der Schweizer Gesellschaft für Parapsychologie. Die spanische Bevölkerung wurde auf den Fall durch das große Medieninteresse aufmerksam. Man kann sagen, dass die volkstümlich so genannten „Gesichter von Bélmez“ für Spanien das Eingangstor zur Parapsychologie bildeten.
Der vorliegende Artikel, der auf den Schriften De Argumosas aus den Jahren 1972 und 1996 basiert, zeigt, dass dieser das Phänomen von Bélmez die Jahre hindurch als außergewöhnliches paraphysikalisches Ereignis einschätzte.

Bélmez de la Moraleda
Bender, Hans
De Argumosa, Gérman
Gesichter von Bélmez
Parapsychologie /Spanien
Teleplastik

RAMIRO DE PANO, PILAR: The teleplastic phenomenon of Bélmez de la Moraleda. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 2, 121 – 147

The inexplicable appearance, since 1971, of multifarious formations – faces, bodies, images, symbols – on the cement floor of a humble house in a small village in Southern Spain represents an extraordinary case of „teleplastic“. The first who, in the course of many years and together with Hans Bender, researched the phenomenon and convinced himself of its paranormal authenticity was Germán de Argumosa (1921 – 2007). In 1977 De Argumosa was awarded the International Premium of the Swiss Parapsychological Society for his research on this field. The Spanish population became aware of it because of the high media interest. One could almost say that the “faces of Bélmez”, as they are called in plain language, opened parapsychology the way into Spain.
The article, which is based on De Argumosa’s writings of 1972 and 1996, shows that he has been considering the phenomenon of Bélmez as an extraordinary paraphysical event all the years through.

Bélmez de la Moraleda
Bender, Hans
De Argumosa, Gérman
faces of Bélmez
parapsychology
teleplastic


RESCH, ANDREAS: Erscheinungen und Offenbarungen. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 2, 149 – 184

Der Beitrag gibt einen Überblick über die Stellungnahmen des Kirchlichen Lehramtes zur Frage der Privatoffenbarungen mit Auflistung der positiven und negativen Aspekte bei der Beurteilung sogenannter Offenbarungen.
Als Beispiel einer Untersuchung solcher Privatoffenbarungen wird die 1998 erfolgte Untersuchung der Seher von Medjugorje vorgestellt und speziell an der Untersuchung der Seherin Marija Pavlovic-Lunetti illustriert. Dazu gehören auch ihre Aussagen zu den persönlichen Erlebnissen bei den Erscheinungen der ersten zehn Tage.

Ekstase
Hypnose
Kirche
Medjugorje
Offenbarungen
Privatoffenbarungen

RESCH, ANDREAS: Apparitions and revelations. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 2, 149 – 184

The article gives an overview of the statements by the Magisterium of the Catholic Church on the question of private revelations, listing the positive as well as the negative aspects in judging so-called revelations.
As an example of such an investigation of private revelations the examination of the seers of Medjugorje is presented, particularly with Marija Pavlovic-Lunetti. This also implies her personal experiences during the apparitions happened in the first 10 days.

Church
ecstasy
hypnosis
Medjugorje
private revelations
revelations


RUBRIKEN

Dokumentation:
Normen zur Beurteilung von Erscheinungen und Offenbarungen
Prof. Dr. Ernst Senkowski (1922-2015)


GW 2015/3

LEITARTIKEL

ANDERSCH, NORBERT: Symbolische Form und psychische Erkrankung. Bewusstheit als ,Matrix mentaler Funktionsräume'. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 3, 195 – 214

Die heutige, auf Krankheitsentitäten fixierte Diagnostik beschreibt Symptome psychischer Krisen als Komplexe, die – wie Kraepelin vor 100 Jahren glaubte – ‚natürliche Einheiten‘ sind. Diese Auffassung hat sich längst als falsch erwiesen. Dennoch fußen die Neuauflagen psychiatrischer Diagnosekataloge (ICD11 / DSM V) weiter auf diesem naiven ‚Normalitätsmodell‘, das Patienten aus ihren realen Resonanzräumen und ihren emotionalen, sozialen und kulturellen Bezügen isoliert. Die qualitativen Besonderheiten menschlicher und zivilisatorischer Interdependenz, die ‚Matrix‘ unseres Bewusstseins – und damit auch die Architektur seiner Störungen – werden so nicht erfasst. Der psychopathologische Diskurs – dies soll mein Beitrag zeigen – kann aus dieser theoretischen Erstarrung befreit werden. Die der menschlichen Lebensweise ursprünglichen Symbolprozesse können verstanden und die Invarianten dieses universalen Erfahrungsvorganges isoliert, erforscht und therapeutisch genutzt werden.

Bewusstseinstheorie
Cassirer, Ernst
Matrixmodell
Philosophie der Psychiatrie
Symbolbasierte Psychopathologie


ANDERSCH, NORBERT: Symbolic form and mental illness: awareness as ‛matrix of mental formation’. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 3, 195 – 214

Human nature, our language, mathematics and our progressing tools of work-specification are based on and experienced as symbolic constructs. Subsequently ‘symbolic formation’ should play a major role in the field of clinical psychiatry – as in mental crisis our symbolic matrix breaks down, our pattern-based construct of reality gets lost and our symbolic language is severely affected. But the breakdown of ‘symbolic formation’ in our patients in mental crisis continues to be ignored.
In 1929 Ernst Cassirer published his studies on the philosophy of symbolic forms and on the psychopathology of symbolic consciousness, based on an intense clinical and theoretical cooperation with neurologists, psychiatrists and psychologists. Cassirer emphasized the permanent change of symbolically created ‘frames of reference’ and their impact on the make-up of consciousness and on mental dysfunction.
In this presentation a ‘Matrix of Mental Formation’ is presented – modelled on Cassirer’s approach – linking the endless variety of clinical symptoms to a limited number of basic invariants of relational patterns, thus suggesting a trans-cultural model of consciousness and a new definition of mental health – to be used alongside ICD and DSM catalogues, providing some balance to their inaccurate and judgmental descriptive approaches.

Cassirer, Ernst
matrix model
philosophy of psychiatry
symbol based psychopathology
theory of consciousness


JÖGE, FRIEDHELM: Information und Wirkung. Zur Einführung des Immanenzbegriffs als physikalische Größe. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 3, 215 – 228

Die Einführung und Anwendung des Immanenzbegriffs als physikalische Größe ermöglicht ein erweitertes Verständnis von Wirkung. Mathematische Formulierungen zeigen die komplementären Co-Faktoren Information und Immanenz als Ursache bzw. Resultat von thermodynamischer Wirkung. Damit trägt der Immanenzbegriff zur Klärung der Beziehung zwischen den Begriffen Information und Wirklichkeit bei und führt auf die Ableitung des Immanenzbildungsprinzips, das bei astrophysikalischen Fragestellungen wie etwa bei der Diskussion um das Informationsparadoxon (also der Frage nach dem Informationsverlust bei Schwarzen Löchern) Anwendung finden kann.

Astrophysik
Immanenz
Information
Wirklichkeit
Wirkung, thermodynamische


JÖGE, FRIEDHELM: Information and effect. The introduction of the concept of immanence as physical quantity. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 3, 215 – 228

The introduction and application of the concept of immanence as physical quantity allows a broader understanding of effect. Mathematical formulations present the complementary co-factors information and immanence as the cause and result respectively of the thermodynamic effect. Thus, the concept of immanence helps to clear up the relation between the concepts of information and reality and leads to the derivative of the principle of immanence development which might be applied to problems in astrophysics, e.g. in the discussion on the information paradox (i.e. the question of information loss regarding black holes).

Astrophysics
effect, thermodynamic
immanence
information
reality

KONCSIK, IMRE: Gottesfindung durch Selbstfindung? Philosophische Rahmenbedingungen der Spiritualität Rut Björkmans [RB]. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 3, 229 – 254

Ein theoretisch schwieriges und grundlegendes Thema ist eine nicht verkürzte Bestimmung des Verhältnisses von Autonomie und Heteronomie bzw. Theonomie menschlicher Existenz: wird die Autonomie überakzentuiert, so endet das Selbst in einem psychopathologischen Kreisen um sich selbst; wird die Theonomie überbetont, so verschwindet die Identität des Selbst bis zur Beliebigkeit und Austauschbarkeit. Daher erscheint es hilfreich, sich auf eine entsprechende basale spirituelle Grunderfahrung zu stützen, die auf der existentiellen Interaktion des Menschen mit Gott beruht. Hier wird auf die bislang kaum bekannte Rut Björkman rekurriert, die 50 Jahre ihres Lebens einem intensiven meditativen und existentiellen Dialog gewidmet hat. Ihre persönlichen Erfahrungen bilden den Rahmen der theoretischen Reflexion.


Björkman, Rut
Egozentrik
Gottesfindung
Liebe
Person
Selbst
Selbsterhöhung
Selbstfindung
Selbstvernichtung

KONCSIK, IMRE: Finding God by finding oneself? The philosophical framework of the spirituality of Rut Björkman [RB]. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 3, 229 – 254

An unabridged definition of the relation of autonomy and heteronomy or theonomy of human existence is a theoretically difficult and fundamental topic: If autonomy is overemphasised, the self ends with a psychopathological revolving within and around itself. If theonomy is overemphasised, the identity of the self disappears into arbitrariness and interchangeability. Thus, it seems to be helpful to base oneself on an appropriate essential spiritual basic experience which is founded on an existential interaction between man and God. In this context recourse is made to the almost unknown Rut Björkman who for 50 years in her life attended to an intense meditative and existential dialogue. Her personal experiences provide the framework for this theoretical reflection.


Björkman, Rut
egocentrism
Finding God
love
person
self
self-aggrandizement
self-destruction
self-discovery

ZAHLNER, FERDINAND (†): Fragmente von Forschungsergebnissen und Erklärungshypothesen der Parapsychologie. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 3, 255 – 267

Der Autor gibt einen knappen Überblick zu Ergebnissen der parapsychologischen Forschung und den darauf bezogenen Erklärungshypothesen sowie einen kurzen Hinweis zur Synchronizität und zur Wertung der paranormalen Phänomene.

Animismus
Parapsychologie
Spiritismus
Synchronizität

ZAHLNER, FERDINAND (†): Fragments of research findings and explanatory hypotheses of parapsychology. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 3, 255 – 267

The author gives an overview of the findings of parapsychological research and the relevant explanatory hypotheses, with reference to synchronicity and the valuation of paranormal phenomena.

Animism
parapsychology
spiritism
synchronicity

RUBRIKEN

Aus Wissenschaft und Forschung:
In einer Zeitschleife gefangen
Ritueller Kannibalismus
„Kleine Eiszeit“
Entdeckung der mutmaßlich ältesten Steinwerkzeuge
Von der Alchemie zum Porzellan
„Verjüngung des Gehirns“
Genozid oder Ökozid?
Kosmologische Vorstellungen der Hethiter
Opfertiere industriell gezüchtet
Zweites Stonehenge entdeckt
Autobiografisches Gedächtnis

Paranormologikon:
Böttger, Johann Friedrich

GW 2015/4

LEITARTIKEL

RESCH, ANDREAS: Marienerscheinungen von Beauraing (1932 / 33). Interview mit der Seherin Gilberte Degeimbre. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 4, 351 – 370

Der Artikel bringt eine kurze Geschichte der Erscheinungen von Beauraing in Belgien vom 29. November 1932 bis 3. Januar 1933 an fünf Kinder. Die damals jüngste Seherin, Gilberte Degeimbre, starb am 10. Februar 2015 im Alter von 91 Jahren. In einem Gespräch im Januar 2009 berichtete sie ausführlich über den Verlauf der Erscheinungen. Dieser Bericht ist sehr aufschlussreich für das Geschehen in Beauraing wie auch für Marienerscheinungen an anderen Orten.

Beauraing
Degeimbre, Gilberte
Marienerscheinung
Seher

RESCH, ANDREAS: The Marian apparition of Beauraing (1932 / 33). Interview with the seeress Gilberte Degeimbre. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 4, 351 – 370

The article gives a short history on the apparitions of Beauraing in Belgium between November 29, 1932, and January 3, 1933, in which five children were involved. The youngest seer at that time, Gilberte Degeimbre, died on February 10, 2015, at the age of 91. In an interview from January 2009 she gave a detailed report on the course of the events. This report is very informative as to the event of Beauraing as such, but also as far as Marian apparitions in other places are concerned.

Beauraing
Degeimbre, Gilberte
Marian apparition
seers

RESCH, ANDREAS: Teresa von Ávila. Ordensgründerin, Mystikerin und Kirchenlehrerin. Zum 500. Geburtstag. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 4, 291 – 328

Wie die angeführte Darstellung der religiösen und mystischen Erfahrungen der hl. Teresa von Ávila zeigt, fügen sich dieselben vollkommen in die vom Autor aufgestellte Struktur der Bewusstseinszustände religiöser Erfahrungen ein, zumal die von Teresa beschriebenen religiösen und mystischen Erlebnisse beim Aufbau dieser Strukturierung wesentlichen Anteil hatten. Ihre diesbezüglichen Schriften gehören nämlich nicht nur dem Inhalt nach, sondern auch der Form nach zur bedeutendsten Dokumentation seelischer und geistiger Erlebnisse in der Literatur als solcher. Dies kommt im Beitrag bei der psychologischen Strukturierung der Aussagen der hl. Teresa durch Aneinanderreihung der betreffenden Texte in einmaliger Form zum Ausdruck.

Biokömese
Biostase
Ekstase
Glückseligkeit
Luzidität
Mystik
Pneumostase
Protobewusstsein
Psychostase
Schauung
Thanatose
Trance

RESCH, ANDREAS: The 500th anniversary of Teresa of Ávila – Foundress of the Discalced Carmelites, mystic and Doctor of the Church. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 4, 291 – 328

The detailed description of the religious and mystical experiences of Saint Teresa of Ávila shows that these completely fit into the states of consciousness system of religious experiences drawn up by the author, especially as the religious and mystical experiences described by Teresa had an essential share in the construction of this system. Her corresponding writings are part of the most important documentation of mental and spiritual experiences in literature as such, not only as far as the content is concerned but also with regard to its form. This is expressed in this paper in a unique way in the psychological structuring of Teresa’s statements by stringing together the relevant texts.

biocemese (franz.)
biostasis
blessedness
ecstasy
lucidity
mysticism
pneumostasis
protoconsciousness
psychostasis
thanatosis
trance
vision

SCHMIDT, JOSEF: Der Stern von Betlehem als Supernova des Jahres 5 vor Christus (zu Mt 1,1-2,18; Lk 1,26-2,20 und Joh 1,3-5). Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 4, 329 – 350

Eine Supernova, die im März des Jahres 5 vor Chr. im Sternbild des Adlers entdeckt worden war und fünf Monate lang sichtbar blieb, erregte in der römischen Provinz Syrien er­hebliches Aufsehen. Der damalige Statthalter erklärte den neuen Stern zum Stern des Augustus und machte ihn als solchen auf seinen Münzprägungen bekannt. Vier Jahrzehnte später stellten die Christen Antiochiens fest, dass sich der Stern seinen irdischen Betrachtern genau in dem Monat entzogen hatte, in welchem Maria ihren Sohn Jesus empfing. Als ein von Gott selbst gesetztes kosmisches Zeichen, das der Ankunft Jesu Christi unmittelbar vorausging, ist die Supernova des Jahres 5 vor Chr. nicht nur in den Kindheitserzählungen des Matthäus und Lukas, sondern sogar im Prolog des Johannesevangeliums präsent.

Geburtsjahr Jesu
Kindheitserzählungen
Prolog des Johannesevangeliums
Quinctilius Varus
Stammbaum Jesu
Stern von Betlehem
Supernova des Jahres 5 vor Chr.

SCHMIDT, JOSEF: The star of Bethlehem as supernova in 5 BC (cf. Mt 1:1-2:18; Lk 1:26-2:20, and Jn 1:3-5). Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 4, 329 – 350

A supernova that was discovered in the constellation of the Eagle in March of the year 5 BC and remained visible for five months caused a stir in the Roman province of Syria. The then governor declared the new star the star of Augustus and made it publicly known as such on his coinage. Four decades later the Christians of Antioch realized that the star had escaped the attention of his earthly observers just in the one moment in which Mary conceived her son Jesus. As a cosmic sign placed by God Himself, which immediately preceded the arrival of Jesus Christ, the supernova of the year 5 BC turns up not only in the accounts of Jesus’ childhood by Matthew and Luke, but even in the prologue of John’s Gospel.

Childhood accounts
genealogy of Jesus
prologue of John’s Gospel
Quinctilius Varus
star of Bethlehem
supernova of the year 5 BC
year of birth of Jesus


 








 







 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch